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Die Stimme · 1928-03-22 · Heft 12 (22.3.1928) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 12 (22.3.1928)
Date
1928-03-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 12 DIE STIMME Seite 5 essen gehandelt hat. Aus diesen Gründen mußte der Angeklagte Ireigesprochen werden. Wie schwierig die politischen Zerstörungsmethoden der Agudtah-Leute sind, ,geht aus der unter Eid abgegebenen Zeugenaussage des früheren politischen Vertreters der Orthodoxie 'in Prag, Markus Ungar, hervor, Er schilderte, daß er vor den Wahlen mit dem Vizegouverneur Karpathorußlands Rozsy pal einen Pakt schloß, der bezwecken sollte, daß die erfolgreiche Kandidatur der jüdisch-nationalen Partei in der Slovakei umid ‘Karpathorußland verhindert werde. Zu diesem Bebufe verhandelten auch die Führer der Agudiah mit dem damaligen Innenminister .M a 1 y p e t r, ‘Sektionschef Kuh d t, Vizegouverneur Rozsypal und dem Sekretariat der agrarischen Partei. Vom Innenminister wurde ihnen versprochen, daß sie von seiner Seite mit Geld und dem nötigen Einfluß unterstützt werden würden. iDaraufhin begann die Wahlagitation der Orthodoxie, die sich für die Wahlen den Namen „Jüdische Wirtschaftspartei" beilegte. Der Zeuge Ungar führte aus, daß er als Spitzenkandidat dieser Partei in der Slovakei und Karpathorußland die Agitation führte. Zu diesem Zwecke erhielt er vom Vizegouverneur Rozsypal 100.000 Kc bar 1 ausgezahlt. Von diesem Betrage übergab er dem WahlbevoOmächtigten seiner Partei, Dr. Reißmann, 20,000 Kö. Eine weitere finanzielle Unterstützung kam seiner Partei dadurch zu, daß ihr der Betrag von 28.000 K ö, den die jüdischnationale Partei sofort bei Überreichung ihrer Kandidatenliste erlegen mußte, über Auftrag Rozsypal erlassen wurde. Die Bestätigung über die später rückerstatteten 80.000 Kc bildete den schlagenden Beweis für die Behauptung Dr. Margulies, daß die Agudah-Leute von der Regierung sich hatten kaufen lassen. Nun sind sie für jeden anständigen Judetn erledigt. Kleine Nachrichten Wie aus Moskau telegraphiert wird, ist der Organisator des Pogroms gegen die jüdische Bevölkerung von Heissen in Podolien, iM e d i n s k i, zum Tode verurteilt worden. Der Pogrom war einer der grauenvollsten des Jahres 1919. * Vor einigen Wochen wurde in Moskau Dr. Saadjah Mase, der Sohn des verstorbenen hochangesehenen Moskauer Oberrabbiners Mase, unter der Beschuldigung zionistischer Betätigung verhaftet. Er wird im Verlauf dieser Woche freigelassen und die Erlaubnis erhalten, nach Palästina zu reisen. Dr. Saadjah Mase, der ungefähr 30 Jahre alt ist, ist Privatdozent für Literatur an der Moskauer Universität. Er ist ein hervorragender Hebraist und beherrscht mehrere europäische Sprachen. * Im Alter vom 79 Jahren verstarb in Berlin Direktor Moritz Dorn, der seit dem Jahre 1889 Vorsitzender des Vereines „Esna“ war, dessen Ziel die Unterstützung ackerbautreibender Juden in Palästina und Syrien ist. * Laut der soeben abgeschlossenen Volkszählung im Staate New York beträgt die Zahl der jüdischen Einwohner von Groß-New York 1,728.000. Der Advokat David Kaufmann aus Philadelphia ist vom Präsidenten Coolidge zum Gesandten der Vereinigten Staaten in Bolivien ernannt worden. Vor kurzem ist in New York die 100 0. Nummer des „Jewish Daily Bulletin", der einzigen jüdischen Tageszeitung in englischer Sprache, die von Jakob Landau, dem Editor der Jüdischen Telegraphenagentur, herausgegeben wird, erschienen. Bei den in den letzten Tagen durchgeführten Wahlen zum Grafschaftsrat (Gemeinderat) von London wurden mehrere Jaden zu Stadtratsmitgliedern gewählt. Es sind dies: Miss Nettie Adler, die Tochter des verstorbenen Oberrabbiners von England Dr. Nathan Adler; Frau Nathan, die Gattin des Majors H. L. Nathan, des Ehrensekretärs der Liberalen Partei für London; Frau Harry D a y, Gattin des Parlamentsmitgliedes Harry Day; Sir Oscar W a r b u r g, der bekannte Kommunalreformer und frühere Präsident des Londoner Grafschaftsrates; A. E. Samuels; das Mitglied des Jewish Board of Deputies und Direktor der Londoner jiddischen Tageszeitung „The Jewish Post“ M. H. Davis und G. R. S t r a u s s, * Die in Genf erscheinende internationale Studenten- Zeitschrift „Vox Studentium" veröffentlicht in ihrem soeben erschienenen Märzheft ein Angehörigen aller Nationen offenstehendes Preisausschreiben für die Behandlung des Themas: „Warum brauchen wir eine zwischenvölkische Studenten-Zeitschrift und was fordern wir von ihr?" Der Umfang der Arbeit soll 1500 Worte, bezw, 6 Quartseiten in Maschinschrift nicht übersteigen. Einsendungstermin bis zum 1. August 1928. Der erste Preis beträgt 500 Schweizer Franken. Der bekannte Chassiddm-Rabbi Jechiel Meier Haistock, unter dem Namen „der Ostrower Rebbe" weit über Polen hinaus 'bekannt, ist in Ostrovdec im Alter von 74 Jahren verstorben. An seiner Bestattung nahmen mehr als 10.000 Chassidim aus allen Teilen Osteuropas teil. # Der erst vor kurzem gewählte Großrabbiner von Tunis N i s s i m R i a h i ist im Alter von 78 Jahren gestorben. Zuschriften und Manuskripte, die für unser Blatt bestimmt sind, mögen nicht an einzelne Personen sondern a n s - schließlich an die Redaktion (I., Rauhensteingasse 1) gesendet werden, da nur so rechtzeitige Erledigung bezw. Veröffentlichung gewährleistet Ist Österreich Besuch bei glücklichen Kindern Im Heim der „Jüdischen Kinderfreunde“ Ich war schon oft bei den „Jüdischen Kinderfreunden" und habe schon oft über diese mustergültige Institution berichtet. Zu jeder Jahreszeit suche ich die mir Heb gewordenen Kleinen auf, um eine Spanne Zeit in ihrem Kreise zu verbringen. Ich kenne schon viele Kinder beim Namen, weiß, wer ihre Eltern sind, in welchen Verhältnissen sie leben. Sooft ich komme, harrt meiner eine Ueberraschung. Immer besser finde ich die Kinder aussehend, immer größer und stärker werden sie, immer froher lachen sie — glückliche Jugendl 265 Kinder beherbergt jetzt der Verein „Jüdische Kinderfreunde" in seinen Tagesheimstätten in der Oberen Donaustraße, im Prater und in der Wurlitzergasse, 265 Kinder sind also vor Not und Elend geborgen, sind den Gefahren der Straße und damit auch den „Hepp-hepp"-Rufen entzogen, die die zarten Seelchen schon in der frühesten Jugend vergiften. Morgens werden die Kleinen von ihren Eltern in die Tagesheimstätten gebracht und von den Kindergärtnerinnen übernommen. Bis 5 Uhr nachmittags sind sie in bester Obhut, während die Eltern den schweren Kampf ums Dasein führen müssen. Das Tagewerk der Kleinen ist streng geregelt, Ordnung und Reinlichkeit, nicht durch scharfen Drill eingepeitscht, sondern durch liebevolle Gewöhnung anerzogen, ist oberstes Prinzip. Jedes Kind hat seinen Garderobeplatz, sein eigenes Eß- und Waschzeug, Es wird streng darauf geachtet, daß die Kleinen in reinem Zustande in die Tagesheimstätten gebracht werden und in ebenso reinem Zustand werden sic wieder von ihren Eltern übernommen. Einfach ist die Tageseinteilung, Sie bewegt sich zwischen Spiel und Essen; nach dem Mittagmahl wird eine Ruhepause eingeschaltet, während der die Kleinen schlafen müssen. Die Mahlzeiten sind ausreichend und schmackhaft, so daß bei den jede Woche vorgenommenen Wägungen fast durchwegs Gewichtszunahmen konstatiert werden können. Die Kinder lernen spielend Hebräisch, verfertigen Zeichnungen und Handarbeiten, die einfach verblüffend sind. Die größeren Zöglinge, die schon im schulpflichtigen Alter stehen, kommen erst zur Mittagszeit in die Tagesheimstätten und verrichten nachmittags unter der Aufsicht von Lehrpersonen ihre Aufgaben. An schönen Tagen machen die Kinder gemeinsame Spaziergänge. So die Tageseinteilung während der kalten Jahreszeit. Naht aber der Sommer, dann brechen die Kinderfreunde ihre Zelte in der dumpfen Stadt ab und ziehen hinaus auf eine große sonnige Wiese in Lainz, dort erst erblühen die kleinen Knospen, dort können sie nach Herzenslust tollen und jubeln, Sonne, Luft und Wasser, sie wirken wahre Wunder an blassen Großstadtkindern. Das jüdische Kind, das größte Aktivum unseres Volkes, ist bei den „Jüdischen Kinderfreunden“ wahrlich in guter Obhut. Die jüdische Schule, die von den Zionisten immer wieder gefordert wird, ist hier in die Tat umgesetzt, der jüdische Kindergarten zeitigt die besten Früchte. Die Kinder werden'' in jüdischem Sinn erzogen, feiern die jüdischen Feste, lernen in Spiel und Gesang Hebräisch. In jüdischem Boden muß die jüdische Pflanze gedeihen. Der Verein hat noch Aufgaben zu erfüllen. Er will nicht nur das jüdische Kind erziehen, er will auch die jüdischen Eltern erziehen, wie man Kinder erzieht. Den Eltern soll es durch diese Wohlfahrtsinstitution ermöglicht werden, ihre Kinder leichter zu ernähren, sie sollen aber keineswegs ganz der Sorge um diese enthoben werden. Das jüdische Schnorrertum, das oft zu krassen Auswüchsen führt, soll nicht gezüchtet werden. Die Eltern müssen für ihre Kinder zahlen, wenn dieser hochtrabende Ausdruck auf den Anerkennungszins von 5 0 Groschen in der Woche, den die meisten leisten, angewendet werden kann. Diejenigen Eltern, die mehr leisten können, müssen selbstredend mehr zahlen, doch leider allzugroß ist die Zahl derer, die beim besten Willen auch diese 50 Groschen nicht aufbringen können. Aber auch für Kinder dieser Eltern ist bei den „Jüdischen Kinderfreunden” Platz. Erschreckend groß ist der Prozentsatz von Kindern einst in geordneten Verhältnissen lebender Eltern. Der jüdische Mittelstand ist fast völlig verschwunden, es gibt nur mehr jüdisches Proletariat. Dort zeigt man mir zwei Kinder eines einst begüterten Kaufmannes, der jetzt mit Ansichtskarten hausiert, um nicht ganz zu verhungern, dann wieder erzählt man mir von Kindern, die während der ersten Zeit das ganze Essen erbrachen, denn sie hatten schon die längste Zeit keine warme Kost genossen und mußten sich erst wieder an regelmäßiges Essen gewöhnen. Keine Einzelfälle, Fast über jedes Kind ließe sich ebenso traurige, bittere Wahrheit sagen, welche die Wieqer Judennot in ihrer ganzen Tragik offenbart. Nicht nur Kost erhalten die Kinder, sondern auch Kleidung und Wäsche stellt ihnen der Verein bei. Man kennt ganz deutlich die Kinder, die erst kurze Zeit befürsorgt werden, von denen auseinander, die schon längere Zeit das Glück In Sonne und Grün. Tagesheimstätte Weißau des Vereines Jüdische Kinderireunde. Im Hintergrund stehend: Kultusvorsteher Dr. Klaber und die verdienstvolle Präsidentin des Vereines Frau Franka Ritlermann. ^Jürdie Osterspeisen wm$ kann jeder Strenggläubige ohne Bedenken Kunerol verwenden. Die KunerokErzeugung steht bis zur Verpackung des gebrauchsfertigen Naturfettes unter strengster Aufsicht des Herrn Bezirksrabbiners S. Ehrenfeld zu Mattersburg. KUNEROL IOO% REINES KOKOSNUSSFETT haben, in so guter Obhut zu sein, ^hlecht aussehend, scheu und gedrückt, nehmen sie nur zaghaft an dem lustigen Treiben der anderen teil. In einer Woche werden auch sie heimisch, dürfen auch sie vergessen, daß es daheim kein warmes Essen gab. Der Verein braucht monatlich 40Millionen Kronen, die irgendwie aufgebracht werden müssen, Die Kultusgemeinde deckt einen großen Teil des Bedarfes durch Subventionen, das andere Geld muß im Wege der privaten Wohltätigkeit aufgebracht werden. Und auch hier wird wieder dasselbe traurige Lied angestimmt, wie in fast allen jüdischen Wohltätigkeitsinstituten. Auch den „Jüdischen Kinderfreunden" ist der gütige Vater gestorben. Ein großes Bild in schwarzem Rahmen stellt den verewigten Oberrabbiner Chajes dar, der dem Verein den größten Teil seiner Sorgen willig abgenommen hatte. Dafür durfte er kommen, sooft er wollte, durfte seine Lieblinge auf den Schoß nehmen und sie nach Herzenslust kosen. Genug Dank für ihn, kein anderer hätte ihn glücklicher machen können. Mitten in der lachenden Kinderschar wurde der sonst ernste Mann heiter und froh, sein reines, kindliches Gemüt, es konnte sich nur unter Kindern ganz entfalten. „Schalom" tönte es ihm mit hellen Kinderstimmchen entgegen; er durfte seine Lieblinge hebräisch ansprechen und hebräisch klang es ihm wider. Das ist die Jugend, von der er träumte. Sie hat irgend etwas Bestrickendes, Einzigartiges an sich, das den, der nur einmal mit ihr in Berührung kam, in süße Bande schlägt. Auch ich gehöre zu den Gefangenen dieser goldenen Jugend. Eine knappe halbe Stunde hatte ich mir von meinem Tagewerk für diesen Besuch abgezwackt, fast dreimal mußte der Minutenzeiger einen vollen Winkel beschreiben, ehe ich — nur. sehr ungern — die Kleinen verlassen konnte. Ich werde immer wieder kommen. Robert Schreier. Ein Versäumnis, das nachzuholen ist Wir erhalten von der Rabat tsektkm des Keren Kajemetb, der 400 der besten Wiener Geschäfte und Warenhäuser abgeschlossen sind, folgendes Schreiben: Sehr geehrter Herr Chefredakteur! Wir möchten ihnen vor allem auch auf diesem Wege nochmals danken, daß Sie die Freundlichkeit hatten, Ihrer letzten Nummer Anmeldeformulare der Rahatt-Sektion des Keren Kajemeth beizulegen. Wir freuen uns, Ihnen mitteilen zu können, daß unserer Sektion viele hundert neue Mitglieder beigetreten .sind. Leider mußten wir konstatieren, daß «gerade die sonst bewährten und überzeugten Zionisten bis jetzt nicht 'Mitglieder der Rabatt-Sektion sind: Es ist uns dies unverständlich, denn die Rabatt-Sektion bietet ihren Mitgliedern große Vorteile und bedeutende Ersparnisse beim Einkauf einerseits und' andererseits sollte man wohl erwarten, daß bewährte Zionisten keine Möglichkeit vorübergehen lassen, um dein Keren Kajemeth zu stärken, besonders wenn dies .mit einem Vorteil für sie verbunden ist. Wir möchten Sie, sehr geehrter Herr Chefredakteur, ersuchen, in Ihrem «geschätzten Blatte nochmals lühre Leser auf die Existenz, Sinn und Zweck der 'Rabatt-Sektion auf-, merksam zu machen und in geeigneter Weise die Zionisten unter Ihren Lesern zum Beitritt autfzufordern. Unter Beitritt verstehen wir selbstverständlich nicht die rein formelle Zugehörigkeit zur Rahatt-Sektion, sondern die Mitarbeit der Mitglieder, die darin bestehen sollte, daß sie nach 'Möglichkeit alle ihre Einkäufe bei den der Rabatt- Sektion des Keren Kajemeth angeschlossenen Firmen besorgen. Ihnen hiefür im vorhinein bestens dankend, empfehlen wir uns hochachtungsvoll Riabatt-Sektiom des Keren Kajemeth. Kupon (Ausschneiden, ausfüllen und an die Rahattsektlon des Keren Kajemeth, IX. Schlickplatz 4, Telephon 68-6*69 einsenden.) Ich melde hiemlt meinen kostenlosen Beitritt zur Rabattsektion des Keren Kajemeth an. Bitte um Einsendung einer Auswetskarte und eines Pirmenverzeichnisses. (Unterschritt) Herr Name: Frau . Fil. Qenaue Adresse: .

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