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Die Stimme · 1928-03-08 · Heft 10 (8.3.1928) · page 6

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 10 (8.3.1928)
Date
1928-03-08
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 DIE STIMME Nr. 10 Seriös 99 HANSA is WIEN I.. FRANZ JOSEFS-KAI 13 TELEPHON 75-409 Diskret Hfluser, Büros, ■■■■■ Wohnungen, Hypotheken, Verwaltungen Prompt Unter wenigen Tagen beste Resultate Eigene Kreditabteilung nur für große nur Transaktionen ejung eine Ekstase folgt; es können in einiger Zeit neue Schwierigkeiten auftauchen, die zu überwinden sein werden. Man soll nicht den Sinn für Realität und Proportion verlieren; die Entwicklung Palästinas muß an der anderer Länder gemessen werden. Ihr wißt, wie es mit der Arbeitslosigkeit in England steht; in Amerika erreicht die Zahl der Arbeitslosen vier Millionen, in der. übrigen Ländern, zählt man in der Regel 5 bis 6 Prozent Arbeitslose. Demgegenüber ist Palästina gar nicht schlecht gestellt. Es ist schwer, ein Land neu zu bauen. „Wer furchtsam und weichherzig ist, bleibe dort, wo er ist." Gute Nachricht aus Palästina wird belebend auf die Gesamtjuden wirken. Man entgegnet uns, schloß Dr. Weizmann, daß nicht alle Juden Palästina haben wollen. Haben denn alle Italiener ihre Einheit und Unabhängigkeit gewollt? Haben die Juden zuerst nicht auch die Thora zurückgewiesen? Am Ende aber werden alle .Juden erkennen, daß Palästina das Fundament des Judentums ist. Ihr müßt Palästina für Eure Kinder erbauen, das Judentum soll und wird nicht untergehen!“ Nach Meldungen aus Riga sind in den letzten Tagen in der Ukraine etwa hundert junge Juden w e £ e n zionistischer Betätigung verhaftet worden. Von den Verhafteten wolhnten 27 in Kiew, 50 in Winmiza, die übrigen in Nikoiajew und Charkow. Die Mehrzahl der Verhafteten wurde nach verschiedenen Orten in die V erbannung geschickt; 6 von ihnen erhielten die Erlaubnis, nach Palästina auszuwandern. Der grollte Beth Hainidrasch in Pogrewi Ische in der Nähe von Berditschew ist von den jüdischen Kommunisten des Ortes mit Beschlag belegt und in einen kommunistischen Klub umgewandeit worden. Die Einweihung des Klubs fand unter großen kommunistischen Kundgebungen statt. Der große Beth Hamidrasch in Kriwosero ist ebenfalls in einen kommunistischen Klub umgewandelt worden. 4« Henri Polak, Mitglied der ersten Kammer des holländischen Parlaments und Präsident des Verbandes holländischer D'iamantc - A r 1> eite r, beging in diesen Tagen die Feier seines 60. Geburtstages, Die holländische sozialdemokratische Partei stiftete ihm zu Ehren einen Henr i- Polak-Fonds, aus dessen Ertrag jährlich einem begabten Mitglied Jues Diamanlenarbeiter-Verbandes die Möglichkeit verschafft werden soll, sich künstlerisch auszubilden. Senator Polak ist Präsident des Keren Hajcssod in Holland. ln Kreslowka (Lettland) wurden 35 junge Burschen und Mädchen, Mitglieder der Kulturliga, wegen angeblicher kommunistischer Betätigung verhaftet. Im Polizeigetängnis von Diinaburg, wohin die Verhafteten gebracht wurden, halten sie geradezu bestialische Mißhandlungen zu erdulden, durch die man ihnen «Geständnisse« erpressen wollte. Die von einer parlamentarischen Kommission angestellte Untersuchung der Vorfälle förderte gegen den Chef der Dünaburger politischen Polizei, Brcdis, den Militärkommandanten von Diinaburg und eine Reihe von Beamten schwer belastendes Material zutage, so daß sie ihrer Stellen enthoben und in Anklagezustand versetzt wurden. Der Londoner ,,Jewish Cronicle“ veröffentlich!, ein Interview mit Dr. Weizmann, worin dieser ebenfalls auf die Besserung der Lage in Palästina hinweist. ,,Ich will offen gestehen“, erklärt Dr. Weizmann dort, ,,daß ich mich viel mehr vor den Konsequenzen der Hochkonjunktur, die ich in Palästina voraussehe, fürchte, als ich mich je vor der Krise beängstigt habe. In übermäßigem Optimismus liegt eine größere Gefahr, als in unberechtigtem Pessimismus.“ Jüdische landwirtschaftliche Kolonisation in Marokko Unter der Judenschaft Marokkos macht sich eine starke Bewegung für Ansiedlung auf dem Lande bemerkbar.!n Casablanca wurde vor kurzem die Generalversammlung der Organisation für berufstechnische Ausbildung der Juden in Marokko abgehalten, in deren Verlauf der Generalsekretär, Herr Chic, die Mitteilung machte, daß in Marokko eine jüdische Handwerkers«: hule gegründet wurde und daß Vorbereitungen zur Eröffnung einer jüdischen Landwirtschaftsschule getroffen worden seien. Die jüdische Jugend Marokkos, sagte er, wolle in die Fabrik und aufs Feld. Die französische Protektoratsregierung hat für die beiden Schulen Beträge bewilligt. Die Frage der Berufsumschichtung unter den marokkanischen Juden wurde auch auf einer Konferenz früherer Zöglinge der Alliance-Schulen behandelt, wobei der jüdische Kolonist N a h o n über die landwirtschaftliche Siedlung referierte und sagte, die jüdischen Handwerker von Marakesch, die jüdischen Lastträger von Tanger und Mogador, die jüdischen Maultiertreiber und Bootsrü’hrer bättem zur Genüge bewiesen, daß der Jude auch die schwerste körperliche Arbeit nicht scheut. Kleine Nachrichten Das ungarische Parlament hat die Vorlage über die „Revision“ des Numerus clausus (deren Wert wir bereits in der vorigen Nummer erörtert haben. — Die Red.) in dritter Lesung angenommen. Sie ist somit Gesetz geworden. * Im 69. Lebensjahr ist in Budapest kön. Rat Dr. Josef Stern, ein Freund Stefan Tiszas, gestorben, 33 Jahre lang war er Mitglied des Budapester Munizipalaus schusses, zehn Jahre hindurch Präsident der Altofner israelitischen Religionsgemeinde. Die jüdischen Industriellen Polens haben sich zu einem Verbände zusammengeschlossen, zu dem Zwecke, eine entsprechende Vertretung in den Industriesektionen der Handelskammern zu erlangen und staatlicheKred i t e für die in jüdischen Händen befindlichen Industrien durchzusetzen. * Das Posener Gericht hat die von der Polizei ausgesprochene Konfiskation der von den Nationaldemotknaten herausgegeben'in antisemitischen Hetzschrift „Der jüdische Angriff auf Polen“ aufgehoben und die Schrift zur öffentlichen Verbreitung freigegebem. * Zum Präsidenten der russischen Gesellschait ,,Ort‘‘ wurde der Unterstaatssekretär für Handel Schleifer gewählt. Die ribrigen Mitglieder des Präsidiums sind Tschemeriski, Joffe, Magidsohn, Model und der Vertreter des Ge«.amtverbandes „Ort", Zegelnicki. Österreich Das Werden einer Arbeitsgemeinschaft Von Siegfried Abeies. Vor vier Wochen war es. Im Vorzimmer der Anstaltskanzlei standen einige Mädchen im Alter von 18 bis 20 Jahren. Eines weinte, die andern sahen verzagt und besorgt drein. Sie wußten, in der Kanzlei würde ihnen verkündet werden, daß sie das Heim in kurzem verlassen müssen. Nach den Statuten aller Lehrlingsheime dürfen die Zöglinge nur bis zum erreichten 18. Lebensjahre in der Anstalt verbleiben. Seit einigen Jahren wurde aber im Elisabeth-Heim, über Wunsch des Oberrabbiners Dr. C h a j e s, die Altersgrenze auf 20 Jahre hinaufgesetzt, rücken doch in dieser Anstalt während der letzten Jahre fast ausschließlich familienlose Kriegs- oder Pogromwaisen in das Austrittsalter vor und sind doch derzeit die Arbeits. und Lohnverhältnisse der jugendlichen Arbeiterinnen ungünstiger als in Friedenszeiten. Nun aber hat das Jointkomitee seine Unterstützung wesentlich eingeschränkt, äuch andere Subventionen bleiben aus oder wurden gekürzt, so daß die große Anstalt, um nicht ein monatliches Defizit von S 1500 zu haben, ihren Betrieb einschränken muß. Unter anderen Ersparungsmaßnahmen wurde auf dem grünen Tisch die Ausscheidung aller Zöglinge beschlossen, die das 18. Lebensjahr bereits überschritten haben. Man war dazu berechtigt, laut Statuten. Dem hochbejahrten Präsidenten, dem die bessere Lebensgestaltung der Lehrmädchen und jugendlichen Arbeiterinnen zum Lebensziel wurde, ist die schwere Aufgabe zuteil geworden, 20 dieser Mädchen aus der Anstalt zu verabschieden. Die vor ihm stehende Arbeiterin gibt ihm leise und zaghaft Antwort, er aber sucht seine eigene Erregung unter erkünstelter Barschheit zu verbergen. Seine Frau, die als Vizepräsidentin neben ihm sitzt, kann diesem peinlichen Vorgang nicht länger beiwohnen und geht ins Vorzimmer, um die wartenden Mädchen zu trösten, sich über ihre persönlichen Verhältnisse nochmals genauer zu informieren und dann den besonders BerücksichtigungswürcÜgen noch einige Monate Aufenthalt nach der Kündigungsfrist zu erwirken. Unter den 5 Mädchen draußen sind nicht weniger als drei arbeitslose Doppelwaisen, zufällig durchwegs Schneiderinnen. Die Dame ist verzweifelt. Da kommt ein ehemaliger Zögling des Elisabeth- Heims, einer der nicht wenigen, deren Arbeitserfolg der Erziehung in dieser Anstalt das beste Zeugnis ausstellt. Sie ist Direktrice eines vornehmen Modesalons. Nicht zufällig kommt sie, denn sie weiß, daß allwöchentlich an diesem Abend mehrere Vorstandsmitglieder in der Anstalt anzutreffen sind. Sie berichtet auch sogleich der Vorstandsdame, daß sie sich ein kleines Kapital erspart habe und gesonnen sei, sich eine eigene Werkstätte zu errichten. Sie bitte nun, ihr bei Beschaffung des Lokals und des Kundenkreises behilflich zu sein. Lokal? An nichts hat das Elisabeth-Heim Ueberfluß, außer an Raum. Die leeren Räume wurden trotz verlockender Angebote nie vermietet, da immer an eine Erweiterung des Anstaltbetriebes gedacht wurde. Not macht erfinderisch, Hier war es die Not der anderen, die der 1—111—P m Wl IIIIIMIIM Will III Willi llllllllll—1—1——I Warnung I Vorzügliche, täglich ofenfrische, fslfiste, dünnst« MAZZOTH UND GRIESS bekommen Sie nur aus der F. Wr. orth. Mazzothföbrik Israel Vortrefflich Wien, II., Obere Augartenstraße 52 Verlangen Sie überall ausdrücklich Vortrefflich-Mazzoth nMnöBDElBn—m Frau des Präsidenten einen schöpferischen Gedank«» eingab. Sogleich zog sie sich mit der Direktrice zu einer Besprechung zurück. Vor vier Wochen war es und heute sind die Arbeitsräume für die Arbeitsgemeinschaft der ehemaligen Zöglinge des Heims und der Schülerinnen seiner Frauengewerbeschule adaptiert, Maschinen, Spiegel, Puppen und was man sonst in einer großen Damenkleiderwerkstättc benötigt, ist angeschafft. Täglich kommen Neuanmeldungen von derzeit arbeitslosen ehemaligen Zöglingen, die ihre Gehilfinnenjahre in den verschiedensten Werkstätten verbracht haben, so daß es möglich sein wird, in einer Abteilung Konfektionsarbeit, in der anderen Maßarbeit jeder Art, bis zum feinsten handgestickten Abendkleid zu leisten. Am 15. März dürfte die Gemeinschaft bereits ihre Tätigkeit beginnen. Das Heim sichert den Arbeiterinnen das Mindesteinkommen, sobald aber der Betrieb Gewinn abwirft, sind die Arbeiterinnen selbständig und nur noch Mieterinnen des Elisabeth-Heims. Hier wird hoffentlich die Fürsorge einmal binnen kurzem ihr schönes Ziel erreichen, sich selbst überflüssig machen. Vor wenigen Tagen wurde der Präsident des Elisabeth-Heimes anläßlich seines 50jährigen Aerzte_ jubiläums vielfach geehrt, das Heim wird von nun ab nach ihm „Dr. Kruger-Heim“ genannt, als das schönste Geschenk erschien ihm aber die Gründung seiner Frau, die tüchtigen jüdischen Schneiderinnen in der sozial fortgeschrittensten Form Arbeits- und Verdienstmöglichkeit bieten soll. Daß dieses Geschenk von großem, dauerndem Wert werde, ist non Sache der jüdischen Damenwelt und der jüdischen Geschäftsleute. Kredithilfe für den jüdischen Mittelstand Am 27. Februar 1. J. fand bei zahlreicher Beteiligung der Genossenschafter die fünfte ordentliche Generalversammlung der Kreditkassa für Kleingewerbe und Kleinhandel in Wien, r. g. m. b, H„ statt, Börsenrat Ignaz Glück, der als Obmannstellvertreter des Vorstandes den Vorsitz führte, eröffnete die Generalversammlung mit einem Nachruf auf den verstorbenen Oberrabbiner Dr. C h a j e s, welcher der Kreditkassa seit ihrer Gründung als Obmann Vorstand, sowie auf den gleichfalls verstorbenen Präsidenten des Aufsichtsrates Herrn Direktor Sigmund E p l e r. Dem durch den Direktor M. Henisch erstatteten Tätigkeitsbericht ist zu entnehmen, daß trotz der besonderen Vorsicht, zu der die andauernde wirtschaftliche Krisis mahnte, die Tätigkeit der Genossenschaft im abgelaufenen Jahre eine Erweiterung erfahren hat. So wurden in der Berichtsperiode 927 Darlehen bewilligt, von denen 793 mit einer Gesamtsumme von S 393.340_■ zur Auszahlung gelangten, gegenüber 752 Darlehen mit S 362.000.— im Jahre 1926. Der Monatsdurchschnitt beträgt demnach 66 Darlehen mit zirka S 33.000.—. Bei 82% der Darlehen war die Höhe des Einzeldarlehens S 500.—; es wurden aber anch kleinere Darlehen beansprucht und bewilligt. Nach Bcrufskategorien der Darlehensnehmer geordnet entfallen auf Kleinhändler 551 Darlehen (ca. 70%), auf Handwerker 163 (über 20%), auf Kleinindustrie 61 (ca. 8%) und auf Angehörige freier Wochen-Kalender März 1928 Gedenktage ITS“in TT« 8 Donnerstag 1825 •— der bekannte Ghettodichter Salomon Kohn In Prag geboren. 1842 — Perez Sinolensky geb. 16 — TC3 9 Freitag 1859 — der Dichter Peter Altenberg (Paul Engländer) ln Wien geboren. 17 — r 10 Samstag 1858 — E. L. Lewinsky in Poberesie geboren 1873 — Jakob Wassermann in Fürth geboren. 1874 — der Erfinder der Galvanoplastik, Moritz Hermann Jacob! ln Petersburg geboren. is - rr Sabbat Parab Haftarah t Wajhi dewar. 11 Sonntag 1841 — der italienische Staatsmann Prof. Luiai Luzatti in Venedig geboren 1897 — der berühmte Lexikograph Daniel Sanders in seiner Heimatstadt AU-Sirelitz gestorben. 19 — & 12 Montag 1893 — der Dichter Ludwig August Frankl lu Wien gest. n 1 o CM 13 Dienstag CO 1 tr 14 Mittwoch 1851 — der Entdecker des Salvarsan Paul Ehrbc» in Strehlen (Schlesien) geboren. 1879 — der berühmte Physiker Albert Einstein in Ului geb. 180 J — der bekannte Politiker Ludwig ßauiberger in Berlin gestorben. 22 - 33

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