Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1 (1928)
- Issue
- Heft 5 (2.2.1928)
- Date
- 1928-02-02
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Mentioned entities
- Arnold Zweig 1× ep/1009291
- Avrom Reyzen 1× ep/1011110
- Boris Schatz 1× ep/1003832
- Chaim Weizmann 1× ep/1009290
- David Frischmann 1× ep/1009416
- Efraim Frisch 1× ep/1023727
- Haifa 1× ep/1047930
- Hermann Struck 1× ep/1004902
- Mayer Ebner 1× ep/1000009
- Odesa 1× ep/1000834
- Peretz Hirschbein 1× ep/1011112
- Peretz Markish 1× ep/1006594
- Richard Beer-Hofmann 1× ep/1006750
- Shaul Tchernichovsky 1× ep/1009339
- Sigmund Freud 1× ep/1025006
- Vilnius 1× ep/1000947
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Seite 12 DIE STIMME Nr. 5 Nachtun Rakow der Verfasser zahlreicher Melodramen und Singspiele, die über die New Yorker jüdischen Buhnen .gingen, ist 67 Jahre alt in New York gestorben. Von seinen Bühnenstücken sind die bekanntesten „Ghantsche in Amerika", „Der griner Bocher", „Der Talmid-Ghochem", sie gehören auch zum Repertoire der jüdischen Theater in Europa. Perez Hirschbein der bekannte jüdische Schriftsteller, welcher ebenso wie der Wiener Arnold Höllriegel in den letzten Jahren eine Weltreise gemacht hat und seine Reiseeindrücke in geistvollen Essays festhält, ist von dieser Tour um die Welt nach Europa zurückgekehrt und befindet sich gegenwärtig in Paris, von wo er in Kürze in seine Heimat Polen reisen wird. Er gibt seine Essays gesammelt heraus. Hirschbein ist dem Leser¬ und Theaterpublikum bisher als Verfasser einiger feiner Idyllenlustspiele aus dem jüdischen Dorflcben, wie »Grüne Felder« und »Dem Schmieds Töchter« sowie des Legendendramas »Die puste Krejtschme«, welche auch bei den Gastspielen der Wilnaer Truppe und des New Yorker Jiddischen Kunsttheaters in den europäischen Hauptstädten zur Aufführung gelangten, bekannt. Nach den letzten uns zugekommenen Nachrichten ist Hirsobbein bereits in Polen eingetroffen, wo er in einer Reihe von Städten Vorlesungen aus den Tagebüchern seiner Weltreise halt. In Wilna bat er sein Bübnenwerk ,,Dem Schmieds Töchter" inszeniert. Hermann Struck der berühmte jüdische Maler und Radierer, welcher jetzt ständig in Haifa wohnt, hat gegenwärtig eine Kollektivausstellung in New York in einer der größten Galerien der Stadt. Der Leiter der Dekorationsschule des „Bezalel" der seit 1905 in Palästina ansässige Maler Samuel Ben David, ist, wie uns aus Jerusalem berichtet wird, dortselbst gestorben. Ben David 'bat mir ein Alter von 41 Jahren erreicht. Er leitete in der von Boris Schatz begründeten Kunstgewerbeschule ,3ezaiei" in Jerusalem die Abteilung £ür dekorative Kirnst, war auch Spezialist auf dem Gebiete der Teppichweberei, die ebenfalls in der Bezalel-Schufle gelehrt wurde. Von Büchern Juden auf der deutschen Bühne Zwei Dutzend Charakteristiken von Juden, die auf dem deutschen Theater an ragender Stelle stehen: Pallenberg, die Bergner, Fritz Kortner, Schildkraut und die anderen dii maiorum gentium der Schauspielkunst, führt Arnold Zweig in seinem im Weltverlag erschienenen Essay-Band „Juden auf der deutschen Bühne“ in eindringlicher Charakterisierung vor. (Unsere Leser hatten Gelegenheit, eine Probe der Zweig'schen Porträtkunst in dem Aufsatz über Kortner kennen zu lernen, der in Nr. 1 unseres Blattes erschienen ist. — Die Red.) Zweig versucht, das spezifisch Jüdische in der Darstellungskunst dieser Schauspieler zu analysieren; er findet es in einer gewissen metaphysischen Art, die über das Dargestellte hinausgeht. Das Buch (dem gute Illustrationen beigegeben sind), ist nicht alltäglich. e. f. Moses, rassisch irisiert Mehr als allgemein bekannt, ist die Geschichte vom kleinen Moritz, der in der Religionsstunde gefragt wird, wer Moses* Mutter war; er antwortet: „Die Tochter des Pharao". Darauf der Lehrer: „Falsch, die Tochter des Pharao hat Moses im Nil gefunden’1. „Sagt sie" — erwidert Moritz. Daß man diese nicht zu appetitliche Pointe zum Roman auswalzen kann, hat Werner J a n s s e n, der bisher etliche „moderne" Nibehxngenromane für den germanischen Hausgebrauch hergestellt hat, in seinem jüngsten Roman, „Die Kinder Israels" (Verlag Westermann, Braunschweig), bewiesen. Sein Moses ist der Sohn der ägyptischen Prinzessin und eines jüdischen Hofbeamten am Königshof. Das andere ergibt sich von selbst: Rasseninstinkt, Stimmen des Blutes, Berechnung, ewige Fremdheit und derlei Konflikte für das deutsche Haus. Es gibt viel schlechte Moses-Romane, schwerlich aber einen dümmeren als diesen. e. f. Ein Wiener jüdischer Roman Ein Thema, sozusagen in der Luft schwebend, hat ein Mann, kein Literat, kein Berufserzähler, angefaßt: den Weg des bürgerlichen mährischen Juden von seiner Heimat nach Wien, das ihm zur zweiten Heimat wird. Die Fabel, des im Verlag R. Löwit, Wien—Leipzig, erschienenen Romans „Der Sohn des Moses Mautner" von Leopold Hichler ist nicht erfunden. Tausende in Wien lebende Juden haben sie an sich erfahren. Sie ist aber gestaltet worden, von einer zärtlichen Hand und einem noch zärtlicherem Herzen, die beide allzuoft zittern. Aus der mährischen Provinz kommt schönstes jüdisches Blut nach Wien; man liebt die Stadt, in der man Karriere macht; will aufgehen in ihr; ihre Lieder singen, wie man ihren Wein trinkt, bis endlich ein nationaler Jude — wir habens am Jahrhundertbeginn erlebt — die Unmöglichkeit der Vermischung ausspricht und den einzig wahren Weg des Juden, den zum zionistischen Ideal, weist. An diesem Punkt schließt das von Lebenswahrheit strotzende Buch, Weil es echt ist, wird es populär werden. Es gibt ja genug Schicksalsgenossen des Moses Mautner. —ld. „Warum ich Jude bin“? ist der Titel eines neuen Werkes von Edmond Fl e g (dem Verfasser des Romans „L'enfant propih^te"), das demnächst in den „Editions de France" erscheint. Perez in englischer Uebersetzung In einem bedeutenden englischen Verlag erscheinen gegenwärtig die besten Werke der Weltliteratur in englischer Übertragung. Soeben ist als ein Band dieser Sammlung eine Auswahl aus den Schriften des berühmten jiddischen Dichters J. L. Perez erschienen. Es ist nicht uninteressant, zu vermerken, daß vor kurzem in einer Ln Kairo erscheinenden arabischen Wochenschrift je eine Skizze von J. L. Perez und Abraham Reisen in arabischer Uebertragung veröffentlicht wurde. Eine verschollene Erzählung von Scholem Alechem die wohl im Jahre 1903 in einem Lodizer jüdischen Blatt gedruckt worden war, aber nicht in Buchform erschien und aoidh in der Gesamtausgabe der Werke des großen Humoristen keine Aufnahme gefunden hat, ist jetzt im Kiewer Verlag „Kuütiurliga" erschienen. Sie führt den Titel „Moschkele Ganew", Der Stybel-Verlag, das größte Verlagsuntemehmen für die neue hebräische Literatur, wurde vor etwa 10 Jahren von Abraham Josef Stybel, einem reichen Mäzen, in Moskau, begründet, der es sich, ohne auf materiellen Gewinn auszugehen, zum Ziel setzte, verlagsmäßig den Aufbau einer modernen, mit der Weltliteratur und der alten jüdischen Kultur im Einklang stehenden hebräischen Literatur durchzuführen. Dieser Verlag hat Ausgezeichnetes geleistet; er hat die maßgebenden Werke der neuhebräischen Literatur in vorzüglichen Ausgaben ediert und hebräische Uebertragungen bedeutender Werke der Weltliteratur von den besten hebräischen Schriftstellern (Bielik, Frischmann, Tschernichowski u. a.) herstcllen lassen und herausgegeben. Die Verhältnisse in Rußland haben den Stybel-Verlag in eine schwere Krise gebracht. Jetzt scheint diese Krise überwunden zu sein und er setzt seine Tätigkeit unter der Führung von Dr. Saul Tschernichowski, Benzion Katz und Dr. J. Rawidowicz in Berlin fort. Zweigunternehmungen befinden sich in Warschau und Tel Awiw, Die Reihe der hebräischen Uebertragungen aus der Weltliteratur wird durch Ausgaben der Ilias, mehrerer Shakespeare-Dramen, der Werke von Spinoza und Platon usw. fortgesetzt. An Originalwerken erscheint in Kürze u, a. ein großer Roman aus der Zeit der russischen Revolution, aus der Feder von Mitoch Hakez; ferner kommen S. Ans leis Werke „Der Untergang der Juden in Galizien", Band 7 und 8 der gesammelten Werke von Brenner und als Jubiläumsband der 25. Band der vom Stybel-Verlag seit seinem Bestehen herausgegebenen periodischen Sammelschrift „Hatekupha". Thesaurus medicus hebraicus Das von Dr. Alexander ,M a 1 c h i in Jerusalem in acht Jahren hergestellte hebräische medizinische Lexikon ist soeben unter dem Titel „Thesaurus Medicus Hebraicus" in Buchform erschienen. Sämtliche medizinischen Termini sind lateinisch und hebräisch wiedergegeben und erläutert. Es handelt sich um etwa 4000 Fachausdrücke, die auch in verwandte Gebiete, wie Botanik, Zoologie, Physik und Chemie, fallen. Büchereinlauf Efraim Frisch: Zenobi, (Roman.) Bruno Cassirer, Verlag, Berlin. Wolfgang v. W e'i s 1: Zwischen Teufel und dem Roten Meer. Verlag F. A. Brodkhaus, Leipzig. Prof. Sigmund Freud: Die Zukunft einer Illusion. Internationaler Psychoanalytischer Verlag, Wien—'Leipzig. Julie Wassermann-Speyer: Das lebendige Herz. (Roman einer Frau.) Bücherlese-Verlag, Leipzig. Prentice M u 1 f o r d: Der unendliche Geist des Guten. R. Löwit-Verlag, Wien—Leipzig. Michael A. Kusmin: Der stille Hüter (Roman). Merlin- Verlag, Heidelberg. Uplon Sinclair: Die goldene Kette. Malik-Verlag, Berlin, Leopold Hichler: Der Sohn des Moses Mautner. (Ein Wiener Roman.) R. Löwit-Verlag, Wien—Leipzig. Acme Palliere: Das unbekannte Heiligtum. Welt-Verlag, Berlin. Dr. Mayer Ebner: Chaim Weizmann. Ein Porträt. Im Selbstverläge des Verfassers (Czernowitz). \ Musikalien-Handlung und Antiquariat G. m. b. H. I Verlangen Sie Prospekte kostenlos- Bestassortiertes Lager aller Editionen. — Klassische und moderne Musik. — Studienwerke für alle Instrumente. — Spezialgeschäft für Orchestermu-Ik. Prompter Provinzversand- WIEN VI., MAR1AH1LFERSTRASSE NR. 91 / ■ »•■■jiMHeiiaauuttaMMaenflilMk I Europäische Uraufführung eines hebräischen Violinkonzertes Der russische, in Amerika naturalisierte Jude Louis W. Krasner erwies sich an seinem Konzertabend als Geiger großen Stils. Den Maßstab biefür boten die von heimischen Violinvirtuosen gespielten Konzerte von Brahms und VivaMi. Neu für Wien war das Konzert für Violine und Orchester von Josef Achron, dem berühmten jüdischen Komponisten, dessen Name allerdings bekannter ist als seine Werke. Violinkonzert — opus 60! Es besteht aus zwei Sätzen, von denen der erste durchwegs yemenitische Motive enthält, die, frei behandelt, nebeneinander, iibejeinander, nacheinander laufen, in der kontrapunktlichen Durchführung teils erweitert, teils reduziert werden, ohne an logischer Lebendigkeit einzubüßen. Die Art der Durchschlingung der Themen bezeugt die moderne Schule Achrons. Im zweiten Satz erscheinen zwei yemenitische Melodien in der Art freier spielerischer Improvisationen, zusamraengehalten durch die Wiederkehr der Hauptmotive. Das für das europäische Ohr Neue war die Farbenmischung der Orchesters, das über die »Salome« von R. Strauß hinausgehend, die akustischen Reize der orientalischen Welt in genialer Weise malt, zum Teil durch reichliche Verwendung von Schlagwerk, wobei der Geige die Rolle der Themenfortführung und Erweiterung zufällt. Der Erfolg der Achron-Komposition hielt die Wage dem persönlichen Erfolg Krasners. Die Wiener musikalische Gemeinde nahm das Neue mit unerhörtem Enthusiasmus auf. Zweifellos wird das Violinkonzert des hebräischen Komponisten Achron nach der einzigartigen Interpretation durch L. W. Krasner vom europäischen Konzertrepertoire nicht mehr verschwinden, —ld. Aus den Wiener Theatern Offenbar da Gespensterstücke stets Zugkraft auf des Publikum üben, wurden im Deutsahen Volkstheater die Gespenster <ler Habsburger beschwaren. Ein von Friedrich Schrey vo gl dramatisierter „Johann: Orth" diente solchen} Zweck. Die Geschichte des verschollenen Erzherzogs ist notdürftig für einen Zwölfkreuzerroman zu brauchen, szenisch gestellt wird sie vollkommen uninteressant. So viel Mühe sich auch Wilhelm Klitsch., der Theater-Orth, und Elisabeth Markus, die Theater-Stubel, gaben, — man gähnte ins Leere. Dafür hat Direktor Beer mit einem anderen Kolportagestoff einen guten Griff getan. Karl Zuckmayer, der Mann des „Fröhlichen Weinberg", übrigens jüdischer Abstammung, hat „Schiinderhannes", den vielbesungenen edlen Räuber zum Helden eines Volksstiickes gemacht und es ist ein lebendiges, kräftig gezimmertes Theaterstück, an einzelnen Stellen, wie etwa in der Trinkszene vor dem Schluß weit mehr als 'bloßes Theater, nämlich Dichtung. Die Aufführung ist (abgesehen van dem Dialekt, der rheinländisch gesprochen wird) ausgezeichnet, die Typen sind plastisch herausgearbeitet. Für Schindertaannes hat das Volkstheater Wilhelm Klitsch einzusetzen; er ist ein braver, weißer Räuber; ein 'Schauspieler, der einen gesprenkelten Räuber darstellen kann, wäre wirksamer. Eine prächtige Episode gibt Herr Brandt, Hier scheint ein Zugstück gewannen au sein. — Auch, die Renaissancebühne hat ein Zugstück; es heißt: Charlotte Ander als Filmstar. Die szenischen Unterlagen hat Ludwig Fuldas angebliche Burleske ,,Filmrom am tiik" geliefert. Die Bühnentechnik ist dreißig bis vierzig Jahre alt, die Einfälle sind noch älter. Aber die Ander ist entzückend und Josef Jarno spielt einen Filmmanager aus der ihm gelieferten Pappendeckelvorlage in die große lebendige Tragikomik hinüber, daß es einem manchmal — vor Ergriffenheit und Lachen zugleich — den Atem beniipmt. Ecce, histrio! — Das jüdische Theater Wiens hat ein Ereignis: Isaak Den ts c h, der Leiter der noch unvergessenen „Freien jüdischen Volksbühne" hat aus Argentinien heimgetfunden. Er ist in den Jüdischen Künstlerspielen (im Theater Reklame auf der Praterstraße) in Goldfadens „Opferung Isaaks" aufgetreten. Ist das vielleicht Programm? Es wäre verheißungsvoll. Denn Goldfadens Singspiele neu zu beleben wäre des Schweißes der Besten wert. Und Isaa'k Deutsch, der dem strebsamen, aber bisher künstlerisch proifiLlosen Theater Führer sein könnte, ist einer der Besten, wenn er seine künstlerische Energie einsetzt. Hier wäre Material, aus dem man Funken schlagen könnte und Isaak Deutsch wäre der Mann dazu. Wir hoffen und barren .... _tz. Das hebräische Theater »Habimah« welches, wie bekannt, nach seinem Gastspiel in Amerika sich gespalten hat, besteht jetzt aus zwei »Habimah«-Zellen. Der eine Teil, unter der Leitung von N. Z e m a c h, befindet sich in New York und hat, wie uns berichtet wird, dort mit einer Serie von Vorstellungen begonnen. Die Eröffnungsvorstellung war »Jaakobs Traum« von Richard Beer-Hofmann. Als nächstes Stück geht H. Saklers Legendendrama »Des Zadiks Versuchung« in Szene. Saklers ist ein New Yorker Bühnenschriftsteller, dessen in jiddischer Sprache abgefaßte dramatische Werke in der amerikanischen Hauptstadt Anwert finden. Sein oben erwähntes Drama wurde für die Aufführung der Habimah ins Hebräische übertragen. Die New Yorker Habimah-Gruppe hat durch einen jungen Schauspieler aus Palästina, Ari K u t a j, Zuwachs erhalten. Kutaj hat die Rolle des Jaakob in dem Stück von Beer-Hofmann mit Erfolg gespielt. Die zweite Habimah-Gruppe, die nach Europa zurückgekehrt ist, gastiert jetzt in einer Reihe von deutschen Städten. Nach Beendigung seiner Gastspiele in Deutschland wird der in Europa befindliche Teil der „Habimah" im Februar in Mailand und Rom gastieren. Im März wird der europäische Teil der »Habimah« in P alästina eintreffen, um dort einige Monate zu spielen und während dieser Zeit auch neues Repertoire einzustudieren. Ein jüdisches Staatstheater für Weißrußland Aehnlich dem Moskauer jüdischen Kammertlheater besteht auch in der weißrassisch en Sowjetrepublik ein jüdisches Staatstheater, das seine Saison Mitte Oktober v. J. in Odessa begonnen hat. Bisher sind sechs Neuaufführungen (heraus geh rächt worden, darunter eiine Dramatisierung von Scholem Alechems „Aristokraten", die von D. WoJkenstean als Bühnenkomödie bearbeitet wurden. In Vorbereitung befindet sich eine Bearbeitung der zwei dramatischen Tendenzdichtungen „Die Taxe" und „Die Assentierung" von Mendele Mocher S'forim, die zum Teil von dem bekannten jüdischen 'Dichter Perez Märkisch vorgenommen wurde. ‘Die beiden dramatischen Satiren iMendeles gegen die jüdischen Gemeindegewaltigen im alten Rußland sind in eine Bühnendichtung ziusammengezogen worden, die unter dem Titel „Wohltäter" zur Aufführung kommen wird. Abraham Morewsky der berühmte jüdische Schauspieler, ist jetzt Mitglied der Jüdischen Bühne in Krakau und hat dort soeben die Hauptrolle in Leiwiks »Schmales« mit großem Erfolge gegeben. Er führt demnächst in diesem Theater das Wildgans’sche Drama »Kain« in jiddischer Sprache aut. Jüdische Künsilerspiele im Theater .Reklame, 11., Praterstraße 34. Von Freitag den 3. Februar bis Donnerstag den 9. Februar gelangt das Singspiel „Jideles Bar Mizw a h" von A. Tomaschewski mit Isaak Deutsch als Gast zur Aufführung. Die jüdisch-amerikanische Soubrette Betty König wurde für ein längeres Gastspiel verpflichtet. Jüdische Bühne (II, Bez., Taborstraße 12, Hotel Stephanie). Wochenprogramm: Freitag 3. bis Montag 6. Februar „Das Stiefkind der Wel t". Sonntag 3 Uhr Nachmittagsvorstellung „Das alte und neue Gesetz". Lebensbild in vier Akten. Dienstag 7. Februar „17 Jahre Kcrk e r‘\ Lebensbild in vier Akten. Mittwoch 8. Februar „D a s Z i g e u r. e r m ä d 1". Operette in drei Akten. Donnerstag 9. Februar „Der blinde Male r’1. Lebensbild in drei Akten, Beginn 8 Uhr. Ende 11 Uhr. Mit Ausnahme Sonn- und Feiertage freier Eintritt.