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Die Stimme · 1928-04-19 · Heft 16 (19.4.1928) · page 10

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 16 (19.4.1928)
Date
1928-04-19
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 DIE STIMME Nr. 16 Ifltf« Ta*chcnuhr-Reparatur Ohn« Bruch bei 1 -jähriger i Garantie MH U Wien, IX., Liechtensteinstraße 30 | wr Wien, IX., Berggasse 3/4a | Uhren- und Antlqultäten-KHnik, Optische Werk- | statte. Reklameatelier. | Alle einschlägigen Reparaturen und Neuanschaffungen § 2u konkurrenzlosen Preisen. | lllllUilliyilllllllllllllllllllllllllllllll||LI||,|||i'lj'ii'i'i'»'iim»iiminiiiii'»mn»imiiminiiiiiininiiiiiiiiiimii? S 3’50 die vor einigen Jahren von der zionistischen Organisation begründet wurde. Der Lehrer dieser Schule ist der einzige Jude in dieser durch ihren Haß gegen Fremde bekannten Stadt. Die Samaritanerinnen sind klein und unansehnlich; diese körperliche Schwäche erklärt sich vielleicht durch den großen Mangel an Frauen, unter dem die Männer — fast ausnahmslos schön, stark und groß gewachsen — zu leiden haben. Kommt doch nur auf jeden vierten Mann eine Frau! Weil die Samaritaner auf die Erhaltung der Reinheit ihrer Rasse sehr achten und andererseits die Ehe mit mehreren Gatten strenge verboten wurde, ist es nicht verwunderlich, daß die meisten Männer weit über 30 Jahre alt sind, bevor sie — nach dem Tode eines ihrer Stammesgenossen — eine Witwe heiraten können. ... Am Brunnen Jakobs vorbei setzen wir unseren Marsch zum Berge Gerisim fort; tausende Fremde sind dort schon versammelt. Steinblöcke hat man zu Sitzgelegenheiten zusammengetragen. Hier liegen sieben Lämmer gebunden, zum Opfer bestimmt, dort bereitet man Mazzoth, indem ungesäuerter Brotteig, in platten Körben am Kopfe getragen, der Sonne zum Backen ausgesetzt wird — genau so, wie es nach den Schilderungen der Hagadah unsere Vorfahren taten Noch kann man bei den Samaritanern, die nur arabisch sprechen, „Andenken" kaufen oder ein Nachtlager mieten, denn noch ist es Werktag. Sobald alber die Sonne unter den Horizont taucht, beginnt auch schon das Fest. Der Hohepriester und ein Vorbeter beigeben steh zum steinernen Altar. Die Männer tragen weiße Kittel, mit Goldstickereien verbrämt. Stehend, kniend und auf der Erde sitzend beginnt man zu beten, zuerst leise, dann immer lauter und lauter; manchmal erhebt sich das Gebet wie ein Freudenschrei, dann wieder erschrecken uns schrill hervorgestoßene Töne der inbrünstig Betenden. Lärm und monotones Gemurmel wechseln ab. Man schächtet die Tiere, während samaritanische Texte zu ara. bischen Melodien gesungen werden. Jetzt wird siedendes Wasser gelbracht; man übergießt die Lämmer damit, schabt mit Messern die Wolle und Haut ab, steckt das Fleisch an die Bratspieße und bringt sie in die Glutbeoken, welche .in holzgefüllten Erdlöchern vorbereitet sind. Man betet und dreht ständig den Spieß und läßt so das Fleisch bis Mitternacht rösten. Nun versammeln sich alle und, in Gruppen auf Matten hingelagert, beginnen sie die Lämmer zu verzehren, nachdem sich jeder ein Stück Fleisch mit seinen Händen losgerissen hat. Weder Gabel noch Messer werden verwendet. Endlich werden Haut, Knochen und Eingeweide geopfert. Die Feuer verlöschen und man sucht die Ruhestätte auf. Erst nach acht Tagen kehren die Samaritaner nach Sichern zurüok. Die Fremden aber brechen wieder auf, sobald die Sonne am Firmament aufsteigt. Sie ziehen in unzähligen Gruppen ins Tal, welches in jungem Grün, von Millionen Blumen bunt durchwirkt, frische Düfte ausatmet und so auf seine Weise Jehova Dank entbietet. Die Samaritaner; Ein samaritanischer Gelehrter in Nablus (dem! einstigen Sichern). mW- , < % iil /Mti '*A ‘'JwMmMm HHü mm WMmß Jlll! WM Miszellen Das Wohnrecht der Juden in Erez Israel. lim „Haarez" wird der Leiter der Immigrationsalbteilung der Regierung, Mr. Hytamson, heftig angegriffen, da er sich fortgesetzt schwere Verletzungen der jüdischen Ansprüche auf das Wohnrecht in der neuen Heimat erlaube, Das Blatt erwähnt den Fall eines jungen buoharischen Juden, der von der palästinensischen Küste zurück wieder -nach Rußland fahren mußte, obwohl er dort inhaftiert war und aus dem Gefängnis auf das Sdhiff floh und in Palästina seinen Vater hat. Auch das Lehrerseminar in Jerusalem hatte bereits seine Zustimmung erteilt, den jungen Mann als Schüler lanzunehmen und bemühte sieih gemeinsam mit der Zionistisdben Exekutive um die Genehmigung der Einreise, Herr Hyamson aber blieb taub. Herrn iHyamson, schreibt das Blatt weiter, genüge es anscheinend nicht, daß die jüdische Einwanderung nach Palästina fast vollständig aufgehört habe. Er fühle sich wdhl verpflichtet, die Tore des Landes hermetisch zu verschließen und erstrebe, daß die 'Einreise für Juden nach Palästina um ein Vielfaches schwieriger werde als während des Zarenregimes nach Moskau. Das Schulwerk der Zionistischen Organisation in Palästina. Obwohl der Beitrag des Keren Hajessod für die dem Erziehungs-Departement der Zionistischen Palästina-Exekutive unterstehenden Schuten gegenüber dem vorigen Jahr um Pfund 21.000 auf Pfund 53.000 reduziert worden ist, weist sowohl die Zahl der Schulen wie die der Schüler eine Zunahme auf. Die Zahl der Schulen stieg von 194 auf 220 — 87 Prozent aller jüdischen Schulen Palästinas unterstehen der Aufsicht der Zionistischen Palästina - Exekutive — und die der Schüler von 18.159 auf 18.611, Stark gestiegen ist die Zahl der Kindergärten, nämlich von 86 auf 11t und der sie besuchenden Kinder von 3442 auf 4030. Die Zahl der Lehrer ist um ein geringes zurückgegangen, von 741 auf 727. -Von den Schülern besuchen 30 Prozent die Misrachischulen, 7 Prozent die Schulen der Arbeiterorganisation und 63 Prozent die gewöhnlichen Schulen vom normalen Typ, * Laut dem „Dawar" soll die Anglo - Palestine - Company gewillt sein, Hypotheken auf unbelastete Häuser in Tel- Aviv zu gewähren, falls deren Eigentümer diese Gelder in Orangenpflanzungen investieren. Damit soll der jetzt neuerlich einsetzenden Bodenspekulation mit für Orangenpflanzungen geeigneten Böden, besonders im Pflanzungsgürtel Tel-Aviv—Rechoboth, die Spitze geboten werden. * Die Palästina-Regierung hat ein beratendes Komitee für Angelegenheiten von Handel und Industrie ernannt, das sich aus dem Schatzmeister der Regierung, den Direktoren der Departments für Handel und Landwirtschaft und dem Vizedirektor der Palästina-Eisenbahn zusammensetzt. Das Komitee hat die Instruktion erhalten, sich aus den Reihen der Kaufleule und Industriellen zu ergänzen, und in besonderen Fällen von Personen des öffentlichen Lebens Material einzuholen. * Laut dem „Commercial Bulletin“ haben Import wie auch Export Palästinas im Jahre 1927 die des Jahres 1926 überstiegen. Die Importzahlen sind allerdings nur formell, da sie nicht nur den Warenimport betreffen, und im Jahre 1927 in- I BÜCHERSTUBE M. RATH 1 j| II. TABORSTRASSß 20a, TELEPHON 43-1-58 Ü •i « « - j* \\ MODERNE LITERATUR / WISSENSCHAFT :: M JUGENDSCHRIFTEN / JUDA1CA UND HEBRAICA \\ ••••••••••••••*••••«#•••••••••••taiiiai«••••#••#•••••••••••••••#•*•••••■•••••••• folge der Einführung der neuen palästinensischen Währung ein größerer Import von Münzen statlgefunden hat. Insgesamt betrug der Import im Jahre 1926 rund 6,470.000 Pfund und 1927 ca. 6,514.000 Pfund, der Export 1926 rund 1,275.000 'Pfund und 1927 ca. 1,861.000 Pfund. * Die Zionistische Palästina-Exekutive und die Hauptbüros des Keren Kajemeth und Keren Hajessod haben für die p älastinensischen Architekten einen We ttbew e.r.b für den Plan eines Bürohauses ausgeschrieben, das in Jerusalem auf dem Boden des Nationalfonds für die erwähnten Institutionen errichtet werden soll. Die Vorschläge sind bis zum 1. Juli einzureichen. Mit dem Bau des Keren Kajemeth- Hauses soll im Oktober begonnen werden. * Der italienische Kronprinz Umberto, der letztens in Palästina weilte, empfing Miss Henriette Szold, Mitglied der Zionistischen Exekutive und unterhielt sich mit ihr sehr eingehend über die jüdische Aufbauarbeit in Palästina, Der Prinz brachte allen mit dem Aufbau zusammenhängenden Fragen großes Interesse entgegen. Prinz Umberto hat Palästina über Haifa verlassen. Am 6. April ist der hervorragende belgische Arbeiterführer und frühere Außenminister Emii'le Vandervelde in Jerusalem eingetroffen. Er ist hier Gast des Vorsitzenden der Zionistischen Exekutive, Colonel K i s h. * Prozessor Evans, der Vizepräsident der Londoner Geo.loigiisc.hen Gesel'lschialft, teilte in einer am 29. März an der hebräischen Universität in Jerusalem igehaltenen Vorlesung mit, daß er einen Apparat erfunden habe, der ein Erdbeben mehrere Stunden vor dfessen Eintreten anzeigt. Die Palästina-Regierung hat 12 solcher Apparate bestellt. Die jüdische Gemeinde I I Q Die 60-Groschen-Demokratie der Kultusstube Von Dr. Leo Goldhammer. Theodor Herzl hat vor mehr als einem Vierteljahrhundert die Kampfparole der Eroberung der Kultusgemeinde ausgegeben; sie bedeutet die Umwandlung der Kultusgemeinde in eine Volksgemeinde, d. h. die Kultusgemeinde soll derart ausgestaltet werden, daß sie als die organisierte jüdische Gemeinschaft vor allen staatlichen Institutionen und Behörden legitim die gesamten jüdischen Interessen, welcher Art und Natur sie auch immer sein mögen, vertreten kann. Diese Forderung ist nicht die Konsequenz bloßer abstrakt-theoretischer Erwägungen, sondern sie ist die naturnotwendige Folge der vollkommen geänderten Verhältnisse, unter denen die Juden in den letzten Jahrzehnten überall leben. Während man allgemein bis zur Entstehung des politischen Zionismus unter Betätigung des Judentums bloß das Leben in der Synagoge und in einem ganz engen Kreis um dieselbe verstand, ist seither eine Unzahl neuer Fragen, neuer Probleme aufgetaucht, ist der Judenheit ein neues Ziel gesetzt worden, dessen Erreichung heute dringender denn je ist. Der allgemein zu beobachtende Abbröckelungsprozeß, der sich in dem ungeheuren Anwachsen der Austritte, Taufen und Mischehen äußert, der in dem fast vollständigen Schwinden des natürlichen Zuwachses, hervorgerufen durch die eigenartige Siedlungsform, durch die Abnahme der Eheschließungen und das hohe Durchschnittsalter der Eheschließenden, Ausdruck findet, die immer mehr vor sich gehende Depravierung der jüdischen Wirtschaft haben es bewirkt, daß die Judenheit in ihrer Majorität Abhilfe nur aus eigenen Kräften erwartet und sich nicht mehr auf Versprechungen gewisser politischer Parteien und Gruppen, noch viel weniger auf die staatlichen oder städtischen Organe zu verlassen gewillt ist. Diese heute brennenden Fragen und Probleme können nicht ausschließlich Sache derjenigen sein, die wirtschaftlich und sozial gut situiert sind, sondern müssen mit Hilfe gerade derjenigen gelöst werden, die eben durch die erwähnten wirtschaftlichen Erschütterungen nicht in der Lage sind, einen materiellen Beitrag zur Bestreitung des Gemeindehaushaltes beizubringen. Dadurch, daß heute nur der direkte Steuerzahler in den Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde mitzusprechen berechtigt ist, ist für eine kleine Zahl der Gemeindemitglieder eine Art „politische Misrachwand" geschaffen, ist jener verderbliche Zustand hervorgerufen, der breite Schichten der Judenschaft bei den Wahlen stumm sein läßt, die in der Folge jedes Interesse an der Gemeindeverwaltung verlieren. Der Standpunkt der heutigen Majorität in der Kultusgemeinde ist ein vollständig begreiflicher: Jede herrschende Partei hat ein Interesse an der Erhaltung ihrer Macht und sieht neue Steuerträger, die dem demokratischen Prinzip anhängen und sich daher gegen die erbeingesessenen Positionen richten, nicht gerne; sie sind daher bestrebt, die „kleinen Männer" überhaupt nicht zur Steuerleistung heranzuziehen, um auf diese Weise das Gemeindewahlrecht zum Privileg der heute die Judengemeinde beherrschenden Schichten zu erheben. Die Juden sind aber, seitdem im Jahre 1907 das allgemeine, gleiche und geheime Wahlrecht dem österreichischen Bürger gewährt worden ist und seitdem in den Nachkriegsjahren dieses Wahlrecht noch eine weitere demokratische Ausgestaltung erfahren hat, mündig geworden und wollen keineswegs mehr hinter jenen zurückstehen, denen Bund und Stadt dieses primitivste Recht zugestanden haben. Es ist ein ganz vergebliches Unterfangen, beim Aufschwung, den die Demokratie in den letzten Jahren erfahren hat, dieses fundamentale Recht der Teilnahme an den Wahlen in die Vertretungskörperschaften mit dem Argument der Steuerfreiheit anzufechten oder dem der Steuerleistung zu begründen. Das sieht, die Majorität wohl schon ein und schafft sich daher Argumente, die aber ebensowenig stichhältig sind, wie die früheren, von ihr gebrauchten, Es könnten, heißt es zunächst, Elemente in die Kultusstube einziehen, die kein Interesse am Judentum haben und daher das bereits Geschaffene zerstören. Wir wollen davon ganz absehen, daß es nutzlos wäre, mit der nackten Gewalt Probleme lösen oder mit rein diktatorischen Mitteln Fragen beantworten zu wollen. Wenn die von der Majorität gehegten Befürchtungen tatsächlich berechtigt wären, so bliebe nur eines zu tun übrig; durch geeignete Propaganda und mit reinen Mitteln die jüdische Oeffentlichkeit auf diese Personen oder Gruppen aufmerksam zu machen. Solchen Argumenten waren die Juden immer zugänglich und werden es auch diesmal umso eher sein, als sie bereits dank der von den Zionisten geleisteten Aufklärungsarbeit begreifen, was die Kultusgemeinde als Volksgemeinde für sie bedeutet und bedeuten kann. Wir besitzen, sagt die Majorität weiter, ja ohnehin ein „fast allgemeines" Wahlrecht, da jeder einzelne dieses erlangen kann, wenn er den lächerlich geringen Betrag von 60 Groschen, die Minimalsteuer, erlegt. Die Nichtbezahlung dieser geringfügigen Summe ist ein Beweis dafür, welch geringes Interesse bei diesen Gemeindemitgliedern an den Kultusgemeinde-Angelegenheiten bestehe. Wissen unsere Kultusgewaltigen nicht, daß die Bezahlung dieses wirklich geringfügigen Betrages nicht auf Interesselosigkeit zurückzuführen ist, sondern darauf, daß sich jeder einzelne dieser Menschen sagen muß, daß wohl der freiwillig erlegte Steuerbetrag nur 60 Groschen beträgt, daß aber bei der ersten ordentlichen Bemessung im nächsten Jahre (Voraussetzung für das Wahlrecht ist die zweijährige Steuerleistung) ihm ein Vielfaches desselben vorgeschrieben werden wird? Das Steuerzahlen wird immer und überall nicht besonders angenehm empfunden, und das Warten der heutigen Kultusgewaltigen darauf, daß die Gemeindemitglieder sich quasi darum reißen sollen, Steuern zahlen zu dürfen, hieße einen idealen Zustand abwarten wollen, der, wenn überhaupt, so doch nicht dadurch wird herbeigeführt werden können, daß man in dem einzelnen jedes Interesse an dem Gemeindeleben infolge des herrschenden Wahlsystems erstickt. Wirkliche, den Verhältnissen des einzelnen entsprechende Beiträge zum Gemeindehaushalt kann die Kultusgemeinde nicht bekommen, solange sie bloß auf dem am Papier festgesetzten Zwange beruhen. Erfahrungsgemäß stellt sich immer Interesselosigkeit, ja sogar Feindseligkeit ein, wenn den Pflichten nicht gleiche Rechte beigesellt werden. Wenn im Steuerpunkte nachgegeben würde, meint die Mehrheit, sei zu besorgen,

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