Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1 (1928)
- Issue
- Heft 10 (8.3.1928)
- Date
- 1928-03-08
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 10 DIE STIMME Seite 9 Palästina Synthese von Leben und Arbeit Von Major Pro!. N. Yasue (Tokio.) (Aus einem Gespräch.) Der Professor für Nationalökonomie an der Universität Tokio, Major Yasue, weilte einige Zeit in Wien, nachdem er eine Studienreise im Orient absolviert hatte, bei der er hauptsächlich die Kultivierungsmethoden in dünn bevölkerten Gebieten Asiens kennen lernen wollte. Prof. Yasue hielt sich dabei auch einige Wochen in Palästina auf und gab einem unserer Mitarbeiter interessante Aufschlüsse über die Eindrücke, die er vom neuen Erez Israel gewonnen hat. Die Red. In Palästina habe ich sämtliche Städte, alle Kolonien und die hebräische Universität in Jerusalem besucht. Um gleich das Ergebnis meiner Eindrücke von der Universität vorwegzunehmen, möchte ich bemerken, daß ich die Absicht habe, nach meiner Rückkehr in meine Heimat den j a - panischen Studenten, die ia alle Universitäten der Welt frequentieren, empfehlen werde, an der Universität in Jerusalem zu studieren. Denn meiner Meinung nach ist die geistige Einstellung der Juden als orientalisches Volk eine derartige, daß gerade wir Japaner am leichtesten und besten die von Juden übermittelten Kulturwerte erfassen können. Von den Städten Palästinas hat Tel-Aviv auf mich den stärksten Eindruck gemacht. Wir Japaner haben viel von Europa gelernt. Und die Anlage der japanischen Städte und ihre Entwicklung ist in vieler Beziehung der amerikanischen gleichzustellen. Die Juden aber haben in Tel-Aviv etwas weit Vollkommeneres geleistet. Denn, während in Japan das westeuropäische Aussehen der Städte sich auf gewisse Teile derselben beschränkt, sonst aber das alte autochthone Wesen erhalten geblieben ist, bietet Tel-Aviv den interessanten Eindruck, daß förmlich eine ganze Stadt aus Europa nach dem Orient versetzt wurde. Meine Reise hatte den Zweck, Studien darüber anzustellen, wie dünn bevölkerte Gegenden mit einem Bevölkerungsüberschuß aus anderen Gebieten besiedelt werden können. Wir Japaner haben die Methode einer intensiven Landwirtschaft ziemlich stark ausgebildet. Ich war überrascht, bei meinem Besuch in den jüdischen Kolonien in Palästina festzustellen, daß alle Methoden intensivier Landwirtschaft in Palästina in einer Weise angewendet werden, wie es nicht besser in Japan geschieht. Und noch eine wertvolle Feststellung habe ich gemacht: Gleichzeitig mit der Bewirtschaftungsform wird auch eine neue Lebensweise geschaffen. Meiner Ansicht nach wird in Palästina auf vollkommen friedliche Weise das zur Durchführung gebracht, was die Sowjetunion durch ihre Politik im Orient anstrebt, aber mit unvollkommenen Methoden zu verwirklichen sucht. Während die Sowjets lediglich auf das Zusammenleben in Kommunen Gewicht legen und die Betriebsart zum größten Teile so belassen haben, wie sie früher war, ist in den jüdischen Kolonien eine Synthese geschaffen worden. Darin liegt, wie ich glaube, das Hauptverdienst der jüdischen Palästinakolonisation, durch das sie ein Muster für den ganzen Orient ist. Diese meine Ansicht habe ich auch bestätigt gefunden, als ich hörte, wie der heldenhafte jüdische Pionier Josef Trumpeldor in Palästina verehrt wird. Die Verehrung, die ihm entgegengebracht wird, gilt nicht bloß dem kriegerischen Helden, sondern zugleich und vor allem dem Pionier auf wirtschaftlichem Gebiet. Dies ist charakteristisch für die Synthese zwischen Arbeit und Leben, die ich durchgeführt sah und die dem Wesen des Orientalen entspricht. Der Westeuropäer bringt dem kriegerischen Element Verehrung entgegen, doch bei ihm war und ist der Krieger nie ein wirtschaftlich produktives Element. Bei den Orientalen besteht aber auf diesem Gebiete eine Verbindung und darin sehe ich auch den Beweis dafür, daß die Juden ein orientalisches Volk sind. Das kriegerische Heldentum Trumpeldors allein würde nicht die Verehrung hervorgerufen haben, die diesem Manne gezollt wird; sie entstand gerade in der Tatsache, daß er neue wirtschaftliche Formen geschaffen hat. Ich bin der Ueberzeugung, daß das jüdische Zentrum, welches in Palästina entsteht, von solchem Einfluß auf die übrige Judenheit sein wird, daß der Zusammenhang zwischen Palästina und der Judenheit in den anderen Wohnländern ein viel engerer werden muß. Für Japan kommt dies wenig in Betracht, denn in Japan leben Juden in so verschwindend kleiner Zahl, daß man fast sagen kann, es gebe dort keine Juden. Daher ist auch in Japan keine Rede vom Antisemitismus, dessen Problem mir übrigens unverständlich ist, weil mir die Motive nicht klar sind; ebenso unverständlich ist mir aber auch, daß es Juden geben kann, welche gegen das Aufbauwerk in Palästina eingestellt sind; denn meiner Ansicht nach ist dieses Werk etwas, was dem Wesen der Juden naturgemäß ist. Wir Japaner wünschen aufrichtig, daß das Werk des Palästina-Aufbaues gelinge, denn wir sehen darin etwas, woraus wir und die ganze Menschheit Neues lernen können. Acker« und Gartenbau in Palästina Von Ludwig August FrankL Wir veröffentlichen nachstehend einen charakteristischen Abschnitt ans dem Reise- Ibuch „Nach Jerusalem!" von Ludwig August Frankl, dessen Persönlichkeit an anderer Stelle gedenkend gewürdigt wird. Aus dem, was bei Frankl Wumschtnaum war, ist heute durch die eigene Kraft des Volkes Wirklichkeit geworden. Die Red. Die Fruchtbarkeit des Bodens um Jerusalem und in Palästina überhaupt stellt sich in anderer Weise dem Auge dar, als in europäischen, mit Wasser gesegneten Ländern, Fleiß und Kenntnis sind hier wie überall die Zauberstäbe, welche reiche Ernten frisch und reich hervorlocken. Aecker und Gärten sprießen noch vom biblischen Segen; selbst die steinigen Berge, die Felsen, die ein langes Barbarentum brach stehen ließ, zieren sich jetzt mit Maulbeer- und Rebenpflanzungen, welche die Griechen pflanzen. Nur ein legendenseliger Reisender mag den Boden seit 1858 Jahren einen verflucht unfruchtbaren nennen. Den Juden ist er es in Wahrheit, sie ackern nicht, sie pflanzen und ernten nicht. Sie sind zu träge wohl und in dem ungewohnten heißen Klima MELLINGERS Wiener Heilteemischungen bei Zuckerkrankheit, Gallen-, Nieren-, Blasenstelnen und Magenleiden sind vorzüglich. Preis per Paket S 6*50. Postversand. Wien, XVII, Lackwergasse fr, 37/3, weniger geeignet, den Boden zu bearbeiten, wenn das Arbeit heißt, worüber ein deutscher Bauer lächeln würde. Ein Geschlecht endlich, das durch die frühe Heirat immer mehr herabkommt, ist zu schwach, um die den Menschen befriedigendste Arbeit zu tun; wiewohl auch ihnen die beste Freude nicht gegönnt ist: den eigenen Grund zu bebauen. Es ist so traurig, vom natürlichsten Besitze ausgeschlossen zu sein, und von Ferne stehen müssen, wenn die gütige Natur ihre üppigen Tafeln deckt. Auf dem unwirtbaren Libanon besteht in dem Dorfe Der el Kamar eine ganze jüdische Gemeinde, welche nur Ackerbau und V i e h_ zuchttreibt. In den von Sir Montefiore angekauften Zitronen- und Pomeranzengärten in Jaffa arbeiten nur Juden. Doch all dies ist außer Jerusalem, hier sahen wir nur einen Mann, ein Stück s§&S«ij l. MT** Das Grab Josefs in der Höhle Machpelah bei Hebron, welches vor kurzem von Dieben heimgesucht wurde; sie erbeuteten eine Anzahl kostbarer Gegenstände, darunter auch den sogenannten Abrahamsring, eine alte Goldschmiedearbeit von bedeutendem Kunstwert. Das Grab ist, wie aus dem Bilde ersichtlich ist, mit Kostbarkeiten aller Art, darunter alieu Seidenstickereien und Teppichen von unschätzbarem Wert, geschmückt. ROTAREX Staubsauser BodenbUrsten 1. Bezirk. Rotgasse 3 des Berges Zion, den er angekauft hat, bepflanzen, und zwar zu reichhaltigem Ertrage. Der englische, jetzt getaufte Jude, Herr Meschulam. kaufte vor einigen Jahren bei Bethlehem den sogenanten „geschlossenen Garten Salomos" und zieht da feines Obst, und in Jerusalem früher nicht gekanntes, trefflich gedeihendes Gemüse. Anfangs nicht ohne Anfeindung der Mohammedaner; jetzt aber, durch den englischen Konsul geschützt, unangefochten und mit reichstem Ertrage. In Jerusalem arbeiten Juden nur auf dem von der Mission angekauften Acker. Wer aber soll auch das Volk belehren, wer zur Arbeit aufmuntern? Die Lehrer? Sie arbeiten selbst nicht. Die Rabbiner? Sie haben Vorteil davon, wenn das Volk nach allen Länder- und Meeresstrecken hinaus um Brot schreit und die Juden der Erde erbarmenvoll Almosen schicken, und es nicht ahnen, wie sie dazu beitragen, ihre Glaubensbrüder auf der ihnen heiligsten Stätte zu demoralisieren. Gebt ihnen Arbeit, daß sie arbeiten lernen, kauftihnenAecker, diesiehier, aber in der Heimat nicht besitzen dürfen, daß sie selbst im Schweiße des Angesichtes, wie der Herr eswill, ihrBrot erackern, und aus einer Kolonie von Bettlern eine edle Gemeinde werden und den Namen des Herrn heiligen! Die aus allen Enden der Welt einlaufenden Gelder sollen in dreifacher Weise verwendet werden: 1. Ein Hauptteil zum Ankäufe von Grund und Boden, auf welchem der Arme angewohnt würde, sich ehrenhaft, und wie es die heilige Schrift will, sein Brot im Schweiße des Angesichts zu erwerben. Welche Befriedigung gleichzeitig für den frommen Juden, sich wieder im Besitze, wenn eines noch so kleinen Teiles des Landes seiner Väter zu fühlen. Der Jude würde wieder säen, pflanzen, ernten und für sein eigen Feld um Tau, Sonnenschein und Regen beten lernen. 2. Ein Teil der Gelder wäre zur Einrichtung und Unterhaltung einer großen höheren Unterrichtsanstalt zu verwenden. 3. Ein Teil, und zwar anfangs der größte, wäre unter Arbeitsunfähige zu verteilen. Der Amerikaner T uro hat testamentarisch eine Summe von 100.000 Talern für Palästina zur Verfügung gestellt, welches Kapital, bisher unverwendet, durch die Zinsen seit mehreren Jahren noch bedeutend vergrößert worden ist. Es wäre Großes und Segensreiches für die Zukunft damit zu beginnen; vielleicht in anderer wohlberatener Weise. Aber begonnen sollte werden, glauben wir bescheiden bitten zu dürfen. In der angedeuteten Weise würden die jetzt fast ausschließlich nur als Bettler lebenden Juden von einem Gefühl ehrenvoller Selbständigkeit durchdrungen werden, ihre Körper durch Arbeit wohltätig, erstarken, ihre Moral immer mehr die blanken Pfade der Rechtlichkeit und der Sitte gehen lernen. Miszellen Wie steht es mit der Toten-Meer-Konzession? Einer Interpellationsbeantwortung des britischen Kolonialstaatssekretärs Amery im englischen Unterhause ist zu entnehmen, daß die Nachrichten über die Verleihung der Konzession zur Gewinnung der Mineralsalze des Toten Meeres offenbar den Tatsachen vorauseilen, Der Minister erklärte nämlich, die Konzession sei noch nicht an Novomejsky vergeben, sondern es seien mit Major Tüll och und Novomejsky Verhandlungen eingeleitet, um die Bedingungen eines Pachtvertrages für die Ausbeute der Salze ■des Toten Meeres festzusetzen. * Die Zionistische Exekutive hat beschlossen, den ehemaligen jüdischen Legionären in einer entsprechenden Zone des Pflanzungsgebietes Siedlungsland zur Verfügung zu stellen. Das Kolonisationsdepartement wird über die Eignung der Siedlungskandidaten zu entscheiden haben. * Laut dem „Dawar" haben der Jüdische Nationalfonds und die Anglo Palestine Co. wiederum Ansprüche wegen E rstattung der ihnen im Kriege verursachten Schäden erhoben. Auf ihre sofort nach dem Kriege erhobene Forderung wurde seinerzeit erklärt, daß diese Institutionen von England keine Entschädigung fordern können, weil in ihren Leitungen auch Nichtengländer sitzen. Vor kurzem wurde nun gegen diese Entscheidung Berufung einigelegt und darauf hingewiesen, daß beide Institutionen in England iais britische Gesellschaften registriert sind, sodaß ihnen Schadenersatz zukommt. Wie aus New York gemeldet wird, hat der Orden ,,Bnei Zion“ beschlossen, die zur Deckung des Defizits der B e z a 1 e 1-K unstschule in Jerusalem notwendige Summe aufzubringen, damit die Schule wieder eröffnet werden könne, (tDie Bezalel-Schule mußte bekanntlich nach 20jährigem Bestehen Anfang Dezember 1927 geschlossen werden, da die Zionistische Exekutive im Zusammenhang mit ihrem Erspa-