Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1 (1928)
- Issue
- Heft 16 (19.4.1928)
- Date
- 1928-04-19
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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6 DDE STIMME Nr. 16 Zentrale IX, Berggasse 19, Tel. 17-3-99 u. 16-9-34 Lieferant für Heilanstalten, Abteilungen für T£?2-Plaisclt unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinats der Israelitij sehen Kultusgemeinde Wien IX, Berggasse 15 XVIII, Währlrigerstraße 97 Zum Präsidenten der Landesorganisation der ungarischen Zionisten wurde Dr. Leopold 0 s z t e r n, zum Vizepräsidenten Dr. Josef Schönfeld gewählt. Der bisherige Leiter der ungarischen zionistischen Bewegung, Niszon K a h a n, hat eine Wiederwahl abgelehnt. Zum Präsidenten des mit dem Pro-Palästina-Verband gemeinschaftlich arbeitenden Keren- Kajemeth-Landeskomitees, das die eigentliche praktische zionistische Arbeit in Ungarn leistet, wurde Univ.-Professor Josef Pfeifer, zum Vizepräsidenten Bela Szekely gewählt. Für die Vereinheitlichung der zionistischen Organisation Polens. Das Zentralkomitee der Zionistischen Organisation in Polen hat in seiner soeben abgehaltenen Sitzung beschlossen, für den 22. April nach Lodz eine gemeinschaftliche Konferenz der zionistischen Zentralkomitees Warschau, Krakau, Lemberg und Wilna einzuberufen, die einen 0 b e r r a t der Zionistischen Organisation ganz Polens zu wählen haben wird. (Ein solcher Oberrat hat bereits früher bestanden. — Die Red.) Diese gemeinschaftliche Konferenz wird in der Presse als ein entscheidender Schritt für denVestlosen organisatorischen Zusammenschluß der zionistischen Bewegung in der polnischen Republik angesehen. Ein Monument für Baron Hirsch In der Stadt Bahia Bianca in Argentinien wird — wie vom Hauptbüro der JCA mitgeteilt wird — im Rahmen der Feier des hundertjährigen Bestandes der Stadt ein Denkmal für Baron Hirsch, den Begründer der jüdischen Kolonisation in Argentinien, enthüllt werden. Die Kosten des Monuments wurden durch eine Subskription, die von der jüdischen Gemeinde der Stadt eingeleitet worden ist, aufgebracht. An der Aufbringung der Summe haben sich die jüdischen Kolonisten stark beteiligt. Kleine Nachrichten Von 2415 Juden, die sidh 1926 in der Ukraine auf dem Lande angesiedelt haben, verlassen jetzt — wie die Moskauer jiddisch-kommunistische Tageszeitung ,,'Emess” mitteilt — 37 Prozent die Kolonien, unter ihnen 540 jüdische Neusiedler aus dem Distrikt Krivojrog. * Der Präsident der jüdischen Gemeinde von Moskau, Rechtsanwalt Isaac Urisoa, der izuletzt als juristischer Sachverständiger im Rechtsinstitut der Sowjetretgierung tätig -war, ist von der politischen Polizei ,(iG. P. U.) verhaftet worden. Die Gründe dieser Maßnahme sind nicht bekannt. (Urison hat siah nie zionistisch betätigt, so daß auch dieser Grund wegfällt.) * Die Moskauer j'iidisahe Gemeinde hat den in Gharkow lebenden Rabbiner *M i 1 e i.k o v s k i zu ihrem Oberrähbiner gewählt. Der Antisemitenführer Zelea Codreanu, der vor zwei Jahren den Jassyer Präfekten Manciu als angeblichen Beschützer der Juden erschossen hatte, dann freigesprochen und als Nationalheld gefeiert wurde, hat vor einigen Tagen in Jassy den Antisemiten Ingenieur B e j a n, mit dem er wegen der Verwaltung des Hauses der christlichen Liga einen Streit hatte, in Gemeinschaft mit fünf Studenten überfallen und ihn durch Keulenschläge lebensgefährlich verletzt, Die Ratskammer des Strafgerichtes Jassy beschloß nach längerer Beratung, Zelea Codreanus und seine fünf Genossen verhaften zu lassen, * In Zagreb hat sich eine neue Loge des Unabhängigen Ordens, Bnei Brith, konstituiert. Präsident ist Dr. Milan •Schwarz. Die Loge führt den Namen ,,Zagreb“ und ist neben der 1911 .gegründeten Loge „Srbija1* in Belgrad die zweite Bnei Brith-Loge in Jugoslawien. 4 Auf Vorschlag des Kultusministers hat König Alexander von Jugoslawien folgende jüdische Persönlichkeiten durah Verleihung hoher Orden ausgezeichnet. Der Großrabbiner des Königreiches Jugoslawien Dr. Isac A1 k a I a y und der Präsident der sephard. Gemeinde in Belgrad Dr, Sp-loanon Alkalay erhielten den Weißen Adlerorden V. Klasse, der Sekretär des jüdisahen Gemeinidebundes und Handelsakademie direkter Ivan K ob n den Heiligen Savaorden III. Klasse. * In Antwerpen verstarb Dr. Ladislaus Herz, einer der Führer der belgischen Juden. Jahrelang war er der Vorsitzende der belgischen zionistischen Föderation. Die herrlichsten Frühjahrs- Modelle aus edlem Material, feinst ausgeführt, in noch nie dagewesener Auswahl. Be- SchuhmodenhdUS kannt seriöse niedere Preise MJ CZ?Z2 II, Taborstraße 8 a t An unsere p. t. Abonnenten! Rückständige Bezugsgebühren sind einzuzahlen; Für Oesterreich au! Postsparkassen. Konto D - 113.546. Für Jugoslawien au! Postsparkassen-Kto. 40.879. Für die Tschechoslowakei auf Postsparkassen. Konto 500.230. Für Polen auf Postsparkassen - Konto 191.199. Für Rumänien an die Banca d‘Est auf Konto „Die Stimme“. Nach Ablauf der Bestellfrist nicht abgemeldete Abonnements gelten als verlängert. Das offizielle Organ der tschechischen Zionistischen Organisation „Zidovske Zpravy" in Prag beging in diesen Tagen das Jubiläum seines zehnjährigen Bestandes. Es ist die einzige zionistische Zeitung in tschechischer Sprache Aus Anlaß des Jubiläums erschien eine reich ausgestattete Festnummer. * In seiner Geburtsstadt Venedig wurde eine Gedenkfeier für den im vorigen Jahre verstorbenen berühmten Staatsmann Luigi Luzzat ti abgehalten, bei der Mitglieder der italienischen Regierung, des Senates und des Parlamentes teilnahmen, Gedenkreden hielten dev Bürgermeister der Stadt und Finanzminister V o 1 p i. Zum Schluß wurde eine von dem bekannten Bildhauer Franco geschaffene Büste Luzzattis enthüllt, Österreich Zahlet den Schekel! Das Zionistische Landeskomitee für Oesterreich erläßt folgenden Aufruf: Zionisten! Die Exekutive hat die Monate April und Mai für die Schekel-Propaganda bestimmt; die Zionisten Oesterreichs haben also jetzt ihre Schekelpflicht zu erfüllen. In unserer Landesorganisation geht es gut vorwärts. In den letzten Monaten wurde eine Anzahl von Sektionen reaktiviert und leistet rege Arbeit; es wurde der Zionistische Jugendverband geschaffen; die einheitliche Zusammenfassung der Studentenschaft wurde hergestellt; die Gründung des österreichischen Pro- Palästina-Komitees hat die Position des österreichischen Zionismus nach außenhin gestärkt; die gute Entwicklung der Zeitschrift „Palästina“ und des seit Beginn dieses Jahres erscheinenden Wochenorgans „Die' Stimme“ beweisen, daß die jüdische Oeffentlichkeit uns in immer stärkerem Maße beachtet. Diese auf der ganzen Linie zu beobachtende Belebung der zionistischen Arbeit muß für jeden einzelnen Zionisten ein Ansporn sein, dafür zu sorgen, daß die österreichische Zionistenschaft bei dem nächsten Kongreß im Jahre 1929 in der ihrer gesteigerten Arbeit und Bedeutung entsprechenden Zahl vertreten sei. Um diese unseren Leistungen entsprechende Vertretung zu erlangen, müssen wir in diesem und im nächsten Jahre unserer Schekelpflicht voll und ganz nachkommen. Denn von der in beiden Jahren aufgebrachten Zahl der Schekel hängt die Stärke unserer Kongreßdelegation ab. Daher richten wir an euch, österreichische Zionisten, die dringende Aufforderung: Zahlet den Schekel, werbet für den Schekel, sichert eine imposante Vertretung Oesterreichs auf dem nächsten Kongreß! Das Zionistische Landeskomitee für Oesterreich, MILLINGER*^ Wiener Heilteemischungen bei Zuckarkrankhult, dallan-, Nlaran-, Blaaanstalnan und Maganlaldaa sind vorzüglich. Preis per Paket S 8-30. Postversand. JWIejjtviijLacj^^ Hermann Plaschkes — 70 Jahre alt Vor kurzem feierte der frühere Bezinksrat der Wiener Leopoldstadt Hermann Plaschkes seinen 70. Geburtstag. Seit langem in der jüdisoh-nalianalen »Bewegung tätig, gründete Rliasdrkes im Jahre 1(893 gemeinsam mit Dr. Hermann Kadis oh eine jüdische Gruppe innerhalb der von ’Kronawetter geführten demokratischen Partei. 1897 gründete er gemeinsam mit Vertretern der jüdisch-nationalen Verbindungen „Kadimah" und „Unit/as“ und einigere hervorragenden Juden den Jüdisahen Volksverein in Wien. Die zwischen der Zionistischen Organisation, welche anfangs der nationalen Landespoiitiik gleichgültig gegenüberstand, und' dem Vol'ksverein bestehenden Differenzen wurden unter Mitwirkung Theodor Herzls ausgeglichen, von da ab (kämpfte Hermann Pl/aschkes in den (Reihen der Zionisten und ist einer der aktivsten Mitarbeiter in der Bewegung. Wochen-Kalender April 1928 Gedenktage rrsnn 19 Donnerstag 1903 — Pogrom in Kischinew. Nissan 7DM 29 — fcs 20 Freitag 1896 — Baron Moritz Hirsch, der Begründer der jüdischen Kolonisation In Argentinien, gestorben. 30 — Roscb-chodesch 21 Samstag 1870 — Prof Wolfgang Wessely in Wien gestorben. l|.r - “pX 1 — K Neumond-Sabbat Haftarahs Kau omar 22 Sonntag 1646 — der Dramatiker Hugo Lubltnerln Breslau geboren. n 1 CM 23 Montag 3 - 2 24 Dienstag 1862 — der,bedeutende Schau Spieler Rudolf Schildkraut in Konstanttnopel geboren. 1920 — Bestätigung der Balfour- Deklaration auf der Konferenz von San Remo. r 1 25 Mittwoch 1842 — der Orientalist und neuhebräische Dichter Salomon Mandelkern in Mlynow (Wolhynien) geboren. 5 - n Die Juden im alfeii Wien Ihre Geschichte wird seit Jahrzehnten nun behandelt. Seil den Vierzigerjahren des vorigen Jahrhunderts erschienen mehrere Schriften, die entweder ganz oder partienweise die Geschichte der Juden in Wien zum Gegenstände hatten. Sie waren mehr oder weniger lückenhaft. Gerson W o 11, der Pfadfinder und Wegbereiter auf dem Gebiete Wiener jüdischer Geschichte, hat aus Anlaß des 50jährigen Jubiläums des Seitenstettentempels im Jahre 1876 als erster pragmatisch über „Die Juden in Wien 1156—1876" geschrieben. Vorher schon hatte er in seiner „Geschichte der israelitischen Kultusgemeinde in Wien" dieses Thema behandelt. Das Buch war eine Frucht archivalischer Studien, die Wolf in Wien als erster mit den Hilfsmitteln seiner Zeit eifrig betrieben hat. Dann ruhte die Geschichtsschreibung über die Wiener Judenschaft. Dreißig Jahre später hat die „Historische Kommission der israelitischen Kultusgemeinde in Wien" mit der Herausgabe der „Quellen und Forschungen zur Geschichte der Juden in Deutsch-Oesterreich" begonnen. Als erster Band erschien 1908 „Das Judenbuch in der Scheffstraße", ein Grund- und Setzbuch aus dem alten Wien in der Zeit von 1389 bis 1420. Die damals von der Kültusgemeinde in Angriff genommene verdienstliche Quellensammlung umfaßt nun acht größere Werke. Sie sind für den Forscher und Geschichtskundigen von unschätzbarem Werte und es ist nur die Pause zu bedauern, die seit 1918, beziehungsweise, wenn man das mit Unterstützung der historischen Kommission von Dr. Baron herausgebrachte Buch „Die Judenfrage auf dem Wiener Kongreß" miteinbezieht, seit 1920 eingetreten ist. Nun wird neben diese großkalibrigen Kanonen ein kleines Büchlein von 263 Seiten gelegt: „Die Juden im alten Wien" von Ludwig Bato (Phaidon-Verlag, Wien). Ein Außenseiter, keiner, der zur Zunft gehört, hat es gefertigt. Ja, er kann nicht einmal von sich sagen, was Siegmund Mayer in seinem Buch „Die Wiener Juden" (1917) sozusagen als Rechtfertigung seines Wagemutes anführte: Er sei „mit sehenden Augen durch fast die Hälfte des Zeitraumes selbst hindurchgeschritten". Der Autor des vorliegenden Werkchens ist in Wien ein Fremder. Er hat keinen nennenswerten Zeitraum in Wien erlebt oder erfahren. Ist darum das Buch überflüssig? Dem Forscher bringt es nur wenig Neues, der Historiker wird es nicht vermissen. Aber es ist ein Fehler, zu glauben, daß geschichtliche Bücher nur dem Historiker dienen sollen. Für die Gelehrten, die sich forschend in die Vergangenheit versenken, ist das Büchlein nicht geschrieben worden. Allein, was konnte man bisher all den jüdisch empfindenden Menschen in Wien, welche die Voraussetzungen ihres eigenen Daseins zu begreifen bemüht sind, als historische Lektüre empfehlen? Ich befand mich stets in Verlegenheit, wenn reifere Schüler und gebildete Juden mich darum ersuchten, ihnen eine angenehme und übersichtliche Orientierung über die Juden im alten Wien zu nennen. Wolf ist veraltet, zudem vergessen. Mayer ein Greis, dem man eine Weile lang zuhört, schließlich ermüdet man. Das Buch Batos, das eben vorliegt, ist von diesen Fehlern frei. Es ist modern und lebendig, nicht weitschweifig und geschwätzig wie das Alter, dalpei übersichtlich und durchaus orientierend. Man kann es als gebildeter Laie wie einen guten Roman lesen. Und man liest es auch so, wie ich es wahrnehmen konnte. Man greift darnach und legt es dann nicht mehr aus der Hand. Es regt an, und wer eine Vorliebe für Geschichte hat, wird gerade durch das Buch zum ernsten Studium der Wiener jüdischen Geschichte geführt werden. In anderen Werken findet man umständliche Namens- und Sachverzeichnisse verschiedener Art. Hier fehlen sie und sie dürfen fehlen. Denn die auf den einzelnen Seiten befind liehen prägnanten Inhaltsangaben ermöglichen ein rasches und aufschlußreiches Sichzurechtfinden. Hier seien einige dieser Angaben genannt: Judenpolitik (der Habsburger, fein und sarkastisch!), Jüdische Notabein, Erwerbszweige, Wiener Kongreß, Jüdische Salons, Aufklärungsbewegung, Reformbestrebungen, Assimilation, etc. Wer möchte in Kleinigkeiten kramen? Ob ein Name vc-fehlt, eine Sache nicht klar genug gesagt, eine stilistische Wendung weniger glücklich ist: das ist bei diesem Buche ganz nebensächlich. Solches kommt nur bei wissenschaftlichen Werken in Frage. Hier darf das variiert wer-