Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1 (1928)
- Issue
- Heft 8 (21.2.1928)
- Date
- 1928-02-21
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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seltene DfC'STlMMB Nr. 8 «H4nd, Bfail<fel« und W1 '■'’ " " " a ’4' '*” PÜ; ,'Am 18. v. M. brachten die Tageajbiät^er*nachstehende ß^il: .Außenminister Briand hat detfl VöVstanjd 'der.;;]nt«^.f iÖtfi<tnalen Vereinigung der kriegsbeschtdagt^b und. ehefSiüigWbr]- FWnikämpfer, unter ihnen die oster r e ijC h i s c ih e a .DeCdi-‘:r garten Sr fentf e.£s z und 51| i Ys c h, einförmigen.“ — Di|s* 7 Zeitüngsffi&lchiirgwird iift Febt1iar-He<fL> drä „iFrbntikäfflpfiÖ'; fotj^detttiafteft glossiert: „B r i H n d itff IPänzÖsiSöher iMiiti- - sterpräsident und Minister des Aeußem; iBr'andeisz ist ein gesunder österreichischer Jud und als solcher Präsident des Landesverbandes Wien der Invaliden; Hirsch ist ein gesunder österreichischer Jud und als solcher ebenfalls ,Obe£* boftze der Wiener Invaliden. Man stelle sinh vor; ©raüdeise und Hirsch als Repräsentanten der österreichischen Frontkämpfer! Als Friedensmissionäre vor Briamd, dem französischen Premierminister! Nur schade, daß sich alle diese Dinge im Fasching ereignen, und Briand die Frage versäumte: Wieyielprozentig sind Sie invalid, <Monsieur Brandeisz, und woher haben Sie die Prozente?“ — Derartigem gemeinen Angriff kann man nur mit Verachtung begegnen; ihn zurückweisen, hieße, diesem schreibenden Gelichter zuviel Ehre antun. Hirsch, der Obmamn des Verbandes der Kriegsblinden ist, hat im Kriege das Augenlicht und beide Arme verloren; IBrandeisz ist 7$prozentiger Invalider. Nur feige Niedertracht kann den Mut aufbringen, zwei S’cthiwerinvalide mit Kot zu bespritzen. Wer ist schuld? Die Steglitzer Jugendtragödie, über deren letzten Akt der Vorhang noch nicht niederging, hat die Oeffentlichkeit nicht nur mit Grausen, sondern auch mit ernster Besorgnis erfüllt. Der Krantz-Prozeß hat das Rätsel von Steglitz nicht gelöst; nur eine Ahnung dämmert, daß es ein unheimliches Rätsel sei, dessen Lösung zugleich eine Warnung bedeuten würde. Eine Warnung und Mahnung an gewisse Eltern und Erzieher, die Jugend nicht sich selbst zu überlassen und sie "*r"- $.?. nismelf fllwiimOtt^gegen (Bis jücfisohe ciftudenf emTeinT und WtiW prügelten eine ^Amtahl..indischer Studenten. Sechs Stud€Sni(eh — in B uk arest haben 41?*! l&t'Jtt d e fef e jjjjjz|tet fia'J*|e ner, die sie für Juden hinten, att$ offner * tittiah insultiert. Das Kriegsgerfohi .verurteilte eihOn der Studenten fetf 20\ii*d übrigen zwei zu. ije 10 . Tagen Gefängiftis. . . .^feeiii tuiÖ^&chefiKuItUsmfflisler T a f £ r&Üs c u Erschien dtese£ Th,gO tfhe 'Abordnung der antisemitischen Studentenschaft und forderte die sofortige Freilassung der 40 noch in Haft befindlichen, bezw, die Amnestieftmg der vom Gericht wegen antisemitischer Ausscbfeitungerfy verurteilten Studenten, da sonst die Studentenschaft a ii G e w ä l 11 a t e n schreiten würde. Reichswehrsoldaten als Pogromhetzer Unter dieser Ueberschrift teilt der Berliner „Vorwärts" den folgenden Vorfall mit, der sich in Berlin in einem Lokal des Westens abgespielt hat: Zwei jüngere Leute, der eine in Reichswebrumiform, beschimpften in unglaublicher Weise anwesende Gäste, die sie für jüdisch hielten. Sie sprachen von den „Knoblauchfuden, die ausgerottet werden müßten", bezeichneten die Juden als „Deutschlands Unglück", sagten, „die krummen Nasen werden bald spitzgebogen werden, wenn andere Zeiten kämen" iisw. Schließlich verstiegen sich die beiden zu der Drohung, „daß einst der Tag kommen werde, an dem ..." — Die beleidigten Gäste blieben ruhig; herangeholte Schupobeamte brachten die beiden zur Wache, wo sie r 11 na s Angelegenheiten Kant * Verhaut Verwaltung!■ Belehnung betreffend H8user Villen Guter wendet man sich vertrauensvoll an die "T" Realitäten- und Verwaltungskanzlei Dr7 jur. Marem Somer §f Wien, IX. WähringerstraBe 3 ’1| m Telephone: A 26-4-47 * 15-506 M I I als Unterfeldwebel Albert Schön vom Inf.-Regt. M und Obergefreiter Wilhelm Grundlach vom In'f.-Regt. Spandiau festgestellt wurden. I :»:ii 4’. n ■ K *’. ty* ■ .'f lAki r-r . - -7? ‘«■j Modell des Gesundheit*Zentrums in Jerusalem, das der jüdische Philanthrop Nathan Straus (New York), der vor kurzem seinen 80. Geburtstag feierte, errichtet hat. Mr. Straus läßt jetzt ein gleiches Institut in Tel-Aviv aus seinen Mitteln errichten. vor allem Vor etner Romantik zu bewahren, die im jungen. Menschen eine erschreckende Exaltiertheit, verbunden mit altkluger Nüchternheit, erzeugt. Es war vorauszusehen, daß der Steglitzer Schülerprozeß auch die moralische S'chuldfrage zur Erörterung stellen wird. Wer ist schuld an dem Unglück in Steglitz? Wo liegt der Keim zu solcher grausigen Tat? Es ist hier nicht der Ort, auf die zahlreichen tiefgründigen, seelenzerglje-dernden Antworten näher einzugehen, die Pädagogen und sonstige Jugendbildner auf diese Frage gegeben haben. Wir wollen hier lediglich die Antwort eines Wiener antisemitischen Blattes erwähnen, zunächst ihrer Seltsamkeit halber und darnni gleichsam als 'Beitrag für die Art, wie „völkische" Kreise..ibei gewissen Vorfällen und Ereignissen, die in erster Linie sie selber angehen, statt „mea culpa" zu rufen, die Schuld-auf andere wälzen. Das antisemitische Blatt errötet wirklich nicht, iklipp und klar zu erklären, die Schuld an der Steglitzer Tragödie trüge der Zeitgeist, der doch eigentlich nur der Juden Geist sei; dieser „Zeitgeist" bringe die deutsche Jugend in Not und seelische Bedrängnis, Also: wenn bei deutschen Kindern, die echtvölkische Namen, wie Günther, Hildegard, Ellinor und ähnlich, führen, ein „Frühlingserwaohen“ widerwärtiger Art vorkommt, wenn in einer Steglitzer Villa Buh und Mädel Romeo und Julia spielen und ein Lustknaibe mit dem Revolver schießt — so ist an alledem nur jener „Zeitgeist“ schuld. Aber dieser Zeitgeist ist doch «nur der „Völkischen" eigener Geist. Es ist im vorliegenden Palle durchaus nicht schwer, festzustellen, wer hier moralisch die Schuld trägt. Moralisch schuldig ist einzig und allein jene Hakenkreuz-Romantik, die den Revolver zum Kinderspielzeug gemacht hat. Die Hakenkreuz-Romantiker feiern denn auch 'Paul Krantz als ihren Helden; sie begrüßen ihn mit stürmischen Hochrufen und beschütten sein Auto mit Blumen. Wegen Gotteslästerung verurteilt Theodor Fritsch, dessen Geschäftstüchtigkeit zu rühmen wir in der vorigen Nummer unseres Blattes Gelegenheit hatten, wurde vor kurzem wegen Gotteslästerung und Religionsbeschimpfung zu 200 Mark und 300 Mark verurteilt. In zwei Artikeln des „Hammer" wurde die jüdische Religion beschimpit und Jahwe, der Gott der Juden, als Gott des Hasses und der Bosheit bezeichnet. Gegen das Urteil hatte Fritsch ‘Berufung eingelegt. Er berief sich darauf, daß der Paragraph 166 des Deutschen Reioh&gesetzbuches sinngemäß nur für den deutschen und christlichen Gottesbegriff Geltung habe, dagegen den Judengott nicht schütze. Das Berufungsgericht verwarf die Berufung, da der Paragraph 166 auch die jüdische Religionsgemeinschaft schützt. Es verdient auch, angemerkt zu werden, daß einer der inkriminierten Artikel von Doktor D i n t e r verfaßt war; da jedoch Dinter Abgeordneter des thüringischen Landtages ist, konnte er nicht verfolgt werden. Allerhand Studentisch-Antisemitisches In Budapest haben die magyarischen Studentenverbände an den Hochschulen beschlossen, in einem Proteststreik gegen die Abänderung des Numerus clausus-Gesetzes zu treten. (Der dreitägige Proteststreik ist inzwischen beendet werden. — Die Red.) Außerdem haben magyarische Studenten an die freisinnigen Abgeordneten, die im Parlament gegen den Numerus clausus sprachen, Drohbriefe gerichtet, ln diesen Briefen, die die Unterschrift „Der Sahutzverband für die Wahrung der christlichen und magyarischen Interessen“ tragen, werden die Abgeordneten als Verräter an der christlichen Sache hingestellt. — (kiLemberg hatten polnische Studenten beschlossen, gegen ukrainische Studenten vorzugehen, weil diese die gelbe iMütze der Petljura-Armee trugen. Die Ukrainer hatten von dem geplanten Angriff erfahren und erschienen an dem betreffenden Tage, da die polnischen Studenten in Trupps die Straßen durchzogen, ohne gelbe Mütze, Darauf wandten sich die pol- Die lOO.OOO-Dollar-Spende von Nathan Straus Wie wir gemeldet haben, hat Nathan Straus am 31. Jänner, anläßlich seines 80. Geburtstages, an Miß Henrietta S z o 1 d, Mitglied der oalästinensischen zionistischen Exekutive, telegraphiert, daß er 100.000 Dollar für das Palästina-Werk gespendet habe. In einem nun "eingetroffenen zweiten Telegramm gibt Nathan Straus seine Wünsche betreffend die Verwendung seiner Spende bekannt. 50.000 Dollar sollen für die Straus-Gesundheitszentren in Jerusalem und Tel-Aviv, 50.000 Dollar ztjr Durchführung von Arbeiten zwecks Linderung der Arbeitslosigkeit verwendet werden. In seinem Telegramm an Miß Szold erklärt Nathan Straus: ,,Das Ideal eines wiedererstandenen jüdischen Heimatlandes hat viele Jahre lang mein Innenleben beherrscht. Ich weiß deshalb keinen anderen Weg, um meine Dankbarkeit gegen Gott, der mich 80 Jahre alt werden ließ, zu bezeugen, als indem ich dem Palästina-Werke diese Gabe zuwende. Heute sind mir aus der ganzen Welt unzählige Be- Kunsfgewerblicher Laden in Tel-Aviv. STKK »3-v. ■;«!Väf ■V « t. glückwünschungskundgebungen zugegangen; wenn die wahren Freunde Zions mir ihre Zuneigung ausdrücken wollten, so könnten sie mir keine größere Freude bereiten, als indem sie ihre Arbeit für den Wiederaufbau Palästinas verstärken. Rückgang der Arbeitslosigkeit in Palästina Konstruktive Arbeiten Im Verlauf des Monats Jänner haben, wie aus Jerusa- 1 e m gemeldet wird, 965 jüdische Arbeitslose in verschiedenen Teilen des Landes Beschäftigung gefunden, unter ihnen 325 bei der Aufforstungsarbeit, 495 beim Straßenbau und 130 in den alten jüdischen Kolonien. 575 dieser Arbeiter stammen aus Tel-Aviv, die übrigen aus Haifa, Afule und Tiberias. Bei der Ausbesserung der Chaussee Jerusalem—Jericho sind 100 Arbeiter tätig. Aus den Mitteln des Aufbaufonds des Keren Hajess o d werden jetzt in Jerusalem Straßenbauarbeiten durchgeführt, bei denen 280 Arbeiter beschäftigt werden. Ferner gewährte der Keren Hajessod Anleihen in der Höhe von 7275 Pfund für konstruktive Arbeiten, bei denen 230 A r - beiter Beschäftigung finden. Bei dem Bau des von Nathan Straus gestifteten Tel-Aviver Gesundheitszentrums in Tel-Aviv, für das 12.000 Pfund zur Verfügung stehen, werden viele Arbeitslose Beschäftigung finden. Die zionistische Exekutive in Palästina hat einen Plan der Liquidierung der Arbeitslosigkeit ausgearbeitet, nach dessen Realisierung alle Arbeitslosen in Tel- Aviv bis auf 300 Beschäftigung finden werden, sodaß die A rbeitslosenunterstützung vollständig wird abgebaut werden können. Die Durchführung dieses Planes, der sich im wesentlichen mit den (von uns bereits erörterten —- Die Red.) Vorschlägen der Arbeiterschaft deckt, erfordert 50.000 Pfund, wovon die Regierung 15.000 und die Zionistische Exekutive 35.000 Pfund beistellen sollen. Wir ersuchen allen Manuskripten, die uns nicht Uber Verlangen eingesendet werden, Rückporto beizulegen, da sonst Rücksendung nicht erfolgt. 99999999999999999255