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Die Stimme · 1928-02-02 · Heft 5 (2.2.1928) · page 10

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 5 (2.2.1928)
Date
1928-02-02
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
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Seite- 10 DIE STIMME Nr. stenz, und bringt den belebenden Sauerstoff mit sich, die Botschaft des Trostes, der Hoffnung und der Tai Er schlägt Funken aus den Herzen der Juden, er tut das, was die Rabbiner, die Dichter, die Schriftsteller, die Redner tun sollten: er ist der Bote, der die dürren Knochen belebt. Aber der Delegierte vollbringt auch eine politische Mission. Wohin er kommt, betrachten ihn die Führer der Völker als einen Abgesandten des jüdischen Volkes, des jüdischen Staates, wenn auch nur vorübergehend. Hier in der Werkstatt versteht man erst den Wert der Delegierten und den Wert ihrer Arbeit. Hier versteht man aber noch etwas — das Geheimnis des Aufbaues des Landes, das Herz dieses Organismus mit allen seinen versteckten Winkeln. Hier erfaßt man das große Geheimnis, das alles noch auf Selbstaufopferung beruht, auf der guten Absicht und dem guten Willen. Ein Volk, welches seit zweitausend Jahren zerstreut lebt, will jetzt sein nationales Heim aufbauen. Ein Volk, das keine Regierung und keine Herrscher hat, das keinerlei Zwangsmittet besitzt, das gewöhnt ist seinen Groschen zu geben aber nicht Steuer zu zahlen, das seine Individualität mehr schätzt als alles — von einem solchen Volke kamen in sechs Jahren rund vier Millionen englische Pfund, hundert Millionen französische Franken ein; und das alles freiwillig, aus gutem Willen, aus inniger Volksliebe! Hier begreift man das große Geheimnis und die Sympathie der ganzen Welt. Im August 1926 wurde die Werkstatt des Palästinaaufbaues von London nach Jerusalem verlegt. Der Uebergang von London nach Palästina schuf eine neue Situation. War es doch der Uebergang aus einem Weltzentrum in eine kleine stille Gasse von Jerusalem. Man dachte an die Schwierigkeit der Verbindung mit der Welt. Und jetzt — die zwölf Türen der zwölf Zimmer sind für jedermann offen; für Felix Warburg ebenso wie für den Sohn von Louis Marshall und für einen Juden aus Jemen. Wer sich irgendwie zu beklagen hat, kann es tun und noch niemand hat geklagt, daß er eine verschlossen** Tür gefunden hätte. Es ist Geduld, unendlich viel Geduld in diesem Haus vorhanden. Hier ist man für alles gerüstet und hat für alles Zeit: für die Besuche von Konsuln, für Informationen an Journalisten, für die Verbindung mit den jüdischen Siedlungen in Palästina in allen Gegenden und Zonen ihres Sitzes und ihrer Weltanschauung. In diesem Hause wurde eine Tribüne geschaffen, wo die Leiter der Aufbauarbeit und der einzelnen Ressorts der zionistischen Exekutive sich mit den Vertretern der öffentlichen Ein jüdischer Religionsschul' Inspektor, der den Weih' nachtsbaum propagiert Dr. Redisch muß entfernt werden, Schulinspektor der Wiener Kultusgemeinde für den jüdischen Religionsunterricht ist Herr Doktor Redisch. Man sollte meinen, daß es seine Aufgabe wäre, sein Augenmerk auf die Verbesserung des Religionsunterrichtes zu richten, dessen jüdische Werte zu pflegen und zu erhalten. Herr Doktor Redisch aber faßt sein Amt ganz anders auf, Das beweist eine Rede, welche er bei der letzten Konferenz der jüdischen Religionslehrer, der er präsidierte, gehalten hat. Was sich Dr. Redisch dort leistete, ist so unerhört, daß die Kultusgemeinde diesen Mann, der sein Amt statt zur Förderung zur Verächtlichmachung jüdischer Werte benützt und Entjudung propagiert, sofort entfernen muß. Ueber den Verlauf der Tagung wird folgendes bekannt: Die Religionslehrerversammlung hatte den Zweck, eine Debatte über den vom Religionsschulinspektorat und der Arbeitsgemeinschaft der Religionslehrer ausgearbeiteten neuen Lehrplan abzuführen. Religionslehrer Pick wies nach einem Referat des Religionsschulinspektors der Kultusgemeinde Professor Dr. Redisch darauf hin, daß der Kultusvorstand den Religionslehrern nicht die nötige Unterstützung angedeihen lasse. Dann erklärte Fräulein Haber, daß der Lehrplan, insbesondere für die untersten Klassen, völlig unbrauchbar sei. Die Lehrpersonen müssen sich darauf beschränken, den Kindern durch Erzählungen das Verständnis für die wichtigsten jüdischen Feste beizubringen. Sie selbst werde unabhängig von jedem Lehrplan diese Uebung fortsetzen. Darauf machte Religionsinspektor R ed i s c h den ersten Zwischenruf, der peinliches Aufsehen erregte. Er sagte nämlich: „Dann werde ich der erste sein, der Sie beim Stadtschulrat anzeigt!“ Lehrer Schwertfinger beklagte es, daß der Religionslehrer in den zwei Wochenstunden, die ihm zur Verfügung stehen, den Einfluß des allgemeinen Lehrers, dem die Schüler die ganze Woche anvertraut sind, nicht paralysieren könne. An diesem Zustande könne auch der beste Lehrplan nichts Meinung des Landes und der Welt treffen, um sie zu hören, ihre Kritik entgegenzunehmen und ihre Fragen zu beantworten. Hier haben die Führer und Leiter die Möglichkeit, aus dem Munde der öffentlichen Meinung die Fehler zu erfahren, die in der Arbeit gemacht wurden. Das Wichtigste aber ist, daß sich das Zentralbüro heute im Herzen des Landes und im Zentrum der Arbeit befindet. Wohin der Fuß im Lande tritt, dort sind die Resultate dieser Arbeit sichtbar. Die Chaussee, über welche der Fuß der im Lande Anwesenden schreitet, das elektrische Licht, die Arbeit des Bauern, des Fabrikanten, des Handwerkers, des Lehrers, des Arztes, des Schlächters, des Rabbiners — sie alle stammen aus der Quelle des Keren Hajcssod und werden von ihr gespeist. Die Ergebnisse dieser Arbeit könnten viel größer sein, wenn die Opferwilligkeit, auch die Opferwilligkeit in der Propaganda größer wäre, wenn zum Beispiel die Zahl der freiwilligen Propagatoren sich vermehren würde. Mit der Steigerung der Einnahmen werden die Kosten verringert. Das ist ein ehernes Gesetz. Doch groß ist das, was erreicht wurde: daß das Volk in seiner Gänze erfaßt wurde und zu einer großen, schöpferischen Arbeit geeint ward, die jetzt im Anfang steht. Im Zentrum dieser großen Schöpferarbeit aber gibt es ein Auge und ein Herz; sie befinden sich in dem ruhigen Hause, in dem stillen Gäßchen von Jerusalem. Der Keren Hajessod als Erbe Aus Bukarest wird uns berichtet: Die soeben erfolgte Oeffnung des Testamentes des vor drei Jahren in Bukarest verstorbenen sephardischen Juden E. Cohen-Lina ru ergab, daß der Verstorbene sein gesamtes Vermögen, Häuser im Werte von etwa zehn Millionen Lei, dem Keren Hajessod. vermacht hat. Seine Bibliothek und wertvollen Gemälde hat der Verstorbene der Jerusalemer Kunstschule ,,Bezalel“ und der Hebräischen Universität vermacht. Testamentsvollstrecker sind die Leiter des Keren Hajessod in Rumänien. „Palästina“ Monatsschrift für die Erschließung Palästinas Das einzige Organ, das alle den Ausbau des jüdischen Palästina betreffenden Fragen behandelt und das ganze sonst weithin zerstreute darauf bezügl. Material konzentriert. Redaktion: Adolf Böhm / Zu beziehen durch die Administration: Wien 1, Kärntnerstraße 28 Bezugspreise für Österreich S 10*—, für Ausland S 12#— ändern, bevor nicht die jüdische Schule zur Wirklichkeit geworden ist. Der jüdische Religionslehrer ist dagegen machtlos, wenn auch die jüdischen Schüler wochenlang hindurch den Weihnachtsbaum zeichnen müssen. Auf diese Ausführungen hin fand es Herr Redisch für notwendig, eine Brandrede gegen den Zionismus und die von den Zionisten geförderte jüdische Schule zu halten. Unter anderem sagte der jüdische Religionsschulinspektor von zahlreichen Zwischenrufen des zionistischen Kidtusvorstehers Dr. Klaber unterbrochen, folgendes: In allen Ländern, in denen die konfessionelle Schule besteht, wird das Bildungsniveau stark herabgedrückt. Es war ein törichter Wunsch, auf dem Zionistentag die Forderung nach einer jüdischen Schule aufzustellen, Und es muß als schweres Unglück bezeichnet werden, wenn es je in Wien zur Erfüllung dieser Forderung kommen sollte. Das jüdische Realgymnasium, dessen Wert er unbedingt anerkennen müsse, habe, so sagte Doktor Redisch, mit finanziellen Schwierigkeiten ztt kämpfen, was ein Beweis dafür sei, daß ein wirkliches Interesse an dieser Anstalt nicht bestehe. Der Redner befaßte sich sodann in geradezu unqualifizierbarer Art mit der Person des verstorbenen Oberrabbiners C h a j e s und bezeichnete diesen als Illusionisten. Er müsse sehr bedauern, daß Chajes nicht mehr dazu gekommen sei, auch auf dem Gebiete des Religionsunterrichtes eine lebhaftere Tätigkeit zu entfalten. Der Oberrabbiner, den er persönlich sehr hochgeschätzt habe, hat am Jomkipur die Mühe nicht gescheut, vor der jüdischen Jugend zu sprechen. Er hätte dies ebenso gut in einem Wirtshaus tun können, auch dort wäre er angehört worden. Zum Schluß sagte der Herr Religionsschulinspektor, man werde sich auch noch mit dem Weihnachtsbaum aussöbnen müssen und berief sich dabei auf die angebliche Aeußerung eines Rabbiners, der ihm einmal gesagt habe, er könne es sich nicht versagen, seinem kleinen Töchterchen einen Weihnachtsbaum zu stellen. Bei diesen Worten steigerte sich die Erregung zu einem wahren Tumult. Die zionistischen Mandatare, Kommerzialrat Markus, Professor Rath und Dr. Klaber forderten von Dr, Redisch Aufklärung, doch dieser zog es vor, sich einer Auseinandersetzung durch eiligste Flucht zu entziehen. Bemerkt werden muß, daß Professor Redisch diese Aeußerungen nicht etwa in irgendeiner Affektstimmung gemacht hat, sondern daß er diese Rede fast w örtlich vor seinen Schülern im Religionslehrerseminar und in seiner! < ge schon viel früher gehalten hat Die zionistischen Mandatare des Kultusvorstandes traten sofort nach dieser Sitzung zu einer Beratung zusammen und beschlossen, vom Präsidium die sofortige Pensionierung des Religionsschulinspektors Redisch zu fordern; sie wollen die ganze Angelegenheit in Form einer Interpellation im Kultusvorsland vor aller Oeffentlichkeit zur Diskussion stellen. Wie der Wiener Oberrabbiner gewählt wird Die Kombinationen über die Nachfolge des Oberrabbiners Professor Chajes entbehren, wie wir bereits nach Erkundigungen an unterrichteter Stelle mitteilen konnten, jedes realen Hintergrundes, Die Suche nach einer geeigneten Persönlichkeit zur Uebernahme dieses Amtes ist eine schwierige Angelegenheit, Eine Stelle, die eines Mannes von ganz exzeptionellen Fähigkeiten bedarf, kann von heute auf morgen nicht besetzt werden. Auch der Weg eines Konkurses, der bei der Besetzung von Stellen sonst üblich ist, kann in diesem Falle nicht beschritten werden. Die Person des zukünftigen Oberrabbiners wird von Fachleuten den maßgebenden Faktoren der Kultusgemeinde vorgeschlagen, die dann genaue Erhebungen über den in Aussicht genommenen Kandidaten, vorerst rein vertraulich vornehmen lassen. Erst wenn das Resultat dieser Erhebungen ein befriedigendes ist, wird mit der betreffenden Persönlichkeit Fühlung genommen, ob sie geneigt wäre, einer Berufung Folge zu leisten. Ist eine geeignete Persönlichkeit gewonnen, dann kann die Ernennung erst in die Wege geleitet werden, bei der nach dem Kultusgemeindestatut folgende Vorschriften zu beobachten sind: Vor der endgültigen Ernennung durch den Kultusvorstand ist eine Vertrauensmänner ver- Sammlung anzuhören, deren Mitglieder aus den einzelnen Bethausvereinen bestimmt werden. Dieser Vertrauensmänner Versammlung wird der präsumptive Oberrabbiner vorgeschlagen und sie kann ihr Votum abgeben, das jedoch der Entscheidung des Kultusvorstandes in keiner Weise präjudiziert. Bei der Berufung der Vertrauensmänner ist darauf zu achten, daß deren Zahl doppelt so groß sein muß, als die Zahl der Kultusvorsteher. Erst nach der Abgabe des Gutachtens durch die Vertrauensmännerversammlung kann sich das Plenum des Kultusvorstandes mit der Frage der Ernennung des neuen Oberrabbiners befassen. Dabei sei ausdrücklich darauf hingewiesen, daß das Statut einen Unterschied zwischen Rabbiner und Oberrabbiner nicht kennt. Zur Wahl des neuen Rabbiners ist die Anwesenheit von mindestens 22 Kultusvorstehern, darunter eines Mitgliedes des Präsidiums erforderlich. Für den Kandidaten müssen mindestens 18 Mitglieder des Kultus Vorstandes stimmen, um seine Wahl zu ermöglichen, Der neue Oberrabbiner bedarf, um sein Amt antreten zu können, der Bestätigung durch die Landesregierung, die binnen 30 Tagen unter Angabe der Gründe verweigert werden kann. Von einer Probepredigt wird gewöhnlich Abstand genommen, da es sich doch in der Regel um Persönlichkeiten handelt, die über Rang und Namen verfügen, denen also die Ablegung einer derartigen Prüfung nicht zugemutet werden kann. Dagegen werden die in Aussicht genommenen Herren eingeladen, vor den Vertrauensmänner ihr Programm zu entwickeln. Die B es o 1 d u n g des Oberrabbiners ist an kein bestimmtes Schema gebunden, sondern wird vom Kultusvorstand in Ansehimg der Person individuell festgesetzt. Oberrabbiner Chajes bezog ein Gehalt von 1600 Schilling, die er, wie bekannt, nur zum geringsten Teil für sich verwendete. Dreiviertel dieses Betrages ließ er an Wohlfahrtsinstitutionen überweisen. Oberrabbiner Chajes lehnte es stets ab, bei Trauungen und Begräbnissen zu fungieren. Gerade aus dieser Täiigkeit beziehen aber die anderen Rabbiner ein bedeutendes Nebeneinkommen, das jedoch ziffernmäßig nicht erfaßt werden kann. Fast ebenso schwierig, wie die Besetzung des Oberrabbinates ist die Suche nach einem geeigneten Nachfolger für den im Vorjahr ebenfalls plötzlich verstorbenen Oberkantor Kaufmann. Im Konkurswege sind etwa 50 Gesuche von Bewerbern eingelaufen, die jetzt einer eingehenden Prüfung unterzogen werden. Die für geeignet erscheinenden Bewerber werden eingeladen, zunächst in geschlossenem Kreise vor Fachleuten und Vertrauensmännern eine Probe ihres Könnens abzulegen, ehe ein öffentliches Probesingen veranstaltet wird. Nach dem Gutachten der Sachverständigen und dejn Resultat des Probesingens, stellt dann der Bethausvorstand an den Kultusvorstand das Ansuchen, den betreffenden Kandidaten zu ernennen. Vor der Ernennung wird der sittliche und religiöse Lebenswandel des neuen Kantors einer eingehende« Prüfung unterzogen. Die jüdische Gemeinde

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