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Die Stimme · 1928-03-29 · Heft 13 (29.3.1928) · page 9

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 13 (29.3.1928)
Date
1928-03-29
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
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Nr. 13 DIE STIMME Seite 9 |AUiUAUAiiUAAAUAAAAAUAAUAiAUAAUAUUAAAiUAAAUAAAiAAAAAAAlAAAAAAAAAAAAAAi» Bekanntgabe für Anhänger der Seder-Abende i a ◄ ◄ ◄ ◄ ◄ < ◄ ◄ ◄ ◄ Die von mir alljährlich im RESTAURANT NATIONAL veranstalteten SEDER-ABENDE werden nur mehr in meinem Reslauranl ZITAHOF, VII, Mcnialillferslr. 88 A Telephon B 35-5-35 abgehalten werden Um zahlreichen Zuspruch bittet WOLF SPRITZER, RESTAURATEUR Sämtliche Sorten Palästina-Weine, wie Karmel, Hebron etc. direkt vom Faß. Zustellung ins Haus bei Abnahme von drei Originalflaschen ► ► t ► ► ^yyTvvmyTymy?myTyyyyvTPV?yvwyfvvyvymyymyyymfnymmTmfyTmmyl ein ganz unerhörtes Vorgehen, das beinahe ein Justizverbrechen zur Folge gehabt hätte. Leopold Haas wäre sicher verurteilt worden, wenn nicht der damalige Oberpräsident H ö r s i n g durch energisches Eingreifen die Irrwege der Justiz bloßgelegt hätte. Gegen Hoffmann und Kölling wurde ein Disziplinarverfahren eingeleitet und der Naumburger Disziplinarsenat verurteilte in geheimer Verhandlung Hoffmann zu 200 Mark und Kölling zu einem Verweis. Gegen dieses Urteil haben Verteidiger und Staatsanwalt Berufung eingelegt. In den nächsten Tagen wird nun vor dem Großen Disziplinarsenat am Preußischen Kammergericht, der in Besetzung von fünfzehn Richtern unter Vorsitz des Kammergerichtspräsidenten tagt, in der Disziplinarsache Hoffmann und Kölling eine Hauptverhandlung stattfinden, die nach der neuen gesetzlichen Vorschrift in voller Oeffentlichkeit geführt werden wird. Für die Hauptverhandlung sind mehrere Tage in Aussicht genommen, da der Senat die ganze disziplinarrechtliche Seite des Falles Haas in Magdeburg, der vor fast zwei Jahren das Interesse der Oeffentlichkeit in hohem Maße erregt hat, aufrollen will. Die Araber und die arabische Frage Die Ereignisse in Arabien, wo der Wahabitensultan I b n Saud eine bewaifnete Bewegung der ihm untergebenen Stämme gegen die Herrscher des Irak und Transjordaniens in Szene gesetzt hat (die Nachricht, daß er den „Heiligen Krieg“ ausgerufen hätte, wird jetzt aus den Kreisen Ibn Sauds selbst in Abrede gestellt), rücken Arabien und die arabische Frage wieder in den Vordergrund des Interesses. Die Vorgänge in Arabien berühren auch Palästina, wenn auch, wie in der letzten Nummer unseres Blattes dargelegt wurde, in weit geringerem Maße als — manchmal allzugern — angenommen wird. Es dürfte nun gerade im gegenwärtigen Augenblicke für unsere Leser von Interesse sein, Darlegungen über die arabische Frage and über die Geschichte des Wahabitenreiches aus berufener Feder kennenzulernen. Der erste der beiden folgenden Aufsätze, den Günter Keiser in der Rubrik „Nationale Bewegung“ der ausgezeichneten Sozialistischen Monatshefte veröffentlicht bat, behandelt die Frage des arabischen Großstaates im Zusammenhänge mit dem jüngst erschienenen Buche des bekannten Colonel Lawrence, welcher unter Abenteuern aller Art im Weltkriege die Verbindung zwischen den Engländern und den gegen die Türkei revoltierenden arabischen Stämmen hersfellte; der zweite Aufsatz gibt eine übersichtliche Geschichte der Wahabiten, die den vor nicht langer Zeit verstorbener, ausgezeichneten Orientkenner Dr, S. Wellisch zum Verfasser hat, von dessen Lebensgang und Persönlichkeit in der vorigen Nummer ein kurzer Abriß gegeben wurde. Die arabische Bewegung Von Günter Keiser, Ein Buch, das Aufsehen erregte: Der Aufstand in der Wüste, von T. E. Lawrence (ins Deutsche übertragen von Dagobert von Mikusch, im Leipziger Verlag Paul List erschienen), zwingt erneut dazu, die Frage aufzuwerfen, ob jener riesige arabische Raum, der wie eine Nabe Afrika und Asien verbindet, etwa durch nationales Erwachen eine politische Einheit werden könnte. Das Lawrencesche Buch ist ein typisches Kriegsbuch aus dem romantischen Genre. Es schildert in packender und literarisch hervorragender Form Taten und Erlebnisse eines Kriegssportmanns in einem Kleinkrieg um Brücken, Eisenbahnen, Wasserlöcher, Häfen, abgefangene Züge usw., um schließlich das schaurige Gemälde der erbarmungslosen Abmordung der geschlagenen und auf der Flucht völlig zerbröckelnden türkischen Armeen aufzurollen. In dieser Rundschau interessiert an dem Buch nur die politische Frage nach der nationalen Lebenskraft Arabiens. Lawrence scheint der Meinung zu sein, daß es allein die Idee eines geeinten nationalen Arabiens mit der wiedergewonnenen alten Hauptstadt Damaskus war. die es ihm, dem land- und blutsfremden Mann, ermöglichte, aus isolierten Horden und Clans eine relativ große und schlagfertige Armee zu formen und mit ihr Arabien zu befreien. Demgegenüber finden sich aber in dem Buch selbst unzählige Belege dafür, daß das einende Element der von ihm entfachten Bewegung vor allem das unablässig strömende englische Gold war, dann die Chance großartiger Beute und die allen Hirten- und Nomaden Völkern vormittelalterlicher Struktur eigene wilde Lust an Krieg, Mord und Raub, gleichviel gegen wen. Die immer aufs neue, ja selbst mitten im Taumel der Eroberung von Damaskus aufbrechenden Zwistigkeiten und Spannungen zwischen den Stämmen und vor allem zwischen ihren Führern, die durch jahrhundertelanges gegenseitiges Befehden, Berauben und Ermorden tausendfach kreuz und quer untereinander verfeindet sind, zeigen zu deutlich, daß, selbst wenn diese arabische Blutsgemeinschaft nicht in tropische, subtropische und mediterrane Anwohner, in Wüsten-, Gebirgs-, Steppen- und Küstensiedler, in Nomaden, Hirten, Ackerbauer und städtische Handwerker, in Vertreter fast aller Kulturstufen der Menschheit zerfiele, es selbst dann zwischen diesen unzähligen Stämmen und Horden noch lange keine Einheit geben kann. Noch sind Boden und Ueberlieferung stärker als die Idee der Nation. Aber ist nicht, so erhebt sich die Frage, Ibn Sauds und der Wahabiten jüngster sieghafter Stoß nach Schamar im Norden, El Hasa im Osten, und Hedschas im Westen eine neue Auswirkung der nationalarabischen Idee? Man darf das bezweifeln. Was Ibn Saud und die Wahabiten treibt, ist Wille zu größtmöglicher Macht, nomadische Expansion, wie sie immer wieder in der Geschichte aus dem Schoß der Wüste nach den fruchtbareren Rändern vorgestoßen ist. Die Grenzen dieser Expansion liegen da, wo Wüstensteppe und damit Beduinentum ihr Ende haben. Die jüngsten Zusammenstöße mit dem Irak, wo Raubzüge wahabitischer Stämme auf irakisches Gebiet zu scharfen Strafexekutionen des Iraks führten, lehren das deutlich. Und dieses »Reich« N e d s c h d, das heute zwei Drittel des eigentlichen Arabiens umfaßt, ist ja auch nicht entfernt ein Staat in unserem Sinn, sondern nur eine Dynastie, zur Not ein Lehensreich, eine Kriegergemeinschaft, und von all der gärenden Zwietracht durchzittert, die oben geschildert wurde. Ob die gesetzliche Einführung der puritanischen Sittenregeln der Wahabiten (Verbot zu trinken, zu rauchen, sich den Bart abzurasieren, Zins zu nehmen, Tote öffentlich zu betrauern usw.), die jüngst für die neueroberten Gebiete erlassen wurden, die Einheitlichkeit des Reiches gerade fördern werden, ist sehr zu bezweifeln .... Wenn man also heute von einer arabischen Nationalbewegung spricht, so kann es sich nur um jene Ansätze arabischnationaler Gruppierung und Aktion handeln, die die Mandate aufweisen, und die sich vollkommen ohne jede wesentliche Beziehung zu dem beduinischen Arabertum und seinen Ordnungen entwickelt haben und entwickeln. Das Ziel der nationalen Bewegung ist hier in allen vier Gebieten das gleiche: das Mandatsverhältnis durch ein Vertragsverhältnis abzulösen und als Zeichen der eigenen Souveränität die Würde eines Völkerbundstaates zu erreichen. In Syrien kämpft darüber hinaus die arabische Bewegung gegen die Teilung des Mandatsgebietes in vier Scheinstaaten nach religiöser Sonderstruktur und postuliert Begriff und Existenz einer syrischen Nation über den Rassen und Religionen, wie sie gerade dieses Land bekanntlich in Ueberzahl aufweist. Während die syrische und palästinensische Nationalbewegung bisher so gut wie ohne jeden Erfolg kämpfte, hat die irakische unlängst einen Teil- oder richtiger einen Scheinerfolg zu verzeichnen. In einem, im Anschluß an die Europareise des Königs Feisal abgeschlossenen Vertrag erkennt England zwar die Unabhängigkeit des Irak de jure an und sagt unter vorsichtigen Kautelen seine Unterstützung bei einer Kandidatur zum Völkerbund für 1932 zu. Da aber de facto die englische Kontrolle unverändert bleibt, und durch die neuen reichen 0 e 1 f u n d e, die Bahnbau- und Pipelinepläne nach Palästina die englische Durchdringung immer fühlbarer wird, so stürzte das irakische Kabinett, das den Vertrag schloß, sofort bei seiner Heimkehr, und die Wogen der nationalen Erregung steigen hier ständig weiter. MELLINGERS Wiener Heilteemischungen .bei Zuck«rkrankiMll| Gallen-f Nler«n-f Blasensteinen und Magenleiden sind vorzüglich. Preis per Paket S 6*90. Postversand. Wien, xvil, lackwergasie Nr. 37/3, Die März-Eingänge des Keren Hajessod betragen laut Mitteilung des Jerusalemer Hauptbüros 34.495 Pfund, davon 16.419 Pfund aus den Vereinigten Staaten 4155 Pfund aus Südafrika, 3155 Pfund aus Deutschland und 2297 Pfund aus Rumänien, Es folgen England mit 1809, Holland mit 1066 Pfund. 19 andere Länder haben unter 1000 Pfund aufgebracht, davon Oesterreich nur 84 Pfund. Bei Sobuh-Dorn, 11., Taborstraße 8 a, deren seriöse Geschäftsgetbarung be'kaimt ist, sind die herrlichsten Frühijahrsiinodelle in selten großer Auswahl zu niederen Preisen erhältlich. Entgeltlich. Die Wahabiten Von Dr« S. Wellisch (Konstantinopel), Als gegen die Mitte des 18. Jahrhunderts Mohammed Ibn Abd el Wahab nach Verkündigung seiner Heiligenverehrung, Verherrlichung des Propheten, Luxus und Genußsucht verdammenden, zelotisch puritanischen Lehre gelungen war, mit Hilfe des ihm ergebenen Emirs Ibn Saud, den Großteil Zentral-Arabiens in seinen Machtbereich zu zwingen, war man in Mekka, der heiligen Stadt, dem Zentrum des Islams, weit davon entfernt, die Bedeutung der neuen Lehre und die Macht ihrer Schützer entsprechend zu würdigen. Im Glauben an ihre Ueberlegenheit als Hüter des Vermächtnisses des Propheten und der heiligen Stätten des Islams beachteten die Mekkaner die verschiedenen wahabitischen Gesandtschaften, die im Laufe der Jahrzehnte gekommen waren, die neue Lehre zu predigen oder für die Anhänger derselben das Recht der Teilnahme an der Pilgerfahrt zu erwirken. Aber schon gegen Ende des Jahrhunderts, sah sich der Groß-Scherif Ghalib gezwungen, mit dem inzwischen zur Hauptmacht Zentral-Arabiens gewordenen Emirat der Wahabiten behufs Abgrenzung der beiderseitigen Machtsphären einen Vertrag einzugehen. Die Wahabiten erhielten hiebei den Zutritt zu den Heiligtümern zugestanden. Ungeachtet der durch diesen Vertrag festgesetzten politischen Schranken zwang die neue Lehre ohne Unterlaß immer mehr Bekenner in ihren Bann. Parallel hiemit ein rasches Anwachsen des Ansehens und Uebergreifen politischen Einflusses der Wahabiten auf scheriffische Gebiete. Ghalib verteidigte sein Machtbereich mehr als eineinhalb Jahrzehnte hindurch mit seltener Ausdauer und einer Zähigkeit sondergleichen, mußte aber schließlich einsehen, daß seine Machtmittel nicht ausreichen, der wachsenden Stärke und dem Einfluß der Puritaner Einhalt zu tim. Vergebens waren seine Bemühungen, von den syrischen und ägyptischen Pilgerführern Hilfe zu erlangen. Die nach Konstantinopel gesandten Abordnungen kehrten stets erfolglos zurück. Der Großherr war mit anderweitigen Sorgen überhäuft. Das Unheil war nicht mehr abzuwehren, gegen die Unbotmäßigkeit der Bewohner der Grenzgebiete nicht mehr aufzukommen. Die nach althergebrachter Art und Sitte der Großscheriffe geübte Züchtigung treuloser Stämme, beschleunigte nur deren formellen Abfall imd ihren Anschluß an die wahabitischen Machthaber. Angesichts dieser Entwicklung der Dinge und der evidenten Bestrebungen der Wahabiten verschiedene mit den Scheriffen verbündete Stämme zum Abfall von diesen zu bewegen, entschloß sich Ghalib, eine Gesandtschaft, welcher mehrere angesehene Scheriffe sowie sein Schwager Osman angehörten, zum Emir der Wahabiten zu entsenden, um eine Erneuerung des Vertrages zu erwirken. Das Fehlschlagen dieser Mission sollte das Schicksal der heiligen Stadt besiegeln. Die Gesandtschaft mußte unverrichteter Dinge heimkehren, während andererseits Osman mit dem Emir Abd el Aziz und seinem Sohn Saud geheime Abmachungen traf, als deren Folge die drei Tagereisen von Mekka gelegene Stadt Taif den Wahabiten in die Hände fiel, die dortselbst Osman als Emir einsetzten. Ghalibs Situation war unhaltbar geworden. Er verließ Mekka und zog sich im März 1803 nach der Hafenstadt Djeddah zurück, wo er sich gegen jeden Angriff der Wahabiten sicher fühlte. Schon im Monat April hielt Ibn Saud seinen feierlichen Einzug in Mekka. Aber seine Aufforderung zur Unterwerfung von Ghalib blieb erfolglos. Vergeblich belagerte er mehrere Tage hindurch Djeddah, das er nach schweren Verlusten verließ, um über Mekka, wo er eine kleine Besatzung zurückließ, in seine Heimat zurückzukehren. Im Juli hielt Ghalib die Zeit gekommen, um Mekka wieder in Besitz zu nehmen, was ihm auch, ohne Widerstand zu finden, gelang. Wieder konnte er sich fast zwei Jahre lang als Herr der Stadt behaupten, jedoch der im August 1805 begonnenen Belagerung nicht widerstehen. Er zögerte

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