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Die Stimme · 1928-03-08 · Heft 10 (8.3.1928) · page 12

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 10 (8.3.1928)
Date
1928-03-08
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
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Seite 12 DIE STIMME Nr. 10 Wissenschaft, Literatur, Kunst Von Büchern Philosophisches Lexikon des hebräischen Schriltiums Als Resultat einer fast zwanzig Jahre währenden Forschungsarbeit läßt der bekannte Philosoph Dr, Jakob K 1 a t zkin soeben im Berliner Verlag „Eschkol" ein hebräisch-deutsches Lexikon des hebräischen Schrifttums in vier Bänden erscheinen. Das Werk stellt den ersten Versuch dar, das gesamte Schrifttum der jüdischen Gedankenwelt und insbesondere das infolge unklarer Deutung der Terminologie häufig mißverstandene Gebiet der jüdischen Religionsphilosophie in seinen begrifflichen und terminologischen Elementen zu ergründen. Das zirka 1600 Oktavseiten umfassende Lexikon enthält ein alphabetisches Wörterbuch der philosophischen Begriffe und Termini, ein Wörterbuch der mathematischen Termini und einen Index aller philosophischen Termini mit ihren hebräischen Aequivalenten. Von den vier Bänden ist soeben unter Mitwirkung von Dr. M. Zobel der erste 340 Seiten starke Band erschienen; der zweite folgt im Mai, die weiteren erscheinen in kurzen Zeitabständen. Eine neue Jugendzeitschrift Seit Beginn dieses Jahres erscheint im Münchner Verlag B. Heller die Monatsschrift „Das Zelt“, welche von Dr. A. Heller und Dr. J. Seide herausgegeben, der jüdischen Jugend den „Guten Kameraden" und andere periodische Publikationen solcher Art, die heute arg „völkeln", ersetzen soll. Die gut ausgestatteten illustrierten Hefte machen schon dadurch den besten Eindruck, daß sie geschickt dem Wissensdrang der Jugend durch Behandlung verschiedener jüdischer Stoffgebiete Genüge tun, ohne dabei das allgemeine Wissen zu vernachlässigen. In den bisher vorliegenden zwei Heften wird z, B. viel von Fahrten und Reisen gesprochen und dabei das Interesse der jugendlichen Leser auf die jüdischen Forschungsreisenden von Benjamin von Tukelas angefangen bis in die neueste Zeit gelenkt. So ist es auch auf den anderen Gebieten, mag es um Spiel oder um Lektüre gehen. Die Zeitschrift hat das Zeug dazu sich einzubürgern, zumal an Zeitschriften, die man der jüdischen Jugend beruhigt in die Hand geben könnte, empfindlicher Mangel herrscht. Für das billige jüdische Buch veranstaltet der Verlag R. Löwit (Dr. M. Präger) Wien 1., Fleischmarkt 1, eine großangelegte Pessach-Aktion, auf die wir unsere Leser schon heute aufmerksam machen; wir werden über die Einzelheiten dieser Aktion rechtzeitig berichten. Büchereinlauf Uriel Birnbaum; Moses (Band 7 der Sammlung „Religio"); Verlag Georg Müller, München. Verus (Ahron Marcus): Der Chassidismus (3. Auflage, 1. Lieferung); Verlag Salomon Marcus, Harburg a. d. Elbe. Aron P r o p e s; Das Leben Josef Trumpeldors (mit einem Vorwort von Vladimir Jabotinsky); Verlag d. Brith Hanoar „Josef Trumpeldor", Riga. Dr. Manka Spiegel: Das völkerrechtliche Mandat und seine Anwendung auf Palästina; Verlag der Univ.-Buchhandlung Leuschner & Lubensky, Graz—Wien. Heinrich Siemer; Juda und die anderen (Roman. Mit einem-Vorwort von Max Brodl; Verlag Gebrüder Pastel, Leipzig. „Das Z e 11", Zeitschrift für die jüdische Jugend (Heft 1 und 2, Jänner und Februar 1928); Verlag B. Heller, München. Dr. Alfred Wiener: Kritische Reise durch Palästina; Philo-Verlag, Berlin, Bernard Tag: Morgenlied und Morgenland; Verlag Gilhofer & Ranschburg, Wien, Vorlesung Uriel Birnbaum. Sonntag, 18. März, genau 7 Uhr abends, liest im großen Saal des Ingenieur- und Architektenvereines, I., Eschenbachg. 9, Uriel Birnbaum aus eigenen Werken. Vorverkaufskarten Konzertkasse Gutmiann. Jehuda Ehrenkranz, ein junger Schauspieler, der längere Zeit der Wilnaer Truppe angehört hat, erzielte in drei Rezitationsabenden jüdischer Dichtung in Wien ganz außerordentlichen Erfolg. Er tritt,am 13. März um halb 8 Uhr abends im Neuen Saal der Wiener Hofburg mit einem großen Abend jüdischer Dichtung vor das Wiener Publikum. Ehrenkranz wird ein vollständig neues Programm ernster und heiterer jüdischer Dichtungen zum Vortrag bringen. Jüdisches Theater in Wien » Habimah-Gastspiel. — Betty König. Wie vor zwei Jahren, hat das Moskauer hebräische Theater „Habimah" auch jetzt, bei seinem Gastspiel in der Rolandbühne, starke künstlerische Wirkung geübt. Diesmal aber blieb — im Gegensatz zum ersten Gastspiel — das Publikum aus, wohl hauptsächlich deshalb, weil in den Vorankündigungen neue Stücke versprochen waren, auf die das Publikum wartete, die jedoch nicht kamen. (Woraus die Lehre zu ziehen ist, daß man Reklame nicht mit ungeschickten Tricks treiben soll). Grundsätzlich muß dazu noch bemerkt werden, daß ein Theater nicht jahrelang mit einem Repertoire von fünf Stücken auskommen kann (an ihrem geringen Repertoire ist die „Wilnaer Truppe’1 zugrundegegangen); allerdings muß der „Habimah" ihre Unstetigkeit in den letzten Jahren zugutegehalten werden; jetzt, wo sie in Palästina eine stabile Grundlage für ihre künstlerische Weiterentwicklung erhalten soll, wird sie vor allem der Repertoirebildung ihr Augenmerk zuwenden müssen, damit nicht der Eindruck des Eprouvettenversuchs hervorgerufen wird. Die Aufführungen in der Rolandbühne zeigten wieder jene Geschlossenheit im Ausdruck, welche sofort gefangennimmt. Am stärksten im „Ewigen Juden" von Pinski und in Anski’s „Dybuk”. Die Einzelleistung tritt zurück; wo sie bemerkbar wird, entspringt sie schauspielerischer Eigenart von nicht gewöhnlichem Wesen (wie bei Frau Rowina, Herrn Tschereminsky, Messkin, Pmdkin). Der „Dybuk" ist übrigens ein interessantes Beispiel für die Wirkung von Tendenzregie, welche hier den Charakter des Stückes sozusagen sozial verweltlicht. Leiwiks „Golem" wird bei „Habimah'* mehr Schau- Spiel als Drama, doch ist die Wirkung durch Messkins Golemgestalt geradezu überdimensional. In ganz andere Sphäre führt die jüdisch-amerikanische Soubrette Betty König, welche zur Zeit ein Gastspiel in den Jüdischen Künstlerspielen (II., Praterstraße 34) absolviert. Sie bringt nicht nur das naturalistische Theater des Ghettos, sondern auch den (vielleicht ein wenig fremdartig anmutenden, gewissermaßen ungeschlechtlich-sachlichen) amerikanischen Frauentyp. Entscheidend ist aber, wie sie all’ das bringt: der sympathische Grundzug ist graziöse Leichtigkeit, Vornehmheit in Vortrag, Spiel und Geste. Nichts wird aufgetragen, nichts unterstrichen. Zu dieser sozusagen äußeren Schauspielerei des interessanten Gastes (der, wenn es geht, festzuhalten wäre) kommt ein gut Stück elementarer Begabung, die auch im abgeschmacktesten Getue einer öden Theatermache (das Stück „Oj is dus a bucher’*, mit dem Frau König ihr Gastspiel eröffnete, ist gröbster Schund) einen menschlichen Kern ent- / Musikalien-Handlung und Antiquariat \ \ OTTO MAASS G. m. b. H. I ■ ■ Bestassort’ertes Lager aller Editionen. — Klassische und ■ S moderne Musik. — Studienwerke für alle Instrumente. — ■ ' Spezialgeschäft für Orchestermu Ik. ■ \ Prompter ProTlnHersand- Verlangen Sie Prosaekle kostenlosg \ WIEN VI., MARIAH’LFERSTRASSE NR. 91 f Copyright by Joseph Opatovsky, New York 1. Unweit des Dorfes Burke stand zwischen den Baumwollfeldern, die sich dahinzogen, so weit das Auge reichte, und einem dichten Fichtenwald, dessen Bestand da und dort durch Zypressen unterbrochen war, ein altes schwarzes Haus aus rundbehauenen Hölzern. Das Alter hatte sie gespalten und die Risse waren mit Lehm und Kuhmist verklebt. Hätten nicht einige Hühner im heißen Sand gebadet, so hätte man das Haus für eine unbewohnte Ruine halten können. Auf einem Hügel nahe dem Walde stand eine nackte astlose Eiche ohne Rinde; in den Stamm war ein Adler eingebrannt; rings um den Baum waren Steine geschichtet; Stamm und Steine gaben Zeugnis davon, daß einst hier Indianer ihre Gebete verrichtet hatten. Vor langen, langen Jahren hatte hier General Burke im Namen Gottes und des Königs von England fast die Hälfte des friedlichen Indianerstammes der Cheraki abgeschossen; die übriggebliebenen hatte er jahrelang von Ort zu Ort gehetzt, bis gie die Gegend verließen und nach Florida gingen. Daiür erhielt Burke vom König die Erlaubnis, Sklavenhandel zu treiben, und bekam die ganze Gegend, die jetzt Blueridge heißt, zum Geschenk. Burke errichtete das Holzhaus und siedelte einige Dutzend Negerfamilien an, welche die ersten Baumwollfelder bearbeiteten. Das war noch zu der Zeit, als es nur bei Tag nötig war, mit den Weißen zu leben, bei Nacht aber jeder Weiße eine Negerin im Bett haben mußte, wollte er nicht Spott und Hohn der ganzen Gegend auf sich laden. Nach dem Bürgerkrieg hatten sich fast alle Nedeckt etwas wie ein Schicksal a;i!stöbert. In der Art za charakterisieren, erinnert Frau König übrigens — und das ist für Wien ein Vorzug — an eine Wiener jüdische Künstlerin, Frau Glücksmann; wie bei dieser spürt man echtes, gutes Theater. Solches Fluidum teilt sich rasch mit. —iz. Die Gesellschaft für jüdische Musik in Warschau welche, vor kurzem begründet wurde, ist am 27. Februar d. J. zum ersten Male mit einem Konzert in die Oeffentlichkeit getreten, bei dem Werke von Gnessin, Engel, Zeitlin, Achron, Schalit und Rosowsky zur Aufführung gelangten. Susi Mirjam tanzte am 3. März im Josefstädtzr Theater Beethoven, Schubert, Chopin, Grieg und allerhand Neues, Ernstes wie Heiteres. In der Zeit seit ihrem letzten Auftreten geistig rasch gereift, führt sie Linie und Bewegung ihres Tanzes überraschend klar und erzielt oft mit verblüffend einfachen Mitteln gültigen Ausdruck dessen, was sie will. Nirgends ist Starrheit oder Krampf des Gelernten zu merken. Die naive Freude am Rhythmus belebt immer wieder den tänzerischen Einfall, rundet die Bewegung; vermittelt daher geschlossensten Eindruck, wenn die Zwölfjährige ihrem auf scharfe, ein wenig groteske Charakterisierung gerichteten Wesen bewegten Ausdruck geben kann. Requisit, häufig gehandhabt, stört dabei nie. Susi Mirjams Tanz hat schon heute eine anziehend kapriziöse Eigenart, die gefangen nimmt. e. f. Jüdischer Volksliederabend Isak Deutsch Der bekannte Darsteller und Sänger Isak Deutsch, der seit einigen Wochen an den Jüdischen Künstlerspielen gastiert, wird in der zweiten Hälfte März Wien verlassen, um ein Gastspiel in Rumänien zu absolvieren und dann wieder nach Südamerika zurückkehren, wo er in den letzten Jahren dem jüdischen Theater wertvolle Dienste geleistet hat. Deutsch, der als ausgezeichneter Interpret des jüdischen Volksliedes bekannt ist, verabschiedet sich Mittwoch den 14. März um acht Uhr abends in den Jüdischen Künstlerspielen (II., Praterstr. 34) mit einem jüdischen Volksliederabend, dessen Programm ausschließlich von Deutsch bestritten werden wird, vom Wiener Publikum. Jüdische Künstlerspiele (Wien II., Praterstraße 34). Wochenrepertoire: Donnerstag den 8. März Literarischer Abend; Freitag den 9, März bis Montag den. 12. März Gastspiel der jiddisch-,amerikanischen Soubrette Betty K ö ,n 1 g in der Operette „Der Rebhe hat geiheißen fröhlich sein". Dienstag den 13. März Bunter Abend, Mittwoch den 14. März einziger jüdischer Volkslied.er abend Isak Deutsch. Mitwirkend Oskar B e r e g i (Rezitation) und Gertrud Kraus (Tanz). Donnerstag den 15. März die 'große Revue „Auf nach Tel-Aviv!" Jüdische Bühne (II., Taborstraße 12, Hotel „Stefanie"). Freitag 9. März (Premiere), Samstag, Sonntag und Montag abends „K apital und Arbei t". Komödie mit Gesang in vier Akten von Meiselski. Sonntag 3 Uhr nachmittags „Keile Beile und Chaiim Jankel“, Lebensbild mit Gesang. Dienstag 13. März „Wahre Liebe siegt". Lebensbild mit Gesang. Mittwoch 14. März „C y p k e-F e i e r". Komödie mit Gesang. Donnerstag 15. Marz „Der Strohwitwer". Operette in drei Akten von Laskowski. Beginn 8 Uhr, Ende 11 Uhr. Mit Ausnahme Sonn- und Feiertagen dreier Eintritt. ger verlaufen und sich in entfernten Städten und Dörfern angesiedelt, wo niemand sie kannte. Zu den wenigen, die blieben, gehörte Jim mit seinen Kindern. Auch die Burkes waren allmählich ausgewandert und ausgestorben. Ihr Besitz überging an entfernte Verwandte in England. Nur der Name des Dorfes erinnerte daran, daß einst ein General Burke gelebt hatte. Die Baumwollfelder wurden von reichen Farmern in Pacht genommen und Jim wurde „Vormann“; er dang Neger aus den umliegenden Dörfern zur Arbeit. Auf der Schwelle des Hauses saß im Schatten ein alter Neger. Seine nackten Beine ragten, von den zu langen Armen umschlungen, im spitzen Winkel empor und die schweren Sohlen stützten sich mit gespreizten Zehen, die sich, wie es schien, nicht schließen konnten, auf den Boden. Er schlummerte mit halbgeschlossenen Lidern. Seine kurze platte Nase, die breiten Nasenlöcher, das Kraushaar, das fast bis an die Brauen reichte, die nackten Arme und die Schultern, die mit grauem, stellenweise kahlen Fell überzogen schienen, — alles erinnerte an einen alten Orangutan. Große goldbäuchige Fliegen saßen auf des Negers behaarten Armen, auf seiner bewachsenen Stirn und der breiten Nase, flogen summend hin und wider. Er schien es nicht zu spüren; er träumte von jenen Zeiten, da auf den Feldern alles geriet unef man noch keine Schlangen an d^en Zäunen aufhängen mußte, um rechtzeitig Regen zu haben. Damals hatte der Neger keine Sorgen — zu essen gab es mehr als genug und man konnte seines Lebens RICHTER LYNCH Von Joseph Opatoschu. (Autorisierte Uebersetzung aus dem Jiddischen von Siegfried Schmitz.)

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