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Die Stimme · 1928-03-15 · Heft 11 (15.3.1928) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 11 (15.3.1928)
Date
1928-03-15
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 11 DIE STIMME Seite 5 Minoritätenblocks für ungültig erklärt und die Juden, welche ihre Unterschrift unter die Listen gesetzt hatten, gezwungen, diese zurückzuziehen. Wenn auf die jüdische Gruppe im Minoritätenblock trotzdem mehr als 200.000 Stimmen entfielen, so ist dies ein Beweis für den ungebrochenen politischen Willen der jüdischen Massen in Kongreß-Polen und den Randgebieten. In Galizien haben die Juden um 3 bis 4 Mandate weniger erlangt, als ihnen hätten zufallen können, wäre nicht durch die tückische Mache der Aguda eine Absplitterung von Stimmen erfolgt, die, wenn auch geringfügig, doch ausreichte, um den Verlust der jüdischen Mandate zu bewirken (wären die Mandate in Stryj und Rzeszow erlangt worden, so hätte die jüdischnationale Vereinigung noch auf 1 bis 2 Mandate aus der Staatsliste Anspruch gehabt). Daß die Zahl der jüdischen Mandate in Galizien nicht unerheblich geringer ist als im Sejm des Jahres 1922, ist darauf zurückzuführen, daß damals die Ukrainer Wahlenthaltung übten, wodurch eine Anzahl von Mandaten in jüdischen Besitz kamen. Aber auch bei den Wahlen in den galizischen Bezirken wurde gegen das Anrecht der Juden auf ihre parlamentarische Vertretung von den maßgebenden Faktoren gewühlt. Und das Ergebnis zeigte sich bald: Die nationalchauvinistischen Elemente in Lemberg hielten, durch das Vorgehen der maßgebenden Faktoren während der Wahlzeit ermutigt, die Juden wieder einmal für vogelfrei, und als in Lemberg der geeinte politische Wille der Judenschaft zwei Mandate errang, inszenierten die nationaldemokratischen Hetzer ein Wahlnachspiel auf der Straße, dessen Akteure Studenten und Mob waren. Den akademischen und nichtakademischen Pöbel gegen die Juden aufzurufen, paßte den nationaldemokratischen Drahtziehern ausgezeichnet, um ihre und ihrer reaktionären Bundesgenossen vernichtende Niederlage zu bemänteln und andererseits dem ihnen verhaßten Regime Pilsudski Ungelegenheiten zu bereiten. Die Handhabe hiezu wurde ihnen nun gerade während der Wahlzeit geboten, denn sie haben die billige Ausrede, daß das Verhalten der maßgebenden Faktoren gegen die Aeußerungen des politischen Willens der Juden eigentlich ihnen, den Machern der Reaktion, recht gebe. So entsteht eben aus Bösem immer wieder Böses und der Keim zu dem häßlichen Wahlnachspiel von Lemberg liegt in den vorangegangenen Verboten jüdischer Versammlungen, Einschüchterung, Bedrohungen jüdischer Wähler, im Begünstigen aller jüdischen Cliquen und Klüngel, welche gegen die nationale Politik der Juj> den auftraten. Hier hat die neugestärkte Regierung Pilsudski, welche den Juden vor der Wahl soviel versprochen hat, zunächst vieles gutzumachen. Denn die Juden Polens werden sich nie mehr zu politischen Hausjuden degradieren lassen. Die 53. Friedhofsschändüng in Deutschland Auf dem Friedhof 'der israelitischen Kultusgemeimde in Gleiclherwiesen (Landkreis Hildiburghausexi) sind naclhts zwölf G r .a Ib d e n k m ä 1 e r umgestürzt worden. Gemeindevorstand. <und Kultusgemeinde flnaiben für di« Ergreifung der unbekannten Täter eine Belohmuinig von 200 Mark lausgesetzt. (Der Landkreis Hiildlburglhausen ist schon seit Jahren bekannt als ein Hauptsitz rechtsradikaler Elemente. — Die Red.) Vor dem Schöffengericht in Landau hatten sich der 19jährige Schneidergeselle Willi Dörr und der 17jährige Landwirtssohn Emil Huck wegen Schändungen und Zerstörungen auf dem israelitischen Friedhof in Eßlingen zu verantworten. Sie hatten 36 Grabsteine umgestürzt und zum Teil zerschlagen, eine Reihe anderer Grabmäler schwer beschädigt. Die beiden halbwüchsigen Burschen gaben weinend die Tat zu, bestritten aber, auf Anstiften eines Dritten gehandelt zu haben. Der Staatsanwalt hielt es nicht für erwiesen, daß es sich um eine antisemitische Demonstration gehandelt habe. Das Gericht verurteilte Dörr als den Anstifter zu zehn und Huck zu sechs Wochen Gefängnis. Mitte November wurde bekanntlich die Synagoge in Lüneburg von fünf jungen Leuten in gemeinster Weise beschmutzt und mit Hakenkreuzen bemalt. Im Garten fand man eine nationalsozialistische Flagge. Am 8. März hatten sich die fünf Synagogenschänder vor dem Großen Schöffengericht zu Lüneburg zu verantworten. Das Gericht verurteilte einen Haupttäter zu sechs Monaten, einen zu fünf Monaten und einer Woche Gefängnis, zwei weitere Angeklagte’' wurden zu je zwei Monaten Gefängnis verurteilt, während der fünfte freigesprochen wurde. Die letzten Prozesse gegen die rumänischen Pogrom-Studenten Wie aus Bukarest gemeldet wird, hat der Prozeß gegen die letzte Gruppe der studentischen Plünderer und Synagogenschänder vor dem Kriegsgericht in Klausenburg, auf den wir bereits in der vorigen Nummer unseres Blattes hingewiesen haben, mit verhältnismäßig milden Urteilen geendet. Vier Studenten wurden in contumaciam zu sieben Monaten, zwei Studenten zu je einem Monat, drei zu je 14 Tagen, einer zu 10 Tagen Gefängnis verurteilt. Die sechste Landeskonferenz des deutschen Hechaluz Die sechste Landeskonferenz des deutschen Hechaluz, an der sich etwa 350 Delegierte und Gäste beteiligten, -wurde in Zossen bei Berlin am 3. März eröffnet. Der Rechenschaftsbericht des Merkas stellt fest, daß der deutsche Hechaluz sich zahlenmäßig und in der Qualitätsausbildung trotz der Einwanderungssperre und trotz der schwierigen Lage im Zionismus unversehrt erhalten hat. Es befinden sich etwa 4 6 0 Chawerim in landwirtschaftlicher und fachlicher Ausbildung. Eines der Hauptprobleme der Konferenz war die Nachwuchsfrage, über die nach dem Referat „Jugend und Hechaluz" von Herrn Schattner eine Debatte sich entwickelte. Herr B e n a r i schilderte die Arbeitslage in Palästina. Die Konferenz nahm folgende Resolution an: „Der Hechaluz bringt seine Genugtuung über die Besserung der Lage in Palästina und die Minderung der Arbeitslosigkeit zum Ausdruck, protestiert gegen die Vorfälle in Petach Tikwah, fordert eine Intensivierung der Hachscharah- Ausbildung, Fortsetzung der nationalen Kolonisation, Schaffung einer Lehrsiedlung für den deutschen Hechaluz sowie die ungeschmälerte Erhaltung der organisierten jüdischen Arbeit innerhalb der Privatwirtschaft.“ Kleine Nachrichten Seit einiger Zeit ist an der litauischen Universität in K o w n o eine Hetze gegen die jüdische Studentenschaft im Gange, die immer gefährlichere Formen annimmt. In „Die nichtjüdischen Studenten der Kownoer medizinischen Fakultät" Unterzeichneten Aufrufen wird die Einführung des Numerus clausus für Juden und die Nichtzulassung von jüdischen Hochschülern zu Uebungen an nichtjüdischen Leichen gefordert. Protestaufrufe der jüdischen Studenten wurden heruntergerissen, wobei es zu Zusammenstößen kam. Das Rektorat hat bis jetzt keinerlei Gegenmaßnahmen gegen die gefährliche Hetze ergriffen. Die Synagoge von T s i t s i k a r, einer Stadt an der ostchinesischen Eisenbahn, 300 Kilometer von Charbin entfernt, ist durch eine unaufgeklärt gebliebene Explosion vollkommen zerstört worden, wobei der Hauswart, ein Nichtjude, den Tod fand. Man nimmt an, daß russische Monarchisten, die im fernen Osten eine gefährliche antisemitische Propaganda betreiben, Urheber der Tat sind. « In New York ist, 62jährig, der jüdische Arbeiterführer Max Fein gestorben. Fein, dessen Name ursprünglich Finne lautete, stammte aus Witebsk in Rußland. Er war einer der ersten gewerkschaftlichen Organisatoren der jüdischen Arbeiterschaft in Amerika und war lange Jahre Präsident der jüdischen Gewerkschaften. In den letzten Jahren nahm er an den Aktionen der amerikanisch-jüdischen Arbeiterschaft für den Aufbau Palästinas lebhaften Anteil und war Vorsitzender der Palästina-Arbeiter-Campagne. « Wie die „Jüdische Rundschau" berichtet, soll die nächste Sitzung des Aktionskomitees der Zionistischen Organisation im Juli in 'Berlin stattifinden. * ffm Mannheim ist der Laboratoriumsvorstamid der städtischen Krankenanstalten Max Lesser, ein Forscher von Ruf, dessen wissenschaftliche Arbeiten 'aus dem Gebiete des Stoffwechsels sehr bekannt wurden, im Alter von 48 Jahren gestorben, Lesser, ein Freund des lange in Mannheim ansässigen und jetzt in New York lebenden Julius Simon, hat lange Jahre eine rege zionistische Tätigkeit entfaltet; sein Hauptinteresse galt der praktischen iPa'lästinaarbeit. Die Gerichtsassessorin Frau Dr. Braun, geh. Frank, in Frankfurt a. M,, eine streng gesetzestreue Jüdin, fungierte in einer Sitzung des Frankfurter großen Schöffengerichtes zum ersten Male im Amtsornate als Richterin. Sie ist die erste jüdische Richterin in Deutschland. Vor dem Parlament der indischen Hauptstadt Delhi wird dem früheren Vizekönig von Indien, Lord R e a d i n g (Sir Rufus Isaacs, einer bekannten jüdischen Familie Englands entstammend), zum Zeichen der Anerkennung für seine erfolgreiche Wirksamkeit in Indien ein Denkmal gesetzt, das der bekannte englische Bildhauer K. S. Jager soeben vollendet hat. Für den 8. und 9. April wurde ein Judentag der Bukowina einberufen, Harry Mi 11 er aus Chicago hat in seinem Testament die Gesamte,inkünite seines Hauses, die auf gegen 14.000 Dollar geschätzt werden, dem J üdischen National fonds verimiacht. Der Nachlaß soll als ein besonderer Fonds „Naohlatlh Zwii" verwaltet werden. Des weiteren hat Mr. Gar fiel in New York 10,000 Dollar dem Jüdischen Nationalfonds letztwillig vermacht. Schenken Sie uns nicht blindes Vertrauen, Prüfen und vergleichen Sie! Seihen Sie sich unsere Warenangebote in den Schaufenstern an, besuchen Sie uns unverbindlich und ohne Kaufzwang, lassen Sie sich unser riesiges Lager in erstklassigen Qualitätswaren zeigen, schätzen Sie Qualität und Preis iab, und Sie werden sich einwandfrei davon überzeugen, daß der Ruf des populären Leopoldstädter Warenhauses Brüder Sohiffmann, 2. Bez., Taborstraße 48, als 'billigste Einkaufsquelle nur tauf Grund tatsächlicher, verblüffender Leistungen erworben wurde. Wir bluffen nicht — wir bieten! Unsere kürzlich eingelangten Neuheiten in Frühjahrsstoifen jeder Art geben wir zu verblüffend' niedrigen Preisen ab. 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Damals entrollte Herzl die Fahne des politischen Zionismus und Nassau schloß sich der Bewegung sofort an. Zusammen mit seinen Kollegen von der Brünner Verbindung ,,Veritas“ und der mährischen FerialVerbindung „Achiwah" durchzog er die Städte und Städtchen Mährens, überall für die Propaganda der zionistischen Idee tätig. Bei dieser Wanderpropaganda war Nassau einer der Unermüdlichsten; damals dürfte wohl der Keim zu seiner Todeskrankheit gelegt worden sein. Ein paar Jahre später kam Nassau nach Wien, wo er der Verbindung „Iwria" beitrat. Bald spielte er in der jüdischen Studentenschaft Wiens und Oesterreichs eine bedeutende Rolle, stets auf geistige Arbeit in jüdischem Sinne unter den Studenten Bedacht. Er selbst ging mit bestem Beispiel voran; es gab wenige Gebiete jüdischen Wissens, auf denen sich Nassau nicht in unermüdlicher Arbeit reiche Kenntnisse angeeignet hätte. Sein Spezialgebiet war das Studium der Judenfrage in Mähren und er hat in verschiedenen Aufsätzen über diese Frage Grund-, legendes gesagt. Nassau entfaltete eine reiche publizistische Tätigkeit, besonders im zionistischen Zentralorgan „Die Welt“. Er war auch Mitbegründer der von den österreichischen Zionisten herausgegebenen Wochenschrift „Jüdische Zeitun g“, deren Redaktion er in den ersten Jahren ihres Bestandes Innehatte. Eine Zeit lang leitete Nassau auch das Wiener Kongreßbüro und hat auch an mehreren Zionistenkongressen teilgenommen.

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