Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1 (1928)
- Issue
- Heft 9 (1.3.1928)
- Date
- 1928-03-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 9 DIE STIMME Serie 9 SCHREIBMASCHINE SMITH PORTABLE BILLIGER BEQUEME TEILZAHLUNG! B UNENTBEHRLICH FÜR BÜRO UND PRIVATGEBRAUCH 1 GENERALVERTRETUNG: WIEN I. LILIENG. 1, TEL. 78-207 die Beseitigung Deutschlands als Nationalstaat bis heute Id* gende Mittel angewandt: a) Der „Grand Orient de France“ ^französische Hochgradireimaurerei) hat das Attentat gegen das österreichische Thronfolgerpaar beschlossen und durchröhren lassen; b) infolge dieses Attentats ist am 2. August 1914 der Weltkrieg mit den Kriegserklärungen aller Machtstaaten der Erde planmäßig entbrannt. Deutschlands Rüstungen wurden durch jüdisch-freimaurerische Irreführung der öffentlichen Meinung, durch Pressefehden, Reichstagskämpfe usw. sabotiert. Durch den Beitritt Deutschlands in den freimaurerischen Völkerbund wurde die erste Stufe zur Anerkennung der Dik-» tatur einer überstaatlichen Macht gebaut.'' ■— Wir begnügen uns mit der Wiedergabe dieses verworrenen Zeuges, ohne einen Kommentar beizufügen. Es will uns scheinen, daß über das Zustandekommen derartiger „Enthüllungen“ nur ein Psychiater Auskunft geben könnte. Glosse Frau Ludendorff hat eine herrliche Entdeckung gemacht. Das Mondkalb verriet es ihr im stillen (wie Christian Morgenstern sagen würde), daß die Juden eine „Mondnatur" hätten. Was eine Mondnatur sei, dürfte man einem Menschen mit fünf gesunden Sinnen kaum erklären können. Jedenfalls ist es etwas Schändliches. Im Anschluß an Frau Ludendorffs Entdeckungmeldet sich jetzt in der „Stuttgarter SonnlagszeittuSg” ein Leser, der vorgibt, die Juden auf einer Schandtat ertappt zu haben, die bei weitem schlimmer sei als die sicherlich sehr scheußliche „Mondnatur*1, Die Zuschrift, von einem wackern deutschen Mann an ein treudeutsches, christliches Blatt gerichtet, hat folgenden Wortlaut: ,,Im Anschluß an Frau Ludendorffs Entdeckung erlaube ich mir auf eine andere, noch viel schlimmere jüdische Schandtat hinzuweisen. Die Juden müssen es auf okkulte Weise, wahrscheinlich mit Hilfe von kabbalistischen Zaubersprüchen, fertig gebracht haben, uns Deutschen unser bisher unveräußerliches, höchstes Kulturgut, unsere Sprache, wegzueskamotieren. Sie sind infolgedessen in der Lage, in ihren Büchern und Presseerzeugmssen, mit denen sie uns vergiften, ein hervorragendes Deutsch zu schreiben; während unsere garantiert deutschen Männer ihre arme Muttersprache heutzutage in einer Weise radebrechen, daß einem die Haare zu Berg stehen möchten. Ja treudeutscher das Herz, desto miserabler das Deutsch das aus der Feder strömt.“ — Diese Feststellung sagt im Grunde nichts Neues. Daß die Deutschvölkischen und sonstigen deutschen Antisemiten mit der deutschen Sprache nicht auf sonderlich gutem Fuße stehen, ist eine alte Erfahrung, Wir glaube© die Ursache hiervon zu kennen. Sprachverhunzung und Sprachverwilderung treten immer dort ein, wo ein überhitzte*- Nationalismus sich ausschließlich in Fremdwörterhaß und Fremdvölkerhaß erschöpft. Würden die Herren, statt das Fremde zu hassen, mehr das Eigene lieben, sie würden vernünftiger denken und besser schreiben. Hypothekenkredit für Tel"Aviv In „Palestine and Near East“ vom 30. Jänner 1928 ist ein Leitartikel und ein Aufsatz von Suprasky, Tel-Aviver Fragen gewidmet, vor allem dem Problem der Beschaffung von Hypothekenkredit. Er gibt eine Reihe interessanter Daten: Palästina Der Balfour-Wald in Palästina Die Pflanzungsleier. — Ansprachen von Oberkommissar Lord Phimer und Sir Allred Mond. — Kundgebungen von Lord Ballour und Lloyd George. Aus Jerusalem wird uns berichtet: Sir Alfred M ond ist von seinem Besuch im Irak wieder in Palästina eingetroffen, wo er bis anfangs. März verbleibt. Auf seiner Reise nach Jerusalem wurde Mond in Bouziah von dem Beduinenscheich des Huleh-Distrikts feierlich vor dem versammelten Stamm begrüßt. Der Scheich des der jüdischen Kolonie Rosch P i n a h benachbarten arabischen Dorfes begrüßte Sir Alfred Mond als den Repräsentanten der jüdischen Brudernation, die mit dem Arabertum an der gemeinsamen Aufgabe des Wiederaufbaues Palästinas arbeitet. In Jerusalem verhandelte Sir Alfred Mond mit jüdischen Fabrikanten über die Bildung einer Gesellschaft für Absatz der Palästina-Produkte im Ausland. Sir Alfred Mond sagte, er beabsichtige, die Unterbringung der Palästina-Tabake auf dem englischen Markte durch Vermittlung der Bernhard Baron-Zigaretten-Industrie zu organisieren. Sir Alfred Mond wohnte am 23. Februar der Feier der Pflanzung der ersten Bäume im Balfour-Wald bei. Der Wald wird in der jüdischen Kolonie G i n g a r bei Nazareth im Emek- Jesreel angelegt. Den ersten Baum pflanzte der Oberkommissär Feidmarschall Lord P 1 u m e r, den zweiten Sir Alfred Mond, es folgten das Mitglied der Zionistischen Exekutive Harry Sacher, der Leiter des Jüdischen Nationalfonds N. M. Ussis c h k i n, der Vorsitzende des Waad Leumi David Yellin. Bei dem zu Ehren der Festgäste veranstalteten Frühstück in Nahalal sprach N. M. Ussischkin im Namen des J ü d i s ch en Nationalfonds, auf dessen Boden der Wald angelegt wird, den Toast auf den König von England. Ferner sprachen Harry Sacher für die Zionistische Exekutive und David Y e 11 i n für den Waad Leumi. Sodann ergriff Sir Alfred Mond das Wort, der einen hoffnungsvoll ausklingenden Ueb erblick über die Lage in Palästina gab und ausführte, die zionistische Bewegung sei jung und darum ungeduldig, aber Zion sei tausende Jahre alt und habe sich nach Mißerfolgen immer wieder zur Höhe erhoben. Oberkommissär Lord P 1 u m e r betonte in seiner Ansprache die große Bedeutung, die das Aufforstungswerk für das Land hat und sagte, das jüdische Aufforstungswerk werde beispielgebend sein. Die Regierung werde die Aufforstungstätigkeit unterstützen. Sir Alfred Mond (links) mit Harry Sacher (rechts), dem Mitglied der Palästina-Exekutive i V, -- _V ' OHM Es wurde sodann eine Kundgebung Lord B a 1 - f o u r s verlesen, in der es heißt: »Ich halte es nicht für nötig, mein tiefes Dankgefühl auszudrücken für die mir erwiesene Ehre, indem man den im Tale Jezreel angelegten Wald nach mir benennt. Denn das Gefühl persönlicher Genugtuung, so stark es ist, ist gering gegenüber der Freude, die ich angesichts dieses bedeutsamen Schrittes in der wirtschaftlichen Entwicklung Palästinas empfinde. Aufforstungsarbeit ist ein langsames Geschäft, aber es ist sehr wichtig. Obgleich ich nicht hoffen kann, die Früchte dieses Werkes zu meinen Lebzeiten zu sehen, bin ich der Zuversicht, daß es in jeder Beziehung von unermeßlichem Nutzen für die Zukunft des Landes sein wird.« Lloyd George, der zur Zeit der Verkündigung der Balfour-Deklaration britischer Premier war, sandte das folgende Telegramm: »Ich freue mich, daß nun der Balfour-Wald, dieser wohltätige und dauernde Tribut der britischen Judenheit für den hervorragenden britischen Staatsmann, eingeweiht wird. Der Name des Waldes wird ewig mit der historischen Balfour-Deklaration verbunden sein, die von einer Regierung, deren Oberhaupt ich war, erlassen worden ist.« Sir Herbert Samuel, der erste Oberkommissär für Palästina, telegraphierte: »Möge der Balfour- Wald dauern, wie sein Name dauern wird.« Die zionistische Sektion Prater gratuliert ihrem Vorstandsmitglied David Paporisch anläßlich der Vermählung seiner Tochter. Tel-Aviv bedeckt eine Fläche von 6500 Dunam und zählt 3340 Häuser mit 21.400 Wohnräumen. Die Durchschnittskosten für den Bau eines Wohnraumes betrugen im Durchschnitt 2 Pfund. So ergibt sich, daß in die Bauten Tel- Avivs mehr als 4 Millionen Pfund investiert wurden; unter Berücksichtigung der Bodenpreise und der Ausgaben für Straßenbau und Wasserversorgung etwa sechs Millionen Pfund, Von diesem Betrage wurden 679.357 Pfund, also 11H Prozent, in Hypotheken gegeben. Diese Hypothekenkredite fallen auf 11.510 Häuser, also nur auf 35 Prozent aller Häuser. Die Behauptung, daß Tel-Aviv eine halb verlassene Stadt mit zahlreichen leeren Wohnungen sei, wird von Suprasky durch Ziffern widerlegt: im März 1927, also auf dem Höhepunkt der Krise, waren nur 8 Prozent der Wohnungen unbewohnt, was auch in Europa als eine normale Ziffer anzusehen sei. Dieser Ziffer stünden im übrigen zahlreiche Wohnungen gegenüber, wo nach europäischen Begriffen zu viel. Menschen wohnten. Selbst ohne neue Einwanderung werde in Kürze eine neue Bautätigkeit beginnen müssen. Deshalb 9ei H y p othekenkredit die Forderung der Stunde, zunächst mit der Aufgabe, die kurzfristigen Kredite in Hypothekenkredite umzuwandeln. Dann werde die zweite Aufgabe sein, den Eigentümern der bisher unbelasteten Häuser, welche mehr als 60 Prozent aller Häuser in Tel-Aviv ausmachen, Hypothekenkredit zu geben, um ihnen eine anderweitige Verwendung ihres Kapitals zu ermöglichen. Die freiwerdenden Kapitalien sollten in der Hauptsache für zwei Aufgaben verwendet werden: zur Kreditgewährung an mittlere und kleinere Industrieunternehmungen in Tel-Aviv und zur Anlage neuer Pflanzungen in der Umgebung, * Der neue Gesetzentwurf über die städtische Immobiliensteuer ist in der Jerusalemer »Official Gazette« erschienen. Nach dem Entwurf wird der High Commissioner ermächtigt, Bestimmungen über eine Schätzungssteuer an Stelle der bisherigen »Werko«-Steuer für Häuser- und Grundbesitz in den Städten festzusetzen. Diese Steuer darf 12.5 Prozent des Reinertrages des betreffenden Hauses oder Bodens nicht .übersteigen. Der Reinertrag wird festgesetzt auf Grund des jedes Jahr bezahlten Mietzinses nach Abzug gewisser festgesetzter Beträge für Reparaturen und andere Ausgaben. Der Gesetzentwurf ermächtigt auch den High Commissioner, Häuser, deren Jahresertrag 10 Pfund nicht übersteigt, von der Steuer gänzlich zu befreien, falls die Eigentümer selbst im Hause wohnen, Die Steuer kann nicht nur beim Hausbesitzer, sondern auch beim Mieter eingezogen werden, der den entsprechenden Betrag dann von seinem Mietzinse abziehen kann. Dadurch wird eine gewisse Zahl von Nichtsteuerzahlern jetzt in die Kategorie der Steuerzahler eingereiht und so die Kommunaldemokratie erweitert. Bekanntlich hat gerade in Tel-Aviv die Frage des Wahlrechts der keine Steuer zahlenden Mieter seinerzeit zu großen Differenzen geführt. * Das Mitglied der Palästina-Exekutive Colonel Ki s h reist in den nächsten Tagen nach Südafrika, um dort an Stelle Weizmanns, der am 29. Februar nach Amerika abgereist ist, die Keren - Hajcssod - Kampagne durchzuführen; Colonel Kisk wird etwa vier Monate von Palästina abwesend sein.