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Die Stimme · 1928-04-04 · Heft 14-15 (4.4.1928) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 14-15 (4.4.1928)
Date
1928-04-04
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 14/15 DIE STIMME Seite 5 Die „internationalen Verflechtungen" — ja, nicht nur im deutschen Geschäft — baut der „jüdische" Metallhandel ab. Auch das internationale Geschäft ist für ihn nicht mehr das alte, seit die Fangarme der großen amerikanischen Altmetall-Konzerne heute längst über den Ozean reichen und diese gefährlichen Konkurrenten durch Filialerrichtung in den europäischen Abnehmerländern selbst das Geschäft der Versorgung des Altmetallmarktes in die Hand genommen haben. Gegen das Bestreben der fest im Sattel der Produktion sitzenden Amerikaner auf Weltbeherrschung ist der „deutsch-jüdische" Metallhandel, fern von der Produktion sitzend und nur auf Zwischenhandel angewiesen, auf die Dauer ohnmächtig. Der Prozeß, der sich hier vollzieht, ist typisch für die Entwicklung der jüdischen Wirtschaftsgeschichte. Unzählige Male schon ist der Jude, wenn er gewisse Wirtschaftszweige in generationenlanger Arbeit zur Blüte gebracht hat, ausgeschaltet und verdrängt worden, wenn man alles von ihm gelernt hatte und er sich sozusagen dadurch selbst überflüssig gemacht hatte. Aber in den meisten Fällen erkannten die Juden rechtzeitig die Gefahr, so rechtzeitig oft, daß sie an Wendepunkten der Wirtschaftsgeschichte selbst die neuen Instrumente schon mitschmieden halfen. Man denke nur an die führende Rolle der Juden bei der Gründung der ersten Aktienbanken, deren Arbeit in weiterer Folge zur allmählichen Ueberflügelung, bezw. Aufsaugung des zum erheblichen Teile jüdischen Privatbankierstandes führte. Das starke Fingerspitzen- und Konjunkturvorahnungsgefühl, das er sich in jahrhundertelanger Wirtschaftsgeschichte erworben, hat den Juden im allgemeinen selten verlassen. Hier, auf dem Gebiete des Metallhandels, sieht man aber noch nicht klar, was kommen wird. blick. Von den Tätern fehlt noch jede Spur. Auf dem jüdische Friedhof in Baisingen in Württemberg wurden vor kurzem 12 Grabsteine umgestürzt. Als Täter wurden zwei 13jährige Knaben aus Baisingen ermittelt. Vergangene Woche wurde ferner der alte jüdische Friedhof in Fulda geschändet. Die jüdische Gemeinde hat eine Belohnung für die Feststellung der Täter ausgesetzt. Bluff hüben und drüben Nachdem die Sowjetregierung erklärt hat, daß sie keinen Boden mehr für die Kolonisation von Juden in der Ukraine, der Krim und Weißrußland zur Verfügung hat, gibt — so wird aus Chicago gemeldet — der dortige Milliardär und Philanthrop Julius Rosenwald die Erklärung ab, er sei bereit, für die Fortführung und Erweiterung des Kolonisationswerkes in der Ukraine und der Krim, welches vom American Joint Distribution Committee patronisiert wird, fünf Millionen Dollar zu spenden, unter der Voraussetzung, daß von anderen Personen die gleiche Summe für diesen Zweck zur Verfügung gestellt werde. Der Joint hat schon jetzt — sowohl wegen der abgeschwächten Wirtschaftskonjunktur in den Vereinigten Staaten, als auch wegen der immer stärkeren Ernüchterung, welche nach dem oben geschilderten Stand der Dinge gegenüber dem russischen Kolonisationswerk unter den Juden Amerikas Platz greift — Schwierigkeiten bei der Aufbringung der Mittel, welche zur Sicherung der bisher geschaffenen Kolonisationspunkte in Rußland nötig sind. Es ist also kaum anzunehmen, daß Mr. Rosenwald so rasch den Scheck über fünf Millionen Dollar wird ausstellen müssen. Die grandiose Spende sieht also einem kleinen Bluff verteufelt ähnlich. Sie bringt aber einen Vorteil: Es läßt sich mit ihr bluffen, und das besorgt auf der anderen Seite des Ozeans die Sowjetregierung; sie läßt nämlich durch ein ihr nahestehendes New Yorker Organ melden, daß die Rosenwaldschen fünf Millionen und die fünf Millionen, welche erst einfließen müssen, damit die Rosenwald-Millionen zur Wirklichkeit werden, eine Anleihe sein würden, für welche die Sowjets garantieren würden; sie wollen dazu noch 10 Millionen Dollar selbst im Wege einer inneren Anleihe auf bringen (lies: von den ruinierten russischen Juden erpressen), um so einen Kolonisationsfonds zu schaffen. Diese „Anleihe" will nämlich die Sowjetregierung schon lange haben; seit zwei Jahren legt sie dem Joint den Gedanken dieser Anleihe nahe. Der Joint hat sich bisher für die Anleihe nicht erwärmen können und erklärt auch jetzt, die Sache sei noch lange nicht so weit, wie es die Sowjetregierung melden läßt. Denn der Joint weiß wahrscheinlich, was er von der verspäteten Riesenspende zu halten hat und kann sich, selbst wenn er wollte, auf die Aufbringung der Anleihesumme unter den obwaltenden Verhältnissen nicht einlassen. Millionen sind eben rascher geschrieben als gegeben. Und mit den geschriebenen blufft einer den anderen. . . . Barmat Der Name Barmat wurde durch fast vier' Jahre durch den Schmutz geschleift; es sollte ein „Exempel" an dem „schlimmsten jüdischen Schieber" statuiert werden. 39 Monate stand Julius Barmat unter dem Druck eines Haftbefehls, füni Monate saß er in Untersuchungshaft, 108 Talge wurde sein Prozeß verhandelt, 400 Zeugen hatten zu „bekunden." Und da9 Ergebnis: Barmat mußte von sämtlichen Betrugsfakten freigesprochen werden. Wegen eines Falles, „aktiver Bestechung1', erhielt er eine Gefängnisstrafe von 11 Monaten. Die Seite der „passiven Bestechung" kam weit glimpflicher davon. Barmat erklärte in seinem Schlußwort vor Gericht, er habe das ganze Prozeßmartyrium erdulden müssen, hauptsächlich, weil er Jude sei; er hätte hinzufügen können, weil man einen Juden brauchte. Um nämlich die republikanische Linke in Deutschland mit der „jüdischen Schmach" zu identifizieren und so Agitationsstoff für die Reaktion zu haben. Die beste Unterstützung fand diese Politik bei Deutschlands Richtern, die der Hort der antirepublikanischen und antisemitischen Reaktion sind. Und jetzt, nach vier Jahren, muß die der Reaktion stets hilfsbereite Justiz einbekennen, daß sie Komödie gespielt hat, daß eine'Verfolgung gegen einen Unschuldigen inszeniert wurde. Oder stehen die Wahlchancen der Reaktion in Deutschland so schlecht, daß sie auf den Juden verzichtet? Friedhof Schändungen 56 bis 58 Die Zahl der Friedhof Schändungen in Deutschland eilt dem Hundert zu, ln Eile nd or f im Rheinland entdeckten Friedhofbesucher in der vorigen Woche, daß der jüdische Friedhof rohester Zerstörungswut zum Opfer gefallen ist. Eine Anzahl von Leichensteinen lagen umgeworfen auf den Gräbern; zut» Teil waren sie sogar aus dem Boden herausgegraben. Der Gottesacker bietet einen furchtbaren An. „Int Namen der Orthodoxie" Bei den Wahlen in Polen hat die jüdische Wählerschaft über die destruktive Tätigkeit der Agudah, die, wie überall, so auch unter dter Judenheit Polens auf das übelste politische Geschäft ausgeht, ein gerechtes Urteil gesprochen: es wurde von der Liste der Agudisten kein einziger Kandidat gewählt. Der jüdische Klub, der sich im polnischen Parlament konstituiert hat, umfaßt die Deputierten und Senatoren, welche auf den Listen des Minderheitsblocks und der jüdisch-nationalen Vereinigung in Galizien gewählt wurden. Außerdem wurde auf der Regierungsliste ein Assimilant und der Deputierte Wislicki gewählt. Wieviel an dem Zustandekommen dieser zwei Mandate auf die Stimmen der jüdischen Wählerschaft geht, wäre noch zu untersuchen; aber es gab in Polen schon mehrmals „ernannte" sogenannte jüdische Abgeordnete. Eine solche „Ernennung” hat nun — schon nach Abschluß der Wahl — die Agudah bewirkt. Einer ihrer Wortführer, Herr Kirschbraun, der dank der Koalition mit dem jüdischnationalen Block im vorigen Sejm hatte sitzen dürfen, ist diesmal auf die Regierungsliste aufgenommen worden, hätte aber kein Mandat erhalten sollen. Als aber der große Durchfall der Agudah kam, da rannten die Agudäh- Macher der Pilsudski-Regierung die Türen ein und Herr Kirsch-, braun wurde — wohl zur Belohnung für die destruktive .politische Tätigkeit seiner Leute .vor und während der Wahlen — nachträglich Deputierter von der Regierung Gnaden. In der Debatte über das polnische Budgetprovisorium hat nun der Deputierte Grünbaum diese Machenschaften dargelegt, welche der Würde des ohnedies stark bedrohten parlamentarischen Systems in Polens Abbruch tun. Und da steht Herr Kirschbraun, welcher sich gegen den deutlich manifestierten Willen der jüdischen Wählerschaft ein Deputiertenmandat erschlichen hat, auf und „stellt fest", daß er „im Namen der Orthodoxie" spreche. Diese Komödie kann an Unverschämtheit kaum überboten werden, Möglich ist sie natürlich nur unter Verhältnissen, wie sie heute in Polen herrschen, wo der Parlamentarismus in seiner Existenz unterwühlt ist. Dieses Untergraben erstreckt sich nicht nur auf das Parlament selbst, sondern auch auf den politischen Willen der Wählerschaft, natürlich wieder auf der Linie des geringsten Widerstandes. Die Methode wurde während der Wahlen geübt, wo man die jüdischen Wähler durch Versammlungsverbote, Einschüchterungen und direkte Drohungen in ihrem .politischen Willen schwächte, und wird jetzt fortgesetzt. So haben die Behörden gänzlich unvermittelt und unmotiviert die Konferenz der jüdischnationalen Wahlkomitees, durch welche ein neuer jüdischer Nationalrat geschaffen werden sollte, verboten. In solcher Atmosphäre darf sich die Schmach der Hausjuden breit machen; und das verächtliche Gewerbe der Moschko's und politischen Ma.jufeß- Tänzer, ist bereits in würdigen Händen: bei der Agudah. Und Herr Kirschbraun spricht „im Namen der Orthodoxie". Wir ersuchen allen Manuskripten, die uns nicht über Verlangen eingesendet werden, Rückporto beizulegen, da sonst Rücksendung nicht erfolgt. KARTONNAGENFABRIK GELBAND S Ce, WIEN IX. Grundlstr. 5 Telephon 19-0-69 beliefert alle führenden jüdischen Firmen mit l ALLEN ARTEN KARTONS Der älteste Jude Amerikas: Hirsch Schmulowitz, 106 Jahre alt, blind, arbeitet noch jetzt eifrig im Flechtgewerbe and ist Präsident des New Yorker Blindenvereines. ^Jür die Osterspeisen kann jeder Strenggläubige ohne Bedenken Kunerol verwenden. Die Kunerol-Erzeugung steht bis zur Verpackung des gebrauchsfertigen Naturfettes unter strengster Aufsicht des Herrn Bezirksrabbiners S. Ehrenfeld zu Mattersburg. KUNEROL 100% REINES KOKOSNUSSFEIT Kleine Nachrichten Die Sowjetregierung hat die Auflösung der russischen Organisation des „Hechaluz" verfügt. * Der ^ogromanstifter Medinsky, über dessen Verurteilung wir vorige Woche berichtet haben, ist hinge rieh, t e t worden. — Die Organisatoren des Pogromes in Schepetowka im Jahre 1919, Bogdarenko, Vater und Sohn, wurden zum Tode verurteilt. * Der bekannte jüdische Gelehrte Dr. Saadja M a s e, ein Sohl des verstorbenen Moskauer Oberrabbiners Jakob Mase, der vor etwa zwei Monaten unter der Beschuldigung prozionistischer Betätigung verhaftet wurde, ist aus der Haft entlassen worden. Am 25. März wurde in Berlin die vor kurzem begrün, dete jüdische Volksbank aiuf genossenschaftlicher Grundlage ,Jwriah" in ihren Räumen in der Französischen Straße 8 feierlich eröffnet. Das bar eingezahlte Kapital beträgt, wie wir bereits mitgeteilt haben, 100.000 Mark. * Wie wir bereits berichtet haben, wurden in den in Saloniki erscheinenden griechischen Blättern „Pho" und „Macedonia" die berüchtigten „Protokolle der Weisen von Zion" abgedruckt. Jetzt, nach beendetem Abdruck, hat der Generalstaatsanwalt von Saloniki ein Verbot an die beiden Blätter ergehen lassen, den Abdruck fortziusetzen. — Der einzige Erfolg der Maßnahme ist, daß die Zeitungen nun auch die Erwiderungen jüdischer Persönlichkeiten, die die Protokolle als Fälschung entlarven, nicht aufnehmen, Es heißt, daß die Regierung das Erscheinen der Protokolle in Buchform verbieten wolle. Am 6. und 7. Mai wird in Danzig eine Konferenz sämtlicher T arbut h-0 rganisa tionen stattfinden. Außer der Tarbuth.Organisation in. Polen, welche die Konferenz einberiuft, haben ihre Beteiligung bereits zugesagt die Landesorganisationen in Litauen, Estland, Lettland, Rumänien, Karpathorußland, Bulgarien usw. Der Vorsitzende des Rabbinerverbandes in Polen, Rabbi Meir Don Plotzky, Rabbiner von Ostrowo, ist öljährig verstorben. * Der litauische Premierminister W oldemaras hat das von der Kownoer Polizei erlassene Verbot gegen die Kownoer jüdische Tageszeitung „Jiddische Stimme", an den Sonntagen zu erscheinen, aufgehoben. Der Verband der ungarischen Zionisten hielt am 27. März seine erste ordentliche Generalversammlung seit seiner Anerkennung durch die Regierung ab, bei der die Wahlen mit folgendem Resultat vorgenommen wurden: Präsident th, Leopold Os stern, Vizepräsidenten: Adolf Straus«, Dr. Bela Oesterreicher, Dr. Josef P a t a i, Dr. Heinrich M a u t h* ner, geschäftsführender Kopräsident Dr, Josef Schönfeld, Generalsekretär Dr, Albert Geyer, Sekretär Dr. Bela U ngar, Kassier Josef Engel, Schriftführer Samuel Reich. Ferner wurden 100 Mitglieder in den Ausschuß und 42 Delegierte in den am 8. April in Budapest tagenden Landeskongreß gewählt. * Der Begründer und Leiter des kroatischen ethnographischen Museums, Salomon Berger, dem die Heimindustrie in Kroatien reichste Förderung verdankt, erhielt aus Anlaß seines 70, G e b ti r t s t ag e s eine hohe Ordensauszeichnung; überdies hat ihm die jugoslawische Regierung eine 1 e b e n slängll/iche Bh rieinp en's i o n von 60.000 Dinar jährlich zuerkannt. Bemberg-Seidenstrümpfe alle Farben S V90, 4’5°> < 5° Seiden Milanaise-Hosen aller Größen nur S 3'50 Strumpfmode Ludwig Bernstein vis-ä-vis Hotel Dianabad II, Lilienbrunngoase;

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