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Die Stimme · 1928-02-09 · Heft 6 (9.2.1928) · page 8

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 6 (9.2.1928)
Date
1928-02-09
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 DIE STIMME Nr. 6 I ■■—■Blllill In S9SSSSB I B «p ip I Grundstück Angelegenheiten j| Kauf * Verkauf jj Verwaltung g Belehnung J betreffend m Häuser Villen | Güter | werdet man sich vertrauensvoll an die ={ Realitäten- und Verwaltungskanzlei Hü Dr. jur. Marem Somer W Wien, IX, WähringerstraSe 3 1§ | Telephone: A 26-4-47 * 15-506 M vorhanden ist. Vorläufig kostet Ruthenbergs Elek-. trizität in Tel Awiw dreimal so viel wie in Amerika oder anderwärts. Und wenn Ruthenbergs „großer Plan” dem Lande nicht mehr Nutzen bringen wird als sein „kleiner Plan”, so ist es wirklich besser, den herrlichen Jordanfall in seiner tausendjährigen Schönheit schlafen zu lassen. Kommerzielle Unter-, nehmungen in einem Pionierland wie es Erez Israel ist, sind keine Revolutionen, die man bloß mit Mut, machen kann. Man muß auch an den Nutzen denken, den sie der Bevölkerung bringen sollen. Und Landschaften sind keine Parteien, die man ungestraft vernichten darf.. .. Um das „Auge” Palästinas — so nenne ich den schönen Kinereth-See — liegen die erfolgreichsten jüdischen Kolonien. Diese Kolonien, welche auf genossenschaftlicher Grundlage geführt werden, befinden sich nicht irur in gutem und blühendem Zustand, sondern sie sind auch reich geworden. Ihre Felder, die das Wasser aus dem Jordan und dem Kinereth-See trinken, gehören zu den fruchtbarsten des Landes. Ihre Getreidehalme sind hoch und kräftig, ihre Pflanzen reif, ihre jungen Bananenwälder, die jetzt angelegt werden, sind in bester Entwick“ lung. Dafür aber sind ihre Friedhöfe auch reich besät mit den Gebeinen junger Menschen, die der Malaria und Räuberhänden bei Beginn der Kolonisation rings um den Kinereth-See zum Opfer gefallen sind. Der Friedhof von Kinereth ist ein Ehrenfriedhof und erzählt von jüdischen Heldentaten. Auf ihm ruhen auch in Ehren die Gebeine des eigenartigen Arbeitertyps, der in Palästina fast zur Legende geworden ist, des alten Halpern. Ich eile nach Safed, um noch Freitag mitten am Tage dort zu sein, denn viel mehr als den Sabbat will ich den Freitag in Safed sehen. Doch kann ich es mir nicht versagen, der jüngst ausgegrabenen Synagoge von Kfar-Nahum, wo nach dem Bericht des Evangeliums Christus seine bekannte Predigt gehalten hat, einen Besuch abzustatten. Die ausgegrabene Synagoge liegt jetzt, aus ihrer Hülle befreit, in einem Klosterhof der Franziskaner. Sie war in spätgriechischem Stil, im alexandrinischen, erbaut» fch würde den jüdischen Malern und Graphikern raten, sie mögen sich, statt schlechte Nachahmungen der Wiener Sezession zu geben, die Photographien der ausgegrabenen jüdischen Ornamente auf den Steinen der Synagoge von Kfar-Nahum beschaffen, Ornamente in verschiedenen Formen und Bildungen, Davidsterne, Löwen, Trauben und Granatäpfel» die mit reicher Hand über die vielen Steine gestreut sind. Die Photographien sind durch die jüdische Universität in Jerusalem zu beziehen. Aus ihnen kann man lernen, wie wenig wir uns geändert haben und wie alt die Zierate unserer ewigen Lampen und anderer Kultgegenstände sind. Wir steigen die Berge von Kanaan empor und lassen immer tiefer unter uns in milchweißen Wolken das „Auge” Palästinas, den Kinereth-See, der jetzt ruhig wie ein glatter Spiegel von leuchtenden Bergen, dicht bepflanzten Feldern und fetten Wiesen umrahmt liegt. Immer höher steigen wir, bis wir endlich zwischen die fetten Weingärten der alten jüdischen Kolonie Rosch-Pinab einfahren. Wer wis sen will, in was für ein irdisches Paradies — nicht nur in ein himmlisches — Erez Israel verwandelt werden kann, möge die alten Palästina-Kolonien besuchen, die Baron Rothschild begründet hat. Die alten Kolonien werden allmählich zu gesunden, natürlichen Bauc-rnstädtchen. Städtchen, in denen nicht mir die kleine Schule und das Badegäßchen den Juden gehört und das einzige Stück Feld, welches Besitztum der Juden bildet, das „gute Feld” des jüdischen Friedhofs ist. sondern Städtchen, die meilenweit von reichen jüdischen Feldern und Gärten niT>'ToV,n sind.. ., Ein perfekter ungarisch-kroatischer Korrespondent findet Arbeit. Auskünfte im Zionistischen Büro, Wien I., Kärntncrstraße 28, an Wochentagen von Y>4 bis Y.:'l Uhr. Die große Mühle bei Kaiia, das größte und modernste Unternehmen dieser Art in Palästina. i\v<! v <S r; ‘V, Der Schrei nach Arbeit Die Arbeiterschaft Palästinas gegen die Arbeitslosenunterstützung. — Der Notstandsplan von Tel Awiw. — Die Regierungsarbeiten. (Von unserem J. G.-Berichterstatter.) Jerusalem, 3. Februar. Die Exekutive der zionistischen Organisation hat beschlossen, die Arbeitslosenunterstützung, deren Einstellung ernsthaft erwog en wurde, um dadurch einen Druck auf die Palästina-Regierung auszuüben, weiter auszuzahlen. Und doch gibt es unter der Arbeiterschaft des Landes niemanden, der die Fortdauer dieses Zustandes fordert; im ganzen Lande ertönt der Schrei nach Arbeit, nach Ersetzung der unproduktiven Ausgabe, wie es die Arbeitslosenunterstützung ist, durch eine produktive. Das Exekutivkomitee der palästinensischen Arbeiterorganisation macht seit langem Vorschläge, an die Stelle der Methode der Arbeitslosenunterstützung eine andere Methode zu setzen: die Arbeitslosen in produktive Arbeit zu überführen. Im Dezember 1927 wurden diese Vorschläge neuerlich an die Zionistische Exekutive nach London übermittelt und ausführlich begründet. Nunmehr wurden diese Vorschläge in etwas modifizierter Form neuerlich vorgebracht: Um eine vollständige Einstellung der Arbeitslosenunterstützung im Gebiete von Tel Awiw für das laufende Jahr zu ermöglichen, wodurch von den rund 4000 jüdischen Arbeitslosen Palästinas 3200* also vier Fünftel, erfaßt werden würden, soll — so schlägt die Arbeiterschaft vor — die Zionistische Exekutive eine Reihe von konstruktiven Arbeiten in den landwirtschaftlichen Siedlungen durchführen, die einen Aufwand von ca. 35.000 Pfund erfordern würden. Von dieser Summe sind 15.000 Pfund noch vom landwirtschaftlichen Arbeitsbudget des laufenden Jahres vorhanden, 20.000 Pfund müßten, etwa im Anleihewege, auf Konto des landwirtschaftlichen Budgets des nächsten Jahres beschafft werden. Außerdem ist die Möglichkeit vorhanden, daß die Zionistische Exekutive von der Stadtverwaltung von Tel-Awiw etwa 15.000 Pfund zum vorzeitigen Begleich einer Schuld Tel-Awiws an die Zionistische Exekutive erhält. Die Stadtverwaltung von Tel-Awiw hat nämlich beschlossen, sich bei der Palästina-Regierung um eine- Anleihe von ca. 18.000 Pfund zu bewerben; aus diesem Gelde will sie vorzeitig ihre Schuld an die Zionistische Exekutive bezahlen, unter der Bedingung, daß dieses Geld für die Beschäftigung der Arbeitslosen Tel-Awiws und damit für die Abschaffung der Arbeitslosenunterstützung auch verwendet wird. Die Aussichten für diese Anleihe sind günstig. So hätte die Zionistische Exekutive mir etwa 5000 Pfund für die Ersetzung der Arbeitslosenunterstützung im Gebiet, von Tel Awiw durch produktiven Aufwand aufzubringen. Die Zionistische Exekutive hat'sich zu diesen Vorschlägen bisher nicht geäußert. Die ihnen zugrundeliegende Methode ist von der Palästina- Regierung aufgegriffen worden. Die soeben vorn Kolomalamt bestätigten Pläne für Arbeiten zur Beschäftigung jüdischer Arbeitsloser erfordern einen Aufwand von ca. 95.000 Pfund und ihre erste Etapne, die noch vor Beendigung der Regenzeit, also schon im Februar, beginnt, wird über 900 Arbeiter beschäftigen. Nach Beendigung der Regenzeit (spätestens Mitte April) werden weiters T/o in Hebron. wmm m?« , /1 600 bis 700 Arbeiter durch ca. 8 Monate tägliche Beschäftigung bei Regierungsarbeiten finden. Es sind Straßenbauten (in Jaffa und Petach-Tikwah), Chausseeführungen (Jerusalem—Jericho und Jerusalem—Nikafora, Akko—Haifa, Petach- Tikwah—Kalkiliah, samt Brücke, Meschah—Afuleh)* Bauarbeiten (Quarantänanlagen in Haifa, Postgebäude in Jaffa, die beiden landwirtschaftlichen Schulen aus der Kadoorie-Stiftung, von denen die jüdische in Mascha erbaut wird) und Aufforstungsarbeiten, die bereits begonnen haben. Die Regierung hat auch eine ziemlich gesunde Methode zur Beschäftigung der jüdischen Arbeitslosen in den Pflanzungskolonien vorgeschlagen. In R i s c h o n-1 e-Z i o n, der bekannten Weinbaukolonie, hat die Arbeit in den Weingärten bereits in vollem Umfange eingesetzt. Es zeigen sich dort dieselben Uebelstände wie bei den Erntearbeiten in den Orangenpflanzungen von P e t a c h-T i kw a h, daß nämlich fast ausschließlich arabische Arbeiter beschäftigt werden. Nun gibt es auch in Rischon-le-Zion eine Anzahl ortsansässiger jüdischer Arbeitsloser. Die Regierung hat mm den Weingärtenbesitzern vorgeschlagen, ihnen Anleihen für neue Pflanzungen zu gewähren, damit die jüdischen Arbeitslosen beschäftigt werden. Die Frage der Garantie, welche die Regierung fordert, bereitet einige Schwierigkeiten; sie ist jedoch zu lösen. Man sieht also — die Regierung, die Arbeiterschaft, die öffentliche Meinung des Landes sind einig darin, daß die Produktivierung des Aufwandes, den die Arbeitslosenunterstützung erfordert, zweckmäßig und gesund ist; die Zionistische Exekutive muß den Schrei nach Arbeit, der durch das Land geht, der Judenheit der ganzen Welt verdolmetschen. Der Kampf um Arbeit in Palästina, den diese Ausführungen unseres Korrespondenten schildern, wurde vor kurzen» in einem sehr gut besuchten Vortrag im großen Saal des Hotel „Post" geschildert, den über Einladung des Wiener Vereines der Freunde des arbeitenden Palästina und der ,,Poal® Zion"-Organisation Ing. Anselm Reiß aus Tel Awiw hielt, eingehend und sachkundig erörtert. Der Redner besprach die Lage der jüdischen Arbeiterschaft Palästinas und ihre Beraü" hungen um die Schaffung von Arbeitsmöglichkeiten im Lande und wies auf die Notwendigkeit hin, diese Bemühungen auch von der GaJuth aus zu stärken. Der Verein der Freunde des arbeitenden Palästina hat an die Wiener jüdische Bevölkerung einen Aufruf erlassen, der auf die Bedeutung des seit 1912 bestehenden Palas tina-Arbeiterfonds hinweist. Der Fonds stellt wie im Aufruf gesagt wird, das Pionier- und Initiativkapital der palästinensischen Arbeiterschaft dar, da9 der Erschließung neuer Arbeitszweige und der Schaffung neuer Arbeitspositionen dient. Seine Stärkung würde daher gerade im gegenwärtigen Zeitpunkt eine Stütze für die Bemühungen der jüdischen Arbeiter Palästinas um neue Arbeitsmöglichkeiten im Lande bedeuten. Das neue Doppelheft der Monatsschrift „Palästina“, die seit Beginn des Jahrganges 1928 in vergrößertem Format und mit vermehrtem Inhalt erscheint, ist in den letzten Tagen erschienen und enthält folgende Beiträge: Die jüdische Kolonisation in Rußland von Dr, Arthur R u p p i n (der erste authentische Bericht über die innerhalb des Judentums so heftig umstrittene Frage). Die jüdischen Siedlungsformen in Palästina von Agr. Hermann Hirsch. Die Entwicklung des Ary beitsmarktes in Palästina in den letzten Jahren und die Arbeitslohnfrage von Dr, Walter P r e u ß. Das Problem der jüdischen Arbeit in den alten Kolonien von Dr. Zwi Luft. Zur Frage der Organisation des Milchabsatzes von Harry Vite- 1 e s. Die Bevölkerungsbewegung, Zentralbank der Kooperativen, Rundschau, Nachrichten und Daten, Bücher und Zeitschriften, Karte der jüdischen Kolonien. Die Monatsschrift kostet in Oesterreich jährlich S 10.—, halbjährlich S 6.—; für das gesamte Ausland jährlich 2 Dollar, halbjährlich 1 Dollar, 20 Cents. Zu beziehen durch das Zionistische Büro, Wien, I., Kärntnerstraße 28. Vom Jahrgange 1927 sind einzelne Hefte erhältlich; Einzelheft S —.90, Doppelheft S 1.80. Miszellen Die Tote-Meer-Konzession, welche besonders in der deutschen Kali-Industrie wegen der befürchteten Konkurrenz großem Interesse begegnet, war jüngst Gegenstand von Erörterungen in der englischen Presse und im Unterhaus, die sich damit beschäftigten, ob der englische Chemietrust an der Novomejsky-Konzession beteiligt sei. Nun hat der Präsident des englischen Chemietrusts, der bekannte Politiker Sir Alfred Mond, welcher gegenwärtig in Palästina weilt, um die Lage in Palästina zu studieren, in einer Unterredung mit einem Vertreter der Ullstein-Presse erklärt, daß zwischen der britischen Imperial Chemical Company und den Tote-Meer-Konzessionären Novomejsky und Major Tulloch keine Verbindung besteht. Sir Alfred Mond wohnte einer Sitzung der Stadtverwal" tung von Tel Awiw bei und hielt dort eine Ansprache, in der er u. a. ausführte, er sei der Ansicht, die Palästina- Regierung müßte der jungen aufstrebenden Stadt Tel Awiw mehr Unterstützung angedeihen lassen. Er empfahl den Stadtverordneten, Anstrengungen zu machen, um den Strand von Tel Awiw nach dem Muster der Riviera auszugestalten, Tel Awiw würde dann eines der besuchtesten Seebäder werden. * Im Dezember 1927 sind 253 Personen, darunter 170 Juden eingewandert (gegen 415 Personen, davon 306 Juden im November). 99999999999999999999999999999999991

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