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Die Stimme · 1928-02-16 · Heft 7 (16.2.1928) · page 13

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 7 (16.2.1928)
Date
1928-02-16
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
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Nr. 7 DIE STIMME Seite 13 Geschmackvolles, feines u. gediegen ausgeführtes Schuhwerk kaufen Sie S ch u h m o d e n h a u s bekannt s e r i ö s CSF^ ... MJ OP II II, TaborstraJ3e 8 a beinahe aus dem Munde. Er war sichtlich enttäuscht, und vor großer Verlegenheit fingerte er unaufhörlich an seinem soeben billig erstandenen Selbstbinder herum. Er mußte sich aber dazu bequemen, mit dem Mädchen allein in der Loge zu bleiben. Die Sippe und der Schadchen hatten sich zurückgezogen, um den „jungen Leuten“ eine ungestörte Aussprache zu ermöglichen. Unwillkürlich zog Adolf aus der Brusttasche einen Unterrichtsbrief hervor, den er gewohnheitsmäßig eingesteckt hatte. Der Schadchen winkte, verzweifelt ab, Adolf erbleichte wiederum und die „Aussprache“ nahm ihren Anfang.... IV. Als er wieder auf seinem Platz im Volkscafe saß, dachte Adolf über das Geschehene nach und seine Brust wollte vor Wehmut bersten: War das die Erfüllung seiner Sehnsucht? Mit diesem alten/ halbblinden Mädchen sollte er sich verbinden, nachdem er jahrelang so süß geträumt und in Phantasien geschwelgt hatte? Der Schadchen aber, der mit der anderen Partei schon einig war (denn Adolf gefiel der ganzen Sippschaft ohne Ausnahme), wußte auch Adolf gefügig zu machen; dabei kam ihm eine Reihe von Zufällen zu Hilfe. Vor allem hatte Adolf bereits den letzten Notgroschen aufgezehrt und manches Kleidungsstück, sowie seine treue Roßkopfuhr waren bereits ins Versatzamt gewandert. Einmal wieder traf Adolf trotze seiner großen Vorsicht mit dem Schadchen in der Volksküche zusammen. Dieser trat gerade herein, als Adolf von der Küche einen Teller Suppe zum Tische trug. Die Begegnung war für ihn sehr peinlich und im ersten Augenblick wollte er den vollen Teller zur Erde fallen lassen. Da erinnerte er sich des Einsatzes, und trug die Suppe behutsam, ohne einen Tropfen zu verschütten, bis zum klebrigen Tisch. Der Schadchen klopfte ihm freundlich auf die Schulter, im Herzen aber frohlockte er, denn nun wußte er: dieser „Kunde“ war ihm auf Gnade und Ungnade verfallen. Nach dieser Begegnung stimmte Adolf willenlos allem zu und dem Plane des Schadchens stand nichts mehr im Wege. In eben jenem Kaffeehause, wo die „Beschau“ stattfand, wurden Teller zerbrochen, man umarmte und küßte einander und Adolf hatte nun eine Braut. Es war ihm eigentümlich zumute, als er in später Nachtstunde sich in sein Kabinett hinauf tastete; wie zum Abschied peinigte, liebkoste ihn diese Nacht das Ungeziefer mit besonderer Tücke und Adolf verbrachte eine der qualvollsten Nächte seines auch sonst von Schmutz und Ekel erfüllten Daseins. Als e'r erwachte und in den Spiegel sah, war er um Jahre gealtert. Er kleidete sich an» zog sein Gebiß aus dem Wasserglas, schob es in die Mundhöhle und machte sich auf den Weg, um seiner Braut den ersten Verlobungsbesuch abzustatten. V. Durch einen Zufall traf es sich, daß ich im Tempel zugegen war, als Adolfs Hochzeit stattfand Richtiger gesagt: sie fand in einem Seitentrakt des Tempels statt, ohne Orgel und Chor, auch der Kantor machte es kurz, indem er bloß die notwendigsten Segenssprüche sagte. Der dicke Schammes mit dem abgewetzten Napoleonshut ließ sich vertreten; kurz — eine Armeleuthochzeit. Adolfs Träume waren schon vor der Hochzeit gründlich zerstört. Die Verwandten der Braut, die mit Versprechungen nicht gegeizt hatten, zeigten ihr wahres Gesicht. Außer dem Vermittlerlohn für den Schadchen, wollten sie nichts hergeben. Ihnen gin§ es nur darum, das alte arme Mädchen loszuwerden. Adolf sträubte sich noch in der letzten Minute wie ein Deliquent vor der Hinrichtung; doch der Schadchen humpelte auf seinem Stelzfuß den weiten Weg* bis hinauf in den dritten Stock, wo Adolf wohnte, brachte ihn aus seinem Kabinett direkt in den Tempel und schob ihn mit Gewalt unter den Baldachin, wo bereits die Braut wartete. Dort stand er — der Bedauernswerte mit schlotternden Knien und in seinen Augen spiegelte sich hoffnunglose Verzweiflung. Das Eheglück dauerte nicht lange, obwohl die Jungvermählten vom Tempel ins Kaffeehaus zum Hochzeitsschmaus in einem Auto gefahren waren- Später sah man Adolf zwar in einem knarrenden Wägelchen ein Kind, so rothaarig wie der Schadchen, spazierenfahren, aber er war ganz verändert, ohne Kragen und Manschetten und ohne Bügelfalten an den Hosen. Eine Beschäftigung als Buchhalter konnte er nicht finden und die Versprechungen der Verwandten wurden nicht gehalten; es gab keine Mitgift und keinen Greislerladen; nur eine Schlafstätte gewährten sie ihm und quälten ihn obendrein» weil er nichts für den Haushalt beitragen konnte. Eines Tages erschien Adolf wieder im kleinen Volkscafö und wie .früher einmal, wartete er auch jetzt stundenlang geduldig, bis sein Platz am Fenster frei wurde. Er war seiner Frau eirffach davongelaufen. Im Unglück hatte er noch Glück, denn er bekam wieder sein früheres Kabinett; und wieder ging er in die Volksküche speisen — jetzt jedoch ohne Vorsichtsmaßregeln! In seiner schmalen Brust saß ein großer Schmerz; und dabei ohnmächtige Wut auf den Schadchen, der ihn so hinters Licht geführt hatte.... Der rote Schadchen aber kam wie gewöhnlich in das „Tschoch“, Adolf bemerkte er gar nicht, denn dieser „Fall“ war für ihn erledigt und nun kam der nächste an die Reihe. Mit seinem zahnlosen Mund knabberte er an einer Knoblauchzehe, schneuzte sich in die bloße Faust und rief dem Cafetier zu: „Ein wunderbares Mittelchen, ich spreche aus Erfahrung!“ Der Besitzer wieherte, der Schadchen kniff die Augen zu und hielt Umschau; seine Wahl war bald getroffen: Der „Student“ kam an die Reihe. Der sog eben an einem langen Bleistift und seine große Stirn zog sich in täuschende Falten. Das Mädchen mit der abgebissenen Nase zog wieder den zerbrochenen Spiegel aus ihrem Täschchen und besah sich schweigend. Adolf las in einem Selbstunterrichtsbrief ... Ende. Jugendverein ,Erez Israel*, Wien lt. Zirka8g. 33 Sonntag, den 19. Februar 1928, 7,8 Uhr abends Großer Konzerthanssaal II. H«brllicliM Konx«rt (Kompositionsabend Prof. Artur Wolf) Mltwlrkftitd* i Grete Koller-Geyer (Danzlger Stadttheater) / Rena Pfiffer-Lax (Volksoper) / Margarethe Siezak (Wiener Stadttheater)) Oberkantor Gerson Margulies / Hans Schwestka (Opernsänger aus Brünn) / Prof. Carl Lafite (Orgel und Klavierbegleitung) Das Reinerträgnis fließt den vom Oberrabbiner Prof. Dr. Z. P. Chajes s. A. gegründeten Kulturinstitutionen und dem Chajes-Walde zu. | Restliche Karten an der Abendkasse.! ::::: BÜCHERSTUBE M. RATH II. TABORSTRASSE 20a, TELEPHON 43-1-58 :: t: n » :s ü H MODERNE LITERATUR / WISSENSCHAFT \i || JUGENDSCHRIFTEN / JUDAICA UND HEBRAICA i| ••••••••••••••••«r- •••«•••••••••••••• ♦••••••• •ra Für Mußestunden Schach Emanuel Lasker III. Ein Weltmeister ohne Thron. Nach einer 30jährigen ununterbrochenen Kette der glänzendsten Siege und Triumphe Laskers erfolgte im Jahre 1920 jener berühmte Wettkampf in der Havanna mit Capabla n c a, in welchem Lasker seine erste und einzige Niederlage erlitt. Aber dieser einzige Mißerfolg war umso schmerzlicher, als er die Entthronung, den Verlust des Weltmeistertitels bedeutete. Hatte das Alter, hatten die fortgeschrittenen Lebensjahre, hatten die zahlreichen schweren Kämpfe den großen Meister entkräftet? War ein Größerer im Reiche der 64 Felder aufgetaucht? Man wollte daran nicht recht glauben. Nun, Lasker hat selbst in seinem Buche über diesen Schachwettkampf eine Antwort auf diese Frage gegeben. Er erklärt darin, daß er in dem tropischen Klima der Heimat Capahlan- Der 60jährige Lasker. cas unfähig war, sich zu einer intensiveren Geistesanstrengung aufzuraffen. Kenner des Landes haben diese Behauptung Laskers bestätigt. Und wenn man die Partien dieses Matches näher betrachtet, so kann man sich unmöglich der Erkenntnis verschließen daß das nicht der wahre Lasker, sondern ein. ganz anderer ist: Ohne seine gewohnte Kraft, ohne seine Initiative, ohne seine Intuition, kurz seines Geistes ist kein Hauch zu spüren. Aber die Landsleute Capabiancas hatten das Geld für den Wettkampf aufgebracht und sie verlangten dafür, daß er in ihrem Lande stattfinden müsse. Im übrigen hat die Geschichte bereits bewiesen, da(J Capabianca trotz seinem damaligen Sieg noch lange kein Lasker ist. Bereits nach sieben Jahren, schon im ersten Kampf verlor er Thron und Reich; Aljechin wurde sein Bezwinger. Aber bei vielen galt Lasker als erledigt. Neben Capablanca waren neue Meister aufgetaucl^t, neue Prinzipien, neue Ideen kamen zur Herrschaft, das „neoromantische“ Dreigestirn Aljechin, Bogoljubow und R 61 i feierte Erfolg über Erfolg und in London 1922 errang auch der neue Weltmeister einen glänzenden Turniersieg. Die Neoromantiker zählten Lasker zu den Toten, er und seine Kunst und Methode .seien überwunden. Aber bald sollte Lasker wieder erwachen. Und unvergleichlich wie seine einstigen Erfolge gestaltete sich seine Auferstehung. Im Jahre 1922 forderte Röti, durch eine Bemerkung Laskers über die neoromantische Schule angeeifert, diesen zum Wettkampf. Die Antwort Laskers erfolgte bald, und ließ an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Die Schachwelt erfuhr plötzlich, daß der ehemalige Weltmeister an dem Schachturnier in Mährisch-Ostrau (1923), zu welchem u. a. Rubinstein, Grünfeld, Tartakower und vor allem die beiden neoromantischen Großmeister R e t i und Bogoljubow in die Schranken traten, teilnehmen werde. Mit atem» loser Spannung horchte man auf. Wie, der totgesagte Löwe ist erwacht? Das Turnier gestaltete sich zu einem einzigartigen Triumph Laskers. Ohne Verlustpartie errang er, der den anderen Jugend und Uebung vorgeben mußte, den ersten Preis. Sein Herausforderer R 6 t i wurde von ihm geschlagen, ebenso Bogoljubow. Aber bald sollte noch ein größerer Triumph folgen. In New York wurde ein Großmeisterturnier veranstaltet, das alle führenden Meister vereinigte. Der uns eingestandene Hauptzweck desselben war, Capabianca zu einem neuer. Erfolge zu verhelfen. In einer Beziehung ist dieses Turnier ohnegleichen in der Turniergeschichte. Es kämpften hier drei Meister, die die stolze Würde eines Weltmeisters errangen. Lasker, der Exweltmeister, Capabianca, der damalige und Aljechin, -der heutige Weltmeister. Lasker errang den Siegespreis. Der Weltmeister der Vergangenheit triumphierte über den der Gegenwart und Zukunft, Unwiderstehlich bewies er so seine Ueberlegenheit über alle Meister des Schachspiels. 80 Prozent der Partien gewann Dr. Lasker, ein für ein Großmeisterturnier, überdies eines des heutigen, fortgeschrittenen Schachzeitalters, phantastisch hoher Prozentsatz. Die Neoromantiker Aljechin, Bogoljubow und R 61 i, konnten in diesen beiden Turnieren gegen Lasker aus 8 gespielten Partien ein halbes Pünktchen erzielen! So ist Emanuel Lasker ein Phänomen in der Geschichte der Schachkunst. Er ist nicht ein, er ist das Genie im Schach, schrieb einmal voll Bewunderung der Wiener Meister Kmoch. Bis heute konnten ihm Alter und jahrelanger, mühevoller Kampf seine Kraft und Frische nicht rauben. Wird es immer so bleiben? Aber selbst, wenn einmal die Natur ihre Gesetze geltend machen wird, selbst, wenn diese einzigartige Persönlichkeit ihre Kraft einbüßen sollte, wird der Name Lasker in der Schachgeschichte ewig strahlen. Er ist der größte Feldherr, der der Schachwelt bis heute beschieden war. Und wenn das Dichterwort richtig ist, daß Mensch sein vor allem Kämpfer sein heißt, dann ist Lasker Mensch im wahrsten Sinne des Wortes. Nachfolgende Partie, die wir dem New Yorker Turnierbuch, einem der wertvollsten Bücher der gesamten Schachliteratur entnehmen (erhältlich im Verlag der „Wiener Schachzeitung", IV., Schäffergasse 13 a), aus dem New Yorker Großmeisterturnier 1924, gegen einen Führer der Neoromantiker, zeigt in wundervoller wie auch lehrreicher Vereinigung die strategische und taktische Größe Laskers. Weiß: Dr. Lasker. Schwarz: Bogoljubow. 1. e2—e4, c7—c5. 2. Sgl—f3, e7—e6. 3. d2—d4, c5Xd4. 4. Sf3Xd4, Sg8—f6. 5. Lfl—d3, Lasker weicht absichtlich dem üblicheren und vielleicht auch stärkeren Zug Sbl—c3 aus. Er ist eben ein Feind der Schablone und liebt es, anscheinend schwächere, aber weniger erforschte Züge zu machen, damit beide Spieler auf eigene Kraft angewiesen sind. 5...., Sb8—c6. 6. Sd4Xc6, b7Xc6. Schwarz schlägt zur Mitte hin, um sich später ein mächtiges Zentrum aufzubauen. 7, 0—0, Lf8—e7. Dieser plausible Zug genügt dem Weißen, um seinen Gegner vollständig zu überspielen. Besser war d7—d5. Lasker macht vor allem den d-Bauer rückständig. 8, e4Xe5l, Sf6—d5. 9. Ddl—g4/, g7—g6. Rochade ist unzulässig wegen 10. Lh6. 10. Sbl—d2, f7—f5, Schwarz sichert sich seinen Königsflügel gegen jede Gefahr. Ueberdies plant er Bauerngewinn. Lasker durchblickt die schwarzen Absichten seines Gegners und kommt ihm sogar entgegen. Echt Lasker! 11. Dg4—f3, Sd5—b4. 12. Sd2—c4, Lc8—a6. Die Pointe! Bogoljubow droht 13.... La6Xc4 nebst Sb4Xc2 oder auch sofort 13. Sb4Xc2, Lasker hätte dies durch De2 verhindern und ein gutes Spiel erlangen können. Aber er wählt eine viel tiefere Fortsetzung. 13, Lei—d2!! „Bauernopfer sind die feinsten Opfer“ (Doktor Tarrasch), 13.... Sb4Xc2, 14. Tal—dl! 0—0. 15. Sc4—d6. Den Vorteil des rückständigen schwarzen d-Bauern hat Weiß jetzt gegen einen viel größeren eingetauscht. Der schwarze Springer ist in gefährdeter Stellung. 15. Sc2—d4. 16. Df3—e3, La6Xd3. 17. De3Xd3, Le7Xd6. 18. e5Xd6, e6—e5. 19. Tfl—el, Dd8—f6. 20. Ld2—c3 (Siehe Diagramme). „Nun

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