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Die Stimme · 1928-04-04 · Heft 14-15 (4.4.1928) · page 19

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 14-15 (4.4.1928)
Date
1928-04-04
Page
– (sequence 19)
Language
German
Belongs to
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Nr. 1415 DIE STIMME Seite 19 £eht>wÜ8ch~ftt ieder Wien Vit, fttapiahiltevstvaBe ee I. Stock Telephon 32-3-68 Moderne Miedet* und ‘Binden 1 Hygienische Mieder (nach ärztlicher Vorschrift)! Umstandsbinden! Oeradehalter! Kßrpertomt^ Korrekturen, Ansgleichsmieder (System Hohlwattierung) I S3a50 jede Taschenuhr-Repara- I «ur Ohne Bruch bei 1'jähriger 1 Garantie I § A Wien, IX., Liechtensteinstraße 30 | | 1*1 mr Wien, IX., Berggasse 3/4a % | Uhren- und Antiqultäten-Ktinik, Optische Werk- I | Stätte. Reklameateiier. | | Alle einschlägigen Reparaturen und Neuanschaffungen | zu konkurrenzlosen Preisen. f ..... Es ist im Rahmen dieser kurzen Anzeige natürlich nicht möglich, die reiche Fülle des Inhaltes hier zu erschöpfen und die Summe der eindringlichen Untersuchungen und Ergebnisse zu ziehen. Noch weniger kann hier kritisch näher eingegangen werden. Es kann davon abgesehen werden, als es ja nur meine Absicht ist, die Aufmerksamkeit des Lesers auf diese bedeutsame Erscheinung zu lenken. Es mag daher genügen, eine kurze Uebersicht der zwölf Abschnitte des Buches, unter Hervorhebung der besonders beachtenswerten Einzelheiten, zu geben: 1, Der biblische Menschheitsbegriff und einiges über das innere Verhältnis Israels zur allgemeinen Menschheit, enge Beziehungen zwischen Monotheismus und Monoanthropismus einerseits und Polytheismus und Polyanthropismus andererseits. 2. Der Auslandsfremde (Nachri) 3. Der Inlandsfremde (Ger). 4. Proselyten und Proselytismus, die Gottesfürchtigen, ihre konfessionelle Unabhängigkeit von der jüdischen Religion. Kämpfe hellenistischer und römischer Schriftsteller gegen die Gottesfürchtigenbewegung), 5. Religionsgesetzliche Deutung des dualistischen Proselytenprinzips. Die noachidischen Gebote. (Die Noachidengebote als Urgesetz der Gesamtmenschheit und ihre nie erlösbare Geltung. Noachidengebote als Ausgangspunkt des dualistischen Prinzips der jüdischen Propaganda. Beisass- Proselyt und Gottesfürchtiger, Typen frommer Noachiden. Vollproselyten neue Mitglieder des Judentums.) 6. Konfessioneller Partikularismus. 7. Ethischer Universalismus. (Ethische Gleichstellung der ganzen Menschheit nach Midrasch und Talmud. Geselliger Verkehr und Freundschaft zwischen Talmudlehrern und Heiden. Prinzipielle Stellungnahme zum Christentum. Schrankenloser Universalismus des Gottesbegriffs Jesus im Talmud und Midrasch, nur durch schwebende Legenden aus zweiter Hand gekannt, verschiedenen Personen angehörende Sagen miteinander verschmolzen. Kein Ketzertum unter den Völkern.) 8, Das Heil der Völker. (Die Fabel der drei Ringe in Lessings „Nathan“ unzureichend. Das Gleichnis der Kinder von verschiedenen Müttern. Religion im Innern der Seele verwurzelt. Heilsgemeinschaft der ganzen Menschheit kraft der Ur- Offenbarung und der Einhaltung der Noachidengebote. Menschenliebe ein Gebot für die ganze Menschheit.) 9. Prophet und Apostel. (Der Prophet als Verkünder universaler Ethik, der Apostel als Kämpfer für eine neue Religion. Kämpfe der jungen Kirche .um die „Nachfolge des Judentums und dogmatische Annexion des wahren Israel“. Die Zwei-Eltern-Theorie zur Aufklärung der Entstehung des Christentums. Die Bedeutung für wissenschaftliches Erfassen des christlichen Glaubensgutes und sachliche Feststellung des Verhältnisses zwischen Judentum und Christentum.) 10. Kirchenuniversalismus. (Das Toleranzproblem seiner allgemeinen Fassung nach. Verschiedene Grundsätze für die Bildung von Toleranzkreisen. Ethischer und kirchlicher Toleranzkreis. Kreuzzüge, Religionsverfolgungen, Inquisitionen im Interesse des Kirchenuniversalismus.) 11. Weltkampf und Weltgericht, (Aufhebung des Gesetzes durch Paulus nur unvollkommen und bloß in kultisch-dogmatischer Richtung durchgeführt. Paulinisches Beweisverfahren nicht pharisäisch, sondern griechisch. Jesus als Mittelpunkt eines neuen Kultsystems. Kämpfe innerhalb des Christentums um den kultisch-dogmatischen Inhalt der Religion. Nicht ethische, sondern kultischdogmatische Differenzen bilden den Gegenstand der Religionskriege. Mittelalterlicher Fanatismus, unmittelbare Folge des kirchlichen Religionsmonismus. Erfolge der Reformation. Zusammenbruch des Religionsmonismus innerhalb des Christentums durch die 'Geschichtstatsache, daß mehrere Kirchen ins Dasein traten.>Neue Gestaltung der Frage der religiösen Toleranz.! 12. Alte Schule und moderne Polemik. (A. Heidnische Aussprüche und Urteile. B. Polemische Zitatenwahl [Eisenmengerianismusl. C. Enteignung und Gegensatzbildungen. D. Wo steckt der Fehler? E. Der „jüdische Rachegott" [Jüdische Auffassung von der Rache Gottes. Die Rache Gottes im N. T. bei den Kirchenvätern und bei Luther. Die Liebe Gottes als Grundprinzip der jüdischen Religion. Ihre Auswirkungen in Lehre und Leben]. F. Schlußwort [Schwergewicht der apologetischen Angriffsarbe(t auf kultischem Gebiet. Erschütterungen des Religionslebens durch wissenschaftliche Arbeit weniger bedenklich als das kriegsmäßige Verteidigungswerk der Apologetik. Notwendigkeit streng sachlicher Forschungs¬ und Aufklärungsarbeit auf dem Gebiete des Religionslebens.]); \ Gute Register, ein Verzeichnis der benutzten und zitierten Schriften, ein Stellenregister und namentlich ein Namen- und Sachregister, erleichtern die Benützung des Werkes, das gerade in unseren Tagen von besonderer Bedeutung ist, da die Frage des Verhältnisses von Judentum um Umwelt so oft und nicht immer sine ira et studio erörtert wird. Eine. aus gründlicher wissenschaftlicher Forschimg gewonnene objektive Darstellung muß daher um so willkommener sein. Sie verdient auch das allgemeine Interesse und sei allen, die ernste Belehrung suchen, insbesondere jüdischen Kreisen, bestens empfohlen. Man darf hoffen, daß das Werk ernste Beachtung finden und seinen Zweck der Aufklärung und Belehrung erreichen werde im Sinne der schönen Schlußworte des Verfassers: „Das Judentum erwartet von der Wissenschaft eine unparteiische Beurteilung seiner Vergangenheit und Gegenwart, und setzt seine Hoffnungen in den schließlichen Sieg universaler Menschenliebe, vorurteilsfreier Gerechtigkeit und Wahrheit.“ Man wird dem in Aussicht stehenden besonderen Teil, der Einzelheiten und Spezialfragen behandeln wird, mit lebhaftem Interesse entgegensehen. Die „eigene Scholle“ in der Musik Von Josef Achron. Lange Zeit 'hatten wit viele Künstler aber keine Kunst; viele konzertierende, Opern und Symphonien schreibende .Musiker, aiber keine eigene Musik. Heute haben wir beides: jüdische Musiker, die jüdische Musik komponieren, aus ihrem tiefstem TJrbewußtsein eine jüdische Kulnstmusik seihaffen — Josef Achron ist einer der ersten, der den Weg zu sich selbst, zur Seele seines Volkes gefunden hat. Er ist der Träger der spezifisch jüdischen Musik geworden. Er ist durchdrungen vom Geiste seines Volkes, der Kraft des jüdischen Prophetismus und jüdischer Gesinnung. Und er trägt dev Urquell des jüdischen Musikempfindens in sich, das Talent und den Willen .aus »ihm zu schöpfen und neu zu gestalten. Achron, der heute bereits an seinem 66, Opus arbeitet und „lieber Musik, als über Musik" schreibt, stellt uns diesen Artikel zur Verfügung. dem, als erste schriftliche Aeußerung des Künstlers über die Probleme der jüdischen Musik, eine besondere Bedeutung zukommt. Fast 25 Jahre sind verstrichen, seit Joel Engel mit der Sammlung des Materials der überall zerstreuten jüdischen Volksmelodien begonnen hat. Im Dasein eines Lebewesens ist es eine große Spanne Zeit, für die Geschichte einer neuen Bewegung, einer Entwicklung jedoch ist ein Vierteljahrhundert verschwindend gering. Existiert überhaupt eine jüdische Musik? Auf diese heute sehr aktuelle Frage hört man die widersprechendsten Antworten und Ansichten: Die einen versichern, daß es keine jüdische Musik gibt und geben kann, weil den Juden die eigene Scholle fehlt, auf der ihr originell-wesentliches, künstlerisches Schaffen entstehen könnte; andere verweisen auf das Fehlen musikalischer Ueberlieferungen und Denkmäler bei den Juden und ziehen daraus den Schluß auf musikalische Unproduktivität des jüdischen Volkes; die dritten hingegen behaupten, daß die jüdische Musik ihren Ursprung schon in der Bibel hat und faktisch seither existiert, trotzdem sie inzwischen, über die ganze Welt verstreut, in die Musik . verschiedener Völker aufgenommen, ihren eigenartigen Charakter zum Teil verloren hat; einzelne wiederum bemühen sich, in einigen Werken jüdischer Komponisten einen musikalischen Wesenszug jüdischen Charakters zu finden, obwohl meistens davon nicht die geringste Spur wahrzunehmen ist. Es gibt sicherlich noch weitere Meinungen. Aber nicht die Meinungen sind es, die uns hier interessieren. Es gilt in erster Linie, festzuhalten, wie weit die Entwicklung der jüdischen Musik im gegenwärtigen Moment gediehen ist. Wenden wir uns zunächst der Petersburger „Gesellschaft für jüdische Musik“ zu, die 1908 gegründet wurde. ' Samuel Schwager, der bekannte jüdische Rezitator und Interpret von Schalom Alejcbem, Mcndele und Perez, liest am Montag, den 9. April 1. J. im Festsaale des Oesterreichischeu Handelsmuseums, IX., Berggasse 16, „Ostjüdische Dichtungen(i. Aus einer Hand Mtsn im;.*\s [metrophon . „Metrophon“ l.v Graben 20 Tel. 69-4-22 Alle Platten und Apparate. Einziger Konzertsalon Wiens. Täglich geöffnet von 9 Uhr früh bis 12 Uhr nachts. Die Anfangsarbeiten bestanden hauptsächlich darin, das Material nach musikethnographischen Grundsätzen zu sammeln, zu ordnen und die Musik zu harmonisieren. Die zweite Periode kennzeichnet der Uebergang von rein volkstümlichen zu komplizierteren Formen, die immerhin noch in den Volksmotiven wurzeln. Die dritte, die weitaus interessantere und wichtigste Etappe dieser Bewegung ist der Beginn des freien Schaffens, welches in sich den Kern des „Jüdischen" trägt. Diese letzte Entwicklungsstufe ist in ihren Auswirkungen die bedeutungsvollste, sowohl für die jüdische als auch für die allgemeine Musik. Wenn die jüdische Kunstmusik imstande sein wird, Werke freien individuellen Schaffens zu vollbringen, dann wird sie einen ebenbürtigen Platz in der Musikliteratur neben allen anderen Völkern einnehmen und von der ganzen Welt anerkannt werden. Das Argument, daß die jüdische Musik sehr stark den verschiedenartigen Einflüssen aüsgesetzt war und ist, kann gegenüber jeder nationalen Musik, als sie sich noch in der Periode ihres Entstehens befindet, mit gleicher Berechtigung entgegengehalten werden. Der Befreiung des eigenen Wesens, der Eigenbestimmung geht immer, überall und in allem die Abhängigkeit voraus. In den ersten rein russischen Kompositionen finden wir italienischen Einfluß (Glinka). Beim Anhören mancher russischorthodoxen Kirchengesänge ist man über ihre Aehnlichkeit mit den charakteristischen Wendungen der alten synagogalen Gesänge (Trop) erstaunt. Diese Erscheinung ist jedoch ganz natürlich, wenn man bedenkt, daß die Bibel nach und nach durch andere Völker von den Juden übernommen und nach dem Geschmacke jedes Volkes umgestaltet wurde. Eine ähnliche Wandlung vollzog sich mit der alten jüdischen Musik. Während der Schrift-Text der Bibel genau notiert war und das „U r - heberrecht“ der Juden jederzeit bewahrte, wurden die den Text begleitenden Melodien von Geschlecht zu Geschlecht nur mündlich überliefert, da man damals noch keine Notenschrift kannte. Dieser Umstand erklärt zur Genüge, warum für das Vorhandensein einer jüdischen Musik kein „Nachweis“ erhalten blieb. Unterdessen existiert die jüdische Musik bis auf den heutigen Tag und in diesem Sinne haben auch die jüdischen Komponisten ihre eigene Scholle, die fruchtbar werden kann und wird. Bezeichnend ist, daß der Drang, sich seines eigenen Wesens bewußt zu werden und sich in einer eigenen Weise auszudrücken, bei vielen jüdischen Musikern, in verschiedenen Erdteilen, zu gleicher Zeit in Erscheinung trat. Zur selben Zeit, als die Gesellschaft für jüdische Musik in Petersburg entstand, um die sich die besten Kräfte der jüdischen, musikalisch begabten Jugend gruppierten, haben die Komponisten Bloch, Milhaudu. a. ganz unabhängig davon begonnen, sich als „jüdische Komponisten" zu fühlen und in diesem Sinne zu schaffen. Ohne hier auseinandersetzen zu wollen, inwiefern ihre Werke spezifisch jüdische Elemente enthalten und ob sie als charakteristisch für die jüdische Musik zu gelten haben, muß man auf ihr Bestreben, einen jüdischen Stil in der Musik zu schaffen, als auf eine höchst symptomatische, bemerkenswerte Tatsache hinweisen. Wie auf jedem neu zu schaffenden Gebiete, sind Fehler und Irrtümer natürlich unvermeidlich. Diese sind es aber gerade, die uns helfen, den richtigen Pfad zu finden. Man kann schon heute auf eine ganze Reihe von Werken größerer und kleinerer Form hinweisen, die von jüdischen Musikern in den letzten Jahren komponiert wurden und uns die sichere Gewähr weiterer und größerer Entwicklungsmöglichkeiten geben. Die jüdischen Komponisten haben in 24 Jahren (richtiger 20 Jahren, seit der Gründung der Petersburger Gesellschaft) eine Entwicklung durchgemacht, für die bei anderen Völkern hundert und mehr Jahre notwendig waren. Wir wollen und können heute noch keine endgültigen Schlußfolgerungen ziehen. Zu kurz ist die Zeit seit dem Beginne dieser Bewegung. Unsere Komponisten konnten noch nicht die Selbständigkeit und Reife erlangen. Aber das bis jetzt Geschaffene weist deutlich und überzeugend auf das Aufblühen einer jüdischen Musik hin, das in nicht mehr weiter Ferne liegt. Die Petersburger und Moskauer Komponisten scheinen berufen zu sein, in dieser Entwicklung die wichtigste, führende Rolle zu spielen. (Aus dem Russischen von J. Stutsqhewsky.) D99B

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