Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1 (1928)
- Issue
- Heft 11 (15.3.1928)
- Date
- 1928-03-15
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 DIE STIMME Nr. 11 ««na, „HANSA“ ■■■■■* WIEN I, FRANZ JOSEFS-KAI 13 TELEPHON 75-409 PlSkft Hluser, BQres, Wohnungen, Hypothaken, Verwaltungen Prompt Unter wenigen Tagen beste Resultate Eigene Kreditabtellung nur für große Transaktionen Sehr intensiv beschäftigte sich Nassau mit i ü d i s c h-p olitischen Gegenwartsproblemen und insbesondere mit der Frage der national-kulturellen Autonomie. An der Bewegung für das allgemeine Wahlrecht in Oesterreich nahm er lebhaften Anteil und als in den ersten österreichischen Reichsrat, der im Jahre 1907 auf Grund des allgemeinen Wahlrechtes gewählt wurde, vier jüdisch-nationale Abgeordnete einzogen, wurde Nassau der politische Sekretär dieses ersten und einzigen Abgeordnetenklubs Oesterreichs. — Leider raffte ihn ein früher Tod hinweg, ehe er noch daran gehen konnte, seine von Ideenreichtum, Sachlichkeit und unerschütterlicher Treue zur Idee getragene Tätigkeit weiter auszudehnen. Nassau war der Typus des klarsichtigen Juden, der einem Ideal Wirklichkeit zu geben vermag. Alles, was nach Kompromiß, nach Phrase, nach Schaumschlägerei oder Demagogie schmeckt, war ihm in tiefster Seele verhaßt und alle, die mit diesen Mitteln arbeiteten, fürchteten ihn; noch heute befällt sie bei der Nennung des Namens Nassau ein leiser Schauder. Wo es darauf ankam, ehrliche und sachliche Arbeit zu leisten, war Nassau einer der Eifrigsten. Er wurde auch allenthalben geschätzt und geachtet und bis heute lebt bei allen, die ihn kannten, sein Andenken in Ehre und Liebe. Wo sind die Juden des Burgenlandes? In diesem Blatte wurde schon öfter über jüdische Pflegekinder bei christlichen Pflegeeltern gesprochen, fast alle angeführten Fälle aber, wo die Erziehung auf Taufe hinzielte, wiesen auf das Burgenland hin. Das vierzehnjährige Mädchen, das ihre Stammesgenossen fürchtete und daher vor der Unterbringung im jüdischen Lehrmädchenheim zu ihren früheren Pflegeeltern ins Burgenland flüchtete, bietet wohl das krasseste Beispiel der Früchte einer solchen Erziehung. Wie kann es im Burgenland mit seinen bekannten frommen Judengemeinden jüdische Kinder geben, die schutzlos der Seelenfängerei ausgeliefert sind? Die Juden wohnen eben auch dort fast ausschließlich in den Städten. In den verhältnismäßig ausgedehnten Gegenden, wo zwischen Wäldern und auf Hügeln kleine Häusergruppen und einzelne Gehöfte zerstreut sind, wird man aber kaum Juden finden. Nur in dem Dörfchen, das das Gemeinde- oder auch nur das Schulzentrum der Gegend bildet, ist der Kaufmann gewöhnlich Jude. Diese Kaufleute, die trotz ihres freundschaftlichen Zusammenlebens mit ihrer arischen Umgebung meist jüdisch bewußt geblieben sind, würden gewiß gerne als Vertrauensleute der Kultusgemeinde wirken, zu der die betreffende Gegend gehört. Schwer hätten sie es sicher nicht, die jüdischen Pflegekinder zu finden, denn obgleich diese sich in ihrer Lebensweise von den Bauernkindern in keiner Weise unterscheiden, kennt sie doch jeder als die Judenelse, den Judenmax usw. Eine Ueberführung der Kinder aus der christlichen in jüdische Pflege wird freilich in den meisten Fällen auf unüberwindliche Schwierigkeiten stoßen, wenn nicht ein Jude die Vormundschaft über das Kind erhalten kann. Was aber so ein Dorfjude auch sonst für die jüdischen Pflegekinder zu leisten vermag, können wir an einem lobenswerten Beispiel zeigen: Wochen-Kalender März 1928 Gedenktage rre-in -na 15 Donnerstag 18^2 — der hebr. Schriftsteller Rüben Brainin geboren. n 1 00 CM 16 Freitag 1925 — Prof. August von W assermann, der Entdecker der nach ihm benannten Blutreaktion auf Syphilis, gestorben. 24 — -ja 17 Samstag 1862 — der Komponist Jacques Promental Halevy, dessen Opern »Die Jüdin«, »Der Blitz» u. a. weltbe’llhmt wurden, in Nizza gestorben. 25 - fö Sabbat Hachodesch Haftarah t.Kauomat 18 Sonntag 1865 — der gefeierte Wiener Kanzelredner Rabbiner Isak Noa Mannheimer gestorben. 26 — 19 Montag 27 — a 20 Dienstag 28 — na 21 Mittwoch 1851 — der bekannte Geiger und Komponist Adolf Brodzky in Taganrog geboren. 29 — £2 l^m Kipn'T Knton In dem kleinen Dorfe St. Martin a. d. Raab wohnt ein Kaufmann, der sich um das Schicksal der beiden jüdischen Pflegekinder im weitgedehnten Ortsgebiete kümmerte. Er fand sofort Verständnis, als er ersuchte, die Kinder nicht dem katholischen Religionsunterrichte beiwohnen zu lassen, ließ sie in seinem Hause verkehren, interessierte die Berufsvormundschaft für sie und beide wurden, nachdem sie das vierzehnte Lebensjahr erreicht hatten, zwecks besserer Schul- und Berufsausbildung mit Zustimmung der Zieheltern nach Wien, und zwar in jüdisches Milieu, gebracht. In dem einen der beiden Fälle hatten sich die Pflegeeltern im Interesse ihrer Ziehtochter selbst mit der Bitte an uns gewandt, das Kind zur Berufsausbildung zu übernehmen, und darauf verwiesen, daß jüdische Jugendliche, die in Nachbarorten getauft worden und dort geblieben sind, als uneheliche Kinder und ehemalige Juden nie als gleichwertig gelten und ein unglückliches Leben führen. Die Kinder in Wien bleiben mit ihren Pflegeeltern, durchaus braven Leuten, in Kontakt und sind dort immer als Besuch gern gesehen, obgleich 9ie bewußte Juden geworden sind. Auch dieses Verstehen ist wohl ein Erfolg des bescheidenen Dorfjuden. Die in unserem Artikel „Die getauft werden sollen“ aufgestellte Forderung, der Verband der österreichischen Kultusgemeinden möge Vormundschaft und Aufsicht über die jüdischen Pflegekinder in der Provinz organisieren, wird wohl noch lange nicht erfüllt werden. Im kleinen Burgenland, wo verhältnismäßig viele Juden wohnen und kaum welche, die jüdisch völlig uninteressiert sind, muß diese Organisation möglich sein. Derzeit müssen wir uns aber angesichts der nicht wenigen Tauffälle von Pflegekindern in dieser Provinz immer wieder fragen: Wo sind die Juden des Burgenlandes? S. A. Als bewährter Fachmann übernehme ich wieder: 1. Privatunterricht bei Schwachsinnigen und Schwererziehbaren 2. Nachmittags- oder Abendbeschäftigung im Vereinswesen SIEGFRIED ABELES, IX, Hahngasse 16 Isak Goldhammer Der Präsident der Zionistischen Organisation Oesterreichs, Dr. Leo Goldhammer, hat einen schweren Verlust erlitten. Am 7. März ist in Botosani nach längerer Krankheit, hochbetagt, sein Vater, der Großgrundbesitzer Herr Isak Goldh a m m e r, verstorben. Der Verblichene, ein frommer Jude vom guten alten Schlag, lebte in erster Linie seinen fünf Kindern, denen er eine ausgezeichete jüdische und hebräische Erziehung zuteil werden ließ. Den „neuen Ideen“ des Judentums, welche die Kinder aufnahmen, brachte Isak Goldhammer Toleranz und reichstes Verständnis entgegen. Die Palästina- Bewegung war ihm Selbstverständlichkeit und er förderte sie durch die Tat, indem er selbst Grundbesitz in Erez Israel erwarb und nach dem jüdischen Steuergrundsatz des Zehent dem Keren Hajessod die regelmäßige Steuer entrichtete. Mit Doktor Leo Goldhammer trauern um ihren liebevollen Vater seine vier Geschwister, von denen sein Bruder, Dr. Lazar Goldh a m m e r, Arzt in Botosani, in seinem Heimatsorte eine rege zionistische Tätigkeit entfaltet, deren Gattinnen, bezw. Gatten, sowie zahlreiche Enkel, unter ihnen Herr David Grünberg, der in der zionistischen Bewegung Rumäniens führend tätig ist. Die Not der jüdischen Studentenschaft Der jüdische Hochsdhiulausschuß führteimen schweren Kampf um die Erhaltung der im 'Laufe der letzten Jahre errichteten wirtschaftlichen Institutionen deojüdischen Studentenschaft in Oesterreich wie Kranikenfürsorge, 'Inskriptionsfonds, Darlehenskasse, Mensafreitisdhe, Lehrbehelfeaktion, Studentenheim etc. Um die Erhaltung dieser Institutionen, deren Bestand durch Mangel atu Mitteln bedroht ist, zu isichem, wendet sich der Hoohschulaussahuß und mit ihm eine Reihe van hervorragenden jüdischen Persönlichkeiten Wiens an die jüdische Bevölkerung Oesterreichs mit folgendem Auf ruf : Der Jüdische Hochsohulausschuß, die Exekutive des Gesamtverhandes jüdischer Hochschüler Oesterreichs „Judäa", dem die Aüfgalbe der Linderung der großen Not der jüdischen Studenten zufällt, ist ahne Geldmittel. Da es sich um das Schicksal der jüdischen Studenten handelt, muß der Jüdische Hochschulausschuß, im Bewußtsein seiner Verantwortung, an die breite jüdische Oeffentlichkeit mit der Bitte herantreten, den Institutionen der jüdischen Studentenschaft zu Hilfe zu eilen. Für den jüdischen Studenten ist die Lage durch die ökonomische Krisis und den Mangel jeder Verdienstmögliohkeit eine sehr traurige geworden. Hunderten von Studenten droht die Gefahr, daß sie ihr Studium knapp vor der Absolvierung werden aufgeben müssen und so um die Früchte ihrer Arbeit gebracht werden. Auch die lebenswichtigen Institutionen der jüdischen Studentenschaft, wie: Krankenfürsorge, Mensafreitische, Leihrbehelfeaktion etc, stehen wegen des Geldmangels vor dem 2fasammenbruche. Der jüdische Hochschulausschuß sieht sich deshalb gezwungen, die gesamte jüdische Oeffentlichkeit auf den Ernst der Lage aufmerksam zu machen und zur raschen und ausgiebigen Hilfe aufzurufen, um den Zusammenbruch aller (lebenswichtigen und umter großen Opfern geschaffenen Institutionen der jüdischen Studentenschaft zu verhindern, Eis handelt sich um die Zukunft des jüdischen Nadh- Erstklassige (weibliche) Bürokraft sucht Beschäftigung. Gefl. Angebote an Zionistisches Liandeskomitee, <I„ Kämtnerstraße 28, Telephon 77-4-85, 77-4-86, ah 3 Uhr nachmittags. Die bestrenommierte I. Wiener orth. Matzothfabrlk Israel Vortrefflich erzeugt unter Aufsicht des ehrwürdigen orth. Rabbinats der Israel. Kultusgemeinde Wien die falnatan« dünnsten und basten HAZZOTH UND GRIESS Streng hygienisch 1 Täglich frisch gebacken I Überall erhältlich! Wuchses, der von den Quellen der Bildung nicht ab geschnürt werden darf. Dr, Artur K u r a n d a, Präs, der Israel. Allianz; Dr. Richard iB e e r - H o f f m a nn; Prof. Dr. Ludwig Braun; Rabbiner Dr. David Feudilwang; Hofrat Prof. Dr. S. Frankfurter; Dr. Desider iFiriedmann, Rechtsanwalt; Hofrat Dr. (Siegfried1 Gers t m a n n; Dr. Leo Goldhammer; Ignaz Glück, Börsenrat; Heinrich G1 ii c k s m a n n, Dramaturg des Deutschen Volkstheaters; Univ.-Prof. Dr. Max Hajek; Dr. Siegmund Hirschhorn; Univ.-Prof. ür. A. Pick, Präs, der (Israel, Kultus - gemeinde; Dr. Eduard P a c h t m aun; Rabbiner Dr. A. Kamink a; Kommerzialrat Paul K a r p e 1 e s; Lazar Kres tim, aikad, Maler; Dr. Josef Löwenlherz, Vizepräsident der Israel. iKultusgemeinde; Uni,v.-Prof. Dr. Heinrich Neu mann; Dr. J. Ornstein, Vizepräsident der Israel. Kultusgemeinde; Dr. Leopold Pl aschke s; Felix Salten; Oberbaurat Ing, iRobert (Strick e r; Hofrat Dr. Ludwig W eraerj Juliusz W o 1 f s o ib n. Adresse für Geldsendungen: Jüdischer Hochsahulausschuß, IX., Zimimermaninplatz 8, Trumpeldor-Gedenkfeier. Samstag, den 17. März, um J48 Uhr abends veranstaltet der Jugendbund „Trumpeldor“ im Jüdischen Zentrum, II., Untere Augartenstraße, eine Gedenkfeier für den Helden von Tel-Chaj. Das Generalsekretariat der Weltföderation der jüdischen Jugend (Brith Haolamith Schel Hanoar Haiwri), die heute all jene erzieherischen und unpolitischen Jugendorganisationen umfaßt, die auf Chaluziuth und Erez-Israel-Haowedeth basieren, beabsichtigt in der allernächsten Zeit Material über die jüdischen Jugendverbände und Organisationen zu sammeln und herauszugeben, und wendet sich zu diesem Zwecke an alle Organe und Leitungen der jüdischen Jugend mit der Bitte, umgehend ihre Adresse zuzusenden, um einen näheren Informationskontakt zu ermöglichen und ihnen Bulletins und Veröffentlichungen zukommen zu lassen. Adresse: Warszawa, Dluga 50 (Haschomer), Polen. Aus den zionistischen Ortsgruppen Wien Zionistische Sektion I« In einer Ausschußsitzung dieser Sektion, welche am 8. d, M. stattfand, wurde t im Einvernehmen mit dem Vertreter des Zionistischen Landeskomitees, Dr. Georg Weiner, und Sekretär Paul Stein das Arbeitsprogramm für die nächste Zeit beschlossen. Dienstag, den 20. März, findet eine große Werbeversammlung statt, während die zweite große Kundgebung dem neu gegründeten österreichischen „Pro-Palästina-Komitee“ gelten soll. Mit der Werbe Versammlung soll zunächst die Reaktivierung alter Zionisten dieses Bezirkes bezweckt werden. In seinen Ausführungen hob der Vorsitzende der Sektion, Dr. Norbert Hoffmann, die große propagandistische Wirkung des vom Zionistischen Landeskomitee herausgegebenen Wochenblattes „Die Stimme" hervor, dessen weiteste Verbreitung er im Interesse der Ausdehnung der österreichischen Organisation für unerläßlich erklärte. Zionistische Sektion XII-XV. Die Leitung dieser Sektion berief für den 5. d. M. eine Zusammenkunft aller Gesinnungsgenossen ein, um die Maßnahmen zu besprechen, welche zu einem Ausbau der Ortsgruppe führen sollen. In Vertretung des Zionistischen Landeskomitees nahmen an den Beratungen die Herren Prof. Dr. Wilhelm Stein und Paul Stein teil. Der Obmann» Herr Otto R u z e k, erstattete einen Rechenschaftsbericht, in welchem er den bedeutenden Erfolg, den der hebräische Kindergarten aufzuweisen hat, hervorhob. Nach einem Referate des Herrn Prof. Stein über die derzeitige Lage in Erez Israel und innerhalb der zionistischen Bewegung, wurde beschlossen, einen Vortragszyklus abzuhalten, welcher mit einem Vortrage des Präsidenten des Zionistischen Landeskomitees für Oesterreich, Dr. Leo Goldhammer, über das gegründete „Pro-Palästina-Komitee" eröffnet wird, Die Vertreter der akademischen Vereinigung „Jung-Juda“ erklärten sich vorbehaltlos bereit, an den Arbeiten der Sektion teilzunehmen. Mit besonderer Genugtuung begrüßten die Ausschußlriitglieder der Sektion XII-XV die Gründung der „Stimme" und verpflichteten sich zur intensivsten Werbung für das Blatt. Alle Ankündigungen dieser Ortsgruppe werden in Hinkunft in der „Stimme" veröffentlicht. St. Pölten Die Generalversammlung der ZionistischenOrtsgruppe St, Pölten,- die am 11. Februar statlfand, wurde mit einem Nachruf des Präsidenten Herrn Dr. Hugo Deutsch für Oberrabbiner Dr, Chajes und den verstorbenen Direktor Epler eingeleitet. In dem Rechenschaftsbericht schilderte Herr Dr. Deutsch die großen Schwierigkeiten, mit denen die Ortsgruppe in den letzten Jahren zu kämpfgn hatte. Er erklärte ebenso wie der Vizepräsident Herr Heinrich Schwager, die bisher innegehabte Stelle auf keinen Fall mehr annehmen zu können. Nach längerer Debatte wurde Herr Leo Holzer zum Präsidenten und Herr Erich Schächter zum Vizepräsidenten der Ortsgruppe gewählt. Anschließend an die Generalversammlung hielt Frau Dr. Martha Hofmann aus Wien einen beifällig aufgenommenen Vortrag über Palästina. Am 4. März fand vor der Generalversammlung der Chevra Kadischah ein feierlicher Trauergottesdienst für Ober- „Die Stimme** Serufen Sie »ich bei allen Sinbäuten aut