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Die Stimme · 1928-03-15 · Heft 11 (15.3.1928) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 11 (15.3.1928)
Date
1928-03-15
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 DIE STIMME Nr. 11!•/ \ ) ■ in!;? * 5 ■i i ii . i Müllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll!ii,’|||l|||ilil|||||illlll|||||||||||||i|||||l||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||j^ Die weltberühmten und bevorzugtesten Amerikanischen Mamschewitz Malzos aDaaoanaaoDaaaaanaoDoaDa Grieß □aaaaaaaaaoaaaaaaaaaaaDa sind bereits eingetroffen und in allen besseren Lebensmittelgeschäften erhältlich Farve I Hanischewitz Matzos-Vertrleb Wien, II., FugbacHgasse 24 (Nordbahnstraße 38) Telephon Nr. 75-9-32 und 42-3-58 Filiale: ig. Frost, II, Haidgasse 9 — Telephon Nr. 46-8*89 i ^liiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii bar erweist, erscheint ein Bündnis der verschiedenen Teile als Notwendigkeit zur Verteidigung der gemeinsamen Interessen. Nur die Zusammenarbeit der isolierten Teile, ihr enger Zusammenschluß ist imstande, ihre gemeinsamen wirtschaftlichen und politischen Interessen, ihr „Selbstbestimmungsrecht“, durch wirtschaftliche, kulturelle und politische Unabhängigkeit zu bewahren. Immerhin ist die vollkommene Autonomie jedes diese große Völkerfamilie bildenden Teiles die Vorbedingung zu ihrem Gedeihen; und je größer diese ethnische Familie ist, je größer die Zahl ihrer Komponenten, ie größer ihre Verschiedenheit, desto sicherer die Bürgschaft für die Zusammenarbeit der Gesamtheit. Wie die Dinge heute liegen, erscheint als die beste Lösung eine „Annäherung“ zwischen der neuen Türkei. Kurdistan und Armenien, Syrien, Transiordanien und Palästina und etwa Mesopotamien und Arabien; daraus werden vielleicht in näherer oder weiterer Zukunft die Vereinigten Staaten des nahen Ostens hervorgehen. Ein nationales Heim der Juden in Palästina könnte einen integrierenden Bestandteil dieser Sfaatengruppierung bilden, und unsere Diplomatie, unser öffentliches Leben, muß unablässig bemüht sein, uns zum wichtigsten Element, zum wertvollsten Faktor dieser Konföderation zu machen. Auf diese Weise, mit solchen Tendenzen, können wir hoffen, zu einem guten, dauernden Einvernehmen mit unseren arabischen Mitbürgern zu kommen. Denn wir müssen die Eventualität eines Z usammenlebens mit den Arabern als unumgänglich ins Auge fassen. Wir haben keine wüsten, menschenleeren Ländereien vor uns, die wir für uns allein in Anspruch nehmen könnten; ebensowenig haben wir es mit einer Bevölkerung von „wilden Eingeborenen“ zu tun, auf deren Koster. man sich einfach als Herrenvolk niederläßt. Diese letztere Art dem Problem gegenüberzutreten, würde von einer Psychologie oder, besser gesagt, von einer Psychose zeugen, die von den verantwortlichen Zionisten seit jeher entschieden abgelehnt worden ist. Palästina muß ein Land werden, wo beide Nationen, die jüdische wie auch die arabische, zu friedlicher Zusammenarbeit geführt werden, die aus dem schönen Stück Erde ein Zentrum hoher Zivilisation, großen wirtschaftlichen Aufschwungs, offener, freier Politik und günstigster sozialer Bedingungen machen sollen. Wenn es nach sehr langer, sehr anstrengender Arbeit gelingt, noch einigen hunderttausend, einer Million Juden, die Einwanderung nach Palästina zu ermöglichen, so werden die Araber von diesem Wohlstand denselben Genuß haben wie die »luden. Sollte es einmal dazu kommen, daß die Juden die Mehrheit in Palästina bilden, so wird schon ihr eigenes Interesse es ihnen verbieten, diesen Umstand zu einer Vorherrschaft benützen zu wollen und zu versuchen, die Araber in die Rolle einer nationalen Minderheit niederzudrücken. Sie werden vielmehr aufs gewissenhafteste bemüht sein, in Palästina eine vollkommene bürgerliche, politische und nationale Gleichberechtigung aufrechizuerhalten; denn sie werden nicht wünschen, daß man sie selbst in den anderen arabischen Gebieten wo — in der Nachbarschaft des palästinensischen Zentrums — gewiß mit der Zeit große jüdische Kolonien erstehen werden, als nationale Minderheiten behandle. Dostojewski, Balzac, Flaubdrt, Tolstoi, Nietzsche usw. zu S 1, 2, 3 Kunstbücher In erößter Auswahl Biicherschwemme ,,VIENNA“, 3. Boqnerg. Nr. 4 Das jüdische Leben Eine Minoritäten-Anleihe Ein Vorschlag von Dep. Leon Blum. in der in 'Paris erscheinenden vorzüglichen Zeitschrift „P.alestine", dem Organ, des Comite France-Palestine, bespricht der bekannte französische Kammerdeputierte .Leon Blum die Verpflichtungen der internationalen Welt gegenüber der jüdischen Heimstätte in Palästina und befaßt sich 4abei mit der Frage einer vom Völkerbund garantierten Anleihe für das Aufbauwerk, Er führt u. a. aus: Das jüdische Nationalheim ist ein neuer politischer Faktor im Leben Palästinas und des ganzen Vorderen Orients, ein Faktor von besonderem völkerrechtlichen Status. Es hat eine ganz bestimmte Aufgabe und spielt eine große friedenstiftende Rolle als Mittler zwischen Orient und Okzident. Ein solches Unternehmen kann aber nicht allein durch freiwillige Gaben aufgebaut werden. Es bedarf eines gewissen konzentrierten Kapitals. Zwei Wege gibt es,um öffentliche Mittel großen Stiles zu sichern: Steuern und Anleihen, Steuern auszuschreiben, hat das jüdische Nationalheim keine Möglichkeit, da es kein Staat ist. Dabei kommt nur eine Anleihe in Betracht. Die freiwilligen Gaben müssen durch eine Anleihe konsolidiert werden, Für dieses Stadium ist der Zionismus und das jüdische Nationalheim reif. Dies wird die ökonomische und politische Situation des Zionismus stärken und ihm gleichzeitig neue Perspektiven eröffnen, Wichtig ist, daß bei einer solchen Anleihe auch nichtjüdische Faktoren beteiligt worden, so daß der bisher vorherrschende falsche Eindruck, als handle es sich hier um eine Sache von ausschließlich jüdischem Interesse, zerstreut werden wird. Das jüdische Nationale Heim kann und muß einen finanziellen Status erhalten, ohne welchen sein bereits anerkannter politischer Status wirkungslos wäre. Dieser finanzielle Status kann nach der Sachlage nur in einer Anleihe bestehen. Im englischen Weißbuch vom Juli' 1922 ist davon die Rede, daß die jüdische Gemeinschaft sich ständig vergrößern muß und daß dazu günstige Vorbedingungen geschaffen und international organisiert werden sollen. Wenn man wirklich will, daß das Nationale Heim inmitten der etwa 700,000 Araber wirklich Gestalt annehme, dann muß man dafür sorgen, daß jährlich 20.000 b i s 25.000 neue E i nw anderer nach Palästina kommen, das sind in 10 bis 15 Jahren 250.000 bis 300.000 Seelen. Da die durchschnittlichen Einnahmen der Zionistischen Organisation jährlich etwa 800.000 bis 1,000.000 Pfund erreichen, würde dieser Betrag für die gesamte Aufgabe keineswegs genügen, da die Ansiedlung einer Familie auf dem Lande ungefähr 900 bis 1000 Pfund kostet. Eine Anleihe zur Ergänzung der freiwilligen Beiträge ist daher unerläßlich und man muß sagen, daß die zionistische Leitung mit ihrer gewohnten Bescheidenheit nichts Uebermäßiges verlangt. Es müßte eine ., M i n o r i t ä t e na n 1 e i h e “ unter den Auspizien des Völkerbundes aiisgegeben werden, in der Art der griechischen und bulgarischen Flüchtlingsanleihe; zugleich müßte diese Anleihe in hohem Maße international sein, in der Art der österreichischen, das heißt sie müßte je für die einzelnen Abschnitte die Garantie mehrerer Regierungen haben. Empfänger der Anleihe wäre die Zionistische Organisation als Jewish Agency gemäß Artikel 4 des Mandates. Zur Sicherstellung kämen die kolonisierten Böden und deren Erträge in Fragt, ferner die regelmäßigen Einnahmen der zionistischen Fonds. Blum schließt seinen bedeutungsvollen Aul satz mit folgenden Worten: „Ich glaube nicht zu viel zu sagen, wenn ich annehme, daß in kurzer Zeit viele Chefs von Regierungen, in der Erkenntnis der Notwendigkeit, ein so zartes und wertvolles Gebilde wie das jüdische Nationalheim in seiner Entwicklung zu unterstützen, beitragen werden zu einem Akt den ich in Anbetracht seiner moralischen und internationalen Bedeutung dessen finanzielle Inthronisation nennen möchte.“ Wahlen mit Straßennachspiel (Von unserem Warschauer K. H,-Berichterstatter.) Der neue polnische Sejm ist gewählt. Von 35 jüdischen Deputierten (von denen alle, mit Ausnahme des Volkspartei-Deputierten Prilucki, dem jüdischen Sejmklub angehörten), kehren nur 13 in das neue Parlament zurück, überdies wurde auf der Liste der von Marschall Pilsudski gebildeten Regierungspartei 1 Vertreter der jüdischen Kaufmannschaft (Abg. Wislicki) und — als Novum — ein Assimilant gewählt. Von den 13 jüdischen Abgeordneten, die ■ als jüdische Vertreter kandidiert hatten, sind 12 Zio- H nisten der verschiedenen Schattierungen, während I im letzten Sejm 24 Vertreter der zionistischen Grup. I pen saßen. Mit Ausnahme des Vertreters des jüdi- I sehen Handwerkerverbandes, der auf der Kandidag tenliste der jüdischen Gruppe des Minoritätenblocks H in Kongreß-Polen gewählt wurde, haben also nur I die Zionisten einen positiven Wahlerfolg zu ver- I zeichnen, ein Beweis, daß in Polen nur sie der aus- I schlaggebende Faktor im jüdischen Leben sind. 9 Einen Zusammenbruch sondergleichen hat in I ganz Polen die Agudas Jisroel zu verzeichj nen, welche ihr politisches Geschäft mit der jüdi- I sehen Orthodoxie in den letzten Jahren in skrupeljj loser Weise geführt hat und es in letzter Zeit so weit trieb, daß sie gegen alles, was für die Entwicklung des jüdischen Lebens von positivem Werte ist, in geradezu unverantwortlicher Weise auftrat. Die Antwort darauf hat ihr die jüdische Wählerschaft gegeben. Von den 6 Mandaten, welche die Aguda im letzten Sejm innehatte, konnte sie kein einziges behaupten. In ihrer sogenannten Hochburg, im Wahlkreise R z e s z o v/, erhielten die Agudisten sage und schreibe 500 Stimmen, mit denen es aber ermöglicht wurde, daß das jüdische Mandat im Bezirke Rzeszow verloren ging. Dort wurden für die Listen der jüdischnationalen Vereinigung fast 13.000 Stimmen abgegeben und es fehlten nur wenige Stimmen zur Erlangung des Mandates. Einen ähnlichen „Wahlerfolg“ erzielte die Aguda im Kreise S t r y j, wo der jüdischnationale Deputierte Dr. Sommerstein, dem nur einige hundert Stimmen fehlten, um sein Mandat kam. Das Volksgericht über die Aguda ist auch die Antwort auf ihr Verhalten während des Wahlkampfes. Sie hat die jüdischnationalen Parteien als staatsfeindlich denunziert, hat einen durchaus harmlosen Todesfall zu einem politischen Mord auf gebauscht und hat mit den schlechtesten Mitteln der Propaganda gearbeitet. Dabei muß bemerkt werden, daß sich die Agudisten „hoher und höchster Förderung“ erfreuten. Auch der jüdische Arbeiterbvuid, der sich wieder als legitime jüdische Vertretung auftat, hat es auf kein Mandat bringen können. Trotz des günstigen Symptoms politischer Konsolidierung der Judensch^f t Polens, das die nahezu einheitliche Willenskundgebung im nationalen Sinne dokumentierte, ist der Aus. | gang der Sejmwahlen für die Judenheit Polens als I nicht günstig zu bezeichnen. Ihrem Anteil. an der | Gesamtbevölkerung entsprechend, müßten die Ju- | den Polens durch mehr als 40 Deputierte im Sejm I vertreten sein. Sie haben es bloß auf ein Drittel dieser Zahl gebracht. Dies ist nur zum Teil aus der Stimmenzersplitterung unter den Juden zu erklären sowie aus der Tatsache, daß eine Anzahl jüdischer Stimmen den Sozialisten zufiel; der Hauptgrund ist jedoch, daß der Wahlkampf in Polen gegen die Minoritäten geführt wurde. Im Jahre 1922 haben die Minoritäten (Juden, Ukrainer. Weißrussen und Deutsche) in Kongreß-Polen xmd den Randgebieten 65 Mandate erlangt, wovon auf die Juden 17 entfielen. Bei den jetzt erfolgten Wah- S len hat der Minoritätenblock nur 56 Mandate be- 1 haupten können. Davon konnten die Deutschen um 2, 1 die Ukrainer um 6 Mandate mehr nach Hause bringen als bei den Wahlen des Jahres 1922, dagegen verloren die Weißrussen 7, die Juden 10 Mandate. Der Stoß gegen die nationalen Minderheiten richtete sich naturgemäß gegen die Linie des geringsten Widerstandes (die Weißrussen waren schon vor den Wahlen durch verschiedene Maßnahmen der Regierung schwer erschüttert worden). Gegen die Juden wurde während der Wahlpropaganda von den Be hörden mit den schärfsten Mitteln gearbeitet. Es fehlte nicht an Einschüchterungen und Drohungen in 3 Wahlkreisen in den Randgebieten, wo hauptsächlich jüdische Mandate im Jahre 1922 errungen worden waren, wurden die Kandidatenlisten des 232348484853482323534853482323234823535323235323234823 534848234853232353232348234853532323482323532323485323

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