Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1 (1928)
- Issue
- Heft 10 (8.3.1928)
- Date
- 1928-03-08
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 10 DIE STIMME Seite U Tuchhaus Münz Wien I Brtlgaste 4 und Kramargass« 11 Zugang« RotanlurmsiraBa 11—13 Import original englischer und schottischer Damen* und Herrenstoffe Detailverkauf zu Engrospreisen Der Staatszuschuß für die bayerischen Juden, gemeinden Die Vollversammlung des 'bayerischen Landtages hat in diesen Tagen die Beratung des Kultusetats abgeschlossen. Bei der Abstimmung über das Kapitel ,,Kirchliche Zwecke" wurde auch ein Zuschuß an dem Verband der Bayerischen Israelitischen Gemeinden in Höhe von 60.000 Mark genehmigt, Amerika versorgt die ganze Welt mit Mazzoth Die New Yorker Zeitungen bringen ein sehr interessantes Verzeichnis von Mazzothtransporten, die in den letzten Wochen von New Yorker Häfen in alle Weltteile verschickt wurden. Aus diesem Verzeichnis ist zu ersehen, daß die Firma Ma- •nischowitz fast alle Länder, wo Juden wohnen, miit Mazzoth beliefert. Die Transporte sind auch nach allen europäischen Staaten und seihst bis nach den letzten Imseln Australiens instradiert. Unter den verschiedenen Ländern, die in der Transportliste aufgezählt sind, befindet sich auch Oesterreich. Predigten in den israelitischen Gemeindetempeln. Freitag den 9. März werden bei dem uim 5 Uhr 45 Minuten beginnenden Abendgottesdienst in nachbenannten Gemeindetempeln Predigton abgehalten, und zwar: L, Seitenstettengasse 4 (Rablbiner Dr, M. Rosemnann); II,, Tempelgasse 5 (Rabbiner Dr. M. Grunwald); XV., Turnergasse 22 (Rabbiner Dr. I. Taigticht); Samstag den 10. März findet im Gemeindetempel XVLIL, Sdhoipenihauerstraße 39, 'beim Morgengottesdienst (Rabbiner Dr. iD. FeuChtwang, Beginn 8,30 Uhr) ein exegetischer Vortrag statt. Israelitischer Jugendgottesdienst. Am Samstag den 10. ds. findet um 3 Uhr nachmittags der Jugendgottesdienst für die israelitische Schuljugend in den Gemeinde- und Bezirks-Synagogen statt, L. D. Königsberg’sche Stiftung — Lele-Bondi-Heim, Wien, II., Böcldinstraße 59, In dem bezeichneten Mädchenerziehamgsinstitut finden acht mittellose jüdische Mädchen aus Mittel- Zehn Jahre Pionierbewegung Der Hechaluz und sein Schöpfer« Zu Beginn des Jahres 1916 wurde der Vorläufer der jüdischen Legion im Weltkriege, das Zion-Mule- Corps über Befehl der britischen Regierung aufgelöst. Einige Monate später finden wir den stellvertretenden Kommandanten dieser als Transporttruppe aufgestellten, aber im Feuer der Gallipoli- Geschütze zu unvergänglichem Ruhm gelangten jüdischen Heldenschar in Petersburg, um dort eine jüdische Legion zu schaffen, die über den Kaukasus nach Palästina gehen und an der Befreiung des jüdischen Landes teilnehmen soll. Der Mann, welcher für diesen Plan arbeitete und warb, war der damals 36 jährige Josef Trumpeldor, ein Hüne aus dem Kaukasus, Sohn eines jüdischen Nikolaj - Soldaten, in Port-Arthur mehrfach ausgezeichnet und um den linken Arm gekommen, als erster Jude in Rußland zum Offizier befördert, zusammen mit 12 Kameraden Gründer der ersten genossenschaftlichen Kolonie (Kwuzah) in Palästina, die jedoch den Sommer 1912 nicht überdauern konnte. Seine Pläne der Schaffung einer jüdischen Legion konnte Trumpeldor in Rußland nicht ausführen; nach dem verlorenen Krieg erhob trotz Revolution und Befreiung der Antisemitismus sein Haupt und Trumpeldor mußte den jüdischen Selbstschutz in Rußland organisieren. Als die Bolschewiken zur Macht kamen, lösten sie den Selbstschutz auf, da er sich nicht an die Rote Armee anschließen wollte. Damals — es war nicht lange nach der Balfour-Deklaration — begründete Trumpeldor den „Hechaluz“, die Organisation der jüdischen Jugend, welche unter der von ihm geprägten Lösung „Arbeit, Disziplin, Verantwortungsgefühl, Bereitschaft“, das Werk der wirklichen Besitznahme des jüdischen Landes durch das jüdische Volk vollbringen soll. Mit einer kleinen Schar Auserwählter kommt Trumpeldor, von der Petersburger Konferenz der Chaluzim Rußlands beauftragt, nach mühevollem, abenteuerlichem Weg zum zweiten Male nach Palästina. Dort findet er bei der Verteidigung der Kolonie Tel-Chaj geg^n eine plündernde Araberbande den Heldentod, der ihn in so vielen schweren Kriegskämpfen verschont hatte. Mit drei tödlichen Kugeln im Leibe sagte er: „Es macht nichts; es ist gut für unser Land zu sterben.“ *) Diese Worte des jüdischen Helden, dessen Leben nicht nur in die Geschichte, sondern — was vielleicht weit mehr ist — in Geschichten, Sagen und Dichtungen eingehen wird, sind beinahe Symbol für die Arbeit, welche in dem Geiste geleistet wurde, den *) Dieser Ausspruch ist der soeben im Verlage der Jugendorganisation »Josef Trumpeldor« in Riga erschienenen Schrift von Aron P r o p e s »Das Leben Josef Trumpeldors« entnommen, die ein lebendiges, einprägsames Bild des Helden zeichnet und durch ein markantes Vorwort von Wladimir J a boiin s k y ergänzt wird. Die wertvolle Schrift ist um zirka 80 Groschen bei den Trumpeldor-Organisationen erhältlich. standskreisen im Alter von 10 bis 12 Jahren unentgeltlich Aufnahme: bevorzugt werden musikalisch begabte Mädchen. Gesuche, belegt mit Geburtsschein, Impfzeugnis, Gesundheitszeugnis und mit den Nachweisen über gute Unterrichtserfolge (Schulzeugnisse), sind bis 15. März 1928 in der Amtsdirektiou der Kultusgemeinde, I., Seitenstettengasse 4, III. Stock, zu überreichen. Unentgeltliche Barmizwah-Kurse, Um den Kindern mittelloser Eltern Gelegenheit zu geben, sich für die Barmizwah vorbereiten zu können, hat der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Wien einen unentgeltlichen Barmizwah- Kurs eingerichtet, welcher allwöchentlich am Mittwoch von K3 bis 4 Uhr nachmittags in der Chorschule der israelitischen Kultusgemeinde, Wien, I„ Seitenstettengasse 4, IV. Stock, abgehalten wird und ca. 3 Monate dauert. Die Einschreibungen für den nächsten Kurs finden Mittwoch, den 14. März d. J., von bis 4 Uhr nachmittags im genannten Lokale statt. Austritte aus dem Judentum Zäzilie Herbst, 18. 6. 1903 Wien, led., II, Sohiffamtsgasse 6. Anna F e in, 4. 11, 1903 Wien, led., 4BahneLdeüin, Graz, Heinirichstnaße 27. Jetta Horowitz, 26, 12, 1891 Przemysl, led., II, Munkgasse 3. Sdhaja Jakolb ll,gra recte Lustig, 18. 12, 1884 Dolina, led., XX Webergasse 5. Olga Konstant, 8. 3. 1905 Wien, led., XX Pasettistraße 5. Erich iB e ran, 31. 3. 1911 Wien, led., II, Castelleagasse 32. Olga iiebermann, 10, 5. 1909 Wien, led., XVIIL, Severin-Schreiber-Gasse 27. Dr. Olga C >h a s k a 1 o w i t z, 23. 3. 1899 Wien, led., II, Hammerpurgstailgasise 7. Dr. Jakob Haimmer, 1. 10. 1887 Kuty, IM, P,horusgasse 15, Marek Diekmann, 1. 8. 1897 Czortkow, led., IV, Favoritenstraße 48, 'Bernhard iB i e r nt an in, 26. 11. 1890 Berlin, verh., IX, Schubertgasse 18. Alice Hedwig Schlesinger, 4. 4. 1893 Berlin, verh., I, Wahnerstraße 2. 'Herbert Schlesinger, 5. 6. 1880 Budapest, verh., gleiche Adresse. Trumpeldor in der jüdischen Jugend erweckte und dem er organische Formen schuf. Die von ihm in Rußland begründete Organisation „Hechaluz“ griff rasch über die ganze jüdische Welt, ist heute über Oesterreich, Deutschland, die Tschechoslowakei, Polen, Litauen, Lettland, Bulgarien, ^Rumänien, die Türkei, Rußland verbreitet und verfügt über zirka 18.000 organisierte Mitglieder, jüdische Jugend, die sich für das Werk in Palästina vorbereitet und bereit ist, sich ihm ganz zu ergeben. Der Begriff des jüdischen Pioniers, des Chaluz, ist heute in der ganzen Welt populär, so populär, daß er geradezu zu Tode gehetzt wurde, so sehr, daß jeder Hohlkopf die Phrase von „unserem herrlichen Chaluzim“ bereit hat, wenn es gilt, agitatorisches Strohfeuer zu machen. Selten wurde ein Wort so vergötternd mißbraucht, selten die Idee, die in ihm steckt, so entgöttert. Was in Erez Israel erreicht wurde, ist durch Pionierarbeit erreicht. Es sollen nicht die zum Ueberdruß auf gezählten entsteinten Aecker und entsumpften Striche im Emek Jesreel wieder vorgebracht werden, die in leeren Lobhudeleien endlos behabberten „Opfer der Chaluzim an Leben und Gesundheit,“ Sie sind so groß, so rein, daß es verboten werden sollte, aus ihnen Stoff für Propagandareden und Festartikel zu machen. Nur eines sei hier gesagt: Was es in Erez Israel heute an produktiver jüdischer Arbeit gibt, das ist das Werk der Pioniere. Sie sind Landarbeiter, Bauarbeiter, Industriearbeiter geworden, sie haben nach der Losung: „Eroberung des Landes durch Arbeit“ mit schwerer Mühe geradezu überraschend schnell die Umbildung zu jenen wirklichen Arbeitselementen vollzögen, aus denen die Kaders für die jüdische Arbeitsexpansion gebildet werden können. Sie waren auch die Träger der Hebräisierung im Lande, die ohne sie wohl kaum jene Resultate hätte erzielen können, die wir heute als Selbstverständlichkeit nehmen. Die Einwanderung nach Palästina wurde gedrosselt. Hier begann die Krise — nicht bloß die Wirtschaftskrise, an der das jüdische Aufbauwerk schwer zu leiden hat, sondern die weit ernstere Krise: Die Einengung des jüdischen Willens. Sie traf zu allererst und vielleicht am stärksten die Chaluziuth, die Pionierbewegung. Der tätige Wille junger Menschen war niedergehalten und im erzwungenen Warten wurde seine Kraft zermürbt. Das drückt sich rein äußerlich schon im Gefüge der Pionierorganisation, des „Hechaluz“, aus, dessen Mitgliederzahl von zirka 33.000 im Jahre 1925 auf etwas über 18.000 zurückging. Die innere Wirkung war mindestens ebenso stark. Die Lobgesänge hatten zum Glück, das an Wunder renzt, dem wahren Wesen des Chaluz nichts anaben können; aber es kamen Erörterungen über Arbeitsmethoden, Erwägungen über Rentabilität und dergleichen und ihre Wirkung auf der Jugend besten Teil war Resignation, auf den schwächeren — Abkehr. Was die Alten im Zwang der Not, des Mangels an Mitteln materieller und politischer Art sprachen, das klang in den Ohren der Jugend als Preisgabe, als Absage und Enttäuschung; Entmutigung gewann die Oberhand. Wenn dennoch so viele ausharrten, ihre Vorbereitungsarbeit für das Werk in Erez Israel mit mehr als geringen Mitteln unermüdlich fortsetzen, so ist es der Ueberzeugungskraft der Idee zuzuschreiben und zum Teil wohl auch der Erkenntnis, daß die Lage in den jüdischen Wohnländern für die Jugend hoffnungslos, unproduktiv ist. Die Jugend spürt am tiefsten die mit jedem Tage weniger haltbare Lage in der jüdischen Diaspora und will mit allen Mitteln hinaus. Für sie, für ihre Ueberführung in ein normales Leben soll die zionistische Arbeit sorgen. Wir haben das Ideal. Seine Verwirklichung im wahren, vollen Sinne hat die Jugend begonnen und sie, nur sie wird sie zu Ende führen. Dieses Maxime ist in der letzten Zeit nicht genug beachtet worden; sie muß wieder stärker ins Zentrum unseres Denkens und Handelns gerückt werden. Sein nächstes Jubiläum darf der „Hechaluz“ nicht in einer Periode von Depression und Resignation begehen; daß es jetzt der Fall ist, daran haben zu nicht geringem Teil die von der Not diktierten „Rentabilitätsmethoden“ Schuld. E. F. Präsident Weizmann an den „Hechaluz“, Aus Anlaß des zehnjährigen Bestandes des „Hechaluz“ hat der Präsident der zionistischen Organisation, Professor Dr, Weizmann, im Namen der Exekutive folgendes Schreiben an die Gesamtleitung des „Hechaluz“ in Warschau gerichtet: „Geehrte Chawerim! Die Zehnjahresfeier der Chaluzbewegung ist die Feier der ganzen zionistischen Bewegung, Das Streben nach gesundem und schöpferischem ökonomischem Leben, das die Hauptursache der Entstehung der zionistischen Bewegung war und zu der kolossalen Aenderung im Denken des Volkes führte, steht auch weiterhin im Zentrum der zionistischen Bewegung. Das Streben, den Staub eines jahrzehntelangen Luftmenschen-Lebens abzuschütteln und zur Arbeit und einem in jeder Hinsicht schöpferischen Leben überzugehen, ist heute noch weit entfernt von seiner vollkommenen Verwirklichung; es ist, trotzdem im Verlaufe der letzten zwei Generationen erkennbare Schritte zu seiner Verwirklichung in unserem Leben gemacht wurden, noch heute in der Phase des Problematischen geblieben. Aber die zionistische Bewegung und mit ihr der beste Teil der Nation, fühlt über jeden Zweifel erhaben, daß dieses Streben, welches seine Lebenssäfte aus der Tiefe der Volksseele zieht, seine Vollendung früher oder später finden wird. Das zionistische Gewissen fühlt die Größe des Wertes der kolossalen Revolution, die aus dem Geiste des Volkes geboren wurde. Diese Aenderung der Werte ist der wesentliche Zionismus. Die Chaluzbewegung ist das Symbol der Revolution, die in dem jüdischen Leben vor sich ging; um sie herum haben sich die meisten Probleme des Zionismus konzentriert und sie wird auch in den künftigen Tagen das Zentrum sein. Die zionistische Bewegung steht noch jetzt am Anfänge ihrer Eroberungen und auf den „Hechaluz“ wartet auch in Zukunft die Aufgabe: Für den Dienst am Volke bereit zu sein, den klaren Weg in der Epoche des Aufschwunges zu weisen, die Armee mit nationalem Heldenmut und Ausdauer zu bewaffnen, den am Beginn jeder abflauenden Epoche entstehenden Geist der Verzweiflung zu töten und übertriebene Zweifel an der Ueber windung solcher Epochen nicht auf kommen zu lassen. Der reine, nationale Wille, der sich seinen Weg durch das Volksinnere bahnt, kann nie der Chaluzbewegung entfremden, die seine Mission erfüllt. Die zionistische Bewegung kann sich daher nie dem Hechaluz entfremden, Im gegenwärtigen Augenblick durchleben wir eine Epoche des Abflauens, aber wir haben den festen Glauben, daß die Tage des Aufschwunges in unseren Reihen zurückkommen werden. Und dann wird der Hechaluz seine Kräfte für die Verwirklichung des nationalen Willens erneuern und in den ersten Reihen der Aufbauenden stehen. Auf jene Stunde warten wir alle*!“ Sir Alfred Mond stiftet ein Denkmal für das Grab Trumpeldors Sir Alfred Mond hat dem in Palästina lebenden jüdischen Bildhauer M e 1 n i k o w den Auftrag erteilt, ein monumentales Denkmal für das Grab Trumpeldors in der Kolonie T e 1-C h a i in Ober- Galiläa zu schaffen. Die Grabfigur soll einen Löwen darstellen, um den unerschrockenen Kämpfergeist Trumpeldors zu symbolisieren. Zuschriften and Manuskripte, die iur unser Blatt bestimm! sind, mögen nicht an einzelne Personen sondern ans* schließlich an die Redaktion.(1., Ranhensteingasse t) gesendet werden, da nur so rechtzeitige Erledigung bezw. Veröffentlichung gewährleistet ist. Die jüdische Jugend