Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1 (1928)
- Issue
- Heft 16 (19.4.1928)
- Date
- 1928-04-19
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nf. 16 OIE STIMME Seite 3 die durcfizufiihren Aufgabe der englischen Mandatar macht wäre. Palästina besitzt nach seiner Meinung genügende Ländereien, umjüdische Massen ansiedeln zu können, Ja, Wedgwood geht noch weiter und verlangt sogar eine jüdische Ansiedlmg in Transjordärtien, welches Gebiet er als mit Palästina historisch verknüpft und zusammenhängend betrachtet. Dies alles wären Voraussetzungen, um in Palästina eine starke j üd i s c h e autonome Gemeinschaft zu schaffen, die dann in den 'Bund1 des ensglisdhien Imperiums als selbständiges, jüdisches Palästina-Dominium ausgenommen werden wird. Wedgwood ist überzeugt, daß diese politische Konzeption nicht nur im Interesse der Juden selbst, sondern auch Englands liege. Wenn auch Wedgwood in seiner vorliegenden Aufsatzreihe vor allem das Interesse der englischen Politik vertritt, so ist darin doch seine große Anhänglichkeit und Begeisterung für den Zionismus zu 'fühlen. Denn aus ihm spricht nicht nur der nüchterne Politiker, sondern auch jener edle Vertreter der englischen Anhänger der zionistischen Bewegung, die es gerne sehen möchten, daß England die -ihm von der Geschichte aufgetragene Mission durchführe, ein jüdisches Palästina wieder aufzurichten. In die. sem Sinne ist Wedgwood unter den begeisterten englischen Anhängern der Idee der „Restoration of the Jewish" zu sehen Die Lektüre dieser überaus sympathischen und inhaltsreichen Schrift wäre jedem Freunde Palästinas zu empfehlen. Dr, N. M. Gelbe r. Weizmann über die Sezession der Brandeis-Gruppe Der Rücktritt Dr. Wises* zur Kenntnis genommen — Dr. Wise über die] Gründe seines, Schrittes — Eine Beratung der Opposition Aus New York wird uns gemeldet: Das Administrativ - Komitee der Zionistischen Organisation Amerikas hat den Rücktritt des Rabbiners Dr. Stephen S. Wise von seinen Aemtern im Administrativ-Komitee und im United Palestine Appeal zur Kenntnis genommen, Dr. Wise veröffentlicht eine längere Erklärung, in der er die Gründe seines Rücktrittes darlegt und ausführt, sein Konflikt mit der zionistischen Leitung datiere noch aus der Zeit des XV, Zionisten - Kongresses in Basel her. Er habe sich schon damals gedrängt gefühlt, den Kongreß vor dessen Beendi- KARTONNAGENFABRIK a GELBAND & Co, WIEN IX. Grundlstr. 5 Telephon 19-0-69 beliefert alle führenden jüdischen Firmen mit ALLEN ARTEN KARTONS gung zu verlassen und nach den Vereinigten Staaten zurückzukehren, um dadurch in nicht mißzuverstehender Weise eine Verurteilung der Methoden der zionistischen Führerschaft, die es nicht vermocht hat, die jüdischen Forderungen bei der Mandatarmacht durchzusetzen, anzuzeigen. Die jetzige Politik der zionistischen Führerschaft sei nicht die des Kompromisses, sondern die der Unterwerfung. In der Organisation selbst aber, schloß Dr. Wise, wird ein absolutistisches Regime geführt. Dr« Weizmann erklärte New Yorker Pressevertretern über den Konflikt u. a., daß eine anhaltende Besserung der Lage in Palästina nur bei voller Deckung des vom Kongreß beschlossenen Budgets möglich sei. Seine Arbeit in Amerika beschränke sich jedoch nicht läuf die Aufbringung der Mittel. Eine seiner Hauptaufgaben sei die Bildung der erweiterten Jewish Agency« (Die Jewish Agency-Kommission wird, wie bereits berichtet, innerhalb von zwei Monaten zusammentreten. — Die Red.), Jetzt seien in dieser Sache die letzten Schritte zu tun und er hoffe, daß sie ein günstiges Resultat ergeben werden. Dr. Weizmann erklärte weiter, er verstehe nicht die jetzige Opposition in Amerika gegenüber der zionistischen Leitung. Diese Opposition komme jetzt vor allem in einem Punkte zum Ausdruck, nämlich der Nichterfüllung der Pflichten gegenüber dem zionistischen Budget. Wenn Wolf Ährenkranz (Welwele Zbarazer). lass (Sine aparte Erscheinung ist olne geschmackvolle Kleidung nicht denkbar. Die Datnc, die Wert auf besten Eindruck lest, wird gewiß nur Qualitätsstoffc tragen. Diese müssen dann aber auch allen Anforderungen entsprechen, die Farben müssen haltbar, also waschecht, lichtecht, wetterecht sein. Indanthrenfarbige Stoffe aus Kunstseide, Baumwolle und Leinen erfüllen diese Ansprüche, weil sie von unübertroffener Farbechtheit sind. Lassen Sie sich bei uns die neuesten Muster vorlegen, die gewiß Ihr Gefallen finden werden. Wir versenden gerne unverbindlich Muster in die Provinz. Indanthrenhaus, Wien VII, Hariahilferstraße Nr. 74 b Amerika monatlich 50.000 Dollar mehr für den Keren Hajessod aufbringen würde, wäre die Krise vollständig liquidiert. Die jetzige Tätigkeit beschränke sich auf die Konsolidierung des bisher Geschaffenen, aber er glaube, daß wir bald an eine weitere kolonisatorische Tätigkeit werden herantreten können. Der politischen Situation sehe er mit vollstem Vertrauen entgegen. Die Palästina-Regierung habe während der Krise viel zur Erleichterung der Lage beigetragen. Es wurden nicht alle unsere Wünsche erfüllt, aber immerhin sei dies ein bedeutender Schritt vorwärts. Die Sezession der Brandeis-Gruppe bildet den Gegenstand eingehendster Erörterung in der Presse und in der gesamten jüdischen Oeffentlichkeit. Bemerkenswert ist eine Aeußerung des bekannten Philanthropen Nathan Straus, der sich in dem Konflikt auf die Seite Dr. Weizmanns stellt. Eine Erklärung, in der er besonders die Angriffe von Dr. Stephen S. Wise auf Dr. Weizmann scharf zurückweist, beschließt Nathan Straus mit den Worten: „Wer Weizmanns Feind ist, ist auch mein Feind.“ Etwa dreißig führende Personen der Opposition haben unter Vorsitz von Jacob de Haas eine Bezyska, Sambor, Stryj, Podwoloczyska, Piatra, Konstantinopel, Krakau, Roman (Rumänien), an der Moldau und in Rußland finden; das ist nur eine kleine Auslese aus den Gegenden und Orten, die Welwele sah ...... ■» Brief Nr. 12 (an Me'ir Ehrenkranz). Lemberg, den 16. Juni 1869. Mein Bruder .Mei'r! (Ich hatte wohl noch nie das Glück, einen. Brief von Dir ohne Qual zu lesen — wieil ehern Deine iBriefe unverständlich und unlesbar und wie ein Buch mit sieben Siegeln sind. Scheinbar schaust (Du selbst Deine Schreiberei nie am, sondern bleibst einfach dabei, daß das, was Du einmal zu Papier gebracht hast, die Vollkommenheit selbst ist. .So etwas kann ich mir erlauben, nicht aber Du. Deine Briefe sind wie der Sohar — ich verstehe sie nicht. Wenn Dü keine Zeit hast oder nicht in der Stimmung bist, Deinem Bruder .ein paar Zeilen zu schreiben und es für iDich eine schwere Last bedeutet,, die 'Du gerne los werden möchtest, so tu‘ es doch so wie ich, der ich Dir jetzt, eine halbe Stunde vor Zugsabgang, in aller Eile eine ikurze Mitteilung sende — schreibe doch um Gatteswillen nicht hebräisch. Wer zwingt Dich denn, hebräisch zu schreiben? Willst Du etwa vor mir den Gelehrten spielen? Nun, will ich Dich aufmerksam machen, diaß Dein, Brief ein einziger großer Fehler ist. iNooh bevor ich Dein Schreiben geöffnet habe, entdeckte ich den ersten uind größten. Fehler: die Briefe sollen an (Herrn Oser Rohatyner, für mich, .adressiert werden. Du aber läßt einfach den Brief an Herrn Oser iRobatyner, Lemberg, abgehen, dieser öffnet ahnungslos den Umschlag und ist erst dann in der 'Lage zu Ikonstatieren, daß der Brief für mich ist. Geht das mit rechten Dingen zu? Dann aber geht es erst los mit allerhand Verhaltungen und esoterischen Andeutungen und' Widersprüchen — alles unlogisch, ungrammatikaiisch, weder hebräisch, noch deutsch, noch jiddisch. Hier ist Dein Brief, zeige ihn doch Me'ir Landau oder Leiibisch Horwitz — vielleicht können sie Dir sagen, was Du eigentlich meinst. Du fängst mit der Versicherung an, daß Du vor mir Dein ganzes Herz ausschütten willst, bald darauf aber erklärst Du, daß Du kein Wort vor den Mund bringen kannst. Was sali aber diese Geheimtuerei? Und nun geht es von «neuem mit Verhüllungen und unverständlichen Andeutungen und dabei fallen Ausdrücke, die ich mir in dem iZusaimmenhatnge einfach nicht erklären Ikann. Und weshalb soll ich mich denn eigentlich von diesem Hause ferahalten? Ilst denn ein Mann vom Ehre verpflichtet, in jedem Gasthof, wo er absteigt1, nach der Herkunft des Wirtes zu forschen, ob er nicht — Gott behüte —■ ehedem ein. Hausknecht war und die Wirtin eine Dienstmagd? Wenn es Dein Wunsch ist, daß .ich in Tarnopol ibei Frau .Silz Quartier nehmen soll, hättest 'Du mir .das einfach schreiben sollen und ich hätte Deinen Wunsch ahne weiteres .erfüllt. Welchen Sinn 'hatte es aber, daß Du David »und. seine Frau derart verunglimpft hast? Wann und wodurch haben sich diese Menschen gegen mich versündigt? Wenn Du nun meinst, daß sie mich nicht in entsprechender Weise in .Schutz genommen haben, so magst Du, allerdings recht haben, sie sind! eben Feiglinge und „Parches“ und halben für Freundschaft und1 Wahrhaftigkeit keinen Sinn. Doch warum schreibst Du also, daß „es Zeit ist zu schweigen"? Weshalb ihn schonen? Weil er Gerschons Schwiegervater ist? Und wenn schon? Muß sich ganz Zbarasz von Gerschon einschüchtern lassen? „Zeit zu schweigen", sagst Du? Es war Zeit zu reden, und ihn in gehöriger Form zurechtzuweisen, denn er ist ein unverschämter Lügner und zweifelt wohl selbst nicht, wie kein Mensch in der ganzen Welt, daß das Lied das Kind meiner Phantasie ist, d. h. eines meiner Volkslieder ist. Warum wurde ihm nicht vorgehalten, wie er sich unterstehen’konnte, ein Werk .abfällig zu kritisieren, das von großen Gelehrten und Kennern, von hervorragendsten Autoritäten unserer Zeit, .mit uneingeschränlktem Lob bedacht wurde? Aus Manchester, London und Paris landen Bestellungen meiner Werke „Maikel Noam" ein. Meine Werke sind seit zwanzig Jahren*) fast in der ganzen Welt verbreitet und niemand hat es bisher gewagt, mir Mängel vorzuwerfen. Ein berühmter Hebraist hat meinen „Makel Noam" bewundert und seines Lobes Über mein Werk war kein (Ende, Ein einziges Wort 'bloß hat er beanständet — und hiebei drückte er sich folgendermaßen aus: „Er kann sich schon so etwas erlauben, denn er ist ein geweihter Dichter." „Zeit zu schweigen" — warum? 'Und nun verlangst Du gar, daiß ich Dir meine Lieder schicke. Wie Ikannst Du Dich getrauen, dies Verlangen zu stellen? (Nachdem mein intimster Freund Abraham Nußbaum, dem ich mein vollstes Vertrauen geschenkt, auf dessen Treue ich *) Das erste Werk „Ohason lamoed" ist erst im Jahre 1858 gedruckt worden. Der erste Artikel „Haiver wehiapisseach" erschien im Jahre 1848 im zwölften Heft der „iKocbwe jizohak“. mich verlassen zu (können glaubte, mehr als sogar auf Deine, mein Hab und Gut veruntreut hat — soll ich nun neuerlich eine »Dummheit begehen? A(n Abraham Nußbaum habe ich •eine gründliche Enttäuschung erlebt — nun werde ich keinen Freund mehr halben, Uebritgens befinden sich die Lieder bereits im Druck (bei Reb Berisch Lurie**). Und jetzt sollst Du alles erfahren. Ich schrieb an Abraham Nußbaum und bat ihn, .daß er Dir über meine prekäre Lage nichts erzähle, damit Du Dich nicht ärgerst und Dir keine Vorwürfe machst, daß Du mich 'nach Zbarasz zurüokriefst. Der iGrund war einfach der, daß ich ohne '('Geld) geblieben bin. ‘Idh kam nach Lemberg mit 5 Gulden in der Tasche (und habe mir gelobt, in Lemberg nie mehr aufzutreten, es sei denn vor einer vornehmen Gesellschaft — was aber selten verkommt), idh wollte daher nicht mehr im Hotel wohnen, sondern quartierte mich im Hause des Reb Oser ein, der mich mit Freuden und Fhren, als den Gast seines Hauses, empfing. (In Lemberg hatte ich 25 'Gulden Schulden. 25 Gulden 'brauchte ich für die Reise nach Warschau, wertn idh nicht einige Tage in Kralkau verbleibe, das sind zusammen 50 Gulden. 20 Gulden brauchte ich für 'Schuhe, Kleider und andere unentbehrliche Dinge, sind nun schon 70, essen muß man auch, das ergibt also schon 80 oder 90 Gulden — woher nimmt man diese Summe? Ein Herr aus Krakau wollte mich auf seine Rechnung mitnehmen, aber ich. konnte darauf nicht eingehen. So .etwas ist unter der Würde des Welwel Zbaraszer, geschweige denn des Wolf Ehrenlkranz — da kam nun gerade Reb Berisch (Lurie, kaufte mir den jRebbe Reb Bär", die „Kiaoth", dazu den „Bai Teschuwalh", ein meisterhaftes Lied, und das Recht auf den Wiederabdruck des ersten Teiles des „Makel Noam" ab — er gab mir 90 Gulden und ich schlug ein. Reb Oser war freundlich, wie immer, schrieb alles ins Reine, versah es mit der entsprechenden llnterpuniktion — und nun befindet sich das ganze Werk, es heißt „Makel Chowlim", im Druck. 20 Gulden halbe ich bereits verbraucht, um 20 kaufte ich mir Kleider, Schuhe usw., 25 halbe ich für die Reise reserviert, das macht schon 65, 20 Gulden habe ich an Schulden bezahlt, 5 schickte ich Dir — und heute fahre ich mit großen Aussichten und! Hoffnungen nach Krakau und von dort nach Warschau. **} Buchdrucker in Lemberg und Przemysl. Lurie hat im Jahre 1869 „Makel iNoam", Heft 1, das in Wien 1865 erschien, neu abgedruckt. „Makel Chowlim" erschien in Przemysl 1869, wie es auf dem Titelblatt heißt: „im Verlage des Wolf Ehrenkranz".