Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1 (1928)
- Issue
- Heft 13 (29.3.1928)
- Date
- 1928-03-29
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 13 DIE STIMME Seite 3 gen Kulturstufe befinden, sich viel stärker vermehren, als Völkerschaften mit hoher Kultur? Uebersieht- Prof. Hersch absichtlich, daß mit der zunehmenden Einwanderung der Juden nach Palästina und mit der infolge derselben zu verzeichnenden gesteigerten Zivilisation und Verbesserung der wirtschaftlichen Lage der nichtjüdischen Bevölkerung ein Rückgang ln der Geburtenzahl der Nichtjuden eintreten muß und eintreten wird? Ist Herrn Prof. Hersch nicht bekannt, daß ein städtisches, oder gar, wie es das Judenvolk ist, großstädtisches Element immer eine geringere Gebürtigkeit aufweist, als eine ländliche Bevölkerung und daß daher mit der Ueberführung der Juden von der Stadt ins Dorf sich auch eine Verschiebung zugunsten des jüdischen Volkes ergeben muß? Ist Prof. Hersch nicht bekannt, daß heute noch in Palästina die Mädchengeburten viel ungenauer registriert werden, als die Knabengeburten? Aufklärungen darüber kann ihm der ihm gesinnttngsmäßig nahestehende, trotzdem aber objektivere Jakob Leszczinsky geben. Dabei soll nicht unerwähnt bleiben, daß die Geburtenzahl bei den nomadisierenden Völkern eine ganze andere ist, als bei den seßhaften und daß bei den Arabern allgemein die Beobachtung gemacht werden kann, daß sie immer mehr vom Nomadentum zur Seßhaftigkeit übergehen. Die Statistik ist heute eine unentbehrliche, aber doch nicht mehr als eine H i 1 f s Wissenschaft und die Arbeit Prof. Hersch ist ein Schulbeispiel dafür, wie Voreingenommenheit, Feindseligkeit und Gehässigkeit gegen eine gesellschaftliche Erscheinung, eine Wissenschaft zu ihrer eigenen Karikatur machen kann. Wer ist für die rumänischen Studentenexzesse verantwortlich? Ein Memorandum der jüdischen Völkerbundligen. Wie wir bereits berichtet haben, wurde der in Brüssel stattgefundenen Tagung der Minoritätenkommission der Union der Völkerbundligen von den Delegierten der jüdischen Ligen in Palästina, Oesterreich, der Tschechoslowakei und Bulgarien ein Memorandum über die letzten Vorgänge in Rumänien überreicht, das bei der im Juli d. J. im Haag stattfindenden Plenarkonferenz der Union der Völkerbundligen behandelt werden wird. Das Memorandum, welches seiner Wichtigkeit halber noch von maßgebender Seite in unserem Blatte besprochen werden wird, gibt einige interessante Aufschlüsse über die Vorgeschichte der letzten Studentenexzesse und über die Mitverantwortung der rumänischen Regierung für das Entstehen einer Atmosphäre, welche die letzten Vorfälle begünstigte. Es gelangt zu ähnlichen Schlüssen, wie das von uns jüngst zitierte Gutachten der nach Rumänien entsendeten Kommission des amerikanischen Ausschusses für die Minderheitenkirchen. Die wichtigsten Punkte des Memorandums seien auszugsweise wiedergegeben. Zunächst heißt es: Die weltberühmten und bevorzugtesten 5 Amerikanischen | Manischewitz Matzos I Grieß gaaaaoaoaaaoDDDDDODODooa n 1 R Farvel sind bereits eingetroffen und in allen besseren Lebensmittelgeschäften erhältlich Manischewitz Matzos-Vertrieb Wien, II., Fugbachflasse 24 CNordbahnstrafle 38) Telephon Nr. 75-9-32 und 42-3-58 Filiale: lg. Frost, II, Haidgesse 9 — Telephon Nr. 46*8-89 »Die Jahr für Jahr sich wiederholenden Ausschreitungen sind das unmittelbare Ergebnis einer hemmungslosen antisemitischen Propaganda, die seit sechs Jahren unangefochten vor sich gehen darf. Bis zum Sommer 1922 lebten die verschiedenen Nationalitäten und religiösen Gemeinschaften in Rumänien friedlich und freundschaftlich zusammen. Zu dieser Zeit setzte die gefährliche Agitation gegen die Juden ein und nahm seither an Intensität immer zu. In Hunderttausenden von Pamphleten wurde die Bevölkerung zu Angriffen gegen die Juden aufgestachelt, besonders die Studenten wurden unablässig zu Angriffen auf die Juden ermuntert.« Im Memorandum werden dann zahlreiche Beispiele antijüdischer Ansschreitungen von November 1922 bis Ende 1926 auf gezählt und dargelegt, daß die Plünderer stets mit Milde behandelt wurden. Diese Milde gegenüber den Judenfeinden ist entweder dadurch zu erklären, daß Regierungsmitglieder selbst Antisemiten waren, wie der frühere Innenminister G o g a, der zum Ehrenmitglied des Studentenkongresses in Großwardein gewählt worden ist, oder dadurch, daß die Re- KARTONNAGENFABRIK 3 GELBAND & Co, WIEN IX. Grundlslr. 5 I ► J Telephon 19-0-69 beliefert alle führenden jüdischen Firmen mit!► ALLEN ARTEN KARTONS gierung davor zurückschreckt, es sich mit einer so bedeutenden Macht, wie sie die Universitätsjugend darstellt, zu verderben. Die jetzige rumänische Regierung, heißt es in dem Memorandum weiter, hat wiederholt erklärt, die Rechte der Minderheiten achten zu wollen, aber auch sie Hat sich gegenüber den Studenten als zu schwach erwiesen. Der Innenminister D u c a ist von jüdischen Parlamentsmitgliedern darauf aufmerksam gemacht worden, daß der Studentenkongreß in Großwardein zu dem Zwecke zusammentrete, um den gegen die jüdische und die magyarische Minderheit aufgespeicherten Leidenschaften freien Lauf zu lassen. Die Regierung gestattete dennoch die Abhaltung des Kongresses, der unter der persönlichen Verantwortung des Unterstaatssekretärs Tatarescu gestanden hatte. Den Studenten wurden freie Bahnfahrt, freie Herberge und verschiedene andere Vergünstigungen gewährt. Der Präfekt von Großwardein, dessen Pflicht es war, für Ruhe und Ordnung zu sorgen, sanktionierte im voraus die Ausschreitungen, indem er den antijüdischen und antimagyarischen Charakter des Kongresses hervorhob. Die Studenten hatten allen Grund, Straffreiheit für alle Taten zu erwarten. Alle von der rumänischen Regierung gegebenen Zusicherungen haben es nicht bewirken können, daß sich die öffentliche Meinung und die rumänischen Juden beruhigen. Die rumänischen Juden wissen wohl, daß zogen in ferne Länder aus. Unter ihnen befindet sich eine stattliche Reihe jüdischer Gelehrter, die sich in der Geschichte der Wissenschaft einen unvergäng-, liehen Namen erworben haben. Einen hervorragenden Anteil hatten jüdische Reisende an der Erforschung der arabischen Länder. Zu den ersten Erforschern Südarabiens gehört der Pariser Gelehrte Joseph H a 1 e v y. Im Aufträge des französischen Unterrichtsministeriums und der Akademie der Wissenschaften bereiste er in den Jahren 1869 bis 1870 den Jemen in Südarabien. Die. Reise legte er in der Tracht eines jemenitischen Juden zurück. In der Hauptsache studierte er die alten arabischen Dialekte. Es gelang ihm alte und wertvolle Inschriften zu entdecken ebenso die Ruinen der Residenz der Königin von Saba und der jüdisch-himjaritischen Fürsten, die bis zum Erscheinen Mohammeds dort geherrscht haben. Ein Jahr vor dieser Reise beteiligte sich Halevy an der Erforschung des nördlichen Abessinien. Hermann Burchardt war anfangs Kaufmann, gab aber später seinen Beruf auf und ging auf Reisen, die etwa ein Jahrzehnt dauerten. Er bereiste Turkestan, Persien, Kurdistan, Ost- und Südarabien, Marokko, Ostafrika und Lappland. Ueberall drang er unter ständiger Lebensgefahr in noch unerforschte Gebiete. Besonders wertvolle Studien machte er in Südarabien. Auf seinen wiederholten Reisen dorthin sammelte er ein reiches wissenschaftliches Material, das er nach der Rückkehr von seiner dritten Jemenreise herauszugeben gedachte. Er kam aber nicht dazu, da er im Jahre 1909 auf dem Wege zwischen Sanaa und Mokka von aufständischen Eingeborenen mit seinem Begleiter, dem italienischen Vizekonsul Marquis Benzoni, überfallen und erschossen wurde. Recht abenteuerliche Reisen machte auch der Sprachforscher Eduard Glaser (geb. 1855, gestorben 1908). Er war ursprünglich Astronom, verlegte sich später auf das Studium orientalischer Sprachen und ging zuerst nach Tunis, wo er das Arabische bis zur vollkommenen Beherrschung erlernte. Um sicher in arabischen Ländern reisen zu können, lernte er bei einem mohammedanischen Priester alle religiösen Gebräuche der Araber. Erst dann wagte er eine große Reise durch Südarabien. Die wissenschaftliche Ausbeute dieser Reise waren viele Hunderte von Inschriften in verschiedenen alten arabischen Dialekten. Die Abschriften dieser Inschriften befinden sich in Berliner und Wiener Bibliotheken und im British Musetun. Die ostasiatischen und zentralasiatischen Länder waren das Forschungsgebiet von Hermann V ä mb e r y. Vämbery war ein Sohn armer jüdischer Leute und mußte schon in der frühesten Jugend für seinen Lebensunterhalt selbst sorgen. Er war nacheinander Schneiderlehrling, Hoteldiener und Hauslehrer; daneben studierte er eifrig fremde Sprachen, und schon in jungen Jahren beherrschte er außer den europäischen Sprachen auch Türkisch und Arabisch. Seine erste Reise nach dem Orient machte er, 22 Jahre alt, nach Konstantinopel. Ohne Geld kam er dort an und fand für einige Tage Unterkunft bei einem Landsmann. Bald erhielt er jedoch infolge seiner guten Sprachkenntnisse eine Lehrerstelle im Hause eines türkischen Generals. In der Zeit seines Aufenthaltes in der Türkei erlernte er eine ganze Reihe orientalischer Sprachen und Dialekte und verfaßte auch einige bedeutende wissenschaftliche Werke. Die ungarische Akademie der Wissenschaften ernannte ihn zu ihrem Mitglied und beauftragte ihn eine Reise nach Mittelasien zu unternehmen, um dort Sprachstudien zu betreiben. Die Reise nach diesen Gebieten war den Europäern zur damaligen Zeit strengstens untersagt und mit Lebensgefahr verbunden. Vämbery verkleidete sich als mohammedanischer Derwisch und durchzog in dieser Verkleidung, einmal sogar mit einer Karawane von Mekka-Pilgern, Persien, Turkestan, Khiwa und Buchara. Die Forschungen, die er über die Lebensverhältnisse und Dialekte der Turkmenen machte, trugen ihm bald darauf die Berufung an die Universität in Budapest ein, wo er als Professor für orientalische Sprachen wirkte. Max von Oppenheim erforschte das Stromgebiet des östlichen Tian-Schan in geologischer, zoologischer und botanischer Hinsicht. An der Expedition des berühmten Reisenden Sven Hedin nach Chinesisch-Ostturkestan beteiligte sich der jüdische Gelehrte Dr. Aurel Stein, Er beschäftigte sich in der Hauptsache mit dem Studium der Vorgeschichte dieses Gebietes. Auch an der Erforschung Afrikas haben sich Juden beteiligt. Louis Gustav B i n g e r, ein französischer Offizier, bereiste in dienstlichen Aufträgen mehreremal die französischen Kolonialbesitzungen in Afrika, von Senegambien bis zum Sudan. Weltruf erwarb er sich durch seine große Reise vom Senegal bis zum Nigger. Zu den bedeutendsten Forschungsreisenden gehört unzweifelhaft der berühmte Afrikaforscher Emin Pascha. Er hieß mit seinem eigentlichen Namen Eduard Schnitzer und wurde 1840 in Oppeln (Schlesien) geboren. Er studierte in Breslau, Berlin und Königsberg Medizin und wurde im Jahre 1865 Quarantäne-Arzt in Antivari in Albanien. Von dort ging er nach den anderen Ländern der damaligen europäischen Türkei, wo er sich sowohl als Arzt wie auch politisch betätigte. Seine eigentliche große Laufbahn begann er erst, als er in ägyptische Dienste trat und die Organisation des Aerztedienstes in der Aequatorialprovinz, die damals zum ägyptischen Sudan gehörte, übernahm. In dieser Stellung hatte er Gelegenheit Hervorragendes zu leisten und wurde bald darauf zum Gouverneur der Provinz mit Pascha- Titel ernannt. In unermüdlicher Arbeit gelang es ihm, in dem wilden Lande Ordnung einzuführen, Stationen zu bauen, Krankenhäuser zu errichten und vor allem den dort blühenden Sklavenhandel erfolgreich zu bekämpfen. Außer diesen Arbeiten machte er naturwissenschaftliche Studien und unternahm Reisen in noch unbekannte Gebiete am weißen Nil und am Njansa-See. Zu jener Zeit brach im Sudan der Mahdistenaufstand aus, jene gewaltige Empörung fanatischer mohammedanischer Stämme gegen die englischägyptische Herrschaft und gegen alle Ungläubigen. ^^://$/^/..:/6:+/+./.^^7./+.:+/+//:/^2+^C 2353482353482353482353232348232353482323534823232323