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Die Stimme · 1928-03-29 · Heft 13 (29.3.1928) · page 8

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 13 (29.3.1928)
Date
1928-03-29
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 OIE STIMME Nr. 13 Die herrlichsten Frühjahrs- Modelle aus edlem Material, feinst ausgeführt, in noch nie dagewesener Auswahl. Bekannt seriöse niedere Preise S cli u h m o d e n hd us 2>©i?n II. Tdborstraße 8d beiterzeitung Dawar", Tel-Aviv, zu dem Schluß, daß von den 4432 jüdischen Rückwanderern, die im Jahre 1927 das Land verließen, höchstens 20 Prozent, also etwa 950, berufstätige Arbeiter waren, die durch Hinzurechnung der Beamten und des Dienstpersonales keinesfalls die Zahl 1000 übersteigt. Berücksichtigt man die 600 im gleichen Jahre neu eingewanderten berufstätigen Arbeiter, so ergibt sich daraus ein Arbeiterabwanderungsdefizit, das die Zahl 500 nicht erreicht. Diese Berechnung soll zur Korrektur jener Gerüchte dienen, die von einer ..Massenrückwanderung" berufstätiger Arbeiter zu erzählen wußten. Tatsächlich rekrutierte sich die Reemigration im Jahre 1927 aus Kaufleuten, den Angehörigen freier Berufe, aus berufslosen Frauen, Studenten usw. Ist der italienische Faszismus antisemitisch? Diese Frage untersucht der jüdische Journalist David Kleinlehrer, der die Verhältnisse in Italien aus eigener Anschauung kennt. ,,Von einer antisemitischen Bewegung innerhalb des Faszismus kann schon aus dem Grunde keine Rede sein, weil Mussolini selbst und seine maßgebenden Mitarbeiter die große wirtschaftliche und politische Bedeutung des italienischen Judentums nur allzu gut einzuschätzen verstehen. Gleichwohl haben einige kleinere faszistische Gruppen, die mit den deutschen Hakenkreuzlern und den „Erwachenden Magyaren" wetteifern zu müssen glaubten, unausgesetzt den Versuch unternommen, den Antisemitismus in Italien heimisch zu machen. Es wurde auch eine sogenannte „antisemitische Liga" ins Leben gerufen, die eine italienische Ausgabe der „Weisen von Zion" verbreitete und sich überhaupt den deutschen Judenhaß zum Vorbild für ihre eigene „Tätigkeit" machte. Diese Bewegung fand bei der römischen „Tribuna" bereitwilligste Unterstützung, konnte jedoch in die offizielle faszistische Presse keinen Eingang finden. Mussolini selbst hat in einer Unterredung mit dem Oberrabbiner von Rom, Prof. Sacerdotti, erklärt, daß die F'aszisten eine Gegnerschaft zu den Juden überhaupt nicht kennen und daß sie sich hüten würden, dem schwer ringenden Italien noch eine völlig überflüssige Judenfrage aufzubürden. Trotzdem aber wollen die antisemitischen Hetzereien namentlich in den kleinen faszistischen Blättern nicht völlig verstummen und so sind eben auch die Anlässe zur Beunruhigung der jüdischen Bevölkerung nicht restlos verschwunden." * Die politische Bündnislähigkeit der Agudah untersucht in einem „Was beweisen die Ziffern" betitelten Aufsatz der Sejmdeputierte J. Grünbaum auf Grund der Ergebnisse der jüngsten Parlamentswahlen in Polen und kommt zu dem Ergebnis, daß ein Zusammengehen mit der Agudah statt mit den anderen Minderheiten keinen Mandatsgewinn bei den Wahlen gebracht hätte, sondern sogar eine geringere Zahl von Mandaten in Kongreßpolen und den Randgebieten ergeben hätte. Die Agudah hat bloß jüdische Mandate unmöglich gemacht. Grünbaum sagt u. a.: „Die Agudah hat uns um vier Mandate (das zweite im Wahlbezirk Warschau und die in den Wahlkreisen Lublin, Radom und Kalisch) gebracht. Wären wir mit der Agudah gegangen und hätten wir uns nicht mit den nationalen Minderheiten vereinigt, so hätten wir bloß das zweite Mandat in Warschau erlangt, doch nicht die Mandate in den Wahlkreisen Lublin, Radom und Kalisch, überdies hätten wir die Mandate in Piotrkow und Kalisch.... In Galizien rühmt sich die Agudah, die jüdischen Mandate in Rzeszow und Stryj unmöglich gemacht zu haben.... Bei einem Zusammengehen mit der Agudah, der wir ja Mandate hätten abtreten müssen, wäre die Wahlbilanz für uns Zionisten noch ungünstiger gewesen." Hitler-Geld in Oesterreich In der vorigen Nummer konnten wir von einer nationalsozialistischen Gedenkfeier berichten, bei der Adolf Hitler eine „gemäßigte" Rede hielt. Herr Hitler ist also Diplomat; wenn die Gelegenheit es verlangt, legt er sich in seinen antisemitischen Aeußerungen eine gewisse Reserve auf. Adolf Hitler ist aber auch in einem anderen, vollkommeneren Sinne als ein „Mann der Reserve" anzusprechen: er öffnet nämlich zeitweise die geheimen Schleusen seiner Reservefonds, um Geld nach Oesterreich fließen zu lassen. Er tut dies, wenn der höhere Zweck es erheischt, das heißt, wenn es gilt, in Oesterreich die hakenkreuzlerische Bewegung zu „finanzieren". Eine Prozeßsache, die dieser Tage in Wien vor dem Bezirksgericht Döbling verhandelt wurde, gab darüber interessante Aufschlüsse. Der pensionierte Oberst Friedrich Jankovic und der pensionierte Major Robert D e r d a sind zwei österreichische Hakenkreuzführer; beide gehören der Hitler-Partei an. Jankovic fordert nun von Derda in einer Klage 460 Schilling und 20 Reichsmark, die er ihm als Darlehen gegeben haben will. Derda aber behauptet, von Jankovic niemals ein Darlehen erhalten zu haben, vielmehr habe es sich um Gelder gehandelt, die Hitler der österreichischen Partei zu Händen des Herrn Jankovic zur Verfügung g e - s t e 111 hatte. Adolf Hitler wurde vom Amtsgerichte München als Zeuge vernommen und gab an, er habe dem Obersten Jankovic einmal 1000 Mark und dreimal je 400 Mark überweisen lassen. Die 1000 Mark standen dem Obersten für Parteizwecke zur Verfügung. Von den dreimal überwiesenen 400 Mark war er verpflichtet, an Derda 150 Mark weiterzugeben, während er den Rest als persönliche Entschädigung für seine Tätigkeit im Interesse der Partei behalten durfte. In ähnlichem Sinne sagte der nationalsozialistische Reichstagsabgeordnete Feder und Generalleutnant Heymann aus. Der Kläger Oberst Jankovic erzählte, daß er im August 1926 bei Hitler in München gewesen sei und von diesem zum Führer der nationalsozialistischen Bewegung in Oesterreich ernannt wurde; er sei eigens von Hartberg nach Wien übergesiedelt, um den ihm übertragenen Führerposten ausfüllen zu können. Er habe von der Partei noch ungefähr 2000 Schilling zu fordern. Um diese nationalsozialistische Non-olet- Angelegenheit durch eine weitere Beweisführung gründlicher aufzuklären, wurde die Verhandlung vertagt. — Aber schon jetzt hat die Verhandlung aufgeklärt, woher eigentlich die Wiener Hakenkreuzler ihr Geld bekommen haben. Hitlers Geldquellen freilich, die es ihm ermöglichen, auch in Oesterreich die nationalsozialistische Bewegung zu finanzieren, blieben nach wie vor in tiefes Dunkel gehüllt. Oesterreich ist für das Hakenkreuz Hitlerscher Prägung sicherlich kein geeigneter Boden; aber auch in Oesterreich gibt es Leute, die sich ihr Hakenkreuzlertum ganz gern „finanzieren" lassen. Das ftiniundfünlzigste Bubenstück Zahlen beweisen. Es ist diesmal ein trauriger Beweis, den die Zahlen erbringen, denn sie zeigen uns mit erschreckender Klarheit, wie verrohend und entsittlichend die Hetzarbeit der Großen auf die Erziehung der Kleinen wirkt. Es ist soweit gekommen, daß man die Friedhofsschändungen in Deutschland auch statistisch erfassen muß, daß die reichsdeutsche Presse sich veranlaßt sieht, jede Friedhofsschändung mit genauer Angabe der Ordnungszahl zu registrieren. Diese Zählung begann, als das erste halbe Hundert voll war; jetzt sind wir richtig bei der fündundfünfzigsten angelangt! Die Statistik der Friedhofsschändungen entrollt vor unseren Augen ein Bild der Sittenroheit, wie man es kaum für möglich gehalten hätte. Früher konnte sie manch gutgläubiges Gemüt als Jugendstreiche und Einzelfälle werten, nun stempelt sie die Häufigkeit der Vorfälle zur Zeiterscheinung. Die Zahl der Friedhofsschändungen wächst, ja, sie ereignen sich jetzt sogar serienweise. So sind in der vergangenen Woche allein drei Friedhofsschändungen in Deutschland vorgekommen: so in Gleicherwiesen in Thüringen, wo auf dem jüdischen Friedhofe 12 Grabsteine böswillig umgestürzt wurden, ferner — wie wir bereits mitteilten — in Velbert bei Elberfeld und in, Gestorf bei Hannover. Das Traurigste an diesen Vorfällen ist, daß auch Schuljungen im Alter zwischen neun und e 1 f Jahren Grabschändungen verübten. So hatten vor nicht langer Zeit in dem Landstädtchen Löwenberg in Niederschlesien drei Volksschüler auf dem dortigen jüdischen Friedhofe ein Dutzend Grabsteine umgeworfen, die Verzierungen und Ecken beschädigt und einige Steine mit Hakenkreuzen bemalt. Gegen die Täter konnte nicht eingeschritten werden, weil sie nicht strafmündig waren. Einer von ihnen war der Sohn eines Löwenberger Studienrates. Als dieser für den von seinem Sohn angerichteten Schaden von der Löwenberger Synagogengemeinde in Anspruch genommen wurde, brachte er es fertig, in einer Zuschrift an den Gemeindevorstand von dem „sogenannten Schaden" zu sprechen, wobei er das Wort Schaden in Gänsefüßchen setzte. Dieser Studienrat und Jugenderzieher war offenbar der Ansicht, daß sein Sohn durch solche Roheitsakte keinen Schaden nehme an seiner deutschen Seele. Dieser Fall zeigt uns, daß oft mit der Sittenroheit der Jugend eine Gesinnungsroheit des Alters Hand in Hand geht. Die gesamte freiheitliche Presse in Deutschland verurteilt einstimmig diese Roheitsakte aufs schärfste. Die „Frankfurter Zeitung" nennt die Friedhofsschändungen einen „Schandfleck auf der deutschen Ehre". Die Berliner „Welt am Montag" spricht von einer „Serie der Schmach" und äußert dazu: „Nichts kennzeichnet den moralischen Tiefstand, auf den die völkische Bewegung einen Teil der deutschen Jugend hinabpropagiert hat, so deutlich, wie die bald hier, bald da fortgesetzt verübten Zerstörungsakte auf jüdischen Friedhöfen. Die Hakenkreuz-Propaganda hat wie eine Seuche Deutschland heimgesucht. Vergeblich sucht man im Ausland nach ähnlichem. Die politische Reaktion in Deutschland kann ihre kulturelle Minderwertigkeit nicht stärker offenbaren." — Entrüstung allein leistet hier wenig. Die für die bestialischen Schändungen jüdischer Friedhöfe moralisch Verantwortlichen kann man leider gerichtlich nicht belangen. Der Fall Gellin Auch dieser Fall verdient, im Antisemitenspiegel gezeigt zu werden. Es handelt sich hierbei um einen Täufling, der durch antisemitische Pöbeleien seine völkische Gesinnung zu erhärten suchte. Daß dieser Renegat auch Landgerichtsrat ist, macht den Vorfall noch widerwär- Zionistisehes Laudeskoinitee Organisation llcehaluz filr Österreich österreichischer Landesverband ,Komitee der Freunde des Ilechaluz Donnerstag, den 29. März 1928,8 Uhr abends findet im großen Oiympiasaale, 1. Rothgasse 5, eine Feier 10 Jahre Welthechaluz statt. PROGRAMM: 1. Festreden und Begrüßungen 2. Künstlerischer Teil KLEINER REGIEBEITRAG S1EGM. KOßNMEHL, Grofifleisehhanerei Zentrale IX, Berggasse 19, Tel. 17-3*99 u. 16-9-34 Lieferant für Heilanstalten, Abteilungen für n^s-fltisch unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinats der Israelitischen Kuitusgemeinde Wien IX, Berggasse 15 XVIII, Währingerstraße 97 tiger. Ende September vorigen Jahres hatte der Brestauer Landgerichtsrat G e 11 i n in einem Weinlokal tüchtig dem Alkohol zugesprochen und dann in weinseliger Hurrastimmung schwere Beschuldigungen gegen das Judentum ausgebracht. Als ihn der im Lokal anwesende demokratische Landtagsabgeordnete Rektor Herrmann darob zur Rede stellte, beschimpfte er auch diesen und schrie: „Alle Juden sind Betrüger! Sie sind auch so ein Jude!" (Landtagsabgeordneter Herrmann ist übrigens ein N i c h t j u d e.) Vor kurzem wurde nun vor dem Großen Schöffengericht in Breslau die Verhandlung gegen den Landgerichtsrat Gellin wegen Beleidigung des Abgeordneten Herrmann abgeschlossen. Oberstaatsanwalt Schaeffer kritisierte in einer scharfen Anklagerede das Verhalten des Angeklagten, der durch sein Benehmen die Richterrobe beschmutzt habe. Rechtsanwalt F o e r d e r als Vertreter des Nebenklägers Herrmann knüpfte an die Worte des Oberstaatsanwaltes an und fügte hinzu: Der Täufling „Gellin hat das Nest beschmutzt, aus dem er stammt; er hat seine Eltern beschimpft, die im Grabe schlummern." Den Antisemitismus des Angeklagten erklärte Rechtsanwalt Foerder mit einer Art von V erdrängungsstreben, das sich darin äußere, daß ein Täufling unter Berufung auf seine jüdische Abstammung und seine angebliche Kenntnis der Juden sich für berechtigt halte, über seine Stammesgenossen den Stab zu brechen und jetzt sich selbst als einen Edelmenschen hinzustellen. Oberstaatsanwalt Schaeffer beantragte 800 Mark Geldstrafe und Publikationsbefugnis. Das Gericht erkannte auf 500 Mark Geldstrafe oder 50 Tage Gefängnis. Gellin ist seit Oktober vom Amte suspendiert. Antisemitischer Fasching Der nationalsozialistische Faschismus in Berlin sollte von Rechts wegen „Faschingismus" genannt werden. Der Name mag unschön klingen und auch sonst eine sprachlich nicht ganz einwandfreie Wortbildung darsteilen, aber er kennzeichnet doch vortrefflich das Tun und Treiben der reichshauptstädtischen Nationalsozialisten, das einem dauernden Karneval gleicht. Der Führer der Berliner Nationalsozialisten, Herr G ö b b e 1 s, von dem wir erst kürzlich ein charakteristisches Maulhcldenstückchen berichten konnten, hat sich eine Faschingsmethode zurechtgelegt, die er mit viel Reklame und wenig Erfolg anwendet, um die nationalsozialistischen „Ideale “ ins Volk zu tragen. Seine aus Radau und Sensation bestehende Wühl- und Werbearbeit, seine Versammlungen in den größten Sälen Berlins, seine Riesenplakate an den Litfaß-Säulen — das alles bildet insgesamt eine Art von Fasching, den Herr Göbbels in Permanenz erklärte. Daß derlei Agitationsmethoden viel Geld verschlingen, ist ebenso bekannt, wie es unbekannt ist, woher die anscheinend nie versiegenden Geldquellen des Herrn Göbbels fließen. Das bekannte jüdische Sprichwort: „Das ganze Jahr schicker und Purim nüchtern" gilt indessen für die Leute um Herrn Göbbels nicht. Wenn sie das ganze Jahr hindurch in Veranstaltungen und Versammlungen ihren Fasching feiern, so feiern sie ihn erst recht in der Faschingszeit. In diesen Tagen veranstaltete denn auch der Herr Göbbels ein Berliner Typen- und Trachtenfest, das sich sehen lassen konnte. Es verlohnt sich, das äußere Bild dieses Masken- und Trachtenfestes näher zu betrachten: Am Eingang des Festsaales ist ein Schild angebracht mit der Aufschrift: „Prima Standesamt." In der Nähe der Bühne eine Litfaß-Säule mit Illustrationen, darunter ein Bild mit der Aufschrift: „Der jüdische Herr von Berlin, der Polizeivizepräsident Bernhard Weiß." Ebenso wird Georg Bernhard verulkt. Andere Anschläge lauten: „Arbeiter, so sehen deine Führer aus." „Kauft nicht in jüdischen Warenhäusern.“ „Ein Hund niedrigster Rasse, auf den Namen Sido hörend, hat sich unauffindbar verlaufen. Der Hakenkreuzschutzverband." Die Masken und Trachten stellen dar: Isidor, Pfarrer Stucke, vom Finanzamt Ausgeplünderte, Rotfrontkämpfer, Fememörder, geheime Bernhardiner, Jacob Goldschmidt, Freimaurerloge, und besonders geschmackvoll: „Ich bin koscher, hier wird geschächtet." Auch einen „Schlager" hat Göbbels gedichtet: „So lang’ die blauen Sipo noch Unter den Linden stehen, Den Gummiknüppel schwingen, wenn sie zwei Nazi sehen, So lang’ die Isidoren noch herrschen in Berlin, So lang’ wird unsere Liebe zur Republik nicht blüh’n." Höhepunkt des Festes: Der Isidor-Darsteller wird umringt, verprügelt, auf die Bühne getragen und nachher zum Saale hinausgeworfen. — Mit derartigen Karnevalspossen will Herr Göbbels Berlin erobern. Kein Wunder, daß ihn kein vernünftiger Mensch mehr ernst nimmt. Aber so lächerlich und heiter die Göbbelssche Faschingsmethode erscheinen mag, sie besitzt dennoch auch eine sehr ernste Seite. Die „C. V.-Zeitung“, die sich in einem längeren Artikel mit Herrn Göbbels’ Sensationshaschereien befaßt, warnt mit Recht davor, diese Art von Hetzarbeit als harmlos anzusehen. „Sollen wir heute noch daran erinnern," so schreibt das Blatt, „daß ein so elendes Machwerk, wie die „W eisen von Zio n", der intellektuelle Urheber des Rathenau-Mordes gewesen ist? Göbbels wird sicherlich das deutsche Volk für den Nationalsozialismus nicht fanatisieren können. Er wird aber einige Fanatiker auf die Dauer nicht nur zu Zwischenrufen hinreißen, die mit schwerer Gefängnisstrafe geahndet werden, sondern auch zu Taten. Wir warnen alle, die es angeht." Ein Nachspiel zur Magdeburger Dreyius-Aliäre Es ist noch in aller Erinnerung, wie der angesehene jüdische Industrielle Leopold Haas in Magdeburg auf Grund ganz lächerlicher Aussagen des später wegea Raubmordes zum Tode verurteilten Schröder mehrere Monate unter Mordbeschuldigung in Haft hatte zubringen müssen. Vornehmlich waren es damals zwei Justizpersonen, der Magdeburger Landgerichtsdirektor H o f f - mann und der Untersuchungsrichter Landgerichtsrat K ö 11 i n g, die förmlich eine Hetze gegen Haas eröffnetea,

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