Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1 (1928)
- Issue
- Heft 13 (29.3.1928)
- Date
- 1928-03-29
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 DIE STIMME Nr. 13 Palästina-Weine „Carmel-Origlnal“ CFriedmann Petach - Tlkwah) und auch andere edle Sorlen-Welne nee 9r „Wlenea", II, Ob. Donaustr. 91 Telephon 49-1*75 überführt werden, wie beim »Ritualmord von Polna«, wo ein Halbkretin das Opfer politischer Rankünen wird. Seit der ersten Ritualmordlüjje sind fast 1900 Lenze erschienen; sie wurde «fcjien Christen ausgeheckt, die damals, im römischen Imperium, die Schwachen, die Verfolgten waren; sie haben rasch gelernt, wie man verfolgt. Und seither ist der Lenz für die Juden kein froher Bote. Ein Nationalverband der Bukowinaer Juden Die Jüdische Einheitspartei der Bukowina unter (Führung ihres Präsidenten Dr. Mayer Ebner hat beschlossen, für den 8. April den ersten Juden tag zur Gründung des Nationalverbandes für die Juden der Bukowina einzulberufen. Der Judentag wird eine provisorische Leitung, bestehend aus einem Präsidenten, drei Stellvertretern, einer Exekutive und einem aus »hundert Mitgliedern zusammengesetzten Volksrate wählen. Der jüdische iNationalverband für die iBuikowinaer strebt die Zusammenfassung aller Juden der Bukowina zu einer e i nlb ei fliehen politischen Organisation. Er steht programmatisch auf dem Boden der Anerkennung der Juden als einer besonderen nationalen Individualität. Die Juden Rumäniens .bilden im Sinne des Friedensvertrages von Saint Germain und des sogenannten Minoritätenschutzvertrages eine ethnische Minorität und verlangen vom Staate die in diesem Vertrage und in dem Reiohsgrundgesetze garantierten Mindestrechte einer ethnischen Minderheit. Weiters fordert der Nationalverband die Anerkennung des B ü rgerrcchtes aller Juden, die auf rumänischen Territorium geboren sind oder zur Zeit der Ratifizierung der Friedensverträge auf rumänischem Territorium ihr Domizil gehabt haben. Der Nationalverband strebt die Vereinigung alle r Juden Rumäniens in einem Reiohsverband an. Die Jüdische Partei der Slowakei hielt am 18. März in Kaschau unter dem Vorsitze von Dr. K. F.erbstein (Presov) ihren Delegjertentag ab, dem mehr als 100 Delegierte aus allen Teilen der Slovakei und Karpatihorußlands beiwohnten. Im Tätigkeitsbericht, den Dr. Julius Reisz erstattete, werden die großen Erfolge der Jüdischen Partei;bei den letzten Gemeindewahlen in der Slovakei hervorgehoben. Gemäß dem Antrag des Referenten beschloß die Tagung den Zusammenschluß ihrer Organisationen in der Slovakei undin Karpathorußland zu einer einheitlichen Organisation, lim Rahmen der einheitlichen jüdischen Partei wurden drei Bezirke errichtet, und zwar für Karpathorußland mit dem Sitze in Urhorod, für die Ostslovakei mit dem Sitze in Kasch.au, für die Westslovakei mit dem Sitze in Preß'burg. Lieber die Frage eines einheitlichen Vorgehens sämtlicher jüdischer Parteien entspann sich eine ausführliche und lebhafte Diskussion, nach der u. a. (folgende Resolutionen angenommen wurden: 1. Die „Jüdische Partei“ will an der Aufbauarbeit des Tscheohoslovakischen Staates aktiv teilnehmen und unterstützt mit ganzer Kraft die Regierung und die übrigen Faktoren, die berufen sind, den weiteren Ausbau des Staates zu leiten, in ihrer diesbezüglichen Arbeit. Die „Jüdische Partei“ weist jede Tendenz entschieden zurück, welahe geeignet sein könnte, die Entwicklung dieser Aufbauarbeit zu hindern oder nachteilig zu beeinflussen. Die „Jüdische Partei“ ist die legitime politische Vertreterin des Judentums in der Slowakei und in Podkarpatsko Russ, deren sichtbare Exponenten die Parteileitung und die von der Partei in die politischen Körperschaften entsendeten Mandatare sind. Die „Jüdische Partei" wird in Angelegenheiten, welche die Juden des ganzen tschechoslovakischen Staates berühren, ein Zusammenwirken mit den jüdischen Parteien der historischen Länder anstreben. Zum Präsidenten der Jüdischen Partei wurde Dr. Julius Reisz (Preßburg) gewählt, zu Vizepräsidenten, die gleichzeitig als Vorsitzende in den Bezirken fungieren, wurden gewählt; Dr. Leo Sipos (Preßburg), Dr. Karl F erbst ein (Preäov), Dr. Moritz Juszkovics (Uzhorod). Weiters wurde eine Exekutive, bestehend aus 38 Mitgliedern, und ein großer Ausschuß von 150 Mitgliedern gewählt. Zuschriften und Manuskripte, die für unser Blatt bestimmt sind, mögen nicht an einzelne Personen sondern ausschließlich an die Redaktion (I., Rauhensteingasse 1) gesendet werden, da nur so rechtzeitige Erledigung bezw. Veröffentlichung gewährleistet ist. Seriös „HANSA“ ®IBII®BBI WIEN I., FRANZ JOSEFS-KAI 13 TELEPHON 75-409 Diskret Häuser, Büros, Wohnungen, Hypotheken, Verwaltungen Prompt Unter wenigen Tagen beste Resultate mmmmmm Eigene Kreditabteilung nur für große Transaktionen Kleine Nachrichten Die kaukasischen Sowjetbehörden haben beschlossen den im Jahre 1918 während der vom Heer des weißrussischen Generals Schkuro in den Städten Mazdak und Houtschuk veranstalteten Pogrome getötetem kaukasischen Bergjuden ein Denkmal zu setzen. In diesen Pogromen ist der größte Teil der jüdischen Bevölkerung dieser Städte niedergemetzelt worden. Die litauische .Regierung hat der „Jüdischen Stimme", der seit zehn Jahren in Kowno erscheinenden einzigen Tageszeitung Litauens, verboten, .an Sonntagen zu erscheinen, so daß die Zeitung, die bis jetzt sechs Ausgaben in der Woche veranstaltete, nunmehr gezwungen sein wird, nur an fünf Tagen in der Woche zu erscheinen, wenn sie die Sa’bbathruhe wie bisher wahren will. Man faßt hier diese Maßnahme gegen die populäre Zeitung als eine Schikane auf. Der russische Dichter Maxim Gorki, der seinen 60. Geburtstag feiert, hat die Ortsgruppe der jüdischen Kolonisationsgesellschaft „Ozet" in Zvenigorod in der Nähe von Moskau gebeten, ihn als Mitglied aufzunehmen, Die Gesellschaft hat ihn daraufhin zum Ehrenmitglied ihre; Exekutive gewählt. Der Vertreter der Judenschaft im ungarischen Oberhaus, der Oberrabbiner der Budapester orthodoxen Gemeinde, Koppel Reich, wurde vor kurzem 90 Jahre alt. Am 18. März fand in Riga die 5. Landeskonferenz der lettländischen Zionisten statt. Dl« große reichhaltige Pessach- Nummer der ,Stimme* erschein« am 4. April Der bekannte Berliner Spezialist für Magenkrankheiten, Professor Dr, Ismar Boas, der europäischen Ruf genießt, wurde vor kurzem 70 Jahre alt. Der 'Besitzer der „New York Times“, eines der größten Blätter der Vereinigten Staaten und der .ganzen Welt, Adolph S. Oclhs, feierte iam 12. März seinen 70. Geburtstag. Ochs hat dieses Blatt im Jahre 1896 (als unscheinbares, unbeachtetes Preßorgan, das eine Auflage von Laium 20.000 Exemplaren hatte, erworben, und zu einer der maßgebendsten Zeitungen gemacht. Er spielt auch im amerikanischen Reform judentu.m eine bedeutende Rolle. * Frau Ella Au e rb ach, die Gattin eines Berliner Rechtsanwaltes, ist als erste Rechtsanwältin am Berliner Kammergericht zugelassen worden. Ella Auerbach, die Tochter des Frankfurter Amtsgerichtsrats Dr. Levi, war als erste iReferendarin im Ober.landesgerichtsbezirk Frankfurt a. M. tätig gewesen. Österreich „Recht geht vor Macht“ Botschafter a. D. Dr. Dumba über Völkerbund und Aufbau der Weltwirtschaft. Ueber Einladung des Zionistischen Landeskomitees und der jüdischen Völkerbundliga für Oesterreich hielt Montag abends in der Sektion Hietzing, die jetzt ihre Tätigkeit wieder auf genommen hat, Botschafter a. D. Dr. C„ Th. Dumba einen äußerst instruktiven Vortrag .unter dem Titel „Völkerbund und friedlicher Wiederaufbau der Weltwirtschaft“, Einleitend wies der Redner darauf hin, daß der Gedanke des Völkerbundes keineswegs eine (Erfindung der Nachkriegszeit sei. Propheten, Philosophen und Schriftsteller haben schon vor Jahrhunderten und Jahrtausenden den völkerverbrüdernden Gedanken eines Völkerbundes gefaßt. Die einflußreichen Politiker aber wollten diesen Gedanken nicht in Wirklichkeit umsetzen, Erst ein Mann, der eine derartige Machtfülle in sich vereinigte, wie Präsident Wilson, konnte dies durchsetzen. Zwei Leitgedanken sind es, die den Völkerbund beseelen; die Sicherung des Friedens durch .möglichst rasches Eingreifen im Falle eines Konfliktes und der Gedanlke des wirtschaftlichen Z u sa mm e na r b e i t e n s der Völker. (Um das letztere Ziel zu erreichen, hat der Völkerbund eine Reibe von Kommissionen eingesetzt, die die wirtschaftlichen Fragen durchzuberaten omd das Resultat dieser Beratungen in Form von Resolutionen an die maißtgebenden politischen Falktoren weitergeben, welche dann für deren Durchführung zu sorgen haben. Diese Kommissionen (haben schon eine ziemlich (umfangreiche, ersprießliche Tätigkeit entfaltet. Die Sanierung der valutasdhwachen Länder, darunter auch Oesterreich, ist dem Völkerbund zu verdanken. Auf dem Gebiete der Durchsetzung der Wirtschaft« frei heit wurde eine Reihe von Resolutionen gefaßt, so über die Abschaffung der Ausfuhrzölle, sowie über den Abbau der Zollschranken im allgemeinen. Der frühere Gesandte Österreichs in Berlin, Riedl, hat zur vorläufigen Beseitigung der durch die Zollschranken hervorgerufenen Wirtschaftskrise die Einführung langfristiger Zollunionen vorgeschlagen, die jetzt Gegenstand eingehender Beratungen sind. Warnung I Vorzügliche, täglich ofenfrische, felnslef dünnste MAZZOTH UND GRIESS bekommen Sie nur* aus der I. Wr. orth. Mazzothfabrik Israel Vortrefflich Wien» II., Obere Augartenstrafle 52 Verlangen Sie überall ausdrücklich Vortrefflich-Mazzoth Der Völkerbund leistet aber noch andere segensreiche Tätigkeit. Er hat es zuwege gebracht, daß a.n Stelle des früheren .absolutistischen Prinzipcs „Macht geht vor -Redht“ der Grundsatz „Recht geht vor Macht" getreten ist. Große Kriege sind fast ganz ausgesohatltet, denn bei der heutigen Form der chemischen Kriegführung müßte zweifellos die ganze Zivilisation bei einem größeren Kriege i,n Trümmer genen. Das Prinzip der Gleichheit aller V ö l (k e r hat sich (Bahn gebrochen. Auch dlie kleinen, weniger ausschlaggebenden Staaten gelten als gleichberechtigt .in der Familie der Völker. Am besten kommt dieses Prinzip der Gleichberechtigung bei den neuen Grundsätzen der Manda t s p ol i t i k zum Ausdruck. War früher das Mandatsvolk Objekt der Mandatarstaaten, so ist heute das Manda tsvolk Subjekt der Herrschaft, die durch das Mandatarsland repräsentiert wird. Der Gedanke hat sich durchgerumgen, daß jedes V o Lk ein Recht auf s e i n L <a n d bat. In Palästina ist dieser Gedanke zur Wirklichkeit geworden. Für das Zionistische Landeskomitee dankte Dr. David Rothblum dem Vortragenden für seine äußerst (interessanten, von den Zuhörern mit reichem Beifall angenommenen Ausführungen. An Stelle von Dr, Desider Friedmann, der der zweite Redner des Abends sein sollte, aber wegen eines leichten Unwohlseins nicht erscheinen .konnte, hielt Professor Dr. Stein eine äußerst wirksame improvisierte Rede über die gegenwärtigen Verhältnisse in Palästina, die lebhaften (Beifall fand. Jim Namen der iHietzinger zionistischen Judensohaft dankte sodann der ehemalige Präsident dieser Bezirkssektion Dr. Sonderling dem Zionistischen Landeskomitee für die llnitiatlve aur Reaktivierung der Hietzinger Bezirkssektion und forderte die Versammlungsteilnehmer zur unermüdlichen Mitarbeit an der Reaktivierung dieser Ortsgruppe auf, die sich sodann nach Schluß der Versammlung neu konstituierte und bereits eine große Anzahl von neuen Mitgliedern verzeichnen konnte. Zionistischer Parteirat Samstag den 31, März um 8 Uhr abends findet im Heim V'IIII,, Bennoiplatz 1 a eine S i tzung des Parteirates der österreichischen Zionisten statt. Tagesordnung: 1. Die gegenwärtige Lage in der österreichischen iLandesorganisation. 2. Eventualia. Zutritt haben nur Delegierte. Danksagung Aus Anlaß des Trauerfalles, der mich betroffen hat, sind mir und meinen Angehörigen so viele iBeweise vom (aufrichtiger Teilnahme zugekommen, daß ich außerstande bin, jedem einzelnen Dank zu sagen. Ich tue es daher .auf diesem Wege. Die Worte des Trostes, die mir mündlich und schriftlich gesagt wurden, kamen .nicht nur aus Freundes-, ‘Berufs- und Barteikreis, sondern auch aus Kreisen, die durch keine dieser Beziehungen mir nähestehen. Sie alle haben) in ihrer überraschend großen Zahll und ihrer aufrichtigen 'Empfindung mir in meinem Schmerz Trost gegeben, und mich meine Freunde kennen gelehrt. . Dr. Leo Goldhammer. Treffpunkt der Zionisten jeden Samstag abends im Cafe Produktenbörse, II., Täborstraße 10. Wochen-Kalender März—April 1928 Gedenktage rrs-in p’j 29 Donnerstag 1832 — der berlihmte Philologe und Philosoph Prof. Theodor Gomperz in Brünn geboren. 1841 — der Architekt Max Fleischer, Erbauer mehrerer Synagogen in Wien, ln Proßnitz geboren. s _ n 30 Freitag 1804 — der berühmte Kantor Salornon Sulzer in Hohenems geboren. 1816— Prof.Moriz Steinschneider in Proßnitz geboren. 1864 — der bekannte Natlonalßkonom Prol. Max Oppenheimer geboren. 1910 — der hebr. Schriftsteller Moses Löb Lilienblum ln Odessa gestorben. 9 — ft 31 Samstag 10 - i Sabbat bagadol. Haftarahi Kau omar April 1 Sonntag 1899 — Baronin Klara Hirsch, geb- Bischoffsheim, in Paris gestorben. 1925 — Eröffnung der hebr. Universität in Jerusalem. n - * 2 Montag 1806 — Qabrlel Kiesser, Mitglied der deutschen Nationalversammlung 1848J, Herausgeber der Zeitschrift »Der Jude" (1832), in Hamburg geboren. n | 1 CM 3 Dienstag 1790 — Ephraim Moses Kuh, der erste Jude, der sich in seinen Dichtungen der deutschen Schriftsprache bediente, in Breslau geboren. i3r 4 Mittwoch 1918 — der berühmte Philosoph Prof. Dr. Hermann Cohen in Berlin geBtorben. 14 — Erew Pessach 1. Sederabend