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Die Stimme · 1928-03-01 · Heft 9 (1.3.1928) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 9 (1.3.1928)
Date
1928-03-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 9 DIE STIMME Seite 5 Sokolow ein Empfangsabend der Zionistischen Ortsgruppe statt, bei dem der Präsident der Ortsgruppe, Herr Karl Schwarz, dem Führer die Gefühle der Grazer Zionistenschaft verdolmetschte. Tempelvorsteher Seliger dankte mit einer hebräischen Ansprache Sokolow für seinen Grazer Besuch. Namens der jüdischen Studentenschaft begrüßte Med. F e i - g e r in einer längeren hebräischen Rede den verehrten Gast. Es folgten Begrüßungsansprachen der Vertreter der zionistischen akademischen Jugend, des Sportverbandes und des Generalsekretärs Dr. Gelber, für die Sokolow in einer launigen Ansprache dankte. Die Grazer Presse erörterte ausführlich die Anwesenheit des Präsidenten in Graz und die zionistischen Bestrebungen. Nach seiner Rückkehr aus Graz verbrachte der Präsident noch den Sabbath in Wien und reiste dann Sonntag, den 26. Februar, nach Sofia ab, um dort der Gründung des bulgarischen Pro- Palästina-Komitees beizuwohnen. Bei seiner Ankunft wurde Präsident Sokolow auf dem Bahnhofe in Sofia von den Repräsentanten der Jüdischen Gemeinde und den Vertretern der bulgarischen Zionistenschaft feierlich begrüßt. Die Gründung des bulgarischen Pro-Palästina-Komitees vollzog sich in überaus eindrucksvoller Weise unter Teilnahme der hervorragendsten Persönlichkeiten des Landes, der Mitglieder der Regierung und der Vertreter der gesamten Judenschaft Bulgariens. Sokolow über seinen Wiener Aufenthalt Ein Schreiben an den Präsidenten der Zionistischen Organisation Oesterreichs. Vor seiner Abreise aus Wien hat der Präsident der Zionistischen Exekutive, Nahum Soko- I o w, am 24. Februar folgendes Schreiben an den Präsidenten der Zionistischen Landesorganisation Oesterreichs, Dr. Leo Goldhammer, gerichtet.- Sehr geehrter Herr Doktor! Vor meiner Abreise aus Wien will ich Ihnen, sehr geehrter Herr Doktor, für die mir seitens der hiesigen Organisation und unserer Freunde zuteil gewordene liebenswürdige Aufnahme herzlichst danken. Ich habe mit besonderer Genugtuung und Freude feststellen können, daß in Wien und in Oesterreich die zionistische Arbeit unter Ih r er L e i t u n g ei n e günstige Entwicklung genommen hat und ich hoffe, doß das jetzt vorhandene Verständnis für unser Werk sich auch in praktischer Hinsicht zugunsten des Keren Hajessod auswirken wird. Ich bin überzeugt., daß Sie, sehr geehrter Herr Doktor, und die hiesige zionistische Leitung sich bemühen werden, die Arbeit für den Keren Hajessod zu konsolidieren, um die Eingänge aus Oesterreich entsprechend erhöhen zu können. Die Lage in Erez Israel hat sich in letzter Zeit wohl gebessert, umsomehr ist es daher notwendig, alle zionistischen Kräfte zu vereinigen und die Keren Hajessod-Arbcit zu intensivieren. Es ist mir daher eine besondere Genugtuung, feststellen zu können, daß die hiesige Organisation bemüht war, durch die Gründung des österreichischen Pro- Palästina-Komitees das größte Interesse der führenden Kreise Oesterreichs für den Aufbau unserer Heimstätte zu gewinnen. Mit großer Freude konnte ich auch ieststellen, daß dank Ihrer Aufklärungsarbeit die hiesige Presse unserer großen Sache lebhaftes Interesse entgegenbringt. Dank Ihrer gründlichen Vorarbeiten haben Sie es mir ermöglicht, die Konstituierung des Pro-Palästina-Komitees, sowie das Zustandekommen des an mich gerichteten Schreibens Ihres Bundeskanzlers zu einem erfolgreichen Abschluß zu bringen. Es ist ein großes Verdienst von Ihnen und Ihren Mitarbeitern, durch planmäßige Arbeit das Zustandekommen dieses Werkes bewerkstelligt zu haben. Sowohl die Gründung des österreichischen Pro - Palästina - Komitees, als auch die Deklaration Ihres Bundeskanzlers, die zweifellos als eine Erklärung der österreichischen Bundesregierung anzusehen und die in ähnlicher Form wie die bisher abgegebenen Erklärungen anderer Staaten erfolgt ist, sind Akte von ungemein wertvoller politischer Bedeutung, nicht nur für Ihre Landesorganisation, sondern auch für die Beziehungen unserer Organisation zu den internationalen politischen Faktoren, insbesondere aber zum Völkerbund, dessen Politik mit Ihrer Republik so eng verknüpft ist. Unsere Aufbauarbeit in Palästina steht unter dem Schutze des Völkerbundes. Sie haben daher durch Ihre Erfolge der zionistischen Gesamtorganisatiou einen großen Dienst erwiesen und durch Ihre Arbeit unsere Sache vorwärtsgebracht, Hiefür danke ich Ihnen und Ihren Mit» arbeitem namens der Zionistischen Exekutive und wünsche Ihnen in Ihrer weiteren Arbeit viel Glück und Erfolg. Mit herzlichem Zionsgruß Ihr Nahum Sokolow m, p. * Ein Glückwunsch der Zionistischen Exekutive. Von der Zionistischen Exekutive in London ist dem österreichischen Landeskomitee ein Schreiben zugegangen, in dem es u. a. heißt: »Es hat den Anschein, als ob Ihren sorgfältigen Vorbereitungen entsprechend die Arbeit des Herrn Sokolow in jeder Beziehung von Erfolg gekrönt war. Wir können nur annehmen, daß die Konstituierung des österreichischen Pro-Palästina-Komitees und die Besuche des Herrn Sokolow beim Bundespräsidenten und Wie es zu den rumänischen Studentenexzessen kam Die Mitschuld der Regierungen. Zu den Ereignissen in Siebenbürgen und in anderen Universitätsstädten kam es nicht rein zufällig. Eine Reihe von Erscheinungen hatte dem, was jetzt vorfiel, den Boden geebnet. Mit diesen Fragen und insbesondere mit der Frage der verschiedenen liberal übertünchten rumänischen Regierungen an den Untaten der Studenten beschäftigt sich die in Lugos (Rumänien) erscheinende Zeitschrift „Die Stimme der Minderheiten" in einem „Im Zeichen des Minderheitenschutzes" betitelten Aufsatz. Dort sagt das Blatt u. a.: „Um die genetische Entwicklung der Dinge zu verstehen, ist es notwendig festzuhalten, wie die Liberalen von Anfang an darauf versessen waren, die Juden außerhalb des Gesetzes zu stel- 1 e n. Der erste Schritt war die Entziehung des Rechtes zum Gebrauch der Muttersprache. Dieselbe Entrechtung der Juden bedeutet der von der Regierung geduldete Umstand, daß die jüdischen Studenten von den rumänischen Universitäten tatsächlich ferngehalten werden. Kein Gesetz schreibt einen Numerus clausus für Juden an den rumänischen Hochschulen vor, in Wirklichkeit besteht aber heute schon beinahe der Numerus n u 11 u s. Als natürliche Folge ergab sich die Meinung der Studenten, die sich bald auch in weiteren Kreisen verwurzelte, daß die Juden in jeder Beziehung außerhalb des Gesetzes stehen. Die Meinung konnte ferner durch die Beobachtung genährt werden, wie die Regierung, die allenfalls den übrigen Minderheiten mehr oder weniger nach Gebühr Z itschüsse aus der Staatskasse zukommen ließ, die» Juden allein auch in diesem Punkte entrechtete und die Stirne hatte, ihnen ein geringes Almosen statt des gesetzmäßigen bedeutenden Beitrages anzubieten. In einem anderen Sinne konnte hingegen die akademische Jugend der Meinung sein, daß sie außerhalb der Gesetze stehe, in dem Sinne nämlich, daß besonders das Strafgesetz nicht für sie verbindlich sei. Sie dürfte ungeahndet jahrelang die brutalsten Gewaltakte begehen: Judenschlägereien an Hochschulen, auf Eisenbahnen und in den Straßen der Städte, auch in Bukarest, vor den Augen der Regierung; die bei den schwachen Versuchen eines Widerstandes seitens der Regierung sofort folgenden Sistierungen des Besuches der Vorlesungen, die eine normale Lehrtätigkeit an den Hochschulen dauernd unmöglich machten und mit immer wieder erneuten und vermehrten Konzessionen an die jugendlichen Verächter der Landes- und akademischen Gesetze belohnt wurden; dies alles und noch manches andere, unter dem Deckmantel des Eifers für den „nationalen Gedanken" verübt (so daß nationaler Geist und Judenfeindlichkeit tatsächlich in einem und demselben Begriffe zusammenfielen) — mußte es nicht in den übermütigen Köpfen einer derartig erzogenen akademischen Jugend den Glauben an ihre Unantastbarkeit von Seiten der Gesetze, selbst bei sträflichster Uebertretung derselben durch schwerste und gemeinste Verbrechen, wachrufen und aufrechterhalten? Und in der Tat — ist es nicht dazu gekommen, daß der S t a d t p r äfekt von Jassy, der ausnahmsweise einmal die von den Studenten immer wieder gestörte Ruhe in der Stadt hersteilen wollte, für diese ,.Beleidigung des Nationalgefühles" der Jugend von einem Studenten vorsätzlich getötet wurde, der denn auch von einem Schwurgericht frei gesprochen und als nationaler Held gefeiert worden ist. um folgerichtig alsbald einen Sitz als Deputierter in dei gesetzgebenden Körperschaft einzunehmen? In ähnlicher Weise blieben die schwersten Verbrechen an Erschöpfung, nervöse Zustände futä ‘JUterserfcijeinuuflcu, Pie imrcfj Äalfablage rmtfloi entfteben, tnerben uorgebeugt burdj frei ocrtäuflidjcs „SRabioffleriti", bas bas Blut rtHffrifdjt, bie 9!bern elnftifd) nuufjt, bie 'Blut jirfulation bebt. 9tabium()el)nlt amtlich geprüft. Slpotbofe Bager 3Bien, I.,' 'Bo^eile 13. ‘ beim Bundeskanzler des österreichischen Staates auf die Oeffentlichkeit und besonders auf die Kreise der österreichischen Juden tiefen Eindruck gemacht haben, und wir möchten Ihnen zu diesem Erfolg, der hoffentlich ein nachhaltiger sein wird, unseren besten Glückwunsch aussprechen . . . . Die uns übermittelte Regierungserklärung ist in jeder Beziehung ein erwünschter Beitrag zur Befestigung unserer politischen Stellung,« Juden, wie Mordanschiag und ausgeführter Mord, von Seiten der Gerichte ungeahndet. Nach alledem brachte es die liberale Regierung fertig, nicht nur den Studentenkongreß in Großwardein, wiewohl er auschließlich innen- und außenpolitische Fragen auf die Tagesordnung gesetzt hatte, zu gestatten, sondern ihn auch durch Gewährung von Freikarten für Extrazüge und durch im Wege behördlichen Druckes erwirkte Freiwohnungen (darunter an tausend bei jüdischen Familien), ja, wie in der Deputiertenkammer, freilich nicht ohne Widerspruch seitens der Regierung, behauptet wurde, durch Ueberweisung von Geldern im Betrage von mehreren Millionen zu unterstützen. Rechtzeitig auf die zu erwartenden Ausschreitungen aufmerksam gemacht, versäumte es die Regierung nicht nur, die nötigen Vorkeherungen zu deren Abwehr zu treffen, sie gab vielmehr den Zivil- und Militärbehörden den ausdrücklichen Befehl, den Studenten gegenüber für keinen Fall von der Waffe Gebrauch zu machen. Daraufhin erfolgten die bekannten Exzesse." Daß der Minderheitenschutz, zu dem sich Rumänien verpflichtet hat, nicht entsprechend angewendet wird, darüber spricht sich der aus den angesehensten Bürgern der Vereinigten Staaten bestehende „Ausschuß für die Minderheitenkirchen“ klar aus, der die Verhältnisse in Rumänien durch eine Kommission hatte prüfen lassen. Der Vorbericht dieser Kommission liegt nun vor und erklärt auf Grund der angestellten Beobachtungen sowie der Berichte der rumänischen Regierung, daß „trotz der Ueberzeugung, daß sich die Lage einigermaßen gebessert habe und die Minderheiten heute mit etwas mehr Gerechtigkeit als vorher behandelt werden, es dennoch feststeht, daß ein großer Teil der öffentlichen Meinung Rumäniens nicht wünscht, daß den Minderheiten all die durch die Friedens vertrage ihnen verbürgten und von allen zivilisierten Nationen als ein Mindestmaß für die unabhängige Existenz eines freien Volkes als notwendig angesehenen Rechte gewährt werden. Der Ausschuß ist der Meinung, daß zwischen der vom Staate geschaffenen Verfassung, die in mancher Hinsicht freiheitlich ist, und ihrer Anwendung durch die B e a mt e n ein großer Unterschied besteht. Und was von der Verfassung gilt, daß kann auch von den die staatsbürgerlichen Freiheiten betreffenden Gesetzen gesagt werden. In vielen Fällen, davon einige notorisch sind, wurden die Gerichte eingeschüchtert oder von einigen Gruppen für deren Zwecke mißbraucht. Die Mörder Codreanu und T o t u, die einen Beamten der Polizei in Ausübung seiner Pflicht und einen unschuldigen jtidisehen Studenten erschossen, sind zwei krasse Beispiele. Die öffentliche Meinung der Welt wird eine Gesetzesverwaltung verdammen, die bewirkt, daß Menschen ohne Verteidigungsmöglichkeit es vorziehen, sich einsperren zu lassen, als sich den Gefahren der Straße auszusetzen. Daß dieses die Lage für die Juden ist, hat sich nachweisbar feststellen lassen.“ Samuel Untermyer 70 Jahre alt Der bekannte amerikanische Rechtsanwalt in New York, Samuel Untermyer, Mitglied der Anwaltfirma Guggenheim und Untermyer, der auch Louis Marshall angehört, feiert am 2. März seinen 70. Geburtstag. Untermyer, der im Jahre 1858 in Lynchburg (Virginia) geboren wurde und seit 1879 die Anwaltspraxis ausübt, ist Advokat der parlamentarischen Kommission des Staates New York für Bankwesen und Währung und wurde besonders durch seine Kalkulation zur Erhaltung des 5-Cents-Tarifs auf der New Yorker Untergrundbahn populär, durch welche die geplante Tariferhöhung auf 7 Cent» vermieden wurde. Untermyer ist Präsident de» Keren Hajessod in Amerika. Er baut auf eigene Kosten ein Stadion in der Universität Jerusalem. Untermyer zählt zu den populärsten jüdischen Persönlichkeiten der Vereinigten Staaten. Das jüdische Leben

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