Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1 (1928)
- Issue
- Heft 14-15 (4.4.1928)
- Date
- 1928-04-04
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3053752-3053753-3053767--0241-3055506- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 18 DIE STIMME Nr. 14/15 ^AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA^ ► 4 ◄ ◄ ◄ ◄ ◄ ◄ ◄ ◄ ◄ ◄ ◄ ◄ ◄ ◄ ◄ ◄ ◄ ◄ ◄ ◄ ◄ ◄ ◄ ◄ M < * Bekanntgabe für Anhänger der Seder»Abende Die von mir alljährlich im RESTAURANT NATIONAL veranstalteten ^FHFD » A RFMIIF JL>A-r JL> JE% -ttL JLP JL>JL^I JLr JL> werden nur mehr in meinem Restaurant ZITAHOF, VII, Mariahllferstr. 88 A Telephon B 35-5-35 abgehalten werden. — Vorsitz: Oberkantor Deutsch. Um zahlreichen Zuspruch bittet WOLF SPRITZER, RESTAURATEUR Sämtliche Sorten Palästina-Weine, wie Karmel, Hebron etc. direkt vom Faß. Zustellung ins Haus bei Abnahme von drei Originalflaschen ^wrfwwwwwffWffffWfffrwfffffrrrrTwrTfrrrjwwrwtrrrrrrrffrrrrrrrfyrwfwrrrrrwwrrTwrrrr der deutschen philosophischen Kultur, zu Worte kam. Wie der Logik der Primat der Erkenntnis, so gebührt der Ethik der Primat des Seins — ein Gedanke übrigens, der fast genau so und gewiß unabhängig von Otto Weininger ausgesprochen wurde. Der ethische Gesichtspunkt blieb denn dauernd für Cohen derart zentral, daß er eigentlich alles andere verschlang, ja den Sinn des Religiösen selbst, um den Cohen, weil er ihm nicht ursprünglich gegeben war, in heißem Bemühen rang. „Gott kann keine Bedeutung haben außerhalb der Sittlichkeit." Und wenn man nach dem Sinn eines Gottesbegriffs fragt, dessen Inhalt nicht in sich selbst gegründet ist, sondern lediglich in der Bezeichnung zum Menschen, zu dessen sittlicher Natur, so liegt derselbe in der Garantie der Verwirklichung, in der Ueberbrückung der Kluft zwischen naturhafter Wirklichkeit und Ideal, in der wesentlichen^ Einheit der Menschheit. Die vom Judentum gelehrte Einzigkeit Gottes jedoch bedeutet nicht nur Einheit, sondern Ausschließlichkeit des einen Gottesseins — zu dem doch eigentlich kein Weg führt —, dem gegenüber alles Sein der Natur und Menschenwelt nur Schein und Schatten ist. Freilich: Bei aller Konsequenz, bei dem großartigen Ernste, mit denen so eine Grundlegung der Religion versucht wird, haftet dieser doch sehr stark der Charakter der Konstruktion und Abstraktion an. Noch mehr, wo Cohen auf einzelne religiöse Begriffe eingeht, wie auf den Messiasgedanken, der nun einerseits in genialer Weise als der Leitbegriff der Geschichte erkannt wird, als das eigentliche Wesen der Menschheitszukunft, als der Ausdruck einer von allem Affekt ins Geistige erhobenen Hoffnung, in seiner eigenen Substanz jedoch auf dem Höhepunkte der Entwicklung sich ihm lediglich als „die sittliche Menschheit der geschichtlichen Zukunft" darstellt. Wie kindlich durchdrungen Cohen aber persönlich von der Erwartung war, daß der Sieg des reinen Monotheismus in historischer Gewißheit bevorstehe, bezeugt eine Bemerkung, die Franz Rosenzweig berichtet, dem der Siebzigjährige einmal erklärte, er hoffe noch selber die messianische Zeit zu erleben. In solchen Ideen nun, die in ihm eine ungeheure Festigkeit angenommen hatten, erblickte Cohen die „Mission des Judentums für den religiösen Fortschritt der Menschheit", die er 1910 auf dem Weltkongreß für religiösen Fortschritt vor einer^.Versammlung christlicher Theologen zu vertreten sich berufen fühlte, mit denen er sich in den religiösen Grundlagen der Kultur eins fühlte, von denen ihn die schroffe Ablehnung des Christentums schied. Es erschien ihm in seiner Theologie mythologisch, und wenn er selbst den Gottesbegriff abstrakt ganz auf den Menschen bezog, ja ihm der hohe Wert der europäischen Kultur auf der Vermenschlichung Gottes begründet schien, so stellte er sich wieder entschieden gegen jeden Mittlergedanken, gegen jede Annäherung des göttlichen und menschlichen Wesens. Aus dem gleichen Grunde freilich lehnte er auch alle mystischen Züge im Judentum nicht nur ab, sie waren ihm schon instinktiv völlig fremd. Ganz konsequent, wenn auch von Temperament und Kampfgeist stark bewegt, erscheint die Art, wie Cohen von stark exponierter Stelle aus zur deutschen Judenfrage in der Form des geistigen Antisemitismus und erst in hohem Alter — zum jüdischen Nationalismus Stellung nimmt. Heinrich von Treitschke hatte 1879 als erster dem aufkommenden deutschnationalen Antisemitismus eine kulturhafte Legitimation geben wollen, indem er das Judentum als die „Nationalreligion eines fremden Stammes" bezeichnete, die „dem deutschen Christen auf seinem Wege zu einer neuen, reineren Form des Christentums nichts zu geben habe". Cohen fühlte sich persönlich getroffen, als Jude und als Lehrer deutscher Philosophie und Ethik, und gab seiner Entrüstung, aber auch seiner positiven Stellungnahme zur deutschen Kultur, die ihn von Lazarus und Grätz trennte, entschiedenen Ausdruck in seinem „Bekenntnis in der Judenfrage", von dem er später sagte, daß er sich seither als Baal-Teschuwa empfand. Von da ab stand er viel unmittelbarer in den jüdischen Geistes- und Tagesfragen, und als ihm sein wiederholtes offenes Auftreten, die Aeußerungen seiner geistigen Unabhängigkeit, die Stellung in Marburg, das durch seine Wirksamkeit berühmt geworden war, unmöglich machten, ging er wenige Jahre vor Ausbruch des Krieges nach Berlin, um durch Vorträge aA der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums mit seinen Ideen direkt in jüdischen Lebenskreisen wirken zu können. Und wie das symbolhafte Bekennen einer ernsteren Rückkehr auch zum jüdischen Volkstum verwenden Verhiit-Kugeln (Vaginal-Desinficlens) Ärztlich empfohlen u. glänzend begutachtet. — Nachnahmesendung (1 Dtz.) S 3.50. — In allen Apotheken erhältlich. Generaldepot: Marlenapotheke, Wien, VI., Schmalzhofgassel. Ersatzpräparate weise man entschieden zurück. FRAUEN nimmt sich die russische Vortragsreise aus, die er im Frühjahr 1914 unternahm, verbunden mit dem Plane der Organisation eines eigenen Schulwerks für das bedrängte russische Judentum. Ja, Cohen, der früher mit einer gewissen Betonung immer „wir Deutsche" zu sagen pflegte, entdeckte seelisch sogar die Ostjuden wieder, die er als Kind in seiner schlesischen Heimat häufig in seinem Elternhause als Sabbatgäste ob ihrer Gelehrsamkeit bewundert hatte und an denen er jetzt die soziale Energie ganz besonders rühmte. Und zugleich vertiefte sich Cohen immer mehr in die Geisteswelt des Judentums, in Bibel und Religionsphilosophien. Der religiöse Geist wurde ihm immer lebendiger, und er faßte ihn insbesondere in seiner nabhgelassenen Schrift: „Die Religion der Vernunft aus den Quellen des Judentums" zusammen, was sich ihm aus der Verschiebung seiner zentralen Einstellung auf das Religiöse ergeben hatte. Man muß Cohens Ehrlichkeit immer anerkennen, auch wo sie hie und da ins Starre oder Absonderliche sich verirrte und auch dort, wo er den jüdischen Nationalismus bekämpfte. Zu wenig war ja Cohen mit dessen geistigen Grundlegungen bekannt und zu viel mit der extremen und oberflächlichen Art seines Auftretens in Weltanschauungsfragen, mit der raschen Ableugnung der tiefen Zusammenhänge, die gerade für ihn, aber nicht nur für ihn, zwischen Judentum und deutscher Kultur bestanden. Dies sowie die allgemeine Psychose des Augenblicks veranlaßten die Kriegsschrift Cohens (Kriegsschrift in doppeltem Sinne): „Deutschtum und Judentum" betitelt. In schroffer Weise sucht er hier die beiden kulturellen Lebensmächte fast bis ins Politische hinein zu identifizieren, wobei er z. B. auch von den nicht deutschen Juden voraussetzt, daß Deutschland ihnen das Mutterland der Seele sei, den Begriff der Nation vom Staate herleitet und den Eigenregungen des jüdischen Nationalismus die Existenzberechtigung abspricht, das Hebräische z. B. nur als Gebetssprache und als Sprache der jüdischen Geistesüberlieferung kennen will. So schroff der Angriff, so entschieden war die Abwehr oder vielmehr auf gleichem geistigem Niveau, aber aus tieferen Zusammenhängen mit der jüdischen Geistlebendigkeit erfolgende Berichtigung Martin Bubers in seinem Aufsatz: „Begriffe und Wirklichkeit." Und dennoch ist es kein Zufall, daß verständnisvollste Schüler und Interpreten Hermann Cohens, wie Klatzkin und Franz Rosenzweig, letzterer gerade Buber besonders nahestehend, mit größter Lebendigkeit ins nationale Judentum Probleme weitertragen, die durch die in ihrer Art doch monumentale Denkergestalt des in seinem Gedankenschicksal so intensiv mit dem Judentum zusammenhängenden Hermann Cohen angeregt oder wenigstens befruchtet sind. Eine Hermann Cohen-Gedenktafel Die Stadtverwaltung von Coswig in Anhalt, dem G eburtsort des Philosophen Hermann Cohen, hat den Beschluß gefaßt, anläßlich der zehnten Wiederkehr von Cohen's Todes* tag eine Gedenktafel am Geburtshause des Philosophen anzubringen. 1 FÜRS | | FRÜHJAHR | — die allerletzten Kreationen der es Pariser Haute couture =s und eigener Schöpfungen aus edelsten Materialien ee EjEj in unerreichter Auswahl zu den =§§ EE bekannt billigen ee K r u p n I k P r e 1 s e n NUR VII. KAHERSTW. 115 ■ Ik „Das Judentum und seine Umwelt“ Eine Besprechung. Von Holrat Dr. S, Frankfurter. Ueberaus reges wissenschaftliches Leben herrscht heute auf dem Gebiete der Religionsgeschichte im allgemeinen und im besonderen auf dem der jüdischen und christlichen und immer größer und lebhafter wird der jüdische Anteil daran. Es darf das Werk, welches Professor Dr. Michael Guttmann*) soeben erscheinen ließ, an sich des größten Interesses sicher sein und es kann vorweg gesagt werden, daß das soeben erschienene Buch des verdienten Breslauer Gelehrten es auch in vollstem Maße verdient. Denn es vereinigt alle Vorzüge einer nicht nur für den engeren Kreis der Fachmänner bestimmten, in ihrer Anlage und Durchführung gleich vortrefflichen Veröffentlichung. Ueber Zweck des Buches und Bedeutung des Gegenstandes belehrt das Vorwort. Mit dem Auftauchen des Judentums, heißt es hier, traten Kräfte religiös-sittlicher Art in Erscheinung, die einen beträchtlichen Teil der Gesamtmenschheit in ihren Bann gezogen haben. Die weltgeschichtliche Auswirkung dieser Kräfte zeigte sich zunächst darin, daß sie zwei große Religionen ins Leben gerufen hatten: das Christentum und den Islam. Welchen Anteil das Judentum am Entstehungsprozeß und Werdegang seiner Tochterreligionen genommen hat, ist eine vielumstrittene Frage. Ebenso steht es mit den Wechselbeziehungen, die sich unter der Gewalt weltbewegender Geschichtsströmungen zwischen Judentum und Umwelt herausgebildet haben. Die ersten Anfänge dieser Beziehungen reichen bis ins frühe Altertum; bestimmter ist ihr Einfluß in der Spätantike wahrnehmbar; zur vollen Entfaltung kommen sie jedoch erst gegen Ende des Altertums und in den späteren Zeitläuften. Am jeweiligen Stand der Beziehungen zwischen Judentum und Umwelt nahm die bekannte Kulturwelt des Ostens und Westens zugleich den regsten Anteil. Es fehlte dabei keine Bevölkerungsschichte, kein Stand und kein Bildungsgrad. Geschichtlicher Stoff ist es im wesentlichen, bemerkt der Verfasser weiter, der hier herangezogen und besprochen wird, doch teilen die Probleme, aus denen dieser Stoff erwachsen ist, nicht ganz das Schicksal des Geschichtlichen. Sie können trotz ihres hohen Alters nicht als abgetan, als überwunden verabschiedet werden, sie gehören vielmehr zum vollsten und lebendigsten Gegenwartsgeist auch unseres Denkens und Fühlens. — Und sie gehören nicht dem Judentum allein, sondern auch seiner Umwelt. — Dieser Tatbestand gibt den Problemen eine eigene Bedeutung, und fordert mit größtem Nachdruck eine streng sachliche Behandlung. Das Erkennen und Anerkennen der Wahrheit ist hier nicht bloß eine Forderung rein wissenschaftlicher Interessen, sondern gehört zu den Grundlagen eines geläuterten, ethisch reinen und humanen Zusammenlebens der Menschheit. Wie man sieht, eine hohe Auffassung und ein hohes Ziel. Der Verfasser braucht es erst nicht zu versichern, daß sein Werk ehrlicher, das heißt, auf wissenschaftlicher Grundlage beruhender Aufklärungsarbeit gewidmet ist. Apologetik im landläufigen Sinne will er nicht treiben, aber es liegt, wie er betont, in der Problemstellung selbst, daß überkommene Anschauungen nachgeprüft, verjährte Vorurteile und Irrtümer, die, es muß dies betont werden, auch unter Juden nicht fehlen, aufgedeckt und beleuchtet werden. Durch kritische Auseinandersetzung sucht er der Aufhellung zu dienen und der richtigen Auffassung zum Durchbruch zu verhelfen. „Die Geschichtsquellen werden unparteiisch gehandhabt; sie kommen, soweit der Rahmen des Werkes gestattet, selbst zu Wort. Der Ton in der Richtigstellung von Fehlern ist der Wichtigkeit der Sache entsprechend, ein entschiedener, aber kein leidenschaftlicher. Das Ziel ist Belehrung, Aufklärung, aber nicht Verletzung." Es sind die Ergebnisse vieljähriger Arbeiten, die der Verfasser hier vorlegt. Es verdient bemerkt zu werden, daß ein größerer Ausschnitt des Gesamtwerkes den Gegenstand des ersten Kollegs bildete, das Professor Guttmann an der hebräischen Universität zu Jerusalem im Wintersemester 1924/25 gehalten hat und er gedenkt „mit aufrichtiger Aner. kennung der regen und allseitigen Teilnahme, die den Vorlesungen auf geweihter Stätte neuen Schaffens und Wirkens zuteil wurde." *) „Da,s Judentum und seine Umwelt". Eime Darstellung der religiösen und rechtlichen Beziehungen. zwischen Juden und Nichtjuden mit besonderer Berücksichtigung der talmiudisc'h-raibbinisc'hen Quellen von Prof, Dn Michael Guttimann, 1. Band: Allgemeiner Teil, Berlin. Pihilo-Verlag 1927 (Ladenpreis ibrosch. M, 10.—, gelb. M 12.—). SIEGMUND KORNMEHL GROSSFLEISCHHAUEREI Zentrale IX, Berggasse 19, Tel. 17-3-99 u. 16-9-34 Lieferant für Heilanstalten, Abteilunsen für n^S-Flelsch unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinats der Israelitischen Kultusgemeinde Wien IX, Berggasse 15 XVIII, Währlngerstrafie 97