Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1928-03-08 · Heft 10 (8.3.1928) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 10 (8.3.1928)
Date
1928-03-08
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3053752-3053753-3053763--0165-3055426
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite iO DIE STIMME Nr. 10 £ehcwiisch~M ie<ler Wen Vit, Mari ahilterste aß e 66 /. 5ft>rA Telephon 32-3-68 IModerae Mieder und "Binden 1 Hygienische Mieder (nach ärztlicher Vorschrift)! Umstandsbinden! Oeradehaltcr! K8rperfcrm~ Korrekturen, Ausgleichsmieder (System Hohlwattierung) rungsprogramm ihre Subventionen für diese Schule einstellen oraflte, Die Red.) Die Palästina-Regierung hat den Besuch der Klagemaucr und das ungebührliche Betragen seitens der Touristen während der jüdischen Feiertage und Gebetsstunden wie auch das Photographieren an der Klagemauer verboten. Die Regierung hat in diesem Sinne alle Touristengescllsch.nften verständigt. Ein britischer Polizeiposten hat über die Einhaltung dieses Verbotes zu wachen. # Wie seinerzeit bereits berichtet, hat die vom Magistrat von Haifa verfügte Ausweisung des jüdischen Schneiders Blum, der wegen Ehrenbeleidigung zu einer Geldstrafe verurteilt worden war, scharfe Proteste der Bevölkerung ausgelöst. Der Rat der jüdischen Gemeinde von Haifa appellierte an den Die ersten Bethaus-Statuten Wiens Von Prot. Dr. A. Fürst (Budaipest). Ohne viel Sang und (Klang hat die Wiener Judenschaft den .hundertjaihrigen Bestand ihres bis heute ao. Rang und Ruf ersten Betbauses in der Seitenstettenglasse gefeiert. Um das Jubal'äum aber doch nicht spur- und derikmallos vorübergehen zu lassen, hat der Vorstand der Kultusgemein.de in vornehmer Bescheidenheit, sich der bewährten Patronanz seines Oberbibliothekars, Regierungsrat Dr. B. Wachstein anvertrauend, ein Werk erscheinen lassen, das bisher wohl nur deshalb so wenig von sich sprechen machte, weil es dem geschäftlichen Verlag und Verkehr entzogen, bloß der offiziellen Oeffentliohkeit sozusagen zugänglich gemacht ward. Ich meine das auch in seiner äußeren, gefälligen Folioform ansprechende Erinnerumgswenk: „Die ersten Stfatuten des Bethauses der inneren Stadt"; eine ganz einzigartige Publikation, die die am 18. März 1829 gefertigten Statuten in ihrer vollen Ausdehnung — 39 Seiten stark — im Faksimiledruck wiedergibt. Zeigt — nach dem bekannten Ausspruch Buffons — der Stil den Menschen, so ist dieses Schriftstück in seinem peinlich-reinlichen Habitus, mit dem, deutlichen, hübschen, gleichmäßigen Zügen, dem tadellosen Reindeutsch seiner Sprache wirklich charakteristisch für seine Zeit und seine Verfasser. Wir sind ja mitten drinnen in der korrekt-netten Zeit des Biedermaiers, die schon in ihrem Namen symbolisch das Prädikat der Biederkeit trägt, wie ja auch der eigentliche Hauptbegründer des in Rede stehenden Bethauses angeblich aus gleichen Gründen den Namen „Biedermann" erhalten haben soll. Es ist das Zeitalter der braven, gutgesinnten, wohlerzogenen Bürger und Untertanen, die den gleißenden Glanz des Wiener Kongresses wie fremde Zuschauer anteillos mitgemacht haben und nun mit dem frohen Optimismus des Vormärzes den kommenden Dingen entgegensehen. Auch in dem Juden dieser Epoche liegt — trotz Toleranz und Familiantentum und anderer Schikanen — etwas Ausgeglichenes, Selbstgenügsames, dlas davon überzeugt ist, auf dem rechten Wege zu sein. Man «glaubt „mit der Beseitigung der eingesehenen Eigenfehler das Uebel aus der Welt geschaffen zu haben" sagt Wabhstein in seiner knapp^prägnanten Weise. Ueber die Josefinische Aeiia mit ihren beglückenden Neuoffenharungen und inneren Erschütterungen war man bereits hinaus. Der Zwiespalt, der sich besonders in der ersten Generation zwischen althergebrachten Ueberzeugungen und modernem, naturwissenschaftlichen Demiken so oft schmerzlich kundtat, war im gemütlichen, weniger pedantischen Wien nie so tragisch aufgefaßt worden, wie z. B. im Berlin Mendelsohns In der Wiener Judenheit scheinen beide Lager nicht ganz klare, festumrissene Kampfstellungen innegehabt zu haben. Dies stumpfte von vornherein die Gegensätze ab. Die Regierung selbst reaktionär, wünschte den Juden im eigenen Interesse deutsche Bildung zu geben und urgierte geordneten Gottesdienst ebenso, wie uniformierte Normalschule. Aber nur mit Mlaß und Ziel. „Man will die Juden wohl abtrünnig, aber beileibe nicht freisinnig haben." Mit dem auch politisch bedeutsamen Schritte der Tempelgründung 1826, sowie mit dessen prinzipiellen Programm entfältung in vorliegenden Statuten konnten aber JuslenschJalt und Behörde gleicherweise zufrieden sein. Mag das neue Gotteshaus mit dem ganz ungewohnten Oral «eines Grundrisses, mit seiner Kuppel, seinen Säulenreihen und Logen, mit de<m weiß-goldenen Dekor seines Inneren, seinerzeit mehr einem Konzerthaus als einem Tempel geglichen halbem so war doch der Gesamteindruck ein stimmungsvoll erhebender* *), würdevoll, ästhetischer. Und das wtar eben da* *) Wachstein zitiert (Anhang, S. 20) den bekannten, reformfreudigen Rabbiner Aron Chorin aus Arad, der sich über den überwältigenden Eindruck, den der Tempel auf ihn gedacht hatte, folgendermaßen äußert: ->Als ich in dieses heilige Kau* kam. . und zur heiligen Thora gerufen wurde, da pochte mein Herz vor innerer Aufregung. Ich konnte es nach Vollendung des Segens über die Thora an mir nicht mehr halten *nd ich rief mit lauter Stimme: ... Gesegnet seiest du, Vater, König, der du uns hast erleben lassen diese Zeit... Ach, wie anrrlich ist deine Wohnung, Gott Zebaoth... Gesegnet sei ewig .'.wer Herr, der fromme, mächtige Kaiser Franz I,..!« Oberkommissär, die Ausweisungsorder nicht zu bestätigen und die palästinensischen Gerichte zu instruieren, auf Ausweisung nur in außergewöhnlichen Fällen zu erkennen. Lord PI um er gab diesem Appell Folge und annullierte die Ausweisung s o r d e r gegen Blum. * # Die 16 Juden, die vor den antijüdischen Verfolgungen in Mos sul nach Palästina geflüchtet sind und in der Nähe der jüdischen Kolonie Metullah die palästinensische Grenze überschritten haben, wurden vom Gericht zur Landesverweisung verurteilt. Der Wiener Kaufmann Ignaz D u s c h n i t z, der sich vor einiger Zeit nach Palästina begeben hat, um dort ein Geschäft zu gründen, hat sich, wie aus Jerusalem mitgeteilt wird, dort erschossen. * Frau Sol Rosenbloom, die seinerzeit 500.000 Dollar zur Erbauung des judaistischen Instituts der hebräischen Universität gespendet hat, hat neuerdings 10.000 Dollar der Abteilung für klassische Philologie der Universität zugewendet. * Der Architekt Professor Alexander B ä r w a 1 d, der Erbauer des Haifaer Technikums und Professor an dieser Anstalt, hat im Wettbewerb der Entwürfe zum Bau des Nationalmuseums für die Libanon-Provinz den zweiten Preis errungen. Wichtigste für seine Erbauer, das Erwünschteste. In dieser weltlich-heiteren modern-schönen Außenform sollte sich die .Anpassung an Welt und Umgebung ausdrücken: im religiösen Kult, im Ritus und den Zeremonien blieb es im wesentlichen beim Alten. Die Reformen, die eben in: diesem Jahre anläßlich des sogenannten Hamburger Tempelstreites die Gemüter im Reiche aufs heftigste erregten, Banden von Anfang keine Aufnahme in diesem Tempel. Eben deshalb konnte sein Ritus durch 100 Jahre fast unverändert und die Einheit der Wiener und österreichischen Judenheit bis heute vollbewahrt bleiben. Man lese nur diese Statuten, die siah irni drei Kapitel über die Verwaltung, die Angestellten und die Gemeinde teilen. Keine Spur von jugendlicher Bilderstürmerei, kein Wort von Orgel, deutschem Gottesdienst und deutschem Chorgesang, dem „Schiboleth" der damaligen neuen Tempelordnung. Es ist die jedem Extrem abholde, kritisch ausgleichende Denk- und Sprechweise I. N. Mannheimers, der die Grundsätze für den neuen Gottesdienst mit dem Satze festzulegen beginnt: ,.Der Gottesdienst soll nach allen bestehenden Formern, Regeln und Vorschriften, insofern sie eine gesetzliche Autorität für sich habem, ohne alle Abänderung ialbge,halten werden." Am bezeichnendsten für den Geist, der als Errungenschaft eingeführt werden sollte, durften jene sich stets wiederholenden Paragraphen sein, die sich auf Würde und Anstand im Gotteshause beziehen. Freilich erinnert es schon mehr an den Polizeials an den Ordnunigsstaat, wenn dem Publikum vorgeschrie'ben wird „Der bestehenden äußeren Ordnung in jeder Rücksicht als beym Auistehen, Beugen, Knien usw. sich zu unterziehen." 'Ein wohltuend demokratischer Zug geht durch die Statuten, die es nicht bloß als „selbstverständlich" betonen, daß keinem Mitgliede irgend welche Vorrechte gewährt werden, sondern im § 34 auch ausdrücklich erklären: „Bei allen diesen feyerlichen (Familien-) Veranlassungen hat der Religionslehrer (d. h. Rabbiner) ohne auf den Stand und die Verhältnisse des Hausvaters Rücksicht zu nehmen und ohne Anspruch auf ein Honorar zu machen, von Amts wegen zu fungieren." Und dlalbei war das erste Publikum dieses Tempels, die „Urheber und Gutheißer der Statuten“, wie Wachstem sie nennt, bei weitem keine Gesellschaft von auch nur annähernd Gleichgestellten. Nicht bloß waren sie politisch-rechtlich in die 1 Toiletten für die | 1 elegante Dame | 1 Hautes coutures 1 | Modenpalais | | JULIUS KRUPNIK 1 m NUR VII., KAISERSTRASSE NR. 115 | 5= Größte7, und führende» Spezialhaus Oesterreichs Üj H Achtung I Keine Filiale I Achtung I lg drei Kasten der Tolerierten, der hier ansässigen Dienst-Iml - viduen und der Fremden klassifiziert, sie waren auch an He:- kunft und Herkommen grundverschieden voneinander. Prof. Wachstein, der wie kein zweiter Genealoge und Geschichte jedes einzelnen Juden in Wien kennt, hat in seinem Anhang zur Statutempublikation jedem einzelnen der 71 Unterfertiget — ein großes Laiensynhedrion! — eine ein- und ausblicksreiche kleine Studie gewidmet. Da erstehen sie nun vor unseren Augen die mehr oder minder würdigen Nachkommen der gießen Ahnen aus Wichsteins Wiener und Eisenstädter Gra'binsehriftenwerken, Vor allem sieben abweichend benamste Abkömmlinge des berühmter) Hoffaktors: ein Ernst W e r t h e i m. „der die Tradition seines Hauses schwer überwinden konnte", ein Dr. Zacharias Wertheim, der sich als Primarius des israelitischen Spitals als erster für die Hygienisierung der Zirkumzision einsetzt, die Vertreter der Regensburger Linie Wert hei mb er und drei zu Wertheimer und zu Rittern von Wert1.heimstein geadelte Großindustrielle. Hier sehen wir einen bescheidenen Schlesinger aus dem vielbedeutenden, alten Geschlecht der Margulies-Jafa, dort einen jungen Arnstein, der die literarisch-schöngeistigen Bestrebungen seines Hauses nicht vergessen läßt. Nicht als erster, wohl aber als Bedeutendster zeichnet der bereits erwähnte Spiritus rector der Tempelfrage, M. L. B>i e d e r mia.n n, der samt seinem Schwiegersöhne aus Preßburg einen warmen „KeliilLageist" mitgebracht, in dessen Anwendung aber allzu radikal gesinnt wiaren. Ihm zur Seite andere „Aufgeklärte", irr. wirtschaftlichen Leben „arrivös", die für ihre Verdienste um Oesterreich als erste die fünfzackige Baronenkrone erhielten: ein Edler von Hönigsberg, ein Ritter von N e y w a 11, der „Edelmensch" J, L. Hofmann, später ebenfalls geadelt und der großzügige Kaufmann* :aus dem Ungarlande von Liebenberg. Auch die Vertreter der „Frommen" komman an düe Reihe: ein Moyses Koblenzer, ©in Hermann Todesco aus Heines „Ahnensaal", sogar der Inhaber des rituellen Speise haus es unterfertigt das Schriftstück, ebenso einige Frauen, u, a. die verschwägerten tolerierten Handelsfrauen Magdalena Leidesdorff, Rosa Trebitsch und Amalie Ko ihn, dlie samt ihren Männern aus den benachbarten „Sieben Gemeinden" oder aus dein großen Judamreservoir Wiens, aus Mähren stammen. Natürlich finden sich in dem damaligen „melting pot" Europas fast alle Nationalitäten vertreten: Eingewanderte aus Ungarn, Böhmen, (der Großvater des berühmten Vorgängers und Mitforsohers von Professor S. Freud: Doktor Jos. Breuer, aus Deutschland, aber auch aus England und Italien; Führer und Mitglieder des damaligen „geistigen Wiens", wie der später erste jüdische Arzt Ungarns, Dr. Josef Manes Oesterreicher, ein Dr. Hayne, ein B. (L a n d e s m a n n, Onkel von Hieronymus Lorm oder der Theaterdichter, Hermann Herzenskron unterschreiben hier brüderlich mit dem ersten jüdischen Schriftgießer M. D, Schiel, dem iSpitalsvater M a t z e 1 und anderen. wahrlich ein Querschnitt durch die damalige Wiener Judenheit! Wachstein versucht sogar ein Verzeichnis derjenigen Tolerierten zusammenzustellen, dlie nicht unterfertigt haben und sucht deren Fehlen zu erleid ren. Wiewohl diese Arbeit Wachsteins bloß ein Feierabemdswerk des immer tätigen Gelehrten zu sein scheint, bewahrheitet sich auch hier: Ex unque leonem! t Die jüdischen Gemeindewahlen in Budapest Bei einer noch nie dagewesenen Wahlbeteiligung (fast 70 Prozent von etwas über 10.000 Wahlberechtigten) fanden am 26. Jänner die Repräsentantenwahlen in der Pester israelitischen Religionsgemeinde statt, bei denen von den 280 Mandaten für die Gemeindevertretung 140 neu zu besetzen waren. Es standen einander zwei Parteien gegenüber: die alte Gemeindepartei, deren Führer der bisherige stellvertretende Gemeindepräsident Gustav G. Ehrlich ist, und die neue Partei, die von Paul S a n d o r und den übrigen jüdischen Abgeordneten der demokratischen Partei geführt wird. Beide Parteien, die der neologen Richtung angehören, bezeichneten sich als „traditionstreu". Ara Wahltag waren sich beide Parteien über die Person des zukünftigen Präsidenten einig. Von beiden nominiert wurde der Großindustrielle Hofrat Aladar K a s s a h, der bekanntlich Präsident der Pro- P a 1 ä s t i n a-V ereinigung ist. Der Kampf ging um die Stelle des Vizepräsidenten: die alte Partei kandidierte Gustav Ehrlich, der seit Jahrzehnten diese Würde bekleidet, während die neue Partei das Mitglied des Magnatenhauses Dr. Samuel Glücksthal kandidierte. Die neue Partei, welche die Bethlen'sche „Ordnung*1 als das Heil der Juden Ungarns propagiert, genoß zum Lohn für diese verhältnismäßig billige Propaganda ausgiebige Unterstützung der — Polizei, die den Zutritt zu den Wahllokalen „regelte". Daher zeigte es sich schon in den ersten Stunden des Wahlaktes, daß die neue Partei über eine „überwältigende Mehrheit" verfügt. Gegen Mittag erklärte die alte Partei, daß sie um des Friedens Willen ihren Wahlvorschlag zurückzieht. Der „Wahlakt" wurde jedoch bis abends fortgesetzt. Das Ergebnis war, daß von 7007 abgegebenen Stimmen 6669 für die neue Partei und 338 für die alte Partei abgegeben worden sind. Die neugewählten 140 Repräsentanten gehören alle der demokratischen Partei an. Da die Zionisten eine Wahlverbindung mit der alten Partei eingegangen waren, wurde kein Zionist gewählt. Die Liberalen in der Frankfurter jüdischen Gemeinde geschlagen Bei den am 26, Februar stattgefundenen Wahlen in die jüdische Gemeinderepräsentanz von Frankfurt am Main erhielten' die Liberalen trotz der berüchtigten Abstufung von Inländer- und Ausländcrstimrnen nur 5 Mandate, während die ihnen opponierenden Parteien 6 Mandate erlangten. Von diesen hat die jüdische V olkspartei 3 Mandat« erobert; sie vereinigte mit über 1500 Stimmen die größte Zahl der Wählerschaft hinter sich. Die Orthodoxen haben 2 Mandate, die Poal e-Z ion 1 Mandat hme, Die jüdische Gemeinde

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.