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Die Stimme · 1928-03-01 · Heft 9 (1.3.1928) · page 6

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 9 (1.3.1928)
Date
1928-03-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 DIE STIMME Nr. 9 Tuchhaus Münz tlfl AVI I 4 u"4 Wien la Kraatrflau« 11 tuiaiigt RotcnturniiraN 11—1t Import original englischer und schottischer DamenunJ Herrenstoffe Detailverkauf zu Engrospreisen i!4.6 Millionen Juden in der ganzen Welt In dem soeben erscheinenden „American Jewish Year 'Book" für das Jahr 5688 veröffentlicht der Direktor der informatorischen und statistischen Abteilung des Bureaus •..Jewish Social Research", Dr. H. S. Linfield in New York, eine interessante Studie über die Zahl der Juden der ganzen "Veit, die auf einem reichhaltigen Quellenmaterial beruht. Der Verfasser gelangt auf Grund sorgfältiger Schätzung zum ^Schlüsse, daß die Zahl der Juden der ganzen Welt 14.6 Millionen betrage, auf die Kontinente verteilt: Europa .<*.6 Millionen (65 Prozent aller Juden), Amerika 3.9 Millionen (26 Prozent aller Juden), Afrika 583.670, Asien .S70.138, Australien 24.578 Juden. In Amerika leben die übergroße Mehrzahl der Juden in Nordamerika, nämlich 3.7 Millionen, wo sie 3.4 Prozent der Bevölkerung ausmachen. Die dichteste jüdische Bevölkerung in Europa ist bekanntlich im Osten und Zentrum des Kontinents. In Asien leben in größerer Zahl Juden nur in Palästina und den arabisch sprechenden Teilen, wo sie 1.6 Prozent der Bevölkerung bilden. (Palästina hat eine Gesamteinwohnerzahl von 887.000 ■Seelen, wovon 157.800 Juden sind.) Die große Mehrheit der jüdischen Bevölkerung Afrikas lebt im Norden entlang dem Mittelmeer, in Abessinien nennt die Statistik 50.000 FaJaschas. Die Stadt mit den meisten jüdischen Einwohnern ist bekanntlich New York, das laut einer Zählung vom Jahre *920 bei einer Gesamtbevölkerung von 5.8 Millionen Menschen, 1,643.000 Juden aufweist. Chicago zählte im Jahre 1922 an jüdischen Einwohnern 285.000, Philadelphia 340.000, Cleveland 80.000, Baltimore 68,000, St. Louis 55.000, Los Angeles 43.000, Pittsburgh 43.000, Detroit 39.000, San Francisco 26.000, Cincinnati 24.000; im übrigen gibt es in Amerika 160 Städte mit mehr als 1000 jüdischen Einwohnern. In den übrigen Ländern befinden sich folgende größere jüdische Zentren; W arschau 309.165 Juden (33 Prozent der Bevölkerung) Budapest 217.545 (23.5 Prozent), Wien 201.513 (10.8 Prozent), Berlin 172.672 (6.3 Prozent), Lodz 155.860 (34.5 Prozent), Kiew 128.141 (47 Prozent), Amsterdam 67.249 (10.4 Prozent), Moskau 86.171 (6.04 Prozent). Interessant ist die sprunghafte Zunahme der Juden in Nordamerika, i. J, 1818 zahlte man dort nur 3000 Juden, 1888 bereits 400.000, 1897 937.800 und 1910 bereits 2 Millionen, Auch während des Krieges, bis zum Inkrafttreten der Einivanderungsbeschränkungen, hat Amerika noch eine starke Zunahme der jüdischen Einwanderung zu verzeichnen: 1914 zählte die jüdische Bevölkerung 2.9 Millionen, 1920: 3.6 Millionen. Im Fiskaljahre, das im Juni 1926 abtief, wurden 10.267 Juden nach den Vereinigten Staaten hereingelassen; abzüglich 341 jüdischer Rückwanderer, beträgt die Netto-Einwanderung i. J. 1926 9,926 Juden oder 3.4 Prozent der Gesamteinwanderung. Die meisten dieser Einwanderer, nämlich 6288, kamen aus Polen, weitere große Teile aus Rumänien und Deutschland. Vom Juli bis Dezember 1926 wurden,nur 5614 Juden nach Amerika als Einwanderer zugelassen oder 3.2 Prozent der Gesamteinwanderung in dieser Zeit. Auch nach Kanada ist in den letzten Jahren eine beträchtliche jüdische Einwanderung zu verzeichnen. Von 1901 Ms 1925 wanderten fast 100.000 Juden dorthin ein. In dieser Ziffer sind die aus England und Nordamerika nach Kanada -jingewanderten Juden nicht inbegriffen, sodaß die genannte Zahl wesentlich höher sein dürfte. Nach Argentinien wanderten bis Ende 1926 64.757 Juden ein, was 3.6 Prozent der Gesamteinwanderung entspricht. Die Arbeit Linfields verzeichnet für Palästina folgende Zahlen: vom Tage der britischen Okkupation Palästinas (9. Dezember 1917) bis Ende 1926 wanderten 93.887 Juden und 3298 Nichtjuden nach Palästina e i n. Der »revidierte« Numerus clausus in Ungarn Nach wochenlangen Debatten hat das ungarische Abgeordnetenhaus am 24. Februar den Entwurf betreffend die Revision des Numerus-clau9us-Gesetzes in namentlicher Abstimmung mit 139 gegen 32 Stimmen angenommen. Damit ist rine Komödie zu Ende, welche für den Völkerbund aufgeführt wurde, vor den sich Graf Bethlen, der Hüter der ungarischen ,,Ordnung‘‘, in den Zeiten höchster Not, nach der Kompromituerung seiner Regierung durch die Francsfälscheraffäre, hatte verpflichten müssen, den Numerus clausus abzuschaffen. Inzwischen hat sich freilich die internationale Position Ungarns durch die Anlehnung an Italien verbessert und die ungarische Regierung darf es sich sogar erlauben, ungestraft den Völkerbund zu verhöhnen, wie es in der Waffenschmuggellffäre von St. Gotthard eben jetzt geschieht. Eine gleiche Verhöhnung des Völkerbundes ist die jetzt durchgeführte „Revision" des Numerus clausus. Denn von der Abschaffung des Numerus clausus, zu der sich Bethlen verpflichtet hat, ist keine Rede. Es ist nur die Kompetenz für die Anwendung des Numerus clausus gewissermaßen verschoben. Um dies zu rechtfertigen, hat sich, wie noch erinnerlich, gleich bei Beginn der parlamentarischen Behandlung des Gesetzes die Regierung Studentenunruhen bestellt. So konnte sie darauf hinweisen, daß die Zeit für völlige Aufhebung des Numerus clausus noch nicht gegeben sei, Die Schande dieses Gesetzes besteht weiter, und es ist traurig genug, daß sich die Welt durch die politischen Taschenspielerkünste täuschen läßt. Die Regierung Bethlen will jetzt eine Fisenbahnanleihc aufnehmen und wird sicher den revidierten Numerus clausus in ihre Kreditgrundlagen aufnehmen. Die Gewissenlosigkeit der Hüter der ungarischen Ordnung baut eben auf die Gewissenlosigkeit der Welt. Wir ersuchen allen Manuskripten, die uns nicht Bber Verlangen eingeaendet werden, Rückporto beizulegen, da sonst Rücksendung nicht eriolgt. Die jüdische Presse auf der Internationalen Presseausstellung in Köln Auf der Internationalen Presseausstellung („Pressa") in Köln, die vom 1. (Mai bis 15. Oktober stattfindet, wird •auch eine eigene Abteilung der Geschichte und dem Stande der jüdischen Presse der ganzen Welt in den einzelnen Landessprachen ebenso wie der jiddischen und hebräischen Presse gewidmet sein. Für diese jüdische Sonderschau auf der Presseausstellung („Jsop“) hat sich in Köln unter dem Vorsitze des Justizrates Dr. Boden heim er ein vorbereitender Ausschuß gebildet, der ebenso wie ein biefür eingerichtetes Büro in B e r 1 i n das statistische, historische und graphische Material aus der ganzen Welt besorgt und die jüdische Abteilung der Ausstellung .arrangiert. Die Repräsentanz der jüdischen Gemeinde in Köln hat der jüdischen Sondersch.au ein Darlehen von 2 5.0 0 0 Mark .bewilligt. Dadurch ist «s möglich, die jüdische Abteilung der Ausstellung in einem eigenen Pavillon unterzubringen, der naoh dem Entwurf des Kölner Architekten Robert Stern auf einem zirita 500 Quadratmeter großen Gelände errichtet ward. Den Mittelpunkt der Sonderschau wird die historische Abteilung bilden, u. a. die für die Geschichte der Juden in den einzelnen Ländern wichtigen und charakteristischen Mitteilungen, das, was vor dem Erscheinen regelmäßig erscheinender Zeitungen, Zeitschriften von wichtigen Angelegenheiten der ■ jüdischen Gesamtheit und jüdischer Gemeinden Nachricht gab; so z. B. Sendschreiben, Flugblätter, Streitschriften, Einbiatt- und Gelegenheitsdrucke, Anschläge von Gemeinden und dazugehörigen graphischen Illustrationen, dann selbstverständlich Zeitungen und Zeitschriften, die' der Vergangenheit angehören. Den wichtigsten -Raum wird die jüdische Presse der Gegenwart einnehmen, welahe eine Uebersioht über fast sämtliche Länder der Erde bieten wird, in denen allen die jüdische Presse heute vertreten ist. ■ . rk'Mi, Entwurf des Pavillons von Architekt Stern für die jüdische Sonderschau auf der Internationalen Presseausstellung in Köln. Jüdische Fragen bei der nächsten Konferenz der Völkerbundligen« Die nächste Tagung der Union der Völkerbtmdligen beginnt am 15. März in Brüssel. Sie wird zwei Fragen, welche die Lage der Juden betreffen» in Rf*handlun£ ziehen, und zwar die letzten Ereignisse in Rumänien sowie die Frage der Zwangssonntagsruhe in Griechenland. Die letztgenannte Frage, die dadurch von Wichtigkeit ist, da durch die Zwangssonntagsruhe in Griechenland besonders die Juden in Saloniki wirtschaftlich geschädigt werden, wurde schon bei der letzten Völkerbundligen-Tagung behandelt; damals stellte der Vertreter der griechischen Völkerbundliga genaue Erhebungen in Aussicht, die nunmehr der Union vorßelegt werden. Auf der Tagung werden die in den einzelnen Ländern bestehenden jüdischen Völkerbund 1 i g e n wieder vertreten sein. Die jüdische Völkerbundliga für Palästina entsendet die Herren; Disengoff, Dr. F e i n b e r g und Doktoi M o t z k i n als Delegierte, die jüdische Völkerbundliga in Oesterreich dürfte die Tagung auch mit einer dreigliedrigen Delegation beschicken, der, wie wir erfahren, die Herren Dr. Oskar Karhach, Dr. Isidor Margulies und Dr. Leo G o 1 d h a m« m e r angehören sollen; Dr. Goldhammer wird gleichzeitig das Mandat der österreichischenVölkerbundliga innehaben. Die jüdische Völkerbundliga in Bulgarien entsendet zwei Vertrour in cJpr Tschechoslowakei Herrn Dr. Emil Margulies. Nathan Straus an Dr. Weizmann Als Erwiderung auf den Glückwunsch, den Dr. Weizmann Nathan Straus zu seinem 80, Geburtstag gesandt hat, ist vom Jubilar, wie uns aus London gemeldet wird, folgendes Danktelegramm eingelangt; „Herzlichsten Dank für Ihre guten Wünsche, die mir besonders wertvoll sind, da sie von einem Manne stammen, mit dem mich heilige Bande des Dienstes für und der Liebe zu Erez Israel verbinden. Unter Ihrer weisen, wohltätigen und geduldigen Führung sind wir endliah so weit gekommen, daß wir vorwärtsblicken können auf das verjüngte Heilige Land, das allen Mensahen die Lehre des Friedens und der menschlichen Verbrüderung geben "wird.“ Zu Ehren Nathan Straus' wird von der Bnei- Benjamin - Organisation, einer Kolonisationsgesellschaft für Kinder palästinensischer Eltehn, eine neue Kolonie errichtet, die zwischen den Kolonien Herzlia und Benjamina gelegen ist und den Namen »Nathania« tragen wird. Wochen-Kalender März 1928 Gedenktage rrEnn tw 1 Donnerstag 1835 - Prof Wilhelm Wlnternl'z, der wissen sehaftlic e Begründer der Hydrotner. ple, zu Josefstadt in Böhmen geb. 9 - B 2 Freitag 10 — 3 Samstag 1811 — Bernhard Wollt. Begtd ide> der Berliner .Nationalzeltung* u. d. Wolff-ichm Tel«- graphenbilros, zu Berlin gib. 1845 — Georg Cantor, der Begründer der Quantei theorle, itner d g ößten Mathema» tiker u. 19. J*hih., in Petersburg geboren. II - K» S*bba Sochor Haftarah: Kanomar 4 Sonntag 12 — y 5 Montag 1863 — Max Kempner-Hochstndt, bekannter deutlicher Schriftsteller, in Breslau geb. 13-r 6 Dienstag 1872 - der Sanskritforacher Prot. Theodor GoldstUcker, in London geMo ben. 187h - der Mder Hermann Struck, in Berlin geboren. 14 — 7 Mittwoch 15 - io Österreich Obermedizinalrat Dr. Samuel Krueger 50jähriges Aerztejubiiäum, — 30jährigcr Bestand seiner humanitären Hauptgründung „Elisabethheim“. <,v 1 »As 'V0wS Der Jubilar, der am 2. März sein 50jä!hriges Aerztejubiläum begeht und heuer auch «einen 75. Geburtstag feiern wird, darf befriedigt auf den Erfolg seiner vielgestaltigen Tätigkeit als Arzt und als jüdischer Philanthrop bdioken. D e r A rz t: Dr, Krüger war Assistent und Stellvertreter der Professoren Auspitz und Hebra, Armenarzt des III. Bezirkes, während des Krieges Stabsarzt und Spitalskommandant detf von ihm zur Verfügung gestellten Vereins-Reservespitals. Durch sein noch heute für das Kalb in Verwendung stehende „Epidermin" hat er sich um die Reinheit und Sicherheit der Schutzpockenimpifung verdient gemacht. Als sein größter ärztlicher Erfolg ist aber die Gründung de« hygienischen Institutes „Dianabad" anzusehen, dessen 'Initiator und Mitbegründer er war und wo er bis vor kurzem als Chefarzt wirkte. Der jüdische Philanthrop: Schon als junger Arzt stellte er sich freiwillig den jüdischen Waisenhäusern zur Verfügung. 15 Jahre war er Präsident und Arzt des jüdischen Krüppelheimes in Laa bei Neulengbach, 1897 gründete er den Wöchnerinnenverband, um den Grundstein zur Zentralisierung der gesamten jüdischen Fürsorge Wiens zu legen, und ist als Hauptgründer der „Zentralstelle für jüdische soziale Fürsorge" zu bezeichnen. Seine Sorge und seine Arbeit galt und gilt aber noch immer vor allem dem „Elisabethheiim", das in der ersten Hälfte dieses Jahres sein 30jähriges Gründungsjubilüura feiern kann. 5 jüdische Lehrmädchen wurden zuerst in einer Privatwohnung untergebracht. Heute befinden sich 80 Lehrmädchen und Arbeiterinnen in dem großen, eigenen Gebäude des Vereines. Seine Frauengewerbesohule und Lehrwerkstätte für Weißnähen, Kleidermachen und Sticken mit Oeffentlichkeitsrecht zählt 70 Schülerinnen, darunter 40 externe, Aus Anlaß des Doppeljubiläums wurde in der letzten Generalversammlung des Vereines „Elisabethheim" beschlossen, die einzigartige, mustergültige Anstalt zu Ehren ihres Gründers und 'Präsidenten in „Krügerheim" umzubenennen. --■-

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