Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1 (1928)
- Issue
- Heft 12 (22.3.1928)
- Date
- 1928-03-22
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 DIE STIMME Nr. 12 H Die weltberühmten und bevorzugtesten s | Amerikanischen | I Manischewitz Matzos I SS ODOOOPODOOODOODODODOOOOO s | Grieß s=s I § Farvel | SS □QDOQOQDQQQDOQDDQDDCU30DO s jj| sind bereits eingetroffen und in allen 5 besseren Lebensmittelgeschäften erhältlich 2 1 Nanischeu/itz Matzos-Vertrieb 1 i Wien, II., Fugbachgasse 24 (Nordbahnstraße 38) | E Telephon Nr. 75-9-32 und 42-3-58 | | Filiale: lg. Frost, II, Haidgasse 9 — Telephon Nr. 46-8-89 ^l!!llllll!ll!llllllll!!lllllllllllllllllllllll!l[llllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll!lllllllllllllllllllllllllllllll||||||||||l!llllllllii=. für ihre Gründungsversammlung zu verweigern, was auch geschah, so daß die Versammlung in einem Saal im Quartier Latin abgehalten werden mußte. Im gegenwärtigen Augenblick ist den rumänischen Anleihe-Emissären, die in Paris und London weilen, die Erörterung der jüngsten Vorgänge in Rumänien natürlich nicht angenehm, umsomehr als es heute (wie auf der erwähnten Pariser Versammlung der Vorsitzende der republikanischen Studentenföderation Frankreichs, Mr. Dumas, ausführte) bereits hinreichende Beweise für die passive Schuld der rumänischen Regierung an den Vorfällen gibt. Einer der kompromittierendsten Fälle in dieser Hinsicht war wohl die Verurteilung eines Juden, Josef Blau, Mitglied eines jüdischen Turnvereins in Großwardein, zu fünf Monaten Gefängnis wegen — Teilnahme an den Exzessen in Großwardein. Dieses Urteil des Militärgerichtes, das viel schärfer war als die Strafen gegen die wirklichen Exzedenten, die vor diesem Gerichte standen, sollte offenbar der — aus der Praxis mancher Rumänien eng benachbarter und befreundeter Staaten erprobten — Auslegung dienen, als seien die Exzesse von »jüdischen Provokateuren« inszeniert worden. Man scheint nun eingesehen zu haben, daß diese Auslegung nicht geglaubt werden würde (sie war auch in den erwähnten analogen Fällen nicht glaubwürdig, daher auch nicht kreditfördernd gewesen) und jetzt hat das Oberste Militärgericht das Urteil aufgehoben und eine neuerliche Verhandlung angeordnet. Hoffen wir, daß sie noch während der Anleiheverhandlungen stattfindet! Die 54. und 55. Friedhof Schändung in Deutschland sind in Velbert bei Elberfeld und in dem hannoveraniseber. Dorf G e s t o r f, wo gegenwärtig nur noch eine einzige jüdische Familie lebt, verübt worden; dort wurden auf dem (jüdischen Frieiclhof zahlreiche Graib.steine lumgestürzt, nachdem die Eingangstür zum Friedihof gewaltsam erbrochen worden war. Nach dem Grundsatz ,,Deutschland in der Welt voran" steht 'Deutschland auf dem Kulturgebiete jüdischer Friedhofschändungen weit vor allen anderen Nationen und diese Spezialbegabuing zeigt sich schon in frühester Jugend; dagegen werden die Friedlhofschander höchst selten — sozusagen nur im Notfälle — eruiert, wohl damit, das besondere Talent der deutschen Jugend, das in der letzten Zeit zum Ruhme der Nation so erfolgreich -aufgetreten ist, sich in der Stille bilde! Die Agunoth In Warschau hat sich eine Vereinigung ,.Agunoth" gebildet, die sich die Wahrnehmung der Interessen jüdischer Kriegerwitwen zur Aufgabe gesetzt hat. Es hamdelt sich darum, über den Verbleib der im Kriege vermißt e n Ehegatten dieser Witwen, die nach dem jüdischen Religjionsgesetz nicht wieder ^heiraten dürfen, iNachfoirsdhiungen anzustellen. 'Der 'Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden errichtet daher eine Sammelstelle, die alle Mitteilungen über die im Deutschen Reiche verstorbenen jüdischen Kiriegs- 88 ii II ii 88 ■a :: 38 Zionistisches Landeskomitee für Österreich Jüdische Völkerbundliga Montag, den 26. März 1928, präzise 8 Uhr abends, im Kaiserstöckel (Cafä Schönbrunner Schloß), XIII., Am Platz 1 Botschafter a. D. Dr. C. TH. DUMBA Präsident der österreichischen Völkerbundliga: „VSlkerbund und friedlicher Wiederaufbau der Weltwirtschaft“ Dr. DESIDER FRIEDMANN: „Dis gegenwärtige tags in Erez Israel“ geg nistu (erhältlich im Zionistischen Landeskomitee) £ I! I 3 i! gefangenen der alten russischem Armee zusammenstellt und der Vereinigung „Agunoth" zuleitet. Die Frage der Agunotlb, jener Frauen, deren iMänner verschollen sind', ist gerade unter den Juden des Ostens, wo Krieg und Nachkrieg die schwersten Verheerungen angerichtet haben, sehr aktuell, da bekanntlich die jüdischen Ehegesetze eine Wiederverehielichunig verbieten, solange der Tod des vermißten Ehegatten nicht einwandfrei festgestellt .ist, lln Osteuropa gilbt es heute unter den jüdischen Frauen Zehntausende von Agunoths. Mehrfach wurde schon zu deren Gunsten eine Milderung der bestehenden r eligionsgesetzlidhen Vorschriften anlgeregt, jedoch bisher ohne Erfolg. Die jüdischen Senatoren in Polen Aus W arschau wird uns berichtet: Nach den endgültigen Ergebnissen der 'Senatswahletu in Polen hat die jüdischnationale Vereinigung in Galizien ein Mandat (iDr. Schreiber) im Lembenger Wahlkreis erlangt; auf der Liste der nationalen (Minderheiten wurden vier jüdische (Senatoren, und zwar Ing. Moses Kerner (Wahlkreis Warschau), Dr. Zemach Schabad (Wahlkreis Xielce), Rabbiner tRuibdnstein (Wahlkreis Biaiystok), Saiomon Budziner (Wahlkreis Warschau-Land.) gewählt; ferner entfiel aus der Reidhsliste ein jüdisches Mandat auf den Minderheitsblock; das Herrn Dr. Josef Davddsolhln zufällt, so daß auf der Mdmider'heitsliste fünf jüdische S e n a t s m a n d a t e entfallen. Ueberdies wurde auf der Regierunigsliste im Wahlkreis Wolhynien ein jüdischer Senator, (Lazar D a 11 gewählt, Dem neuen polnischen Senat gehören demnach sieben jüdische Senatoren (gegen 12 im früheren Senat) an. N lur gute Bücher In größter Auswahl zu S 1, 2, 3 Bücherschwemme fV VIENNA“, I. Bognnrg. Nr. 4 Die Kalenderreform des Völkerbundes und die Juden Der Völkerbund und besonders dessen technische Kommission für Verkehr und Transit haben sich, wie bekannt, mit der Frage einer Kalenderreform beschäftigt. Diese Kommission hat die nähere Prüfung des Problems einem Spezialkomitee übertragen, bestehend aus sechs Autoritäten auf verschiedenen Gebieten, unter dem Präsidium des Jonkheer van Eysinga, Professor an der Universität Leyden. Dieses Komitee hat einen sehr ausführlichen Bericht über seine Tätigkeit erstattet. Der Generalsekretär des Völkerbundes hatte schon vor der ersten Sitzung des Komitees an 2 7 Regierungen und an 18 kirchliche Behörden ein Zirkular mit einem Fragebogen versandt. Auch wurde gewissen religiösen Gruppen Gelegenheit gegeben ihre Ansichten und Wünsche mündlich vorzutragen. Als Vertreter der Juden von Frankreich, Großbritannien, Oesterreich, der Schweiz und der Vereinigten Staaten von Nordamerika äußerten sich vier Groß-Rabbiner und ein Delegierter. Die Mehrzahl der Regierungen ist einer Reform, besonders der Form eines ewigen Kalenders, günstig gestimmt, nur die deutsche Regierung spricht sich nicht bestimmt aus, ist aber eher gegen eine Aenderung, besonders gegen die Einschiebung von blanken Tagen (ohne Wochentagscharakter). Der Heilige Stuhl spricht seine Befriedigung darüber aus, daß der Völkerbund anerkennt, die Kalenderreform sei eine eminent religiöse Frage. Der Heilige Stuhl hat keinen Grund, zu ändern, was durch eine alte Tradition speziell mit bezug auf die Festsetzung der Ostern durch die Konzile gutgeheißen worden ist, und er würde, wenn das öffentliche Wohl eine Aenderung verlangt, die Frage nicht prüfen, ohne vorher ein ökumenisches Konzil befragt zu haben. Die Vertreter der Juden lehnen einstimmig und bestimmt jeden Kalender mit eingeschobenen blanken Tagen a b, da ihr Gesetz des Feier des S a b b a t h als des siebenten Tages der Woche vorschreibt und die Wochen sich ohne Unterbruch folgen müssen, wie dies seit mehr als dreitausend Jahren der Fall war. An diese Gutachten schließt das Komitee eine Erläuterung der einzelnen Reformvorschläge, von denen ein Teil abgelehnt, andere als Grundlage für eine Reform empfohlen wird. In der Schlußbetrachtung spricht das Komitee aus, daß keine Reform möglich sei ohne die Zustimmung der Gesamtheit oder fast der Gesamtheit der aufgeklärten leitenden religiösen, administrativen, wissenschaftlichen, wirtschaftlichen Kreise. Das Komitee erklärt seine Aufgabe als beendet und überlißt ee der technischen Koaaiesie* für Verkehr und Transit und den Leitern des Völkerbundes, zu entscheiden, ob sie das Werk der Kalenderreform weiter verfolgen und unterstütcen wollen. Gericht über die Agudah Die Führer der slowakischen Agudah vom Gericht gebrandmarkt, Kaum ist <dias Volksgericfbt Über dite Agudah in Polen vorüber, wo ihr idtie Wählerschaft die gebührende Antwort auf ihr <dem Judentum schädliches Treiben gegeben (hat, da wird sie auch vor dem staatlichen Gericht gebrandmarkt. Das Lendesgericht Prag hat am 14. März d. J. festgestellt, daß bei den letzten, im Jahre 1925 stattgefundenen Wahlen in der Tschechoslowakei die Führer der slowakischen Agudah das Ziel hatten, die Wahl jüdischer Abgeordneter in der Slowakei zu vereiteln, daß sie sich von der tschechoslowakischen Agrarpartei haben kaufen lassen, um durch Aufstellung aussichtsloser Gegenkandidaturen die Wahl jüdischer Abgeordneter zu verhindern, und daß sie daher mit der Judenheit der Slowakei Schacher getrieben haben. Dies halle der hervorragende zionistische Politiker in der Tschechoslowakei, Dr. Emil Margulies in Leitmeritz, den beiden Protagonisten der slowakischen Agudah, Oberrabbincr Weber und H i r s c h 1 e r, öffentlich vorgeworfen. Notgedrungen mußten diie beiden Ehrenmänner die Klage erheben. Dr. Margulies übernahm die volle Verantwortung für den Inhalt seiner Veröffentlichung umd bot dafür den W afliirh e itsbeweis an. Das Gerücht ließ diesen Beweis zu und in der Verhandlung vom 14. März 1928 wurde Dr. Emil Margulies freigesprochen. In der Begründung des Urteils führte der Vorsitzende aus: Die Aeußerungen, für welche der Angeklagte die Verantwortung übernommen, sind zweifellos beleidigenden Chariakters. Das Gericht hat aber auf (Grund des umfangreidhen Wahrheitsbeweises die Ueherzeugung gewonnen, daß der Angeklagte hinreichende Gründe hatte, um diese von ihm erhobenen Vorwürfe für wahr zu (halten, da erwiesen ist, daß die Privatankläger, die von der jüdisch-nationalen Partei angestrebte Einigung vereitelt haben, das ihr Ziel die Verhinderung der Wahl jüdischer Abgeordneter war, daß sie über Initiative von dritter Seite gehandelt haben, daß sie von dieser dritten nichtjüdischen Seite für die Wahlen Geld genommen haben, und daß sie durch diese ihre Tätigkeit die Wahl jüdischer Abgeordneter verhindern wollten und verhindert haben. Ebenso stehe es für das 'Gericht außer Frage, daß der Angeklagte in Wahrnehmung öffentlicher inter- ■ f. "Vil Am Fuße des Berges Sinai. (Rechts neben der Palmengruppe der im Jahre 1926 verstorbene ausgezeichnete Orientkenner Dr. Josua W e 11 i s c h, aus dessen Nachlaß uns das um 1895 aufgenemtnene Bild zur Verfügung gestellt wurde. Dr. Wellisoh, der von 1919 bis zu seinem knapp vor seinem 60. Geburtstage eriolgten Ableben in Wien domizilierte, war in Belgrad gebürtig, (absolvierte die medizinische (Fakultät in Wien und ließ sich in den Achtzigerjahren des vorigen Jahrhunderts in Konstantinopel nieder. 5 Jahre hindurch war er im internationalen Sanitätsdienst für die Türkei, dann über 22 Jahre im türkischen Unterrichtsministerium als Generalsanitätsinspektor und Chei der iSektion für Schulhygiene und Scbulbauwesen tätig. Seine amtliche Tätigkeit gab ihm Gelegenheit, den ganzen Orient zu bereisen. Dabei kam ihm sehr zustatten, daß er zwölf Sprachen (beherrschte. Von dem ihm befreundeten berühmten Orientalisten Prof. Vamberg an Theodor Herzl empfohlen, leistete Dr. WelUsch dem großen zionistischen Staatsmann wertvolle Dienste während seiner Verhandlungen in Konstantinopel. Herzl erwähnt Doktor Wellisohs Tätigkeit in seinen Tagebüchern in dankbarster Weise. Im Jahre 1919 auf eigenes Ansuchen in seiner amtlichen Stellung zur Disposition gestellt, hat Dr. WelUsch seine unermüdliche Arbeitskraft in den Dienst des Palästina-Aufbauionds, des Keren Hajessod, gestellt) 235323534848534848232323232323233123232323235323234823535323235353485348482348534853232348232323234848