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Die Stimme · 1928-02-16 · Heft 7 (16.2.1928) · page 12

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 7 (16.2.1928)
Date
1928-02-16
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
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Seite 12 DIE STIMME Nr. die Bühnenbilder von Poljakoff in ihrer Einfachheit, glänzend die technische Regie, die für Jaakobs Traum auch den Film in ihre Dienste genommen hat. Die Handlung des Dramas ist höchst einfach. Vorspiel: Jaakobs Traum, I. Akt: Ankunft bei* Labans, II. Akt: Heirat mit Lea, III. Akt: Heirat mit Rahel, Nachspiel: Kampf mit dem Engel. Vor- und Nachspiel sind, wie der ,,Haarez‘‘ meinte, überflüssig. Vielleicht der ganze Text. Denn, wie schon gesagt, alles ist hier Schauspiel. Starke Talente sind unter den Schauspielern zu finden. Das ganze Spiel Labans und seiner Söhne, der Primitiven, ist. wenn auch outriert, doch beachtenswerte schauspielerische Leistung. Der We4, den „Ohel" zurückgelegt hat, führt durdh die Zeit der wirtschaftlichen Depression. Wenn in solcher Zeit unsere schöpferischen Kräfte in ihrer Dynamik so wenig beeinträchtigt worden sind, wie es uns die Premiere des „Ohel" gezeigt hat, dann haben wir wirklich kein Recht, zu klagen. Tel- A v i v. Jänner 1928. Kurt G r ii n w a 1 d. Jüdisches Theater in Südamerika Von Isaak Deutsch. (Aus einem Gespräch.), Isaak Deutsch, welcher in den Jahren 1920 bis 1922 die »Freie Jüdische Volksbühne« in Wien leitete und mit dieser seiner Tätigkeit das Wiener jüdische Theater auf eine beispielgebende künstlerische Höhe brachte, ist, wie wir bereits berichtet haben, nach fast dreijährigem Aufenthalt in Süd- Amerika, für einige Zeit nach Wien zurückgekehrt. Er hatte die Liebenswürdigkeit, einem unserer Mitarbeiter über das jüdische Theater in Argentinien einige interessante Angaben zu machen, die wir hier wiedergeben. In Argentinien wohnen etwa 150.000 jüdische Seelen, die sich — abgesehen von den Juden, welche in den von Baron Hirsch gegründeten Kolonien ansässig sind — hauptsächlich in einer Anzahl «>n Städten konzentrieren. Die Zahl der Juden ist in ständigem Wachsen, da fast jedes Auswandererschiff jüdische Immigranten ins Land bringt. Sie beginnen gewöhnlich als Arbeiter, um dann allmählich in den Handel überzugehen. Ein sehr stark frequentierter Zweig jüdischer Tätigkeit ist der Ratenhandel, der in Argentinien ebenso wie in den Vereinigten Staaten stark ausgebreitet ist; denn von der Wohnungseinrichtung bis zum Auto wird alles gegen Teilzahlungen bezogen. In der letzten Zeit ist freilich das Ratengeschäft wohl infolge der starken Konkurrenz weniger lohnend* Die wirtschaftliche Betätigung der Juden bringt es naturgemäß mit sich, daß sie sich in den größeren Wirtschaftszentren ansiedeln. So leben in B u e n o s-A i r e s, der Hauptstadt des Landes, etwa 80.000 Juden, die fast ausschließlich aus den osteuropäischen Ländern eingewandert sind. Zur Befriedigung ihrer kulturellen Bedürfnisse dient ihnen das jüdische Theater, da sie die spanische Sprache, welche vorherrschend ist, nicht verstehen, und es ein spanisches Saisontheater in Buenos-Aires nicht gibt. Wie rasch diesem kulturellen Bedürfnis der Juden entgegengekommen wurde, dafür dient als Beweis, daß vor 4 Jahren nur zweimal wöchentlich jüdisches Theater in Buenos-Aires gespielt wurde, indem Gäste aus den Vereinigten Staaten mit ihren Ensembles Vorstellungen gaben. Jetzt aber spielen zumeist drei jüdische Saisontheater täglich in Buenos-Aires. Das Publikum besteht zumeist aus Angehörigen der Arbeiterklasse, aber auch ziemlich stark aus den Juden, welche wirtschaftlich bereits vorwärtsgekommen sind und mit dem englisch-jiddischen Ausdruck ,,Allrightnikes" genannt werden. Die künstlerischen Ansprüche dieses Publikums sind nicht allzuhoch und daher werden die üblichen Operetten und Melodramen aufgeführt. Die szenische Aufmachung und Darstellung unterscheidet sich nicht wesentlich von der in den jüdischen Theatern Europas üblichen primitiven Art. Von Zeit zu Zeit müssen den Theaterbesuchern Stargastspiele geboten werden; solche stehen aus Nordamerika in genügendem Maße zur Verfügung. Nach künstlerisch hochwertigem Theater besteht kein nachhaltiges Verlangen, wenn auch hervorgehoben werden muß, daß gerade das Publikum aus den jüdischen Arbeiterkreisen besseres Theater wünscht und auch frequentiert. Nun ist dieser Teil des Publikums nicht der zahlungskräftigste und kann daher die materielle Stütze für künstlerisch höherstehendes Theater nicht dauernd bieten. Vor zwei Jahren wurde unter Führung des Schauspielers Zaslawski versucht, ein künstlerisch höherstehendes Theater dauernd einzuführen, welches das Repertoire der modernen jüdischen Bühnenliteratur, wie z. B. Scholem Alechem's ,,Tewje der Milchiger'1, Anski's „Tag und Nacht“ u. a. pflegte; doch konnte sich dieses Unternehmen trotz materieller Zuschüsse aus verschiedenen Kreisen nur 3 Monate lang halten, Besonders dauerhaft sind im allgemeinen die Theaterunternehmungen in Buenos-Aires nicht, da es ihnen an systematischer Führung und entsprechender finanzieller Fundierung fehlt. E i n jüdisches Theater würde wahrscheinlich für Buenos-Aires genügen und auch ein stabiles Fortkommen haben, wenn es systematisch geführt würde. Das Repertoire müßte sich aus Operette und besserem Melodrama zusammensetzen; nicht zq starke Dosen guter Theaterliteratur, von Zeit zu Zeit dem Publikum eingegeben, würden gut vertragen werden. Aehnlich liegen die Verhältnisse in den Provinzstädten, wo es größere jüdische Siedlungen gibt. Das Theaterbedürfnis ihrer jüdischen Bevölkerung wird durch Gastspiele befriedigt. In Rosario, wo über 8000 Juden wohnen, in M o s e s v i 11 e, dem Hauptort des von den jüdischen Kolonien besiedelten Gebietes, in Sunt a-F e und anderen Orten, hatten diese zeitweiligen Gastspiele mit Operetten und Melodramen recht guten Erfolg, aber auch das künstlerisch hochwertige Sprechtheater, welches unter Zaslawdn’s Führung die Provinzstädte hereiste, fand Anwert Musikalien-Handlung und Antiquariat \ ■ jaaapjk a j i gm ■ ■ ■ 5 I OTTO MAASS G* nia bä H« j 1 Bestassortiertes Lever aller Editionen. — Klassische and I I moderne Musik. — Studienwerke für alle Instrumente. — I | Spezialgeschäft für Orchestermusik. | \ Prompt« ProTlnuersaod. Verlangen Sie Prospekte kostenlos* g \ WIEN VI., MARIAHILFERSTRASSE NR. 91 / **aeaa—aa—aeaaaeeeaeeeeeee—i—ssass—hss»—s»t<r Einer der interessantesten Konzentrationspunktv de* jüdischen Lebens, den ich während meines Aufenthalts in den südamerikanischen Staaten kennenlernte, st Rio de Janeiro. Dort gibt es heute etwa 12.000 Juden von starker geistiger Regsamkeit, die sich auch auf das Gebiet des Theaters erstreckt. Hauptsächlich herrscht dort das kurze Gastspielsystem. Ich habe das erste ständige jüdische Theater in Rio de Janeiro eingeführt, das ich zwei Saisons lang» d. i, 10 Monate, führte. Es wurde zweimal wöchentlich gespielt. Das Repertoire bildeten Melodramen und Operetten. Das Publikum verlangte auch literarisches Repertoire. Diesen Wünschen kam mein Theater durch die Aufführung de:j „Dorlsjing" von Kobrin und des Schauspiels , Mosciike Chaser“ von Berkowitz entgegen. Auch hier dürfen die iilera> tschen Dosen nicht allzu groß bemessen werden. Das größte Interesse bringt das Publikum von Rio de Janeiro, aber auch das der anderen Städte, einschließlich Buenos-Aires, dem jüdischen Lied entgegen, vornehmlich wohl deshalb, wti! die geistige Vereinsamung, in der die Juden dieser fernen Landstriche leben, sie für jede Aeußerung ihres Volkswesens doppelt empfänglich macht. Ich habe mit jüdischen Vnlksliederabenden in Rio de Janeiro und in anderen Orten die stärksten Erfolge erzielt. Menachem Mendel au! dem Theater Im Laufe des Februars gelangt am jüdischen Kammertheater in Moskau eine Komödie „Der (Luiftmensch" zur Aufführung, Das Stück bringt den Helden des weltberühmten Soholem-Alechemschen Briefromans, Menadhem Mendel, auf die Bühne. Die Komödie wird, auch im 'Repertoire der Europa-Gastspiele des jüdischen Kammertheaters aufgenommen werden, die, wie uns aus Moskau berichtet wird, im April beginnen sollen. Apollotheater Sie haben es wahrlich nicht leicht, die Künstler des Varietes. Es gibt keinen Dichter, der ihnen Stücke schreibt, keine gut gebaute Rolle, in die man schlüpfen kann, kein Fortissimo des Abganges, das sich den Beifall mit hinter die Szene nimmt. Ein Publikum, das bei den gedeckten Tischen des Rauchtheaters heute fast ausschließlich nur noch Nikotin konsumiert, bläst ihnen hingelehnt Rauchwolken auf die Bühne und weiß um die Literatur des Varietes genauen Bescheid. Nur das Fortissimo der Leistung kann ein in internationalen Programmen gesottenes Auditorium von 1928 noch aus dieser Haltung bringen. Die Februarnummern des Apollotheaters sind dies imstande. Ein Programm, bei dem die ersten und letzten Nummern den anderen vollauf ebenbürtig sind. Gleich da im Anfang Fran Klint, der sich eine Zigarette anzündet, sie dann auf dem Boden zertritt, sich irgendwo aus der Luft neuerdings eine brennende holt und das so fortsetzt, bis sie ausgeraucht ist. Sein Register ist nicht groß, aber was er zeigt, ist wahre Taschenspielerkleinkunst. Nicol und Martin, zwei Groteskkomiker zu Rad von beachtenswerten schauspielerischen Qualitäten. Charles Perezoff Co., „Ein Souper rapid", bei dem von der zweiten Galerie herabsausende Knödel von einer verkehrt in den Mund gesteckten Gabel aufgespießl werden. Hans Beetz & Partner, ein bravouröser Equilibristenakt, The Pierottys, die amerikanischen Exzentrikkoniiker. die Tanzntimmern der Tirana und des plastischen Balletts Claudia Issatschenko, die komische Musikanlenszene Herbert & Schüller, die an den Zähnen durch die Luft wirbelnden Si sters Baizar und die 5 Poncherrys v ei vollständigen ein erstrangiges Varieteprogramim, s. Zweites hebräisches Konzert. Der erste, unter dem Protektorate des verewigten Oberrabbiners Dr. C h a j e s vor einigen Wochen im Hotel Continental stattgehabte Kompositionsabend des Prof. Artur Wolf war vollständig ausverkauft und Hunderte von Personen konnten (keinen Platz mehr finden. Der Protektor der Veranstaltung, Oberraibbiner Doktor Chajes, der den Vorträgen bis zum Schlüsse beiwohnte, faßte sein Urteil über den Abend dahin zusammen, daß dieses hebräische Konzert, gerade durch die Mitwirkung nichtjüdischer Künstler, die den Text hebräisch sangen, in Wien einzig in seiner Art war. Ueber Initiative des Jugendvereines „Erez Israel" wird nun das Konzert am 19. d. M. im großen Saale des Konzerthauses wiederholt. Restliche Karten an der Abendkasse. Sondervorstellung der „Jüdischen Künstlerspiele". Am Sonntag, den 19. Felbruar, 8 Uhr aiben'ds, findet im zionistischen Vereins'heim, VMÜ., Bennoplatz 1, veranstaltet von der zionistischen Sektion IX, eine tSondervorste'l'ktng „Das jü'dis ch e Volkslied i n B i 1 d und Gesang" (Einzelszenen aus der nationalen Revue „Auf nach Tel-Aviv!" von A. Meiseis) statt. Karten zu 1 und 2 Schilling von 5 bis 8 Uhr im oibigen Vereinsheim (Tel. A-26-2-69) und beim Sekretär der Sektion IX, H. Körner, IX., Grüne-Tor-Gasse 21, Parterre (Tel. 18-2-76). Jüdische Künstlerspiele (Theater Reklame,. II., Praterstraße 34). Wochenrepertoire: Dannersbag, den 16. Februar: „Ewige Narren"; Freitag, den 17. (zum erstenmal), Samstag, den 18., und Sonntag, den 19. Felbruar: „Die jüdische Schikse"; (Montag, den 20. Februar: „Jideles Bär Mizwah". Jüdische Bühne (II., Taborstraße 12, Hotel Stephanie), Wochenprogramm: Freitag, den 17. 'Februar: ,Di® rumänische Chasene", Operette; Samstag, den 1/8. Felbruar: „Jekale Bl off er", Operette; Sonntag, den 19. Februar: 3 Uhr Nachmittagsvorstellung: „Der blinde Maler", Lebensbild in drei Akten von Frelmiann; 8 Uhr; „C'h autsche als C h a u I f e u r", Operette; Montag, den 20. Februar: „E i n Mensclh soll man sei n", Operette; (Dienstag, den 21. Februar: „W elwele Mesch ojre r", Komödie; Mittwoch, den 22. Februar: „Eine lustige Nach t", Komödie. Beginn 8 Uhr, Ende 11 Uhr. Mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage freier Zutritt. ADOLFS EINHEIRAT Von J, Tiger. III. Die Bekanntschaft zwischen dem Schadchen und unserem Freunde kam dadurch zustande, daß jener Adolf ein „Zeherl“ Knoblauch anbot, den er stets bei sich in den Taschen trug. Der Schadchen war ein passionierter Knoblauchesser und das verriet die Aura, die um ihn lag, schon von weitem. Anfangs sträubte sich der Cafetier dagegen und wollte diese ,,Schweinerei“ in seinem „Lokäul“ nicht dulden. Als ihm aber der Schadchen mit verschmitztem Lächeln etwas vertraulich ins Ohr raunte und laut zur Bekräftigung seiner Behauptung hinzufügte: ,,Ich spreche aus eigener Erfahrung“, blähten sich die Nasenlöcher des Wirtes, ein Wiehern ließ sich vernehmen und sein brutales Gesicht erhellte sich für einen Augenblick. Von nun an wurde er selbst ein heißer Anhänger dieses Zaubermittels und der Schadchen genoß ganz besondere Privilegien und Preisermäßigung. Adolf hingegen lehnte stolz ab, er wollte überhaupt in kein Gespräch kommen. Der rote Schadchen ließ jedoch nicht locker; er hatte bereits seine erprobte Methode, die ihn stets zum Ziel führte. Ueberdies hatte er bereits heraus, daß Adolf einer Einheirat nicht ganz abgeneigt wäre. Darnach richtete der Stelzfuß sein Vorgehen ein und in kurzer Ein aufstrebendes Unternehmen Einer unserer Mitarbeiter hatte in den letzten Tagen Gelegenheit, -der Kartonagefabrik Gel band & Co., IX., Grundilstraße 5, einen Besuch abzoistatten. um einer an uns ergangenen Einladung Folge zu leisten. Das Unternehmen wurde im Oktober des Jahres 1926 von den Brüdern Arnold und Hermann Gelband ins Leben gerufen und hat während dieser verhältnismäßig kurzen Zeit dank des intensiven Arbeitseifers der Firmeninhaber einen derartigen Aüfschwiung genommen, daß es heute bereits zu den führenden in seiner Branche zählt, Lm Arbeitsraum sind die allermodernsten Maschinen — meist sächsischer Provenienz — auifgestellt, die in rasendem Tempo die einzelnen Teile der Kartons verarbeiten. Von besonderem Interesse ist eine kombinierte Maschine, die innerhalb einer Stunde den Zuschnitt für 5000 Kartons besorg. Die Fabrik, die ungefähr 30 Arbeiter beschäftigt, beliefert nahezu alle führenden jüdischen Unternehmungen und verdient deshalb die besondere Beachtung, daß sie trotz der vorherrschenden widrigen wirtschaftlichen Verhältnisse weder an den Samstagen, noch an jüdischen Feiertagen im Betriebe ist. Ein jüdisches Unternehmen, geiführt von zwei ambitionierten Leuten, das sich in Wien in solch pietätvoller Weise eingeführt hat, wird gewiß von seiten des jüdischen Verbrauchertums die größtmöglichste Unterstützung finden. (Schluß.) Zeit hatte er seinen neuesten Einheiratskandidaten bereits am Schnürchen. In der Folge sah man beide oft beim Fenster miteinander vertraut tuscheln; sie aßen Gurken und Rettich aus einem Papier und Adolf prahlte von seinem guten, sicheren Posten, seinem Ansehen und großen Vertrauen beim Chef. Der erfahrene Schadchen wußte zwar genau, was er von diesen Reden halten sollte, ließ aber nichts merken. Die Verhandlungen befanden sich bereits in vorgeschrittenem Stadium; Adolf trug seinen Namen und den seiner noch lebenden Eltern im zerknüllten Notizbuch des Schadchens ein (das war unumgänglich, wollte man eine etwaige Namensgleichheit des Bräutigams mit dem Schwiegervater, oder der Braut mit der Schwiegermutter vermeiden). Der Stelzfuß rieb indessen ein ,,Scherzi“ Brot mit Knoblauch an, bestreute es mit Salz und bot davon auch Adolf an, der diesmal gern annahm und mit Appetit aß. Während er umständlich und langsam das harte Brot kaute, dachte Adolf über seine nahe Zukunft nach; er sah sie bereits in greifbaren Formen vor sich: eine Einheirat, die es ihm endlich ermöglichen sollte, wie ein Mensch zu leben. Er war fest entschlossen» sich dessen würdig zu zeigen, im Greislerladen seiner Zukünftigen von früh bis spät fleißig zu arbeiten, und sich von den diversen Vertretern und Platzagenten, die ihn überlaufen würden, in keinem Falle übers Ohr hauen zu lassen. Nicht umsonst hatte er doch Buchhaltung und kaufmännisches Rechnen aus den Selbstunterrichtsbriefen studiert! Es könnte auch gar nicht schaden, diese Kenntnisse etwas aufzufrischen! Adolf holte aus seiner Tasche ein zerknittertes Heft hervor, steckte seine Filmzigarette in Brand und vertiefte sich eifrig in die „Wiederholungsaufgaben“, wie er es seit mehr als zwanzig Jahren stets tat... Es dauerte nicht lange und die „Beschau“ wurde vereinbart; Adolf legte Feiertagskleider an, was im kleinen Kaffeehaus nicht geringes Aufsehen erregte. Von dort wurde er vom Schadchen, der ebenfalls bessere Kleider als sonst anhatte, abgeholt, und in ein „besseres“ Cafe geleitet, wo es wirkliche Logen gab. Das Mädchen war von einer Schar von Verwandten begleitet. Als Adolf sie zum ersten Male sah, erbleichte er und die falschen Zähne fielen ihm

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