Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1 (1928)
- Issue
- Heft 14-15 (4.4.1928)
- Date
- 1928-04-04
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 DIE STIMME Nr. 14/15 Palästina-Weine „Carmel'Original“ CFriedmann Petach - Tikwah) und auch andere edle Sorttn-Welne nos „Wlenea“, II. Ob. Donausfr. 91 Telephon 49-1-75 Die Israelitengemeinde Frankfurt am Main hat eine 7 prczentige Konsolidierungsanleihe von einer Million Mark Nominale (Auszahlungskurs 90 Prozent) aufgenommen, die bis 1. April 1933 rückkündbar und von da ab durch Rückzahlung oder Auslosung bis 1$48 zu tilgen ist. Die Anleihe voll ar der Frankhirter Börse eingeführt werden. » Rabbiner Dr. Max Joseph in Stolp (Pommern), der sei; 1902 in dieser Gemeinde wirkt, beging am 30, März seinen 60. Geburtstag. Dr. Joseph ist der Verfasser des im Jahre 1908 Wochen-Kalender April 1928 Gedenktage ira-in p: 5 Donnerstag 15 — m 1. Tag Pessach 6 Freitag 1875 — Moses Heß gestorben. 16 - io 2. Tag Pessach 7 Samstag 17 - r Sabbat Cholhomoed. Haftarah: hojsoh olaj 8 Sonntag 1790 — die hebräische Dichterin Rachel Mofpurgo in Triestg geboren. o ÜJ iS - pp 9 Montag 2 o O 19 — 10 Dienstag 1915 — der jüdische Dichter Jizkoch Leib Perez in Warschau gestorben. 20-3 11 Mittwoch 1825 — Ferdinand Lassalle in Breslau geboren. 1876 — der Begründer der experimentellen Pathologie Prof. Ludwig Traube ln Berlin gest. 21 - fco 7. Tag Pessach 12 Donnerstag 22 - 33 8. Tag Pessach Maskir 13 Freitag 1903 — der Völkerpsycholog und Philosoph Prof. M. Lazarus in Meran gestorben. n n 1 CO CM 14 Samstag 1917 — der Erfinder des Esperanto, der Augenarzt Ludwig Zamenhof in Warschau gest. 24 — 13 Haftarah: wajosef od dowid 15 Sonntag 1844 — def Begründer des Taubstummen-UnterrichtesMarkus Reich in Kolin geboren. 25 - na ,16 Montag 1890 — der Opernkomponist John Barnett in Cheltenham (England) gestorben. 26 - 13 17 Dienstag % 27 - 13 18 Mittwoch 1874 — der bekannte Porträtmaler Eugen Spiro in Breslau geboren. 28 - na erschienenen Werkes „Das Judentum am Scheidewege", in welchem er gegen den religiösen Liberalismus den nationalen Gedanken als das einzige erhaltende Moment des Judentums darstellte. Der Oberrabbiner von Rotterdam, Dr, B. L, Ritter, der seit 40 Jahren dieses Amt bekleidet, ist am 1. April zurückgetreten. Grund zu seinem Rücktritt ist die im Vorstand der Rotterdamer jüdischen Gemeinde mit 11 gegen 3 Stimmen erfolgte Ablehnung seines Antrages, in die Statuten der Gemeinde eine Bestimmung aufzunehmen, daß Juden, die Ehen mit Christen «ingehen, ihrer Rechte innerhalb der Gemeinde verlustig gehen. (Oberraibbiner Ritter ist Mitglied der Agudas Jisroel.) * In Turin verstarb in diesen Tagen der hervorragende italienische Historiker, Universitätsprofessor Arturo S e g r £, ein Jude. Seine Werke wurden von der königlichen wissenschaftlichen Akademie in Turin herausgegeben. Er war auch Leiter der Akademie für Wissenschaften, Österreich Der Jud ist schuld Jonny und Joseiine. — Die ästhetischen Belange der Hakenkreuzler, — Schmutz, und Schundgesetz und das sittliche Plakat. Die Kultur des Abendlandes ist bedroht. Negroide Gewalten und Jazzrhythmen bringen das christlich-germanische Schönheitsideal ins Wanken, das die Auslese des Europäertums, die völkische Jugend, gepachtet hat. In die Wiener Hofoper, deren blaublütige Tradition der Hort für Rassenreinheit war, ist Jonny eingezogen und spielt den« würdelos gewordenen Wienern auf: Negerblut auf Habsburgs Throne. Und im Strauß-Theater starren' hunderte beglückter Zuschauer auf Josefine, die Schwarz auf Weiß beweist, daß wir Wilde doch bessere Menschen sind. An den Litfaßsäulen provozieren Plakate, Nacktplakate, Symbole verruchter Orgien, den keuschen Sinn und die gottergebene Seele des Herrn Jerabek und der Frau Pichl, liebäugelnd mit den werten Gesinnungsgenossen in Budapest, wo die Erwachenden und Rassenschützler auf Kreneks Melodien mit dem edlen Leiblied „Erger, Berger, Schoßberger“ reagieren. Josefine Baker, Jonny spielt auf, Nacktplakate, welche Schmach, welche Schande! Daher Proteste, Skandale, Bittgottesdienste, Exzesse physischer Natur, Gesetzesforderungen, Kampf gegen Schmutz und Schund, Plakatzensur, Wahrung der Jugend vor unsittlichem Bild und Buch! Wer ist für all diese Gefahren verantwortlich? Diesmal nicht auch der Radfahrer? Diesmal nur — dar Jud. Der Import negroider Formen in Tanz, Musik und Kunst und deren Favorisierung soll eine jüdische Spezialität sein. Nicht nur das. Der Import — so sagen und schreiben es die nationalsozialistischen und sonstigen antisemitischen Geister — geschieht zum Zwecke, um Europa, das arische Europa, sittlich zu verrohen und es dem Weltbeherrscher Alljuda in die Arme zu treiben. Welch geniale Idee! Was im Schund, und Schmutzwerk der Protokolle der Weisen von Zion auf wirtschaftspolitischem Gebiete den Juden zugedacht war, das versuchen sie nach der Darstellung der Hetzpresse nunmehr in „ästhetischen Belangen“. Der Jazz ist eine jüdische Erfindung! Die „Negerschmach“ jüdischer Import! Die Nacktplakate Manipulationen jüdischer Provenienz! Daher Schutz des heimischen Besitzes an Keuschheit, Reinheit, Sittlichkeit, daher ein Anti-Schmutz-und Schundgesetz, eine Plakatzensur! Das ist die negative Seite der beliebten Formel „Der Jud ist schuld“ oder „Tut nichts, der Jude wird verbrannt“. Die Empörung der Sittlichkeit über die Unsittlichkeit ist ein wichtiges Moment in der Hakenkreuzlerpraxis, es ist der Kampf des Infantilismus, der Minderwertigkeit gegen Kraft, Natur, Jeder bewußte Zionist gebt tu PESSACH in das streng "^3 Hotel-Restaurant A. Barschak II.» Oroiia Schlffgaas« 3 Vorzügliche Palästinaand ungarische Weine Mäßige Preise Telephon R-40-1-39 Menschlichkeit, geistige Freiheit, die Konstruktion der Ueberlegenheit einer Rasse gegenüber einer anderen, der unproduktive Haß reaktionärer Triebe gegen verfeinerte Menschlichkeit. Jazz jüdischer Import? Whitman, Repräsentant hundertprozentigen Amerikanertums, führte ihn auf dem Präsentierteller in Wien vor. Josefine Baker? Das arische Paris, von keines „Judaismus“ Blässe angekränkelt, schuf ihr Rahmen und Namen. Jonny? Der unverdächtig rassenreine Arier Krenek komponierte die schwarze Schmach. Jüdisch? Die breiten Opern Halevys, Meyerbeers, die lyrischromantischen Klänge Mendelssohns, die ekstatisch-inbrünstigen Hymnen Gustav Mahlers, jenes „Ich bin von Gott und will wieder zu Gott“! Nirgends wird der klassische Stil der Musik von den Juden verletzt. Auch nicht in der reproduktiven Kunst. Rubinstein und Joachim, Kreisler und Hubermann, Rosenthal und Godowsky, Friedmann und Popper, Sulzer und Josef Schwarz, haben diese nachschaffenden Künstler vielleicht negroiden Jazzeinschlag? Auf allen Podien Europas und Amerikas wirken sie als Meister der klassischen Musik. Und will man die schöpferischen Musiker in bezug auf antieuropäische Tendenzen prüfen, dann denke man vielleicht an die französischen Juden Milhaud und Bloch, an die hebräischen Melodiker Engel und Achron, dessen hebräisches Antijazz-Konzert seinen Triumphzug über die Konzertsäle aller Kulturnationen angetreten hat, an den Wiener Professor Wolfsohn, an die lange Reihe von Künstlern, denen ihr Schaffen Heiligstes, Religion bedeutet. Oder haben vielleicht Professor Ehrlich, Brandes, Bergson, Einstein, die Sittlichkeit der Jugend bedroht und ein Anti-Schund- und Schmutzgesetz notwendig gemacht? * Das Problem „Was ist sittlich“ muß sich in diesem Zusammenhang wohl einer Leibesvisitation unterziehen lassen. Ein Gesetz zur Bekämpfung der Unsittlichkeit in Schrift und Bild steht uns bevor, eingebracht vqn jenen Elementen, denen gewisse Plakate zu erotisch-unsittlich-sittenverderbend, ge. wisse Publikationen zu aufrührerisch, verrohend, hetzerisch erscheinen. Sind es nicht dieselben, die jene berüchtigten Hakenkreuzlerplakate „Juden hinaus“, „Nieder mit der Judenpest“, „Beschlagnahmt das jüdische Vermögen“, „Die Wüstensöhne beschmutzen unsere arische Kultur“ und jene Wahlbroschüren mit den niedrigsten Verleumdungen, Aufhetzungen, ja Mordun^ Pogromaufrufen verfaßt, verbreitet, affichiert, gemlligt haben! Plakatzensur? Warum nicht? Aber zunächst eine solche, welche die österreichischen Wände und Säulen von den pogromhetzerischen Idiotien des Antisemitenmobs säubert! Gegen eine solche Zensur wird auch der freiheitlichste Bürger nichts einzuwenden haben. An unsere p. t. Abonnenten im Inlande! Um in der Zustellung unseres Blattes keine Unterbrechung eintreten zu lassen, ersuchen wir um Ueberweisung der rückständigen Bezugsgebühren auf unser österr. Postsparkassenkonto D-l 13546. Eine altrenommierte Firma und ihr Chef In der .bekannten Fleiscbhauerei der Firma Sieg. Kornmehl, IX., Berggasse, gelangen anläßlich der Osterfeiertage ausschließlich hochprima Qualitäten sämtlicher iFleischsorten zu den bisherigen Preisen zum Verkaufe. Einzelne Teile haben sogar eine Preisermäßigung erfahren, Der Chef der ibeikannten Firma, Herr Siegmund Kornmehl, wurde übrigens neuerlich vom Handelsminister zum Beisitzer des Gewerbegerichtes (Abt. XIII) ernatnmt. Wir bringen zur öffentlichen Kenntnisnahme# daß die WIENER MOLKEREI zu den bevorstehenden Pessachtagen STRENG RITUELLE PESSACH-KOSCHER-MILCH in allen ihren Filialen und Depots in Wien zum Verkaufe bringt, und zwar Vollmilch in Flaschen Kindermilch in Flaschen Kaffeeobers in Flaschen Schlagobers in Flaschen sowie Vollmilch in Kannen* Die Milcherzeugung, sowie die Füllung der Kannen und Flaschen und der Verschluß derselben, steht unter Aufsicht zweier, von Seiner Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr* M* Rosenmann beigestellter, religiös verläßlicher Organe* iwn Seitens des Gefertigten wird hiermit bezeugt, daß die von der Wiener Molkerei zum Verkauf gebrachte Pessach-Koscher- Milch aus der Meierei des Gutes Angern (Gänserndorf) unter streng ritueller Aufsicht zweier von mir bestellter, religiös verläßlicher Organe erzeugt, gefüllt und zum Verschluß gebracht wird* Sämtliche Kennen und Flaschen sind neu. Die Kannen sind überdies mit Plomben mit dem Auf-' druck versehen, die Flaschen haben Verschlüsse mit der eingedruckten Aufschrift PIDS USD und sind außerdem mit einem Streifen versehen, der die Aufschrift FIDÖ D^PI trägt* Jedoch wird bemerkt, daß für Milch in offenen Gefäßen keine Garantie in ritueller Beziehung geleistet wird* Rabbiner Dr. M. Rosenmann , m. p. 1