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Die Stimme · 1928-04-04 · Heft 14-15 (4.4.1928) · page 20

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 14-15 (4.4.1928)
Date
1928-04-04
Page
– (sequence 20)
Language
German
Belongs to
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Seite 20 DIE STIMME Nr. 14/15 Wien I., Helenluvm* sfraBe SVp. 22 Oie beste und billigste Sinhauta» quelle ßinheiis" pveise S 7’—• S 9- <$ 12* Neue jüdische Musik gelangte vor kurzem in Moskau in einem Konzert zur Aufführung, darunter von Alexander K r e i n eine Sonate für Klavier und drei Lieder für eine Singstimme (ohne Text), von Alexander W e p r i k die zweite Sonate für Klavier, „Trauer-Poem" für Bratsche und Klavier, Suite für Violine und Klavier (op. 7) und ein Lied; von Michael G u e s s i n einige Lieder, darunter das „Liedei von dem Mottele" und „Lied der Mariamne“ (ohne Text) aus der Hebbelschen Tragödie „Herodes und Mariamne". Europa-Tournee des Moskauer jiddischen Staats, theaters Die schon lange geplante Tournee des Moskauer jiddischen Staatstheaters durch die europäischen Hauptstädte wird nunmehr in den nächsten Tagen angetreten werden. Die erste Station ist Berlin, wo das Theater durch acht Tage gastieren wird; dann folgen Gastspiele in P r a g. Wie wir erfahren, wird auch wegen eines Wiener Gastspieles der Moskauer Künstler verhandelt. Der französische Senat fördert einen jüdischen Künstler Auf Anregung des auch als warmen Palästina-Freund »bekannten Senators De Monzie hat der französische Senat den in Paris lebenden, aus Galizien stammenden jüdischen Maler Leopold Gottli eb beauftragt, die Porträts einer ganzen Anzahl von hervorragenden Mänmern aus den Kreisen der Politik, Wissenschaft, Kunst und Industrie zu malen. Fol_ gende Männer sollen von Gottlieb gemalt werden: Poincarß, Briand, Herriot, Paul Boncourt, Painlev6, Henri de Jouvenel, Georges Clemenceau, Langevin, Mme, Curie-Sklodowska, Henri Bergson, Focb, Ravel, Strawinski, Picasso, Van Dongen, Albert Benard, Citroen, Coty usw. Die Reproduktionen dieser Bildnisse sollen als Album in einem der größten Kunstverlage von Paris erscheinen. Die jüdische Sonderschau auf der Kölner Presse, ausstellung wird, da die Anmeldungen aus allen Ländern immer zahlreicher einlaufen, wphl eine der interessantesten Abteilungen der Presseausstellung werden. Wie wir erfahren, wird auch die Berliner Soncino - Gesellschaft zur Pflege des jüdischen Buches im Rahmen der Sonderschau eine Ausstel. lung von künstlerisch wertvollen jüdischen Drucken 'bringen. In den Ehrenausscbuß der jüdischen Sonderscha/u wurden aus Oesterreich der Präsident der Wiener Kultusgemeinde Professor Dr. Pick und der Vizepräsident Dr. Löwenh e r z sowie Rabbiner Dr. Grunwald berufen. Zweites synagogales Konzert, Vor einiger Zeit wurde, wie wir bereits berichteten, von den angesehensten Wiener Kantoren und Synagogensängern eine „Konzertgesellschaft für synagogale Musik" gegründet, die sich zur Aufgabe gemacht hat, den Sinn für die in der synagogalen Musik verkörperten original jüdischen Musik zu wecken. Die Vereinigung hat am Chamischa-Assar ihr erstes Konzert im Pazmnnitentempel veranstaltet. — Das zweite Konzert der Gesellschaft findet ebenfalls im Pazmanitentempel, und Ztvar am Rosch Chodesch Ijar, Donnerstag, den 19. April 1928, halb 8 Uhr abends mit zum Teile neuem Programm statt. Das Erträgnis fließt dem Keren Kajemeth, und zwar für den Chajes-Wald zu, Kartenvorverkauf im Büro des Keren Kajemeth, I., Kärntnerstraße 28, in der Buchhandlung Löwit, I., Rotenturmstraße 22, Buchhandlung Rath, II., Taborstraße Nr. 20 a und im Kartenbüro Aida, II., Taborstraße 3. Jüdische Künstlerspiele (im Theater Reklame, II., Prater- Straße 34.) Wochenspielplan: Donnerstag, den 5. April Nachmittagsvorstellung „Fideles Bar Mizwah". Beginn halb 4 Uhr. Von Samstag, den 7. bis Mittwoch, den 11 April die, Komödie „Den Tatens Jingel" mit dem jiddischamerikanischen Schauspieler Harry Rosenfeld als Gast, In diesen Vorstellungen setzt Direktor Isak Deutsch sein erfolgreiches Gastspiel fort, Jüdische Bühne (II., Taborstraße 12. Hotel Stefanie). Wochenrepertoire: Mittwoch den 4. bis Freitag geschlossen. Samstag 7. April (Premiere), Sonntag und Montag abends „B e r a 1 e C h a-z a-z a". Komödie mit Gesang. 3 Uhr: „D i e jüdische Krojn‘‘. Montag, 3 Uhr nachm. „Zurück von jener Welt ohne Visu m". Dienstag 10, April „A n - ständige Menschen". Mittwoch 12. April „Die rumänische Chasene*'. (Hundertste Aufführung.) Beginn 8 Uhr abends. Ende 11 Uhr. Mit Ausnahme Sonn- und Feiertags freier Eintritt. Jüdisches in der Wiener russischen Ausstellung (Regen» bund). Diese von der Gesellschaft zur Förderung der geistigen und wirtschaftlichen Beziehungen mit der Sowjetunion in Gemeinschaft mit der Gesellschaft für kulturelle Verbindung der Sowjetunion mit dem Ausland veranstaltete Aus. Stellung beschränkt sich darauf, die charakteristischesten Erscheinungen des Kultur- und Wirtschaftslebens der Sowjetstaaten herauszugreifen. An jüdischen Leistungen bemerkenswert sind die Inszenierungen des Jüdischen Künstler, theaters in Moskau, von denen sehr interessante Modelle zu sehen sind. Unverkennbar ist die Befruchtung des jüdischen Theaters durch die russische dramatische und szenische Kunst der Stanislawski, Meyerhold, Tairoff und Wachtangow. Haller-Revue im Apollötheater. Die jüngste Haller-Revue heißt „Wann und wo." Man könnte zwar fragen: Warum und wieso, doch es hat keinen Sinn. Die Revue ist ein großer, echter Erfolg und verdankt ihn Ludwig K a i n e r, der die Bilder und Kostüme entworfen hat. Es sind Dichtungen. Was gesprochen und gesungen wird, ist belanglos. Das Getanzte ist guter Durchschnitt; darüber hinaus die Tiller-Girls und das Geschwisterpaar Jütte und John Roper, Professor Wiesenthal versucht — manchmal mit Glück — über den Berliner Ursprung der Revue hinwegzukonferieren. Der Beifall ist stark; es ist erfreulich, daß er mehr von den Händen als von der aus dem Admiralspalast importierten Holzklapper hervorgebracht wird. —tz. Copyright by Joseph Opatovsky, New York (3. Fortsetzung.) RICHTER LYNCH Von Joseph Opatoschu. (Autorisierte Uebersetzung aus dem Jiddischen von Siegfried Schmitz.) Der Sheriff und seine drei Schwäger bogen gegen die Sümpfe zu ab. Sie machten untereinander ab. wenn es ihnen gelänge, den Neger zu fangen, ihn sofort in einer Verkleidung nach Atlanta zu bringen: „Ich werde ihnen beweisen, den Farmern“ — bekräftigte der Sheriff diesen Beschluß — „daß es ein Gesetz gibt, das respektiert werden muß; sie müssen sich darüber klar werden, wozu ein Sheriff im Dorfe ist!“ Das Bellen der Hunde wurde stärker, bösartiger. Sie mußten jemanden angefallen haben. Mc Clur und seine Begleiter sprangen von den Pferden und gingen dem Gebell nach. Im Walde herrschte so dichte Finsternis, daß man auf drei Schritte Entfernung nichts erkennen konnte. Ein Mensch, der hinter einem Baume stand, mußte unbemerkt bleiben, gar, wenn es ein Neger war! Die Taschenlampen flammten auf.!«•«§•••«••«•••• BÜCHERSTUBE H. RATH { 11. TABORSTRASSE 20 a, TELEPHON 43-1-58 ss MODERNE LITERATUR / WISSENSCHAFT jl JUGENDSCHRIFTEN / JUDAICA UND HEBRA1CA!J Hinter einem Baume standen zwei Menschen und versuchten angstvoll, mit Zweigen die Hunde zu verscheuchen, die sich auf sie geworfen hatten. Mc Clur richtete seine Taschenlampe auf die zwei Gestalten: „Ah, du bist es, verdammtes Affengesichtf Sag*, wo Buckert ist — sonst hängen wir dich samt deinem kleinen Bastard an den Baum, neben dem du stehst!“ „Ich weiß es nicht!“ — antwortete die Negerin, an allen Gliedern zitternd. „Wenn sie es nicht weiß, wozu kriecht sie dann im Wald herum, die verdammte Bestie!“ — rief einer der Männer. „Werft ihr die Schlinge um den Hals, dann wird sie reden!“ „Ich bin ihn selber suchen gegangen!“ schluchzte die Negerin. „Willst du reden?“ — einer warf der Schwarzen einen Strick um den Hals. Fred warf sich Mc Clur zu Füßen, küßte seine Schuhe und flehte weinend: „Laß meine Mutter los, meine Mutter ...“ „Laß die Hexe los, die verdammte Bestie soll wissen, daß wir Weiße keine Mörder sind!" — Mc Clur trat auf die Negerin zu und stieß den Knaben fort — „Wer von euch hat Pech bei sich?“ „Ich!“ „Gut, dann wollen wir beide federn und so nach Hause schicken!“ Sie rissen der Mutter und dem Kinde die Kleider vom Leibe, bestrichen beide mit Pech, steckten ihnen Federn an und hetzten mit Johlen. Pfeifen und Händeklatschen die Hynde auf sie. Je lauter die Hunde bellten, um, wie es schien, das Weinen der gehetzten Negerin und ihres Knaben zu übertönen, desto stärker und gellender jammerten beide und heulten wie hungrige Hunde, Der Mond trat aus einer Wolke hervor, ungerührt vom Weinen einer erniedrigten und beleidigten Mutter, gleichgültig gegen das schmerzlich zuckende Herz eines Kindes, das schuldlos litt. Die Mutter nahm den Knaben auf den Arm, tröstete ihn mit Küssen und eilte heimwärts. Sie empfand nicht, daß sie nackt war, sie hörte nicht, wie der Wald erwachte, sie sah nur e i n Bild vor sich: jetzt fangen sie meinen Buckert und werfen eine Schlinge um seinen Hals. Sie weinte bitterlich. Ein Specht klopfte in der Ferne in eintönigem Takt: Tak-tak ..., Tak-tak ..., Tak-tak-tak-takl Müde vom Weinen, hörte Fred dem Vogel zu; das Klopfen war wie Spott und Hohn und in des Knaben Ohren klang es: „Schlag'-schlag*... Schlag* die Armen, schlag4“ 5. In den Sümpfen, die nur selten eines Menschen Fuß betrat, lag im Gebüsch, wo die Wildschweine streiften, ein sechs Fuß hoher Neger. Es war ihm, als hörte er Weinen und Hundegebell. Er sprang auf und öffnete weit die großen schwarzen Augen, deren Augäpfel wie gelbliches Perlmutter glänzten und wie die Lichter eines hungrigen Raubtiers aus den Zweigen funkelten. Buckert wußte, daß der Ort, wo er lag, sicher war, und rechnete in Gedanken aus, daß es, selbst wenn das Dorf wüßte, wo er sich versteckt hatte, mehr als zwei Stunden dauern mußte, bis die Verfolger kämen. Er warf einen Blick nach der Büchse, die am Strauchwerk lehnte, und faßte den Entschluß, sich nicht lebend fangen zu lassen, sondern sich bis zur letzten Kugel zu verteidigen. Ueber seine Tat empfand er keine Reue; er bedauerte bloß, daß er Mc Clur nicht erschlagen hatte; gleichzeitig empfand er dumpf, daß viele Jahre, vielleicht ein ganzes Leben ihm nicht das hätte bringen können, was er in dieser einen Nacht durchlebt hatte: Ein Unrecht, ein schweres Unrecht war seiner Familie zugefügt worden und keiner im ganzen Dorfe hatte davon auch nur Erwähnung getan — ja noch mehr, das Dorf hatte, wie zum Hohn, Mc Clur zum. Kirchenvorsteher gewählt! Pilze mit breiten rissigen Köpfen zogen Bukkerts Aufmerksamkeit auf sich. Er vergaß alles andere und seine Gedanken erfüllte ausschließlich die Vorstellung, wie die Schwämme schmecken würden, wenn sie die Mutter in Butter briete. Das Wasser lief ihm im Munde zusammen. Er riß einen Pilz aus und zerdrückte ihn; dabei wunderte er sich, woher ihm so unsinniges Zeug in den Kopf kam. Dann erinnerte er sich an Carry: sie wehrte sich, stieß, biß* flehte-und dann? .... Traurig blickte Buckert in die undurchdringliche Finsternis. Er glaubte von ganzem Herzen an die er, daß kein Weißer an diesen Gott glaubte und seine Wege ging; daß man mit Ehrlichkeit und Gerechtigkeit nicht weit kommen könne: Mc Clur ist in der ganzen Gegend als Hehler bekannt und der Pastor, Mister Harper, ist jeden Sonntag bei ihm zu Gast. Und der Pastor selber? Das ganze Dorf weiß, daß er in Atlanta eine zweite Frau, eine Schwarze, mit zwei Kindern hat; und er predigt immer wieder, daß nach zehn Uhr abends kein Mädchen mit einem Burschen auf der Gasse sein darf! Und die Leiden der Schwarzen! Buckert bebte vor Wut und schwor Rache: „Wenn ich lebend davonkomme, dann muß das ganze Dorf in Feuer aufgehen!** Pferdegewieher. Buckert griff nach seiner Büchse, zog sich ins Gebüsch zurück und lauschte. Wieder still. Das Quaken der Frösche in den Sümpfen machte die Stille noch deutlicher fühlbar. Stimmen kamen näher, von allen Seiten. Das Quaken erregte ihn; es hinderte ihn daran, festzustellen, woher die Stimmen kamen. Er war sicher, das Wort „Nigger“ gehört zu haben. Während er noch darüber nacndachte, ob das eine Sinnestäuschung war oder ob die Verfolger wirklich so nahe waren, sah er plötzlich einen Hund vor sich. Das Tier stemmte die Hinterfüße auf den Boden und bereitete sich zum Sprung vor. Buckert stand schußfertig, doch instinktiv empfand er, daß der Schuß ihn verraten würde«

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