Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1928-03-01 · Heft 9 (1.3.1928) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 9 (1.3.1928)
Date
1928-03-01
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3053752-3053753-3053762--0149-3055409
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Nr. Ö DIE STIMME Seite If FV. Dernattirliche Zuwachs. Die hatörliche Zunahme der jüdischen Bevölkerung in Tel-Aviv und Jaffa betrug im Jahre 5687: 2025 (Geburten) — 693 (Todesfälle) 1332 (Seelen). Reduziert man dies auf ein Jahr von 365 Tagen, so erhalten wir folgendes Resultat: 1930 — 661 S 4-1269» Dagegen in Wien: 1479 — 2739 —1260. In Wien ist also bei den Juden kein natürlicher Zuwachs, sondern eine „natürliche" Abnahme vorhanden*. Es sterben in Wien fast zweimal soviei Juden als es jüdische Lebendgeburten gibt, während in Tel-Aviv auf je 1 Todesfall fast drei Geburten entfallen. Auf je 1000 Seelen beträgt der natürliche Zuwachs in Tel-Aviv -f-25.38 und bei den Wiener Juden —6.3. Fassen wir das Ergebnis unserer Untersuchung tn statistischen Tabellen zusammen, so ergibt sich folgendes Bild: Tabelle I (in absoluten Zahlen): Wien Tel-Aviv und Jaffa Größe der jüdischen Bevölkerung .... 201.513 50.000 Geburten . 1.479 1.930 Sterbefälle . 2.739 661 natürlicher Zuwachs (-f-) bezw. Abnahme (—) —1.260 4-1.269 Tabelle II (auf je 1000 Seelen): Geburten Todesfälle Natürliche Zunahme (4) bezw. Abnahme (—) Wien . . 7.4 13.69 —6.29 Tel-Aviv . 38.6 13.22 4-25.38 Der Oberste Rat der Kultusgememdeverbände in der Tschechoslowakei Vor (kurzem 'hielt 4er Oberste iRat der Kultusgeiöeinde verbände in Böhmen, Mähren und Schlesien seine erste Arbeitstagung in Prag ab. (Den Tätigkeitsbericht für 1927 erstattete Norbert Adler, der hervorhob, daß, da das Statut des Obersten Rates von der 'Regierung genehmigt wurde, dieser dadurch als eine Körperschaft des öffentlich en Rechtes anerkannt ist. Auf Antrag Dr. Emil Marguldes wurde beschlossen, der Regierung ein Elaborat zur Aenderung der Sprengel der Kultusgemeinden in Böhmen vorzulegen. Die Neuregelung bezweckt die Zaisammeniasstmg von schwachen Kultuagemeinden zu lebensfähigen ganzen. Dr. L. Goldschmied referierte über die Errichtung einer Lehranstalt für Rabbiner und Religionslehrer. Es wurde beschlossen, mit der Regierung über die Errichtung einer solchen Lehranstalt zu verhandeln. K. S c h a b 1 i n berichtete über die U e b e r - Setzung des Pentateuchs ins Tschechische; die Arbeit soll vom Prager Kultusgemeindeverband durchgeführt werden. Dr. Wolf behandelte die Frage der Organisierung der De n k m a 1 p f 1 e g e und teilte mit, daß eine „Gesellschaft für Geschichte der Juden in der tschechoslowakischen Republik“ in der Bildung begriffen ist. Es wurde beschlossen, verschiedene jüdische Lehranstalten zu subventionieren und die /Frage einer zentralen sozialen Fürsorgetätigkeit zu studieren. Die neue Leitung des französischen Zentralkonsistoriums Im Anschluß an die kürzlich stattgehabten Teil-Erneurungswahlen zum Consistoire Centrale, der offiziellen Körperschaft der jüdischen Gemeinden in Frankreich, wurde die Leitung desselben neu bestellt. Für eine Amtsdauer von vier Jahren wurden an der letzten Sitzung gewählt: Baron Edouard de Rothschild, Präsident; Emile Levylier und Eugäne S 6 e, Vizepräsidenten; Ed. B i c a r t-S 6 e, Sekretär; Raphael- Georges L 6 v y, Schatzmeister und Lucien S a u p h a r, Beisitzer. Wahlen in die jüdische Gemeinde in Danzig Die am 19. Februar bei einer Beteiligung bis zu 80% der Wählerschaft stattgefundenen Wahlen zur Repräsentantenversammlung der Danziger Jüdischen Gemeinde — von den 15 Repräsentanten waren 8 neu zu wählen — ergaben die Wähl eines Orthodoxen, drei Vertretern der Jüdischen Volkspartei und vier Liberaler. Liberale und Volkspartei erhielten außerdem je zwei Stellvertreter. Von volkspartei'licher Seite sind gewählt: R. A. Levy, Dr. Sega 11 und der Vorsitzende der Zionistischen Organisation,' des Freistaates Dr. Landau. Die jüdische Volkspartei war in Danzig zum ersten Male in den Wahlkampf getreten und hat dabei einen bedeutenden Erfolg errungen. Israelitischer Jugendgottesdienst. Am Samstag, den 3. März d. J., findet um 3 Uhr nachmittags der Jugendgottesdienst für die israelitische Schuljugend in den Gemeinde- und Bezirks-Synagogen statt. Predigten in den israelitischen Gemeindetempeln. Freitag, den 2. März 1928, werden bei dem um 5 Uhr 40 Minuten beginnenden Abendgottesdienste in nachbenannten Gemeindetempeln Predigten abgehalten, und zwar:, XVI., Hubergasse 8 (Rabbiner Dr. J. M. Bach); XVIII., Schopenhauerstraße 39 (Rabbiner Dr. D. Feuchtwang). — Samstag, den 3. März 1928, findet im Gemeindetempel XXI., Holzmeistergasse 12, beim Morgengottesdienste (Rabbiner Dr, M. Rosenmann, Beginn 8 Uhr 30 Minuten) ein exegetischer Vortrag statt. Wissenschaft, Literatur, Kunst Aus alten QueUen Eine Purim-Oper Unter den alten Purimspielen, die uns handschriftlich oder im Druck erhalten sind, ist das bekannteste das „Spiel von' Esther und Ahasverus“ welches Johannes Jakobus Schudt in seinen 1708 in Frankfurt erschienenen „Merkwürdigkeiten“ (MI. Teil, S. 202—225) genau wiedergibt. Weit weniger genau durchforscht, obwohl stofflich und „büfonentechnisch“ viel interessanter, ist ein zehn Jahre später, im Jahre 1718 erschienenes Spiel, von dem (laut Steinschneiders Bibliographie) ein stark defektes Exemplar sich in der Rosenthaliana befindet. Das Amsterdamer Exemplar umfaßt 13 Blätter und führt den Titel: „Ahaschverosch-Spiel auf einen neuen ojfen1) gleich einer Opera.“ Ignaz Schipper und 1, Schatzki in ihren historischen Arbeiten über die Geschichte der jüdischen Bühnenkunst und -literatur erwähnen dieses Spiel nur kurz; Dr. M. Weinreich hat in einer Arbeit „Zur Geschichte des älteren Ahaschverosch-Spieles“, welche in dem eben erschienenen zweiten Sammelband der literarhistorischen Abteilung des jüdisch-wissenschaftlichen Instituts erschienen ist, diesem Spiel eine ausführlichere Besprechung gewidmet und es zum großen Teile wörtlich wiedergegeben (seiner Wiedergabe folgt die im nachstehenden gebrachte Uebertragung des Vorspiels). Das Spiel, welches tatsächlich aufgeführt wurde, ist aus mehreren Gründen interessant: Vor allem enthalt es ein in dieser Gattung sonst unbekannte« Element: die Pantomime, zu der ein Sprecher (im „Regiebuch“ wird er „Meliz“ genannt) den Text spricht; ferner ist, völlig abweichend von den anderen Ahaschverosch-Spielen, die Figur des Mordechai keine komische, sondern hat sehr ernste melodramatische Züge. Endlich aber läßt die Ausdrucksweise, die in diesem Stück herrscht, die Sprache, welche (bis auf gelegentliche jüdische Ausdrücke in den Regiebemerkungen) durchaus deutsch ist, vermuten, daß es sich um eine wörtliche, nur für das jüdische Publikum sozusagen .graphisch oder op- Drei Holzschnitte aus dem 1720 in Prag gedruckten Pnrimspiel „Acta Esther“, Links oben Mordechai, rechts Haman, unten eine Gruppe Narren. tisch zureohtgemaChte Abschrift eines deutschen Spieles handelt, wahrscheinlich eines Singspieles, dem eine musikalisch untermalte Pantomime vorausging. Manche Szenen haben durchaus melodramatischen Charakter. Es wäre eine dankbare Aufgabe, die deutsche Vorlage für diese Purim-Oper aufzuspüren; es könnte dabei vielleicht ein verschollenes musikalisches Werk ans Licht kommen und es würden sich interessante Beziehungen zwischen dem deutschen und jüdischen Kulturkreis dieser Zeit ergeben. Der uns erhaltene Text beginnt mit einer Regiebemerkung, in der zunächst von Interesse ist, daß eine Art von Drei-Etagen-Bühne vorgeschrieben ist (sicher nicht bei der jüdischen Aufführung verwendet, sondern für die deutsche Aufführung gedacht); dann heißt es: „Scheniß2) muß die ganze Historie gezeiget werden in in vier stillen Aufzügen, daß die Gardinen aufgezogen werden und die Personen stehen ganz verzückt und keiner darf ein Glied rühren, ja nicht rühren, sondern allein der Meliz8), welcher die Einladung tut. Die anderen aber müssen also verzückt stehen, bis der Meliz zu Ende geredet.“ Es handelt sich also um eine Art von lebenden Bildern, vier an der Zahl, zu denen der Sprecher (Sänger?) die Erklärung gibt Zunächst ist Prolog, wie dm englischen Komödiantenstück; er lautet hier: „Weil Gottes groß Gnadenlicht Uns gnädig angeschienen, *) Art, *) Zweitens, 8) Sprecher. Und uns von Hamans falsch Gedicht Mit Wundem ließ entrinnen — Darum wir diese Monatszeit Pflegen zu zelebrieren, Mit Lobgesang und Herzensfreud Dem Höchsten zu psalmieren. Des Haman große Tyrannei Auf seinem Kopfe endet. Un9 macht sie ledig ganz und frei. Ihm wird sie zum Spott vollendet. Dessentwegen wir jetzt intendieren Hamans Wunderhistorie Ad vivum zu repräsentieren Zu Gottes höchster Glorie, Dazu ich will all' insgeneral (— generell, insgesamt) Gar freundlich invitieren, Weil ich ein jeden insgeneral Nicht weiß zu titulieren. Primo wird werden repräsentiert Ahasveri reicher Magen, Wie er alle Fürsten hat gastiert Durch hundertachtzig Tage,“ Es sei gleich bemerkt, daß die Uebertragung aus dem jüdischen, d. b. mit hebräischen Lettern geschriebenen Text, hier und auch später fast wörtlich ist; sie liest sich als deutscher Prolog. Es folgt nun als erstes lebendes Bild: Der König sitzt auf seinem Thron, die Rechte mit dem Schwerte gegen Waschti ausigestreckt, die zum Tod verurteilt ist; die Linke mit dem goldenen Szepter neigt sich gegen Esther, die (lächelnd das Szepter küßt. Waschti kniet weinend, hinter ihr steht Haman mit wutverzerrtem Gesicht und gezogenem Schwert. Seitwärts steht Mordechai und deutet auf die zwei Verschwörer, die, vom Henker an den Fesseln gehalten, unter dem Galgen stehen; der Kanzler bricht den Stab über sie. Der Sprecher sagt den erklärenden Text: „Als nun der König also banquettiert, Hat ihm der Wein da9 Herz verführt. Waschti zu bringen Befehl er gab Nackt vor seines Hofes Stab. Waschti die Königin tat protestieren. Darüber mußt’ sie ihr Leben verlieren. Aber Esther durch Gottes Gnad‘ Erwählt ward an ihrer Statt. Sie hatt’ solviert des Königs Leben, Und die ihm wollten mit Gift vergeben, Sie beide wurden aufgefangen Gleich wie verdient hat ihr bös Verlangen.“ Ein musikalisches Zwischenspiel — so schreibt es der Text vor — leitet zum zweiten Büd über, dos wieder vom Sprecher erklärt wird; es zeigt, wie der König (Haman die Erlaubnis gibt, die Juden auszurotten. Esther tritt weinend vor den König. Im dritten Bold sitzt Mordechai auf dem Roß des Königs und (Haman führt das Tier weinend. Der König und Esther sehen vom Thron her dem Schauspiel zu, Esther dankt dem König. Das letzte Bild zeigt Mordechais zur Rechten des Königs, während Haman zum Galgen geführt wird. Der Sprecher bittet um Geduld: „Also wollen wir repräsentieren Die Wunderhdstorie. Bitte ein wenig zu patientieren Zu Gottes höchster Glorie.“ Dann beginnt das gesprochene Stück, von dem fünf Aufzüge erhalten sind- Erster Aufzug: Der König läßt das große Festmahl ankündigen. Zweiter Aufzug: Festmahl. Dialog zwischen dem König und den Höflingen: „ . . . unter welchen Nationen sein wohl die schönsten Weibspersonen7“ Befehl des Königs an Wasch ti. Waschti weigert sich, zu erscheinen. Haman rät auf Grund seiner Studien „an hohen Universitäten“ zu Waschtis Tode und führt daxm auch die Exekution aus, die im ganzen Lande verkündet wird. Der dritte AiuSzug zerfällt in drei Teile; der eine spielt im Königsschloß, wo Ahaschverosch den Befehl gibt, ihm die schönsten Frauen zur Wahl zu bringen. Im zweiten Teil, der in Mordechais Hause spielt, rät Mordechai seiner Nachte Esther, «ich versteckt zu halten, „damit er sioh nicht in dich verliebe und mich dadurch ziu Tode betrübe; denn die Weiber gar leicht vom Sinne sein und sehr beweglich zu Ja und Nein". Doch Haman ersieht Esther und führt sie nach .Susa. 'Im dritten Teil erfolgt die Begegnung des Königs mit Esther; sie findet Wohlgefallen in seinen Augen und er setzt sie an Waschtis Platz. Der vierte Aufzug bringt die Verschwörung gegen das Leben des Königs. Die beiden Verschwörer flüstern in lateinischer Sprache: „Mittamus manum in regem; Veneno occidamus regem." Mordechai, der offenbar des Lateinischen kundig ist, erzählt Esther, was er in einem Versteck gehört hat; sie teilt es dem König mit und die Verschwörer werden gehängt. Im r Behördlich konzessionier! es Frachten-, Tarif-, Kevisions- und Mlainationsbureao PCTFIN Wien,XIH,Trauttmansdorffg.8 ■ 3 I kill| Telephon 85-2-19 besorgt die Üoerprüfung von Frachtdokuraentenu. Durchführung von Reklamationen wegen Mehrfracht, Beschädigung, Verlust, Minderung und Liefer ristüberschreitung. Übernahme der Überprüfung der Tariflage von Indust'ieu.Handelsunternehmungenu. Intervention beiden Behörden. Frachtauskünfte und Ausarbeitung von Versand Vorschriften. V «.r I a n g n Sli Speilalof ftr t«l —rr

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.