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Die Stimme · 1928-04-04 · Heft 14-15 (4.4.1928) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 14-15 (4.4.1928)
Date
1928-04-04
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 DIE STIMME Nr. 14/15 lOriginal Palästina>Weine nDB W „ aus den Baron Rothschild’schen Kellereien R I C H d N LI I I O I / PALÄSTINA ln nilnn •IfischlSglgen <Us<li8ft«a afhllllich I *%g '*mmajssauu:mmm Gustav wilder t*"ä»*• * Die vorzttgL Qualität und Beliebtheit der Weine aus den Baron Rothschild’schen Kellereien in Rlchon le Zion hat vielfach zu Nachahmungen der Etiketten und Markenbezeichnungen geführt. Es ist empfehlenswert, beim Eüikauf auf Firmenbezeichnung, Etikette (Richon le Zion) und Korkbrand zu achten! Gespenster Von Adolf Böhm. I. Mitten am lichten Tage, an dem die Menschheit ihre aktuellen Probleme zu meistern sucht, stehen da und dort Gespenster auf — überlebte, überwundene, längst tote Ansichten und stellen sich so, als ob sie noch existierten. Es ist undankbar, sich mit diesem Spuk herumzuschlagen, aber wenn, wie es im „Faust“ heißt, die Luft von ihm so voll ist, so muß man es tun, um wieder frei atmen zu können, dies auf die Gefahr hin, als Don Quichotte angesehen zu werden, der sich mit Phantomen duelliert. Da gab es in der Vorkriegszeit in Deutschland, dem Lande der Theorie als Selbstzweck, einen heftigen theoretischen Kampf zwischen Zionisten und Nichtzionisten über das Verhältnis von Deutschtum und Judentum in der Brust des einzelnen Juden. Es kam nicht viel dabei heraus, denn beide Teile hatten ihren vorgefaßten Standpunkt, beide waren an der Frage subjektiv interessiert, deshalb waren die Feststellungen objektiv wertlos, zudem waren schon die Begriffe, über deren Verhältnis man urteilen sollte, gänzlich unklar: Was „Deutschtum“ und was „Judentum“ ist, kann niemand objektiv feststellen, darüber gibt es nur Meinungen. Das hinderte aber nicht, daß sich die Deutschjuden sowcil vergaßen, die zionistischen Juden als verdächtig inbezug auf deutsche Staatsgesinnung zu erklären. Inzwischen kamen Krieg und Nachkrieg, die auch den deutschen Juden klar machten, daß die Deutschen einen Trennungsstrich zwischen sich und den Juden — den Juden schlechtweg, mögen sie sich auch alldeutsch gebärden — ziehen, es kamen die politischen Morde an führenden deutschen Juden, der Hitler-Rummel, die Grabschändungen, die antisemitische Justiz, die Brüskierung jüdischer Frontsoldaten usw. Aber wenn all dies den Deutschjuden nicht in seinen Theorien über „das“ Deutschtum wankend machen konnte, da er sich einfach als den besseren Deutschen fühlte, der all diese Erscheinungen als „imdeutsch“ ablehnte und verurteilte, so gab es auf der anderen Seite, auf der jüdischen, Ereignisse, die ihn zwangen, wenigstens seihe Stellung zum Judentum zu revidieren: Balfoür-Deklaration und Palästina-Aufbau. Die führenden deutschen Geister, darunter auch leitende Politiker, wie Stresemann, Bernsdorff usw., traten in das deutsche Pro- Palästina-Komitee ein, bekräftigten damit ihre Sympathie für das Werk, was sie nie getan hätten, wenn sie hätten glauben können, daß die Gründung der jüdisch-nationalen Heimstätte irgendwie dazu führen würde, die deutschen Juden von ihrer deutschen Gesinnung abzulenken. Aber diese, oder wenigstens ein Vorläufer der zionistischen Idee in Frankreich. (Zu dem untenstehenden Feuilleton.) Oben linkss Albert Cohn; rechts: Charles Netter. Unten links: Der berühmte Orientalist Salomon Munk; rechts: Grand rabbin Zadok Kahn. Teil von ihnen, verstanden es besser. Nach einigen lauen Sympathieerklärungen überfiel sie wieder die namenlose Angst, man könnte sie statt als Deutsche, Als Angehörige des über die g&nte Erde verstreuten, in Palästina beheimateten jüdischen Volkes ansehen, indes sie „in nationaler und kultureller Hinsicht ausschließlich dem deutschen Volke angehören“. So steht es in der jüngsten Erklärung des „Zentralvereines deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens“. Wir Juden hierzulande, die wir auch in einem deutschen Staate leben, können diese Deklaranten unmöglich ernst Und voll nehmen. Wir sehen Gespenster auf steigen, denn das, was diese Herrschaften quält und womit sie in deutschen Landen herum, spuken, das gibt es doch gar nicht mehr: dieses Miß- und Unverständnis der jüdischen Lage von heute. Einst, in der Vor-Balfour-Zeit, haben auch wir, Zionisten, wie erwähnt, uns den Kopf über das Verhältnis zwischen unserem Judentum und unserem Deutschtum, Franzosentum, etc. zerbrochen. Denn, was uns von den Herren vom Zentralverein unterschied, war durchaus nicht, daß wir nicht „mit Kant und Goethe aufgewachsen“ waren, sondern, Nur gute Bücher In größter Auswahl zu S 1, 2, 3 BQcherschwemme „VIENNA“, l. Bognerg. Nr. 4 daß wir empfanden, was Buber damals am klarsten ausgedrückt hat: „daß unser Blut das Gestaltende in unserem Leben ist“ (I. Rede über das Judentum, I. Aufl. 1911, S. 25). Und dieses Blut ist, solange nicht nachgewiesen wird, daß die Juden ein germanischer Stamm waren, eben als jüdisch zu bestimmen. Sogar bei den Herren des Zentralvereins! Wir wußten, was wir dem Europäertum zu danken hatten, wir wußten, daß wir nicht zu 100 Prozent Juden seien, eben deshalb waren wir ja Zionisten, um ein lOOprozentiges Judentum wieder zu schaffen, aber so oberflächlich waren wir nicht, um zu meinen, daß wir „national und kulturell“ lOOprozentige Deutsche wären. Denn wesentliche, ja vielleicht die wesentlichsten Elemente unseres Ichs empfanden wir als jüdisches Erbteil, wie z. B. die starke moralische Leidenschaft, das ungemein lebendige Gerechtigkeitsgefühl, den Abscheu vor Gewalt, die Höchstschätzung der Geistigkeit und des Wissens, die Richtung zum Pazifismus und zur Völkerverbrüderung, die spezifische Art unserer Intellektualität, unseres schnellen Erfassens der Zusammenhänge, unser tief ausgebildetes Gefühl für Familie und reine Beziehungen der Geschlechter, unser Sinn für Gemeinschaft usw, Das alles und noch vieles andere, was wir sicher aus dem jüdischen Erbe überkommen haben, sind gerade Elemente, die den Charakter bilden. Der Charakter ist MONOS Das führende äUesle Transport-Dreirad |||||||||||||||||||||||||||||||||lllllllllllllllllllllllllllllllllll koste! nur S 168'— Monos - Vertrieb 8Qe6oll8Cha1t MONOS-FABRIK Monos-Karosserle - Abteilung monatlich, kompl.Jnkl.Wust, Wien I. Stubenrlng Nr. e Wien XlX. Osterleltengasse a Wien V. 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Guers, Petavel und Duhan betonten vom allgemein menschlichen Standpunkte die Notwendigkeit der Renaissance des jüdischen Volkes. Unter dem Einflüsse dieser Stimmen hatte nun ein Straßburger Jude, V. I. F r a e n k e 1, im Jahre 1868 eine kleine Schrift unter dem Titel »Du retablissement de la nationalite juive« (Von der Wiederherstellung der jüdischen Nationalität) verfaßt, in der er den Beweis zu erbringen suchte, daß es im Interesse der allgemeinen Kultur liege, die jüdische Nation im politisch-territorialen Sinne wiederherzustellen. Er ging von dem Standpunkte aus, daß in dem Zeitalter der Vereinigung verschiedener Völker wie Deutschen, Italiener, Slawen und vieler anderen, die Kulturwelt sich auch die Frage stellen müsse, ob nicht auch die Zeh gekommen sei, eine ähnliche Vereinigung und territoriale Konzentrierung eines der ältesten Völker — der Juden — zu bewerkstelligen. Das jüdische Volk hat durch lange Jahrhunderte ein Leben voller Leiden und politischer Abhängigkeit geführt und hätte sicherlich im Zeitalter der Wiedergeburt der Rassen und Völker das Be¬ *) Ein Kapitel aus dein d^innlebst erscheinenden streiten Band von des Autors „Vorgeschichte des Zionismus", der den Zeitraum 1845—1870 behandelt. dürfnis, ebenfalls die Frage der Wiedergeburt seines eigenen nationalen Daseins zur Lösung zu bringen. Er gibt seiner Meinung Ausdruck, daß die Juden keineswegs die Absicht haben, im Wege eines Krieges ihre Forderungen zur Geltung zu bringen. Zerstreut über die ganze Welt, umherirrend in verschiedenen Weltteilen, haben sie wohl den Wunsch, ihre Nation wieder einmal vor den Augen der Geschichte unabhängig zu machen, um sich dadurch auch bessere Daseinsbedingungen zu ermöglichen. Schon die verschiedenartigen Einrichtungen in der jüdischen Religion deuten auf die besondere Stärke des den Juden innewohnenden Wunsches nach politischer Regeneration hin. Es erübrigt sich wbhl auf die einzelnen symbolischen Sitten und Gebräuche innerhalb der religiösen Funktionen hinzuweisen, die in engster Beziehung stehen mit den Tagen der Unabhängigkeit und die unerschütterliche Hoffnung auf eine politische Wiederherstellung ausdrücken. Wenn man auch die Juden in den letzten Jahrzehnten infolge der sogenannten Emanzipation in einigen europäischen Ländern vor dem Gesetz als gleichstehend mit den Christen behandelt, und sie demzufolge in diesen Ländern ihre Religion ungehindert ausüben können, so überwiegen trotzdem die Verfolgungen, denen sie in einer großen Anzahl anderer Staaten ausgesetzt sind, bei weitem die Vor-' teile der Emanzipation. Allen Verfolgungen zum Trotz hegen sie noch immer die Hoffnung, daß sich ihre Lage im Verhältnis zur fortschreitenden Entwicklung der europäischen Zivilisation bessern werde. Es ist wohl eine andere Frage, ob diese Aenderung der Lage der Juden zufolge der Emanzipation allein den eigentlichen Nutzen bringen wird. Man muß doch bedenken, daß schon der Zerfall der eigentlich innerlich geschlossenen jüdischen Nationalität in mehrere politische Nationen, als Folgeerscheinung der Assimilation und Emanzipation an und für sich, der Menschheit und der Kultur keine Vorteile bringt. Fraenkel ist der Meinung, daß die politische Vereinigung aller nach Rassen und Mundarten zusammengehörigen Völker dter Menschheit nür zum Wohle gereichen und ihren kulturellen Fortschritt fördern würde, da auf diesem Wege der Haß der Nationen sich verwischen und das menschliche Zusammengehörigkeitsgefühl stärker werden müßte. Die Tendenz der Emanzipationsbewegung, die Juden an die Wirtsvölker politisch und national anzugleichen, sei ungesund, da die jüdische Nation nur dann gerettet werden kann, wenn sie »radikal von den anderen Nationen abgesondert werden sollte, denn solange sie unter anderen Völkern bleiben werden, wird sie nur als enterbte, dem Mißgeschick und dem Verderben äusgelieferte Klasse betrachtet werden«. Wenn man die Existenz der Juden in Ländern, wie Frankreich und England, betrachtet, wo ja die Juden unter den Fittichen der Gleichberechtigimg alle Rechte vor dem Gesetz erlangt hatten, so wird man einsehen müssen, daß alle diese Vorteile nur eine oberflächliche Schichte bilden, hinter der nur Trauer und Trübsal herrschen, denn selbst in Frankreich würde bei jeder politischen Veränderung der Jude das Opferlamm werden und an erster Stelle würde man jüdische Häuser und jüdisches Eigentum plündern. Hinter dem Rücken des Juden wird über ihn stets mit Verachtung gesprochen und ihm wird alles Gemeine und Verwerfliche angehängt, ob er nun Kaufmann, Schriftsteller oder Gelehrter ist. Als Jude, der er immer bleibt, mißtraut man ihm und hält sich von ihm wie von einem Pestkranken fern. Wenn auch die Juden in vielen zivilisierten Staaten in materieller Hinsicht keinen Hemmnissen begegnen, so stellen sich ihnen in moralischer Hinsicht hinsichtlich seiner Würde als Mensch die größten Hindernisse entgegen. Bei einem solchen Zustande, in dem das materielle Wohl zwar gesichert, das moralische stets gefährdet ist, kann sif’h der Jude nie glücklich und als gleichberechtigtes Mitglied der Gesellschaft fühlen. Er ist und bleibt in den Augen seiner christlichen Mitbürger nur ein deklassiertes Individuum. Wenn man sich auch bemüht nachzuweisen, daß die noch den Juden gegenüber gehegte Verachtung ihren Ursprung im Fanatismus des Mittelalters findet, der sozusagen mit der Muttermilch eingesogen wird, so ist es dennoch jedem klär, daß dieses Verhältnis der christlichen Mitwelt zu den Juden euch trdtz der fortschreitend0*1 Zivilisation unverändert bleiben wird. Diteser Zi&tähd Würde dann äUÖh mit dtetZeit eine ersehrfeckewdte Umkehr veftimaeheu, die den

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