Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1 (1928)
- Issue
- Heft 9 (1.3.1928)
- Date
- 1928-03-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 12 DIE STIMME Nr. # nächsten Auftmg kommt Haanan, nachdem er „fleißig in der Bibel studiert", zum König und bringt die Verleumdung gegen dde Joden vor, aus Rache da$ür, daß Mordechai, der „blitzgarstige jüdische Humd“, sich nicht vor ihm gebtickt hat. Der König will sich anfangs Hamans Wünschen nicht fügen, aus Furcht, er werde iPharaos Ende haben (diese Motivierung dürfte eine der wenigen sein, die der Bearbeiter oder Umschreiber aus eigenem hinzugefügt hat); doch Haman überredet ihn und nun spricht (oder singt?) Mordechai eine -ichtigjgehende Klagearie: „Wer wird meinem Haupte geben Wasser zur Genügsamkeit Und mir beide Augen heben Von dem Meer der Grausamkeit? Daß ich sattsam kann beweinen Mein so grausig Herzeleid, Weil ich seh’n muß solche Peinen (!), Die uns Haman hält bereit. Ach ihr alle, so hier stehet, Sehet auf mein Herzeleid, Und die ihr vorübergehet, Seht, ob je zu einer Zeit Lebte solch* ein Mann der Schmerzen, Gleich wie ich cs jetzund bin. Ach, die Qual in meinem Herzen Raubt die Kraft mir und den Sinn.1' Esther erfährt durch die Klagen des Oheims von der ihrem Volke drohenden Gefahr; sie entschließt sich, heim König vorstellig zu werden, und „die Königin läßt dem Oheim sagen, daß sie resolviert sei, ihr Leben zu wagen", jedoch unter der Bedingung, daß Mordechai und die ganze Gemeinde von Susa indessen Bittgebete zu Gott senden. Hier bricht der Text ab. Wie man sieht, handelt es sich um ein ziemlich groß angelegtes Stüdk, das für eine öffentliche Aufführung bestimmt war. Diese 'hat auch, wie das Titelblatt der Ausgabe etwas übertrieben besagt, „mit höchster Vergnüglichkeit vor Fürsten und Herren“ stattgefunden. Ob es wohl eine musikalische Aufführung war? Im Text deutet sehr viel darauf hin, daß es sich hier um mehr als ein „Ahaschverosch-Sp.iel gleich einer Oper‘‘ bandelt; es dürfte identisch mit einer Oper sein, die deutschen Ursprung hatte. E. F. Von Büchern Ein neues Arabien-Buch Das neueste Buch über Arabien („Zwischen dem Teufel und dem Roten (Meer“ betitelt und bei OBrockihaus in Leipzig erschienen) hat den Juden und Zionisten Wolfgang v. Weisl zum Verfasser. Zu den wenigen europäischen Privatleuten, die sich auf Reisen in dieses famatisierte, für einen Nichtmuslim noch immer nur mit Lebensgefahr zugängliche Land gewagt haben, gesellt sich damit ein zweiter Vertreter jener Nation, die 'heute das brennendste 'Interesse daran hat, arabisches Leben und Denken kennen zu lernen. Der erste in der neueren Zeit war, wie es Weis! an einer Stelle erwähnt, der Jude Halävy, der sich als bisher einziger Europäer in die Oase von Najran vorgewagt hatte. In den für Arabien mit politischem Explosionsstoff wieder stark geladenen Jiahren 1925 und 1926 unternahm dieser junge, als temperamentvoller Palästina- Berichterstatter bekannte Journalist im Dienste der Ullstein- Nachrichten zwei Reisen in den vom Wetterleuchten durchzuckten Westen der Halbinsel. Von dem Ehrgeiz der Journalisten getrieben, setzt Weisl unbedenklich sein Leben dafür ein, Augen- und Ohrenzeuge der hauptsächlichsten damaligen Geschehnisse zu sein, insbesondere aus erster Quelle, also von den Fürsten selber und ihren obersten Ratgebern seine Informationen zu beziehen. Ein bunter Kanevas von Abenteuern jaigt an uns vorüber. Aber während der ,gasende Reporter" un6 mit zieht auf eine Fahrt in einem halbzerbrochenen Auto durch die Wüste, auf eine Segelbootpartie durchs Rote Meer, die das eine Mal fast in einem Nachtsturm untergeht und ein anderes Mal beinahe zur Erdofchung des „Ungläubigen" geführt hätte, während er uns miteinschmuggeit in das Zelt oder den Palast des Emirs, bei dem «r sich ein Interview ausgeiochten h»at, ,und wir mit ihm am palmenbeschatteten Tische Husseins speisen oder im Kastell von Gheizan mit dem Grossenussi und dem Prinzen von Asir tagelang Schach spielen, während wir ihn begleiten auf seinen Spaziergängen in glühender Sonne durch das verstaubte und zerlumpte Marktleben der armseligen arabischen Küstenorte oder durch die Lager betender und waffenklirrender beduinischer Kriegssdharen, erfahren wir von ihm in der unterhaltendsten Weise die wichtigsten soziologischen Daten über das heutige Arabien und die verwickelten Einzelheiten seiner internen Politik. Mit dem Blitzlicht moderner journalistischer Könnerschaft vermag Weisl alle« gleich lebendig zu gestalten. Aus der Fülle der Details seines täglichen Erlebens läßt er vor uns die unglaublich anachronistische Welt Arabiens in ihrer ganzen Dürftigkeit, Triebhaftigkeit und Frühmittelalterlichkeit, in ihrer Europaferne und -feindseligkeit, in ihren Glutfarben und ihrer Wüslenromantik so kinostilmäßig plastisch, bewegt und alle Sinne fesselnd erstehen, daß man sich mitten in ihr glaubt, bis man die letzte der 300 Seiten umschlägt, Weisls Buch, das inhaltlich und stilistisch gleich apart ist, dürfte ob seiner gedrängten, fesselnden und doch an Daten reichen Darstellung das gelesenste Arabienbuoh sein und auf lange Zeit wohl auch eine Hauptquelle bleiben, Dr. N, S’. Keifende frühjahrsmodelle in gediegener feiner Ausführung Infolge recht/eitiger Kassaeinkäufe auch weiter billige Preise! S ch u fi m o d e n h a u s 2)cfh II, fdborstrdJJe 8 a Musikalien-Handlung und Antiquariat OTTO MAASS G.m.b. H. Bestassortiertes Lager alter Editionen. -- Klassische und moderne Musik. — Studienwerke für alle Instrumente. Spezialgeschäft für Orchestermusik. PruDptir ProTinivarsand. fsrlaoiiM Ifs Prospekte kostnlos- _ WIEN VI., MARlAHILFERSTRASSE NR. 91 Posthume Werke von Max Nordau Paris, 20. Februar. (1. T. A.) Bei der Ordnung des literarischen Nachlasses von Max Nordau sind u. a. zwei größere Werke, eine in Versen abgefaßte Tragödie „Rah a b" und ein bis atif den letzten Abschnitt vollendetes moral- und sozialphilosophisches Werk, betitelt ,J)er Weg der Gesittung" (etwa 380 Druckseiten), vorgefunden worden. Das vieraktige Trauerspiel hat die Belagerung und Einnahme Jerichos und einen Liebeskonflikt zum Vorwurf, der mit dem Selbstmord der Rabab endet. Das Drama wird noch in diesem Jahre in Buchform erscheinen und, wie es heißt, vom hebräischen Theater in Jerusalem zur Uraufführung gebracht werden. Das moralisoh-iphüosophisc'he Werk, an welchem Nordau nach dem Kriege bis ziu seiner Erkrankung gearbeitet hat, ist gedanklich und in der 'Darstellung überaus fesselnd. Das jüdische Buch für das jüdische Kind Der jüdische Eltemverein für den XX. Bezirk veranstaltet in den Räumeu der Bibelschule, XX., Olhmargasse 46, Mezzanin, eine Ausstellung jüdischer Jugendbücher unter der Devise »Das jüdische Buch für das jüdische Kind«, die Samstag, den 3. März, um 148 Uhr abends, mit einem Vortrag des Schulinspektors L. Wi e s n e r eröffnet werden wird und iD den folgenden Tagen für den allgemeinen Besuch geöffnet ist. Sonntag, 8 Uhr abends, findet in den Ausstellungsräumen ein Vortrag des Herrn Lehrer J. Herzberg über den erzieherischen Wert des jüdischen Buches statt. Jüdische Musik Hebräisches Konzert Zum Andenken an Oherrabbiner Chajes fand im Großen Konzerthaussaal ein Hebräis c he s Konzert, veranstaltet vom Jugendverein „Erez Israel", statt, das ausschließlich Kompositionen Prof. Artur Wolfs gewidmet war. Eine besondere Weihe erhielt der Abend durch die Anwesenheit des Präsidenten Sokolow, der vom gesamten Publikum lebhaft gefeiert wurde. Zur Aufführung gelangten Chöre und Lieder, dann eine der Erinnerung an Chajes gewidmete Hymne, zu der Dr. David Rothblum einleitende Worte sprach'. Die Kompositionen Artur Wolfs verraten einen geschulten Musiker, der sich einer gepflegten romantischen Tonsprache bedient. Am besten gelingen ihm Chöre, denen jüdische Volkslieder zugrundeliegen, wie der reizende Gesang Zimukin uschkedim für Altsolo und gemischten Chor; hier spürt er mit kultiviertem Geist allen Bindungen nach, die das 'Einmalige der jüdischen Volksseele darstellen. Weniger aus jüdisch-musikalischem Geiste sind Lieder und Chöre komponiert, in denen deutsche Allerweltsromantik in ein hebräisches Gewand gekleidet erscheint, manchmal auch ein Hang zum exotischen Kolorit unbestimmter Prägung auffällt. Als Mitwiricende hatte sich eine ganze Schar vortrefflicher Sänger zur Verfügung gestellt: Grete Koller- Geyer, Rena 'Pfiffer-Lax, Hannel Sch warz, Oberkantor Gerson Margulies und Hans Schwestka. Aber auch der gemischte Chor löste die nicht immer leichte Aufgabe mit bestem Gelingen. Die Klavier- und Orgelbegleitung versah mit gewohnter Meisterschaft Prof. Carl- Lafite. Alfred Sand t. * Prof. Artur Wolf und sämtliche anderen Künstler, die bei dem Konzert mitwirkten, haben sich in dankenswerter Weise völlig uneigennützig in den Dienst der Sache gestellt, sodaß durch das Konzert, welches der hebräischen Kulturbewegung in Wien wertvolle Anregung gab, dem Chajes-Walde und dem Chajes-Realgymnasium namhafte Summen zugeführt werden konnten. Neue jüdische Lieder In iB e r 1 i n brachte Frau Alice Loewenson in ihrem am 13. Februar stattgefundenen Konzerte neue jüdische Lieder von Engel, Achron, Krejn, Weprik, MiLhaud etc. zu Gehör. (In Wien ist neue jüdische Vokalmusik, von Instrumentalmusik gar nicht zu reden, geradezu aufreizend selten zu hören. —■ Die Red.) Das neueste Orchesterwerk von A. Weprik, ,,A maisse fun a meschiugenen Batlen", gelangt am 12. März in Moskau zur Uraufführung. Es ist eine musikalische Um- Die Frühjahrsmodeschau im Warenhaus Brüder S c h i f f m a n n, II. Bez., Taborstr. 48, ist eine Sensation. Alle Neuheiten in Frühjahrs-Stoffen werden zu verblüffend niedrigen Preisen abgegeben. Garantiert erstklassige Qualitätsware in denkbar reichster Auswahl. Nachstehend einige Preisbeispiele: Kleiderstoffe, doppeltbreit, per Meter 1.90 S, Kasha, für Kleider, per Meter 2.90 S, Kostümstoff, 140 breit, 2.90 S. 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Februar in der Rolandbtihne mit einer Aufführung des Anski'schen Legendendramas, „Der Dybtik** begonnen; Wiederholungen der „Pybtik"-Atifführung finden heute Donnerstag, ferner Samstag, den 3. März nachmittags und Sonntag, den 4. März abends statt. Freitag, den 2., Samstag, den 3„ abends und Sonntag den 4. März abends,, wird H. Leiwiks Schauspiel Der Golem« aufgcfiihrl. S. Anski’s „Dybuk" bei der Habimah (Tschereminsky als Zaddik). Tanznachmittag Susi Mirjam Nach zweijähriger Pause wird die zwölijährige Aanzerin Susi Mirjam, die bei ihrem früheren Auftreten sich die glänzendsten Besprechungen der Wiener Kritik zu erringen wußte, wieder, und zwar mit einem ganz neuen Programm ihrer eigenen Erfindung im Josefstädter Theater übermorgen Samstag, 3. März, 4 Uhr nachmittags, auftreten. Das interessante Programm der Veranstaltung umfaßt Stücke von Beetho*en. Chopin, Glazounov, Heller, Schubert u. a., die ihrem Charakter entsprechend in ernster, heiterer oder grotesker Art tänzerisch zum Ausdruck gebracht sind. Jehuda Ehrenkranz, der mit seiner ersten Vorlesung kürzlich einen starken Erfolg errang, wird am i3. März ualb 8 Uhr abends im Neuen Saale der Hofburg mit einem zweiten Abend jüdischer Dichtung, der ein vollständig neues Programm enthält, vor das Wiener Publikum treten. „Hokuspokus** ist eine sanft ätzende Satire auf das Theater, seine Anwälte (die Direktoren) und Staatsanwälte (die Kritiker), auf die Justiz samt ihren anklagenden und verteidigenden Figuren, auf die Ruhmillusion, auf Vollbärte und allerhand anderen — Hakuspokus. Ein liebenswürdiger Schauspieler, Kurt Goetz, der schon einige nette Grotesken für sich und seine begabte, daher wegen Disziplinlosigkeit aus dem Burgtheater entlassene Frau und Mitspielerin Valerie Martens verfaßt hat, macht uns diesen „Hokuspokus1* als Autor vor (als Schauspieler wird er durch Anton E d t h o - fer, dessen Heimkehr nach Wien wärmstens begrüßt sek mehr als ersetzt). Er gibt Theater auf dem Theater, Gericht auf dem Theater, Zirkusluft auf dem Theater, kurz alles, was gut und teuer ist (Alfred Kerr, der für etliche langweilige Bühnenminuten auf die Szene gebracht wird, ausgenommen). Das Deutsche Volkstheater hat sich mit dieser harmlos unterhaltsamen Pirandello-Ve.ulkung anscheinend einen Erfolg geholt, für den Direktor Beer seine Pirandelloregie und seine dieser adäquate Schauspielerei aufbot. —tz, Jüdische Künstlerspicle. Die neue Soubrette Betty König, Star des Irving Place-Theaters in New York, ist nach ihrem Pariser Gastspiel in Wien eingetroffen und beginnt Donnerstag den 1. März ihr Gastspiel an den Jüdischen Künstlerspielen. Zur Aufführung gelangt die große Operette „O h ist das ein Bocher" von P, Sandmann. Diese Operette, die ein Zugstück an den amerikanisch-jiddischen Bühnen bildet, verbleibt die ganze Woche bis zum 8, März auf dem Repertoire. Auch bei diesem Gastspiel gelten die normalen Eintrittspreise. SIEGE , Groülloisdiliauoroi Zentrale IX, Berggasse 19, Tel. 17-3-99 u. 16-9-34 Lieferant für Heilanstalten, Abteilungen für ^^-Flelsch unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinats der Israelitischen Kultusgemeinde Wien IX, Berggasse 15 XVIII, Währlngerstraße 97 622274