Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1 (1928)
- Issue
- Heft 12 (22.3.1928)
- Date
- 1928-03-22
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 12 DIE STIMME Seite 11 Tuchhaus Münz Wien I Ertfgasse 4 und Kramergasse 11 Zugangs Rotenturmstraßc 11—13 Import original englischer und schottischer Damen- und Herrenstoffe Detailverkauf zu Engrospreisen Wissenschaft, Literatur, Kunst New Yorker Theaterbrief Die Krise öcs jüdischen Theaters — Puschkin-Melodrama und Puschkin-Operette — Wo wird Morris Schwarte Kunsttheater spielen? Von unserem New Yorker S, J.-Berichterstatter. Das jüdische Theater in der Stadt der zwei Millionen Juden befindet sich seit einigen Jahren schon in einem Krisenzustand; in der laufenden Saison ist diese Krise noch stärker fühlbar geworden und die vierzehn jüdischen Theater New Yorks spüren sie ganz gewaltig. Das mag zum Teil auf die gegenwärtige wirtschaftliche Depression zurückzufiihren sein, welche dem Hochgang der Konjunkturwelle gefolgt ist; zum größten Teil hängt diese Krise — und das eben nicht erst seit heute — mit der Einwanderungssperre zusammen; die jüdischen Theater New Yorks bezogen ihr Publikum hauptsächlich aus den „Grünen1', den neuen Einwanderern. Sie haben sich auch nach diesem Publikum, das zufrieden war, ein jüdisches Lied, einen jüdischen Kantoralgesang und jüdische Badchen-Spässe inmitten einer primitiven Bühnenhandlung zu hören, gerichtet. Inzwischen ist eine neue Generation herangewachsen, nur zum Teil noch des Idioms sprachlich mächtig, zum viel kleineren Teil noch von jüdischer Heimatromantik ins Theater getrieben, an der „Public School", am New Yorker Leben, am Kino, am Jazzrhythmus geschult. Aber die jüdischen Theater haben sich in ihren Darbietungen wenig geändert. Darin mag die Krise ihren Hauptgrund haben. Mit der „Literatur" ist in New York nicht viel Staat zu machen, es fehlt an einer geistig festfundierten Intelligenz, nicht nur unter den Juden, sondern vielleicht noch mehr unter den Vollamcrikanern. So ist es denn symptomatisch, daß außer der aus Europa importierten „Sensation1*, die aber für den Großteil des Publikums nicht erschwinglich ist (vom Verständnis erst nicht zu reden) die melodramatische Kitschbühne noch am ehesten :aif Zuspruch rechnen kann. Dafür gibt ein Stück, welches jetzt in Morris Schwartz' jüdischem Kunsttheater aufgeführt wird und das bisher die Saison dieses Theaters „gehalten" hat, den besten Beweis, Schwartz hat ein altes Bühnenstück „Alexander Puschkin" ausgegraben, welches den italienischen, Autor Alessandro Carrera zum Autor hat und im Jahre 1865 zum ersten Male das Rampenlicht erblickt hat und nur ein zugkräftiges Gastiersüick des berühmten italienischen Tragöden Rossi war, bis es zusammen mit ihm zu' Grabe ging. In diesem Stück ist Puschkins Lebensroman, mit allen Effekten des Melodramas versehen, dramatisch dargestellt. Puschkin liebt seine Frau Natalie, die ihn betrügt; er erfährt durch ein Zigeunermädchen, welches ihn hoffnungslos liebt, daß Natalie ihn mit dem Manne ihrer Schwester betrügt (der diese Schwester nur geheiratet hat, weil er zu schüchtern war, Natalie seine Liebe zu gestehen). Puschkin fällt im Duell, mit dem Liebhaber seiner Frau. Weinend wirft sich das Zigeunermädchen über seine Leiche. „Als die Sonne aufging, fand ich dich; nun sie untergeht, habe ich dich verloren! Doch niemand kann dich mir mehr nehmen! Du bist mein, mein!1“ Das sagt die Zigeunerin wörtlich und darüber senkt sich der Schlußvorhang, weshalb wohl Kommentare überflüssig sind. Es sei nur bemerkt, daß dieser Puschkin-Stoff gleich zu einer richtiggehenden Operette „ausgebaut und vertieft“ wurde, in der Zar Nikolaus I. höchstpersönlich der Frau Puschkins nachstellt, Puschkin, der natürlich Tenor singt, im Traum allen seinen früheren Geliebten wiederbegegnet, und ein Riesenmaskenball Gelegenheit zu Auseinandersetzungen zwischen dem Dichter und dem Zaren bietet. Diesen in Effekten übertrumpften Puschkin-Text hat ein hurtiger M. Oscherowitsch geliefert und ein ebenso fixer Alexander O 1 s c h anetzki hat die Musik dazu angefertigt. Jetzt lebt das jüdische „Nationaltheater" von Montag bis Donnerstag von der Puschkin-Operette, das jüdische Kunsttheater von Freitag bis Sonntag von dem Puschkin-Melodrama ohne Musik. Arbeitsteilung! Morris Schwartz hat vor nicht viel mehr als zehn Jahren der echten jüdischen Bühnenkunst in New York ein Heim schaffen wollen; heute ist er beim Puschkin-Melodrama angclangt. Es kann ihm kein Vorwurf gemacht werden; die Verhältnisse sind stärker als er (ob dieser ambitiöse Schauspieler mit dem nicht allzu starken Kunstverstand allerdings die Verhältnisse irgendwie zu meistern imstande gewesen wäre, ist fraglich). Für seine künstlerischen Bestrebungen hat Schwartz vor nicht langer Zeit nach schweren Bemühungen ein eigenes Theater auf der Second Avenue, mitten im Theaterzentrum, erlangt. Doch er wird es, wie die Dinge jetzt liegen, nicht halten können. Er mußte den 20jährigen Pachtvertrag, den er mit dem Erbauer des neuen Theaters geschlossen hatte, verpfänden und da er die großen Summen, welche er darauf aufnahm, nicht zurückzahlen kann, wird der Pachtvertrag voraussichtlich in der nächsten Saison an M. Lipschitz übergehen und Schwartz wird das Theater verlassen müssen, Lipschitz will das neue Haus in ein Operettentheater umwandeln. Schwartz' Kunsttheater dürfte in der nächsten Saison in das Gebäude des Irving-Place-Theaters übersiedeln, wo in der vorigen Saison der Schauspieler Ben-Ami es erfolglos mit ernstem Sprechtheater versucht hat. Das „Kunsttheater" hat also bald wieder kein Heim mehr, und dies nach so kurzer Zeit. Auch dies ein Symptom, ein schweres Symptom, für die schwere Krise des jüdischen Theaters im größten jüdischen Zentrum der Welt. Ein neaer jüdischer Im Berlin,-r ’j henter am Kurfürstendamm fand vor einigen Tagen die Uraufführung eines Stückes des bekannten deutschen Misrachi-Fiihrers Lazarus Barth statt. Das Schauspiel führt den Fite! „General Wallensteins Ableben" und versucht, nach dem Vorbild der Wandlung der SchiMerschen heldischen „Jungfrau von Orleans" zur Shawschen realistisch gesehenen „Heiligen Johanna" das Wallerstcin Drama realistisch und zum Teil p<trcdisüscii zu gestalten. Es fand starken Beifall. Ein neues hebräisches Drama Das Schicksal einer Judengemcinde zur Tragödie gestaltet — das ist der Kern des fiinfaktigen Dramas „Pulcelina" von S. G o i t e i n, das eben im Verlage Dawar in Tel-Aviv erschienen ist. Held der Tragödie ist die jüdische Gemeinde von B 1 o i s, die, psalmensingend, den Scheiterhaufen besteigt. Aus tiefster psychologischer Gestaltungskraft geschöpft, rollt vor unseren Augen, in knappsten Strichen gezeichnet, das Schicksal dieser Judengemeinde ab. Meisterhaft wächst aus einem Minimum an Handlung die Tragödie empor. Dem Pferdewächter des Stadtkommandanten Reinalt, Jean, ist das schönste Pferd bei der Tränke, dieweil er im Gasthause saß, entwichen. Ratlos wendet er sich an die Vorübergehenden mit der Frage, ob ihnen nicht ein herrenloser Schimmel begegnet. Einige Juden, unter ihnen Baruch, der reichste Mann des Arrondissements Orleans, gehen vorüber. Jean erhält spitze Antworten, Da wächst in ihm der Groll. Böses, noch ohne Form und Gestalt, keimt in ihm. Dumpf sucht er in seiner Sklavenmoral um eine Rechtfertigung, die ihm die unausbleibliche Auspeitschung ersparen soll. Da kommt vom Flußufer wassertriefend Izchak, er hat eben ein Christenkind, das in die Loire fiel, gerettet. Nun blitzt in Jeans Hirn teuflisch der Gedanke: Christenkind, Judenretter — ließe sich hier nicht eine Blutlüge aushecken? Er weiß, sein Herr hat noch eine unbeglichene Rechnung mit den Juden. Das wird ihm willkommener Anlaß, Rache fiir die Abweisung, die er mit seinem Liebesgirren bei Pulcelina erfuhr, zu üben oder sie in seine Arme zu zwingen. Symbol: Ein Pferd, das verlorenging, ist Anlaß, eine Frau, die sich weigert, gefügig zu sein, ist Ursache, daß die heilige Judengemeinde Blois in Flammen zu Gott aufgeht. Doch im Vordergründe des Dramas steht die Wandlung, die die Juden durchmachen; wie mit der wachsenden Gefahr ihr Kleingeist sich in erschütternder Größe wandelt, hat hier die Hand des Dramatikers mit rembrandtesken Zügen gestaltet. . S. P. r ■■■■■•■««■h» •••••«iMac Musikalien-Handlung und Antiquariat \ Bestassort’ertes Lager aller Editionen. — Klassische und moderne Musik. — Studienwerke für alle Instrumente. — Spezialgeschäft für Orchestermusik. \ Prompter Provinzversand. Verlangen Sie Prospekte kostenlosg V WIEN VI,, MARIAHILFERSTRASSE NR. 91 V ..... Jchoda Ehrenkranz scheint sich beim Wiener Publikum nunmehr durchgesetzt zu haben; seine Vorlesung „ostjüdischer Dichtungen" im neuen Saale der Hofburg, welche von der Konzertdirektion Melly Weiß veranstaltet war, wies ausgezeichneten Besuch auf. Ehrenkranz las nebst Asch und Perez, von dem er die „Kabbalisten" ganz ausgezeichnet szenisch zu gliedern weiß, auch Scholcm Alechem, Für diesen Autor bringt Ehrenkranz seine Gabe scharfer Konturierung mit, weniger kommt die gelassene Behaglichkeit des Scholem Alechemschen Humors zum Ausdruck. Bei der Vorlesung des „Daitsch" gab es Lachstürme; sic wurden von tiefer Ergriffenheit abgelöst, welche die Art, wie Ehrenkranz die Stimmung der chassidischen Geschichten von Perez wiederzugebeu wußte, im Publikum hervorrief. Es gab stürmischen Beifall. e. f. Die »Jüdischen Schwänke« im Spiegel der Kritik tDie Sammlung „Jüdische Schwänke", die von Max Präger und Siegfried Schmitz herausgegeben, im Verlag R. Löwit, erschienen ist, hat in -der gesamten Presse, der jüdischen wie der nichtjüdiischen, lebhafte Anerkennung gefunden. Ein Beispiel dafür -gilbt die nachfolgende Besprechung, die der bekannte Berliner Romancier Kurt Münzer im „Literarischen Echo" dein Buche widmete; er schreibt: „Dieses Buch ist ein Labsal unter den Büchern, Man stelle es wie eine Fruchtschale auf seinen Arbeitstisch und ergötze und erheitere sich aus ihm von Zeit zu Zeit, So wiie es unmöglich ist, diese zweihundertfünfzig Witze — und fast jeder ist eine Geschichte, eine Anekdote, ein Schwank mit Geltung und Sinn über die Pointe ihiniaus — einen hinter dem -anderen zu lesen, so erlabend ist es, immer wieder das Buch aufzuschil-agen und sich „Rosinkes mit Mardlen" (wie eine andere wissenschaftliche Sammlung heißt) daraus zu holen. Man glaube nicht, d*ß es sich hier um eine ermüdende Anthologie der heute so marktgängigen Judenwitze handelt, um jenes oft so widrige Erzeugnis des westlichen Juden und seiner Widersacher. Dieses Buch hebt einen jüdischen Schatz; der alte (und doch so unbekannte), der ewige Jude spricht hier, lacht wehmütig, scherzt, indeß die ,ganze Tragik seines Schicksals Orgelpunkt der Anekdoten bleibt. Diese Schwänke von Liebe, Geschäft, Gelehrsamkeit, Sitten und Unsitten sind fast eine kleine jüdische Kulturgeschichte. Indem sie oft ihr Material aus der Verweltlichung jüdischen Lebens und jüdischer Ethik holen, stellen sie gerade diese Urwelt des Juden vielfältig dar. Sie sind der Spiegel des Volkswitzes, und es muß ein so großes wie reiches Volk sein ,daß es diese Fülle der Objekte und die Fähigkeit zu ihrer Verspottung hat. Seine eigene Komik zu sehen und darzubieten; dazu bedarf es überlegenen Geistes. Richtigstellung. Dem in der vorigen Nummer erschienenen Aufsatz „Jüdische Musik für Violine und Klavier" waren Porträts von Ernest Bloch und Josef Achron beigegeben. Durch ein Versehen wurden jedoch die Beschriftungen der beiden Bilder vertauscht; somit sei richtiggestellt, daß das Porträt links Ernest Bloch, das rechts Josef Achron darstellt. Jüdische Musik Ein Verein zur Förderung jüdischer Mrslk in Wien Am 12. März fand in den Räumen der B'nai B'rith die von einem Proponenlenkomitee der Loge „Massadah" einberufene konstituierende Generalversammlung des Vereines zur Förderung jüdischer /Musik statt. Der wichtigste Programmen:’, kt ist schon im Namen des Vereines selbst ausgedrückt: duirh eine zielbewußte Organisation mit den verschiedensten .Kreisen der Judenheit in Berührung z.u kommen und durch A u f f ii h r ii n g e n und aufklärend a Vorträge das Interesse für jüdische Musik zu wecken: durch Schaffung einer eigenen Bibliothek und weitgehende Unterstützung aller künstlerischen Bestrebungen der schaffenden jüdischen Komponisten auf die Gesamlenlwicklung der jüdischen Musik fördernd einzuwirken. Direktor Hugo Winter, dessen tatkräftiger Initiative das Zustandekommen dieses Vereines zu verdanken ist, eröffnete die Versammlung und besprach den Zweck des Vereines, auch in Wien die jüdische Musik zu propagieren. Beim Durchberaten der Statuten entspann sich eine interessante Diskussion. Die anwesenden jüdischen /Musiker Prof, Wolfr, o h« und Joachim Stutschewsky regten an, schon in den Statuten die Ziele und Aufgaben des Vereines klar und eindeutig zu präzisieren, Stutschewsky wies auf Grund seiner langjährigen Erfahrungen darauf hin, daß das Interesse für die jüdische Kunstmusik im allgemeinen sehr gering ist und schlug die Einführung interner Musik Veranstaltungen vor, damit vor allem die Mitglieder selbst dem Verständnis der neuen jüdischen Musik zugeführt und mit den Werken bekannt werden. Aus diesen Veranstaltungen würde sich dann ergeben, welche Werke und welche Komponisten in öffentlichen Konzerten aufgeführt werden sollen. Er betonte u. a„ daß für „uns jüdische Musiker" heute, nach 25jährigem, intensivem Schaffen, die Frage, was jüdische Musik überhaupt sei, außer Diskussion steht. Prof. Wolfsohn hob den Unterschied zwischen jüdischer und nichtjüdischer Musik hervor und wies nachdrücklich darauf hin, daß der Verein für die Pflege jüdischer Musik und nicht der Werke jüdischer Musiker sich einsetzen muß. Direktor Winter nahm diese Anregungen gern entgegen und legte dar, daß die Abhaltung interner Veranstaltungen allgemein begrüßt und angestrebt werde. Die Statuten wurden einstimmig angenommen und ein Ausschuß von 15 Mitgliedern gewählt, dem bekannte Persönlichkeiten der intellektuellen und Musikwelt Wiens angehören. Es wird nün Aufgabe des Ausschusses, in erster Linie der ihm angehörenden Musiker sein, den Verein auf eine möglichst breite Basis zu stellen und das an der Spitze dieses Berichtes gestellte Programm zur Verwirklichung zu bringen. Ein Gustav-Mahler-Denkmal in Wien Zugunsten eines in Wien zu errichtenden Gustav- Mahler-Denkmals werden gegenwärtig große Konzerte in Wien (Schalk), Berlin (Bruno Walter) und Amsterd a m (Mengelberg) veranstaltet. Mahler, als Komponist wie als Dirigent zu europäischer Berühmtheit gelangt, entstammte eine jüdischen Familie in Mähren. Seine Tätigkeit als Direktor der Wiener Hofoper brachte diesem Institut größten Ruhm. Er wurde jedoch aus Wien weggeekelt und starb verhältnismäßig jung an einer Blutkrankheit, die er während seines Aufenthaltes in Amerika erworben hatte. Jüdisches Musikinteresse in Amerika Das Februar-Heft von der amerikanisch-jüdischen Revue „The American Hebre w" ist zu einer Musik-Nummer ausgestaltet und enthält eine ganze Reihe interessanter Artikel und Abbildungen, Ein Aufsatz von David Abarbanel: „Tempo und Temperament von sechs Dirigenten" entwickelt ein Bild einiger berühmter Dirigenten, welche die amerikanischen Symphonie-Orchester auf eine Höhe brachten, daß sie sich mit den allerbesten Orchester-Vereinigungen Europas messen können. Ernest Bloch, der eigenartigste und persönlichste Komponist, der zu den meist gehörten in Amerika gehört, wird neuerdings in einer Studie von David Ewen vorgcstellt, darin die drei Hauptperioden seiner bisherigen Entwicklung und seines Schaffens charakterisiert werden, ohne jedoch seine Stellung zum Problem der jüdischen Musik zu präzisieren. Der bekannte russisch-jüdische Komponist Lazare S a m i n s k y bringt in einem anregenden Artikel: „Amerikas Synagogen-Musik“ einige Kommentare über die Elemente der Tempelmelodien und eine Analyse ihres Einflusses. Auch in Amerika beginnt die jüdische Musik an Boden zu gewinnen. Es ist erfreulich, daß nunmehr wichtige jüdische Zeitungen und Zeitschriften diesem Zweige unserer kulturellen Bestrebungen mehr Raum widmen, als es bis jetzt der Fall war. Gedenkfeier für Joel Engel in Tel-Aviv Anfangs März fand in Tel-Aviv eine Gedenkfeier für den Komponisten Joel Engel statt. Es gelängten einige seiner Werke, ein Teil des Requiems von Mozart und ein Bühnenstück mit Engels Musik zur Aufführung. Prof. David Schor hielt die Gedenkrede, die er mit folgenden tiefempfundenen Worten schloß: „Ob wir jemals die wahre Bestimmung der Kunst im allgemeinen und der Musik im besonderen werden erklären können, weiß ich nicht. Eines weiß ich jedoch sicher, daß das Wort nicht die Kraft und die Wirkung hat wie der Klang. Die Musik bedeutet unter den Künsten, was das Herz im menschlichen Organismus bedeutet. Die Musik ist für jeden ein mächtiger Faktor in der Erziehung und Entwicklung. Joel Engel hat es richtig gefühlt und sein ganzes’ Leben der Musik gewidmet. Als Musikschriftsteller hat er sich einen ehrenvollen Namen gesichert und als Komponist und Pionier des jüdischen Liedes darf er als Vater der jüdischen Musik bezeichnet werden. Hier, in der alten Heimat, hat sich seine Begabung ganz besonders entfaltet, hier, bei uns, hat er viel Schönes geschaffen. Sein allzufrüher Tod hat uns alle in tiefste Trauer versetzt. Wir haben in ihm nicht nur einen begabten Musiker, sondern auch einen Menschen von seltener Lauterkeit, Wahrhaftigkeit und Vornehmheit des Charakters verloren."