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Die Stimme · 1928-02-02 · Heft 5 (2.2.1928) · page 13

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 5 (2.2.1928)
Date
1928-02-02
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 5 DIE STIMME Seite 13 Schach Emanuel Lasker I. Bis zur Weltmeisterschaft. Obgleich die Schachwelt seit der Weltmeisterschaft Emanuel Laskers schon den zweiten Weltmeister zu verzeichnen hat, gilt der heute bereits sechzigjährige jüdische Meister noch immer als der stärkste Spieler der Gegenwart, als der Meister aller Meister. Und zweifellos ist Lasker — mit oder ohne Schachkrone der Weltmeisterschaft — der größte und genialste Schachkünstler, die grandioseste und markanteste Persönlichkeit im Reiche der 64 Felder und was äußere Erfolge und Siege betrifft, unerreicht und einzig dastehend in der ganzen Geschichte des Schachs. Der junge Lasker *',■* -TV’. Die Rolle der Juden in der hehren Kunst des Schachspiels ist überhaupt bemerkenswert, doppelt bemerkenswert, da das Schachspiel, das Element der Kunst, der Wissenschaft und des Kampfes miteinander verbindet, an die menschlichen Geistes- und Charaktereigenschaften die denkbar größten Anforderungen stellt. Intuition und Schöpferkraft, kühle Berechnung und klares, logisches Denken, Geistesgegenwart und objektiver Blick, Kombinationsfähigkeit und Erfassen der gegebenen Möglichkeiten — sie erstrahlen beim Schach in hellster Beleuchtung. Hier gibt es keine Protektion, hier gelten keine Vorurteile, hier triumphiert der überlegene Geist, hier siegt die Wahrheit und Gerechtigkeit. Kommt vielleicht daher die Vorliebe der Juden, des Volkes, das für Wahrheit und Gerechtigkeit so viel gelitten hat, für das Schach? Wie dem auch sei, gerade hier, wo auch der Jude unter gleichen Bedingungen, gleichen Voraussetzungen und mit gleichen Waffen in den geistigen Ringkampf tritt, hat er qualitativ und quantitativ so gewaltige Leistungen aufzuweisen, daß man eigentlich von einer starken Ueberlegenheit der jüdischen Rasse sprechen müßte, wollte man etwa den Spuren der Rassentheorie folgen. ... Wilhelm S t e i n i t z, der erste Weltmeister und das größte Schöpfergenie des Schachs, war ein Jude, Fast 30 Jahre nach seinem Siege über Anderssen im Jahre 1867' schlug er alles, was ihm entgegentrat. Als er endlich, ergraut im Kampfe und schaffender Arbeit, seinen Bezwinger fand, war es wieder ein Jude, der die Schachkrone von ihm übernahm: Emanuel Lasker. Und der Erbe war würdig seines großen Vorgängers. Ein Vierteljahrhundert behauptete er seinen Thron gegen alle Anstürme .... Dr. Emanuel Lasker erblickte im Dezember des Jahres 1868 in Berlinchen, einer kleinen Stadt in der Mark Brandenburg, das Licht der Welt. Er entstammt einer armen jüdischen Familie, sein Vater war Tempeldiener. Das Schachspiel erlernte er im 13. Lebensjahre. In kurzer Zeit wurde er der stärkste Spieler unter seinen Kollegen. Sein Mathematikprofessor, selbst ein Schachliebhaber, der als der stärkste Spieler der Stadt galt, schildert, wie erstaunt er war, als er den lebhaften Wunsch seines Schülers erfüllte und mit ihm in einer Partie seine Kräfte maß, von dem Knaben mit Leichtigkeit geschlagen wurde; eine zweite Partie hatte das gleiche Schicksal. Der besiegte Lehrer erzählt, daß in ihm damals eine Ahnung von der künftigen Größe seines Schülers aufstieg. Aber er gab diesem den Rat, sich vorderhand der Schule zu widmen. So konnte Lasker erst, als er die4 Berliner Hochschule bezog, seiner Leidenschaft für die geliebte Schachkunst fröhnen. Binnen kurzem erzielte er die glänzendsten Erfolge, Im Breslauer Hauptturnier 1889 errang der 20 jährige Student der Mathematik die deutsche Meisterwürde. (Im gleichen Meisterturnier war Dr. Tarrasch erster, so daß zwei Juden die Siege dieser deutschen Veranstaltungen wurden.) Noch im gleichen Jahre beteiligte sich Lasker an seinem ersten internationalen Meisterturnier. Er erstritt den zweiten Preis und ließ den damals auf der Höhe seiner Kunst stehenden Großmeister und Weltmeisterschaftsanwärter In der Gunsberg hinter sich! Aber ganz überzeugend bewies Lasker seine phänomenale Begabung in Einzelwettkämpfen. Im Jahre 1889 schlug er nebst anderen die Meister Mieses und Bardeleben, die nächst Dr, Tarrasch zweifellos die stärksten Spieler Deutschlands waren. Aber seiner Kampfesfreude und Tatenlust genügte bald Deutschland nicht mehr und sö wanderte er nach dem damaligen Mekka der Schachkunst, nach England aus. In Wettkämpfen und englischen Nationalturnieren feierte er Erfolg über Erfolg, so daß selbst die großen Meister Blackburne und Gunsberg seine Ueberlegenheit anerkennen mußten. Es ist bemerkenswert, daß der junge jüdische Meister bereits eine solche Sicherheit auf dem Schachbrett besaß, daß er in allen diesen Matchen auf englischem Boden eine einzige Partie verlor. Nunmehr forderte Lasker den Repräsentanten Deutschlands, Tarrasch, heraus. Doch dieser wich mit der Erklärung aus, Lasker möge zuerst in einem internationalen Meisterturnier siegen. Erst 16 Jahre später (1908) sollten die beiden Meister im Match Zusammentreffen, als Lasker bereits längst Weltmeister war. Aber was ihm Tarrasch verweigerte, gewährte ihm bald ein Größerer: Der Weltmeister S t e* i n i t z war auf den jungen Schachhelden aufmerksam geworden und bezeichnete ihn als würdigen Anwärter auf die Weltmeisterschaft. Und der junge jüdische Student wagte es, nach der Schachkrone der Weltmeisterschaft zu greifen und dem Unbesiegten, der als unüberwindlich galt, entgegenzutreten. Im Jahre 1894 unternahm der 25 jährige Jüngling die Reise nach Amerika, dem Aufenthalt Steinitz’s. Zuerst beteiligte er sich an einem Turnier zu New York, das er gewissermaßen als Training zum bevorstehenden großen Kampf ansah. Die Probe fiel über alles Erwarten günstig aus. Er gewann sämtliche Partien! Sodann begann der Kampf um die Weltmeisterschaft, wohl der berühmteste der Schachgeschichte, Lasker gewann zehn Partien, Steinitz fünf, während weitere fünf Partien unentschieden endeten. Lasker hatte den erstrebten Gipfel erklommen. Die Schachwelt hatte einen neuen Weltmeister. Im folgenden bringen wir jene berühmte Partie, mit der Lasker sich in der Meisterarena eingeführt hat: Weiß: Lasker. —/Schwarz: J. H, Bauer. 1. f2—f4, d7—'d5. 2. e2—e3, Sg8—f6. 3. lb2—b3, e7—e6. 4. Lei—M Lif8—e7. 5. Lfl—d3... Die Eröffnung hat Lasker originell, jedoch ganz abweichend von seinem späteren Stil behandelt. Die Fianchettierung des Damenläufers, die Postierung des Königsläufers vor dem Königbaiuer — all .das ist weit entfernt von ider späteren Sipielweise des Weltmeisters. /Hier ist eben noch „Sturm und Drang", man sielht, daß der jutnge Meister nach einem eigenen Stil mitkämpft. 5.b7—lb6. 6, Sbl—c3, Lc8—ib7. 7. iSgl—!f3, . Sb8—d7. 8. 0—0, 0—0. 9. Sc3—e2, c7—-c5. 10, S’e2—g3, Ddl8—o7. (Nun wird 'klar, weshalb Schwarz im vorhergeh enden Zug statt des näherliegenden Sd7—c5, c7—c5 zog. Er will die Bauern des Damenflügels forcieren. 'Der Damenzug bereitet c5—c4 vor.) 14. Sf3—e5, Sd7Xe5. 12. Lb2Xe5, Dc7—c6. 13. Dal—e2!. (Dieser Damenzug ist bereits ein edhter La&ker-Zug! Was für den späteren Weltmeister charaikteristisch ist, mit .einem einzigen Zuge mehrere Zwecke zu verbinden , wird auch hier erfüllt. Der Zug verhindert 1. c5—c4, er deckt 2, den .Punkt g2 gegen jede Ueberfallsabsichten der schwarzen Dame uimd behält 3. die Angriffsrichtung gegen den weißen Königsflügel bei.) 13,;..,.., a7—ia6. (Schwarz läßt sich in seinen Operationen am Damenflügel nicht beirren. Aber jetzt wird er unsanft aus seinen Träumen gerissen.) 14.;Sg3—;h5!,. .. (Damit beginnt eine herrliche neunzügige Kombination des Weißen, die den Gewinn der Partie herbeifiührt.) 14...., SI6—h5. 15. Ldi3Xhl7t!i Kg8—Ih7. T6. IDe2Xh5t, Kh7—g8. 17. (Le5Xg7ü, Kg8Xg7. 18. iD,b5Xg4t, Kg7—h7. 19, Tfl—13 .,. (Droht Matt. Dagegen gibt es eine einzige Parade.) 19. .., e6—e5. 20. Tf3—h3f, Dc6—h6. 21. Tlh3X'h6f, lKh7X'h6. 22, Dg4—.d7.... (Dieser Zug bildet die eigenartige Pointe der Kombination. Bis nun hat Schwarz Turm und zwei Figuren: für seine Dame erhalten. Aber jetzt sind' beide Läufer angegriffen. Da er einen von ihnen verlieren muß, behält Weiß entscheidendes, materielles Uebergewicht.) 22., Le7—f6. 23. Dd7Xb7, K!h6— g7. 24. Tal—fl, Ta8-4>8. 25. Db7—d7, T!f8—dß. 26. Dd7—g4f, Kg7—f8. 27. f4Xe5, Lf6—g7. 28.e5—e6, Tb8—b7. 29. Dg4—g6, f7-J6. 30. TflXföf, Lg7Xf6. 31. DgöXföf, Kf8—e8. 32. Df6—h8f, Ke8—e7. 33. Dh8—g7f, Ke7Xe6. 34. Dg7Xlb7, aufgegeben. Eine Partie von ewiger Schönheit. Rätselecke Redigiert von Joto. Kreuzworträtsel 1 | 2 3 5 6 7 8 9 ,0 11 12 13 14 15 IMMI IB \ms 8KB itwn 16 17 SB 18 19 20 i ■ 21 22 ■ 23 24 IT 26 m ■ 27 28 29 30 31 ms WR nwR 32 33 34 H 35 36 37 38 ■ ggf! 39 40 41 42 43 44 45 46 | k | Wag recht. 1. Bergübergang. — 4. Weibl. Vorname. — 8. Vogel. — 9. Hast. — 11. Nebelhorn, auch iSeejungfer. — 13. Reitbahn, Arena. — 15. Gleichgültig.— 16. Ringelwurm. — 17. Schwur. — 18. Warenausstellung. 21, Engl, Untertan. — 22. Weibl, Vorname. — 23. Windstoß. — 24. Blume. — 26. Amerikanischer weibl. Vorname. — 27. Armut, Elend. — 30. Belg. Kurort. — 32. Abzugskanal. — 35. Feierl, Gedicht. — 37. Mineral. — 39. Männl. Bibelgestalt. — 40. Berg in Armenien. — 42. Gemahlin des Me ne laus. — 44. S'tacheltier. — 45. Venpakkungsgewicht. — 46. Vor (lat.). — 47, Palmenmark — Senkrecht: 1. Truppenschau. — 2. Männl. Bibelgestalt. — 3. Abkürzung für „senior". — 5, Weibl. bibl. Vorname. — 6. Ohne (lat.). — 7. Klagelied. — 8. Berg in der Schweiz. — 10. Stadt in der Tschechoslovakei. — 11. Gewässer (Mehrz.). — 12, Lebensbund. — 13. Brei. — 14. Nord. Tierarzt. — 18. Künstler. — 20. Gerade Fläche, — 25. Weibl. Vorname. 26. Span. Provinz. — 28. Stierkämpfer. — 29. Strom in Sibirien, — 31. Dem Nennwert gleich. — 33. Form eines Hilfszeitwortes. — 34. iDistanzbezeichnung. 36, Span, weibl, Anrede, 38. Meerrettich. — 39. Ort in 'Ungarn (Pferderennen). — 41. Oriental, männl. Vorname. — 43. Griech. Buchstabe. Vorstellrätsel . äsen . den . »bei . stern eger . lias . raum . adel . ränge Jedem Wort ist ein 'Buchstabe vorzusefczen, so daß eiq neues Wort entsteht. Die so gefundenen Anfangsbuchstaben ergeben, von oben nach unten, eine Oper von Verdi, Auflösungen der Rätsel aus Nummer 3 Kreuzworträtsels Wagreoht: 2. iMur. 4. Protest. 8. Elias. 10. Geige. 12, iDegen. 14, Atem. 17, Lon, 18. Arie. 20. Ader. 22, Aron. 23. Marille, 24. Eber. 26. Ante. 28. Ural. 29. Ale. 31. Aera. 32. Erato. 34. Amati. 36, Adele, 38. Sänger. 40. 'Lie, — Senkrecht: 1. Mut. 2, Mosel, 3. Regen. 4, Pi. 5. Rad. 6. Sen. 7. Ti. 9. Lied. fl. Giro. 13. Gorilla. 15. Taler. 16. iMemel. 18, Arena. 19. linder. 21. Rar. 22. Ala. 25. Baum, 27. Teil. 29. Ariel. 30. Etage. 32. Eta. 33, Ode, 35. As. 37. Er. Logogriph: Kanone — Kanne Richtige Lösungen der Rätsel in Nummer 3 haben mit drei bezw. sechs Kupons eingesendet: Moses Amster, Emma Altmann, Samuel Aschkemasy, IHans Breit, Fritz Donner, Karl Drucker, 'Elias Ettinger, Josef Eisgrau, Jakob Färber, Sigmund Färber, Moses Gabriel, Kolomian Hammer, Netty Hornstein., (Moritz iKrumbaum, Isak Kirschner, Olga Kirschenlbauim, David Loeb, Max Löwy, Leo Mandl, iMoses Nobel, Wilhelm Pfeffer, Berta Petyn, Abraham Borges, Josua Reiner, Ernst Retter, Hermine Rosiner, Markus Rosienzweig, August Rotter, Adolf Salzmann, Saul Schapdra, Rosalie Sohmelzl, Bertold Sdhorr, Fanny Seidler, Ignaz Stroß, Otto Toch, Max Tonelles, Anna Ziinsler, Jakob Berger. Rätsel-Coupon Nr. 5 Name:.... Wohnort:. Adresse:.. Auch diesmal setzen wir für die richtige Lösung der Rätsel Preise aus, und zwar erhält, wer zusammen mit der richtigen Lösung drei der nachstehenden Kupons einsendet, ein G r a t i s-M onatsabonnement unseres Blatt es, wer sechs Kupons mit der richtigen Lösung einsendet, ein G r a t i s-V ierteljahresabonnement unseres Blattes, Scherz und Humor Von Bela Haas Der beikannte Klaviervirtuo.se Epstein gab in Wien ein Konzert. Das Programm war beendet, da stürzte der vor kurzem verstorbene Bela Haas ganz aufgeregt vor Entzükken ins Künstlerzimmer und beglückwünschte den Konzertgeber mit den Warten: „Hören Sie, Epstein, die ganze Welt sagt, Sie können nix, i c h sag Ihnen, Sie können doch was!“ Das zweite Gesicht Engel, der Besitzer des bekannten Etablissements Kroll in Berlin, war ein Original und über den „Kroll-Engel4* und seine ebenso urwüchsigen wie schlagfertigen Aussprüche kursieren unzählige Anekdoten. Engel war dafür bekannt, daß er die bei ihm engagierten Artisten in der 'Gage drückte und' darüber gab es nicht selten lebhafte Auseinandersetzungen, Zu einer solchen kam es auch einmal zwischen Engel und einem gewissen Gumpert. Bei dem regte sich im Verlaut der ziemlich erregten Diskussion sein „rassischer" Instinkt und er brüllte Engel an: „Sie, Herr Engel, mit Ihrer ekelhaften jüdischen Visage, Sie müßten Ihr Gesicht in der Tasche tragen und Ihr Gesäß oben!" Engel (gelassen): „Hab ich auch schon getan. Da haben mich alle Leute gefragt: Wie gehts, Herr Gump e r t?‘‘ * Aus einem „Kultur“-FeuiIleton „Neugierig strebte ich dem alten Ghetto zu und gelangte bald in jene schmutzigen Straßen, in denen sich das Judentum ami reinsten erhalten hat,"

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