Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1 (1928)
- Issue
- Heft 13 (29.3.1928)
- Date
- 1928-03-29
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 13 DIE STIMME Sette 7 Sei älteren ^erfotten Die nrbeitsiutfnfjifl, nbflefpamit ititb moöerticfcfjloticn finb, beroirft rnbittmfjnltifleg, frei oorf'äufHcfyes SRnöioffUrin freies Greifen bes Blutes, erhöbt Qciftiflcs tutb törperUcljes •iJIrbeitsoermönen. 9iabiumflef)alt mntlicf) ge* prüft. 9lpotbefe "Bapev, 2ßten, I., 'JBoII^cilc 13. Di« Lehrwerkstatt« des Vereines „Zukunft“, die jetzt aufgelöst werden muß. Kein Generalversammlungsbericht Ein solcher wäre auch zu langweilig. Der Verein „Zukunft“ ist ausgezeichnet geführt, die Ausgestaltung seines Lehrlingsheimes .macht überraschende Fortschritte, folglich verlief idie .GeneralVersammlung ruhig und! normal. Jinunerhiiw ließ manche Stelle der ibeiden in ruhig 'akademischem Tone vorge'brachten Berichte erkennen, wie schwer der Kampf tun die entsprechende gewerbliche und geistige Ausbildung der jüdischen Jugend in mancher Hinsicht ist und wie häufig die speziellen österreichischen Verhältnisse diesen Kampf noch schwieriger gestalten. Was immer die Jungen lernen, meist tritt kurz nach der Freisprechung Arbeitslosigkeit ein. Die vierzehnjährigen Insassen der Waisenhäuser wiarten auf Aufnahme ins Lehrlingsheim. So müssen die arb 'tslosen jungen Gehilfen wenige Monate nach der Auslehre wohl die Anstalt verlassen, die Verköstigung wird ihnen aber noch weiter gewährt, vielfach muß ihnen sogar ihre Schlafgelegenheit 'bezahlt werden. Jeder Austritt bedeutet so eigentlich den Zuwachs eines Schützlings, also erhöhte Ausgaben. Die eintretenden Waisenkinder, die meist seit den ersten Kr i e g s j /a h r e ir i n( Wien wohnen, aber oft durch Jahre von Pflegestelle zu Pflegestelle wamderten, waren nicht selten in irgend einer kurzfristigen Zwischenstation nicht polizeilich gemeldet und man verweigert Ihnen daher nach dem Inlandsarbeiterschutzgesetz hier das Recht der Arbeit. Die Austretenden, meist elternlose Kriegsopfer, besitzen oftmals keinen Heimatschein, wodurch man ihnen zunächst die Auszahlung der Arbeitslosenunterstützung verweigert. Gesuche und Interventionen bei Behörden haben nicht immer Erfolg. Das Kapitel „Lehrwerkstätte“ erzählt Schauderhaftes vom österreichischen Zünftlergeist. Die zahlreichen in der Tsdhechoslovakei, in Polen und iRumäinien vom Joint gegründeten Lehrwerkstätten werden .klaglos von ortsansässigen Körperschaften weiter betrieben, Die hiesige wurde aus verschiedenen Gründen aufgelöst. Der Verein „Zukunft“ übernahm die Lehrlinge und errichtete eine neue Lehrwerkstätte; lichter, größer und mit mehr Maschinen ausgestattet als die frühere, die 'Fabriksberechtigung besaß und daher eine unbeschränkte Anzahl von Lehrlingen ausbildien durfte. iDer neuen wurde nutnl von den Behörden der Charakter eines Fabriksbetriebes nicht zuerkannt. Es fehle die serienweise Erzeugung eines Artikels, auch wurde das größere Lokal nun als zu klein befunden. Länger als ein Jahr hindurch wurde immer wieder rekuriert, und zwar nicht ohne Aussicht, dia sich unerwartet in dieser Angelegenheit eine gewisse Interessengemeinschaft zwischen dem Verein und dem sozialistischen Ra tlhaus ergab. Der jüdische Verein verfolgte den. Zweck, Chaluzim kurzfristig .auszubilden, frommen Jugendlichen, die Samstag nicht arbeiten, eine gute, normale Lehrstelle zu bietem\ und Jugendlichen, die nicht rechtzeitig einen Beruf ergriffen hatten, auch noch im Alter von 20 Jahren hiezu Gelegenheit zu gehen. Die Gemeinde wieder trägt sich schon seit langem mit der Absicht, eine große Anzahl von Lehrwerkstätten zu gründen, um so gegen die 'als Ausbeutung verschrieene Meisterle'bre zu Felde zu ziehen. Wenn es nun dem Verein gelang, irgendwie die österreichischen Zünftlergesetze zu umgehen, so war auch d'em Rathause die Möglichkeit zu einer neuen sozialen Tat gegeben. Daher großes Interesse für diese Angelegenheit bei führenden Männern der Stadtverwaltung. Dias letzte Wort hat aber Minister Dr. Schürf! und es unterliegt keinem Zweifel, daß er die Sperrung der Werkstätte veranlassen wird, Daher Generalversammlungsbeschluß: Liquidierung der Lehrwerkstätte. Vorher muß aber jedem Jungen in einem guten Betrieb die Auslehre gesichert werden, ohne daß er auch nur einen Tag seiner bisherigen Lehrzeit verliert, (Diese humane Art des Abbaues wird dem Vereine manchen Schilling kosten. Wo seiin'em Wirken nicht Gesetzesparagiraphen entgegenstehen, da ist der Verein „Zukunft“ erfolgreich. Das noch vor zwei Jahren fast brachliegende, alte, verwahrloste Lehrlingsheim in der Grünem-Tor-Gasse ist seither zu einer Musteranstalt auf- und ausgebaut worden. Das finanzielle Resultat 1927 ist aber trotz aller Investitionen nicht allzu traurig. Bei einer Gesamtausgabe von rund S 71.000 beträgt das Defizit S 4000. Der Vereinspräsident, Herr Kommerzialrat Paul Karpeles, erzählt ruhig, daß auch heuer große Investitionen bevorstehen, obwohl von den verschiedenen Körperschaften um S 10.000 weniger ian 'Subvention einlaufen dürfte. Ruhig, weil er überzeugt ist, daß die Judenschaft Wiens das Heim und dessen Arbeit unterstützen wird, ja muß. In diesem kraftbewußten Willen liegt das Geheimnis der raschen Entwicklung des Vereines „Zukunft“. Bei wichtigen humanitären Aufgaben darf man die „schlechten Zeiten" nicht allzusehr gelten lassen und auch im Wohlfahrtswesen sind es Ziel- •bewußth eit, Werbekraft und Organisationstalent der Führung, die den Erfolg bringen. S. A. Vereinsnachrichten Die Zehn-Jahr-Feier des „Hechaluz“ findet heute, den 29. März um 8 Uhr abends, im großen Olympiasaal (I,, Rotgasse 6) statt. Verband der Zxonisten-Revisionfsten, Donnerstag, 29. ds. 8 Uhr abends im. Cafe „Metropol1", IX., Berggasse 33, Versammlung: „Die Lage in der zionistischen Organisation Oesterreichs“. Redner Ter.nenibkitt, Haller. Eintritt frei; nur für organisierte Zionisten. Zion. Arbeitspartei „Hitachduth“ flL, Ausstellungsstr. 19). Sekretariatsstunden jeden Dienstag und Donnerstag halb 8 bis halb 10 abends. Samstag, 31. März, halb 8 Uihr abends,, Diskussion über das Thema „Geschichte des Materialismus“ im Anschluß an den Vortrag von Prof. Dr. W. Stein. werkstätte fiir Sessel und Tische Salongarnituren und Einzelmöbelstacke ADLER. VII, Apollos. 18 Kaisoratr. 12 Zionistische Sektion IV/V. Scderabende für Kinder. Die Frar.engruppe der zionistischen Bezirkssektion Wieden-Margareten veranstaltet Sederabende. die vorwiegend für Kinder gedacht sind, welche sonst keine Gelegenheit haben, einem Seder beizu vohnor:. Der Scder f'rrlel nn Restaurant Rosenberg, VI,, Esterhazygasse, unter Leitung des Herrn Zentralinspektor Krakauer und des Herrn Lehrer A. Sc’bwertf’nger statt, Ainmeld'imgen bei Frau Hochs tim. VI., Magdalenenstraße 4, Telephon 'B-20-9-92, — H e b r ä i s c h k u r s e. Die Hebräischktirse der zionistischen ßezirkssekfion Wieden-Margareten finden jeden Mont'ag und Donnerstag von 8 bis 10 Uhr abends im Schullokale, V., Siebenbrunnengasse 1 a, unter Leitung des Herrn Braunfeld, Absolventen des hebräischen Pädagogiums, in zwei Gruppen statt, Anmeldungen für die beiden Kurse, sowie für den neu zu gründenden .Jugendkurs dortselbst oder im Klubiokal der Sektion V., Margaretenplatz 4, Terrassencafe, jeden Mittwoch abends. Zionistische ßezirkssektion Leopoldstadt. Sonntag den 8. April halb 11 Uhr vormittags im Hotel „Continental“ Massenmeeting „Die Juden im März 1848". Referenten: Dr, Desidor Friedmann, Dr. N. M. Gelber, Prof. Dr. Wilhelm Stein, Oberbigturat Robert Stricker. Jüdisches Zentrum der Sozialen HÜfsgemeinschait Auitta Müller, (KI,, Untere Augartenstraße 35). Sonntag den 1. April 4 Uhr nachmittags IV. Jüdischer Künstlernachmittag. Programm: Violinvortrag — Kurt Fuchs gelb, Jüdische und Hebräische Lieder — Konzertsängerin 'Nora Daube r, Klaviervortrag — Jonah Ent in, Vorlesung — Ludwig Bato, Ostjüdische Dichtungen — Samuel Schwager Gäste herzlich willkommen! — Es wurde eine Kinderlesestube errichtet, deren Leitung Frl. >Rosi Lederer und Frl, Paula Kuhmefker übernommen ihaben. Neuainmeldungen für Mädchen im Alter von 6—14 Jahren werden Dienstag den 10. April, Freitag den 13. April von 3—6 Uihr und Sonntag den 15. April von 10—12 Uhr vormittags entgegen genommen. — 'Die Kinder werden täglich in der Zeit von 3—6 Uhr 'unter pädagogischer Leitung beschäftigt, und erhalten 'Nachhilfe für Volks- und Hauptschule. Den Kindern steht eine Bibliothek zur Verfügung. Bei den Einschreibungen werden nur gesunde Kinder in Begleitung Erwachsener berücksichtigt. Verband Jüdischer Kaufleute und Gewerbetreibender (Wien, I., Elisaibethstraße 9 il/10, Fernruf 45-8-34), Donnerstag den 29. März 8 Uhr abends im Wiener Bürgercafe, ill„ Praterstraße 11, 43. Plenarversammlung, Tagesordnung: 1. Steuervortrag von Öberfinanzrat Dr. Alfred Neuner über Fatierungen 1927. Verein zionistischer Hochschüler „Theodor Herzl“. Samstag den 31, März 8 Uhr abends im Heim, HK., Glasergasse 4, Vortrag Bb. Richard Lucka: „Jüdische Kunst“. Akademische Gäste willkommen! ZAV. „Bar Kochba“, Bei dem am Samstag den 17. März stattgefiundenen ordentlichen Generalkonvent wurde für das Sommersemester folgendes Präsidium gewählt: Präses: cand. merc. Moses Einziger, Vizepräses: cand ing. Saul Heller, Schriftführer: cand. merc. Isaak S z e j 11 es. Der neugegründete Verein „Jüdische Gemeinschaft, Klal Israel“, in Wien, h.at den Hauptzweck, die Herausgabe von talmudisöh-traditionellen Werken zu fördern. Es wurde ein Vereinsnabbinatskollegium gebildet, dem u. a. (Rabbiner C'h. Goldklang, der Schwiegersohn des Zablotower Großrabbiners Hager, als Oberrabbiner und Leiter, Rabbiner Secharje Edelstein, Rabbiner Aron Jehuda Arak, (Rabbiner Hirsch Eichenbaum und Rabbiner Dr. A. H. Teller angeboren. Dieses Kollegium hat etwaige Handschriften zu überprüfen und über ihre Veröffentlichung zu entscheiden. Besitzer von solchen Handschriften können sich beim Präsidenten des Vereines, Rechtsanwalt Dr. M. Kraessel, IIX,, Alserstraße 22, melden. Wiener Beth-Hamidrasch (II-, Tempelgasse 3). Samstag den 31. März Lektor Rabb. Dr. S, Rubin: Die Pessaoh-Hagadah. Das jüdische Leben in Bulgarien schildert ein Artikel des in Sofia erscheinenden „Haschofar“, der interessante Ziffern über die ökonomischen und kulturellen Verhältnisse der Juden Bulgariens enthält. „Die ganze jüdische Bevölkerung des Landes umfaßt 19.330 Seelen oder 4627 Familien, die im Kleingewerbe, in Handel, Industrie und Landwirtschaft tätig sind. Die jüdische Gemeinde in Sofia erhält zwei jüdische Volksschulen, vier hebräische Kindergärten und ein Progymnasium, in denen 1228 Kinder ihre jüdische Erziehung erhalten. Ein ansehnlicher Teil der jüdischen Jugend ist mit der nationalen Bewegung innerlich verbunden und es werden die Bemühungen fortgesetzt, um die ganze jüdische Jugend für die zionistische Arbeit zu gewinnen. Auch die jüdischen Gemeinden haben sich freiwillig in den Dienst des Palästina-Aufbauwerkes gestellt und haben seit mehreren Jahren die Einführung getroffen, im Zuge ihrer Steuereinhebungen auch Beiträge für den Keren Hajessod und Keren Kajemeth entgegenzunehmen. * Die Erneuerung des religiösen Lebens bei den russischen Juden beklagt der kommunistische „Eines“ in schmerzbewegten Worten. Das Blatt ist über die neuerliche Einbürgerung bereits „überwundener“ religiöser H&bcwiisch iedcF Wien Vit, ftlaviahilfevstvttße 66 I. Stock Telephon 32-3-68 Üfoderne Mfedfer und ‘Binden 1 Hygienische Mieder (nach ärztlicher Vorschrift)! Umstandsbinden! Qeradehalter! K&vpevtomn-' Komehluven, Ausgleichsmieder (System Hohlwattierung) Lebensformen zu tiefst betrübt und sieht sich sogar genötigt, die Hilfe der Regierung gegen die aus den jüdischen Tempeln und Lehrhäusern drohenden „reaktionären Gefahren" anzurufen. „Weißrußland und Ukraine — heißt es in dem Artikel im „Emes“ — haben untereinander die Arbeit der Vertiefung des religiösen Lebens innerhalb des russischen Judentums aufgeteilt. Weißrußland entsendet ins Innere des Reiches Redner und Prediger, Ukraine dagegen Kantoren und Vorbeter, die mit ihren Darbietungen die Herzen der Zuhörer gefangennehmen und daher zweifellos als „konterrevolutionär“ entschieden zu bekämpfen sind.“ * Ueber einen arabischen Protest'gegen den Kongreß der Missionäre in Jerusalem schreibt das New Yorker „Morgenjournal“: „Die mohammedanischen Araber, die von der Abhaltung eines Missionärenkongresses in Jerusalem eine Erstarkung der arabischen Uebertrittsbewegung zum Christentum zu befürchten haben, werden in ihrem Kampfe gegen die Sonderprivilegien, die die christlichen Missionsgesellschaften im heutigen Palästina genießen, die ungeteilte Sympathie bei den jüdischen Kreisen Erez Israels und des Auslandes finden, obwohl wir selbst es ablehnen müssen, gegen die Missionsgesellschaften in den Kampf zu ziehen, da wir auf ihren seelenfängerischen Betrieb eher mit Verachtung, denn mit Aufregung herabsehen können. Für die Araber aber bedeutet die Missionsbewegung eine weit größere Gefahr als für uns Juden — und zweifellos wird für sie auch die jüdische Solidaritätsbekundung in ihrem Kampfe gegen die Abhaltung des Missionskongresses in Jerusalem von großem moralischen Nutzen sein.“ « Wer waren die palästinensischen Rückwanderer im Jahre 1927? Auf Grund der amtlichen statistischen Veröffentlichungen gelangt W. Preuß in der hebräischen Ar-