Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1 (1928)
- Issue
- Heft 5 (2.2.1928)
- Date
- 1928-02-02
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3053752-3053753-3053758--0075-3055331- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Oradea 2× ep/1002404
- Minsk 1× ep/1000754
OCR text
Nr. 5 DIE STIMME Seite 5 Die Urteile gegen die Jassyer Synagogenschänder Müde Strafen, — Hungerstreik und Berufungen. — Ein Jude wird als antisemitischer Exzedent verurteilt! Aus Bukarest wird uns berichtet: Der Prozeß gegen die sechs Studenten, welche der Teilnahme an der Synagogenschifndung in Jassy überführt wurden, war, wie ihr Korrespondent bereits berichtete, unter dem Druck der Straße vertagt worden. Nach seiner Wiederaufnahme erwies sich eine neuerliche kurze Vertagung als notwendig, da über Anordnung der obersten Justizbehörde ein Mitglied des Richterkollegiums suspendiert und verhaftetwurde. Der verhaftete Richter, ein Anhänger des Exkronprinzen Carol» ist als antisemitischer Hetzer bekannt. Erst im dritten Verhandlungsabschnitt wurde das Urteil gegen die sechs Angeklagten gefällt; vier von ihnen wurden zu je zwei Monaten, zwei zu je vier Monaten Gefängnis verurteilt. Das ohnehin sehr milde Urteil hat bei den Terrorstudenten neue Demonstrationen ausgelöst. Ein Teil der Verurteilten ist, offenbar über Weisung der Leiter der Demonstrationskampagne, in den Hungerstreik getreten. Die Berufungen der wegen der Exzesse in Großwardein und Klausenburg verurteilten Studenten wurden vom militärischen Revisionsgericht abgewiesen. In Klausenburg wurde ein Student verhaftet, der eine Thorarolle, welche bei den Exzessen aus der Synagoge gestohlen worden war, der jüdischen Gemeinde um 60,000 Lei zum Kauf anbot; er hat bestanden, bei dem Einbruch in die Thoralade beteiligt Gewesen zu sein. Unter den wegen der Exzesse in G r o ß w a rd e i n verurteilten Personen befindet sich ein jüdischer Fußballer namens Blum. Seine Verurteilung hat in der Judenschaft höchste Entrüstung hervorgerufen, da Blum mit den Ausschreitungen in gar keinem Zusammenhang steht. Weitere Prozesse In Großwardein ist der bereits einmal vertagte Prozeß gegen die zwei Studenten, welche den jüdischen Hotelier Waislovich durch Mißhandlungen lebensgefährlich verletzt haben, neuerdings vertagt worden und soll nunmehr in Klausenburg stattfinden. Vor dem Bukarester Militärgericht haben sich drei Studenten zu verantworten, welche zwei i t alienische Staatsangehörige, die sie für Juden hielten, auf der Straße tätlich angegriffen hatten. Einer der Angeklagten wurde zu 20, die anderen zu je 10 Tagen Gefängnis verurteilt. Eine Erklärung des rumänischen Gesandten in Washington Wie bereits seinerzeit gemeldet, hat das Mitglied des Kongresses der Vereinigten Staaten Mr. Sirovich eine Kongreßresolution eingebracht, welche fordert, der Präsident der amerikanischen Union möge die diplomatischenBeziehungen zu Rumänien abbrechen, wenn sich die Exzesse gegen die Juden wiederholen. Daraut hat, wie unseren Lesern ebenfalls bereits bekannt, der rumänische Gesandte in Washington Grezian u bei Louis M a r s h a 11 vorgesprochen, um von ihm eine Einflußnahme auf Sirovich dahin zu erwirken, daß Sirovich die Resolution zurückziehe. Da dieser Schritt des Gesandten ergebnislos blieb (Sirovich hat inzwischen im Kongreß seine Resolution eingehend begründet), hat sich der rumänische Gesandte auf Anraten Marshalls mit einem Schreiben direkt an Sirovich gewendet. In diesem Schreiben hat der rumänische Gesandte die offizielle Zusicherung an die Juden der Vereinigten Staaten abgegeben, daß die rumänische Regierung künftig keine Ueberfälle auf Juden dulden werde. Sirovich nahm diese Zusicherung mit der Erklärung entgegen, die öffentliche Meinung der Vereinigten Staaten werde fordern, daß Rumänien die Versprechungen auf Gewährung vollständiger Gleichberechtigung an die rumänischen Juden erfülle, die esimVertragvonVersail- I e s abgegeben hat. Die jüdischen Studentein an den preußischen Universitäten Auf Grund neuester Publikationen des Preußischen Kultusministeriums und des Statistischen Landesamtes stellt die Sektion für Wirtschaft und Statistik beim Jüdischen Wissenschaftlichen Institut zu Berlin eine Reihe interessanter Statistiken zusammen, d)ie den Stand der jüdischen Studentenschaft in Preußen beleuchten. Im Jahre 1927 besuchten die preußischen Universitäten, technischen, Handels- und landwirtschaftlichen Hochschulen insgesamt 2312 jüdische Studenten, was 4.5 Prozent der Gesamtzahl der Hörer ausmacht. Dabei entfiel die größte Zahl jüdischer Studierender — 972 — auf die Universität Berlin. Ihr folgen die Technische Hochschule Berlin mit 264, die Universität Frankfurt a. M. mit 248, Universität Bresilau mit 187, Köln mit 162, Bonn mit 129, Handelshochschule Berlin mit 81, Universität Königsberg mit 62, Göttingen mit 36, Halle mit 34 und die Technische Hochschule Breslau mit 34 jüdischen Studierenden. 'Die jüdische Studentenschaft 'Preußens setzt sich zu 25.5 Prozent (590 -Studierende) aais Ausländern zusammen. Von den reichsdeutsahen jüdischen Studenten besuchen 33.4 Prozent die juristischen, rechts- und staatswissenschaftlichen Fakultäten (von den reichsdeutschen nichtjüdischen Studenten tun dies 25.7 Prozent) und ebensoviel die philosophischen, Wirtschaft«-, sozial- und naturwissenschaftlichen Fakultäten (Nichtjuden 39.2 Prozent). Bloß 20 Prozent studieren Medizin (Nichtjuden nur 10.4 Prozent); 10.9 Prozent besuchen die technischen Hochschulen (Nichtjuden 14.7 Prozent) und nur 2 Prozent die Handelshochschulen (Nichtjuden 2.9 Prozent). Zieht man die Ziffern der Vorkriegszeit zum Vergleich heran, so stellt man einen bedeutenden Rückgang des Studiums von Juden an den preußischen Universitäten fest. iSo zählte z. B. die Universität Berlin im Jahre 1905/06 16.9 Prozent Juden, dagegen im Jahre 1927 nur 10,6 Prozent. Die Universität Breslau hatte im Jahre 1906/06 8,4 Prozent, jetzt nur 6.2 Prozent Juden. An der Universität Königsberg ist der jüdische Anteil von 10.7 auf 3.2 Prozent zurückgegangen. Im allgemeinen verringerte sich der Prozentsatz der Juden an sämtlichen preußischen Universitäten von 7 Prozent im Jahre 1905/06 auf 3.9 Prozent im Jahre 1927. i i'\ Toiletten für die | elegante Dame 1 Ha Utes coutures i Von der Krim nach Sibirien Wie wir in unserer letzten Nummer berichtet haben, verfügt die Sowjetregierung über keinen Boden me h r für die Judenkolonisation in Rußland und will, um den Schein zu wahren, jetzt Sibirien als jüdisches Kolonisationslaml zum Ersatz für das versprochene »Krimparadies« ausrut'en. Der Beginn dazu wurde bereits gemacht. Wie uns aus M o skau gemeldet wird, hat die Regierungskommission für clie jüdische Landansiedlung »Komzet« beschlossen, sich an das allrussische Binnensiedlungskomitee mit dem Ersuchen zu wenden, den Birer-Bidschaner Rayon im Fernen Osten dem »Komzet« für Judensiedlungen zur Verfügung zu stellen; ferner wurde beschlossen, die notwendigen »Maßnahmen« zur Organisierung der Arbeit in diesem sibirischen Rayon noch im Jahre 1928 zu treffen. Natürlich wurden gleichzeitig alle beamteten Münder und Federn in Bewegung gesetzt, um das neue Siedlungsland als das »gelobte Land« hinzustellen. Es wird versichert, der Birer-Bidschaner Rayon, der am Fluß Tschingan in Sibirien liegt, sei durch eine wissenschaftliche Expedition geprüft und als geeignetes Siedlungsland befunden worden. Dort sei die Möglichkeit einer geschlossenen jüdischen Siedlung, die in den bisherigen Rayons der Judenkolonisation gefehlt habe, und es sei Platz für mindestens eine Million Seelen. In den nächsten Jahren könnten rasch 35,000 Familien angesiedelt werden. Verschwiegen wird dabei eins, daß das Gebiet des Flusses Tschingan fast völlig versumpft ist. Dafür aber wird man wahrscheinlich bald eine neue Auflage der Pläne von der »jüdischen Republik«, diesmal im Fernen Osten, zu hören bekommen, darauf weist das Jonglieren mit der »geschlossenen« Siedlung hin. Wie lange wird sich das leichtgläubige (oder gerngläubige) jüdische Ausland noch bluffen lassen? Modenpalais | JULIUS KRUPNIK | NUR VII., KAISERSTRASSE NR. 115 | Größtes und führendes Spezialhaus Oesterreichs!= H| Achtung! Keine Filiale! Achtung! H§ auch das Interesse für die in diesem mittelasiatischen Lande lebenden Juden geweckt. In Afghanistan leben rund 5000 Juden. Sie wohnten früher alle in Heirath, jetzt findet man jüdische Gruppen auch in anderen Städten. In ihrem Aeußeren sind die Juden Afghanistans von der übrigen Landesbevölkerung nicht zu unterscheiden, sie führen auch die gleiche Lebensweise, meist beschäftigen sie sich mit Handel. Die Juden Afghanistans stammen von Marranen ab, die vor etwa 90 Jahren Persien verlassen haben, um ihrem jüdischen Glauben weiter leben zu können. In Kabul leben noch 30 jüdische Familien, die von den alten einst vertriebenen Juden Afghanistans abstammen, Einige von ihnen sind sehr reich, man nennt sie die »alten Kabuler Familien«. Das afghanische Volk selbst hält sich für einen Abkömmling des jüdischen Stammes Benjamin, die Afghanen nennen sich auch Benjameniten. Einer der Führer der Juden Afghanistans, der bekannte Philantrop Aga Moussa Arilauf, ist, wie viele afghanische Juden, ein warmer Anhänger des Zionismus, Kleine Nachrichten Von den Juden in Indien und Afghanistan In Indien leben insgesamt etwa 15.000 Juden; sie scheiden sich in drei Gruppen: die Bnei Israel, die Kodschin-Judeif und die Bagdad-Juden. Die Bagdad-Juden sind erst im Verlauf des 18. und des 19. Jahrhunderts nach Indien gekommen. Sie zählen rund 3000 Seelen und leben in B.ombay. Ebenfalls in Bombay lebt der Bnei Israel - Stamm in einer Stärke von 3000 Seelen, Der Stamm, der einen indischen Dialekt spricht, besitzt fünf Synagogen. In der Stadt K r a d z i leben weitere 2000 Mitglieder des Bnei Israel-Stammes, die dort eine Synagoge besitzen. In Kodschin, Distrikt Malabar, lebt eine Anzahl jüdischer Familien. Diese besitzen eine nach der Ueberlieferung 1150 Jahre alte Synagoge, die den Namen Kadavumbagan trägt. Das Gros der Kodschin-Juden lebt in der Stadt Eirangulam und in den benachbarten Orten. In Kalkutta leben etwa 1000 Juden. Die Bagdad-Juden und die Kodschin-Juden beobachten streng alle jüdischen Gesetze und Traditionen. Dies ist bei den Bnei Israel-Juden nicht in dem gleichen Maße der Fall. Die erstgenannten Gruppen schließen mit den Bnei Israel keine Ehen. Der Führer der Bnei Israel ist Rabbi Isbir Fcheskiel, der ein sehr gelehrtes Buch über die Herkunft der Juden in Indien geschrieben hat. Angehörige des Bnei Israel-Stammes sind in der Hindu-Regierung vertreten und bekleiden hohe Regierungsämter. Viele von ihnen sind Lehrer der Hindusprache, über die sie besser Bescheid wissen, als die Hindus selbst. Im allgemeinen sind die Bnei Israel nicht sehr bemittelt. Viele von ihnen treiben Ackerbau, Ihre Kinder besuchen englische Schulen, gleichzeitig auch die von Mitgliedern der Familie Sassoon begründeten hebräischen Schulen. Die Bnei Israel sind jüdisch-national gesinnt, viele von ihnen streben danach, nach Palästina auszuwandern. Die Bagdad-Juden aber betrachten die Bnei Israel nicht als Volljuden, weil viele alte jüdische Bräuche bei ihnen in Vergessenheit geraten sind und sie sich nur an Sabbath- und Festtagen zu gemeinsamer Andacht vereinigen. Es fehlt jetzt nicht an Bemühungen, eine Annäherung zwischen den Bnei Israel und den anderen jüdischen Gruppen Indiens herbeizuführen. Die Weltreise des Königs Amanullah von Afghanistan hat Geschmackvolles, feines u. gediegen ausgeführtes Schuhwerk kaufen Sie bekannt s e r i 5 s S ch u h m o d e n h a u s Dem II, Taborstraj3e 8 Am 31. Jänner hat der bekannte jüdisch-amerikanische Philanthrop Nathan Straus sein 80. Lebensjahr vollendet. Seine bekannteste Wohlfahrtseinrichtung ist die Organisation für Milchentkeimung, die er in der ganzen Welt geschaffen hat. In Palästina hat er ein Gesundheitszentrum errichtet, das allen Bewohnern des Landes zugute kommt. ♦ Dem König von Italien, der ein begeisterter Münzensammler ist, wird von der italienischen Zionistenorganisation ein voller Satz der neuen palästinensischen Münzen als Geschenk überreicht werden. * In Rußland wird jede Art von Propaganda für den Zionismus von den Behörden verfolgt. So wurde jüngst ein junger Jude, Hirsch L i p a n o r wegen Verkaufes von Marken des jüdischen Nationalfonds verhaftet und nach Narim in Sibirien deportiert. Dort hat er nun, wie gemeldet wird, Selbstmord begangen. * In Anwesenheit von etwa 170 Delegierten wurde in Minsk eine Konferenz jüdischer Bauern Weißrußlands eröffnet. * Zum Nachfolger des berühmten Moskauer Oberrabbiners Jakob M a s e, der Ende 1924 gestorben ist, wurde nunmehr von den Repräsentanten der Moskauer jüdischen Gemeinde und Vertretern aller Synagogenkomitees Rabbiner Jakob K 1 e m e s gewählt, * Mit Billigung der Ortsbehörde wurde in B a k u eine J es c h i w a (hohe religiöse Schule) für die kaukasischen Bergjuden eröffnet. Laut statistischen Daten leben gegenwärtig im Kaukasusgebiet etwa 50.000 Jude n, davon 10.000 sogenannte Bergjuden, 25.000 grusinische und 15.000 europäische Juden. * Der Serether Oberrabbiner F r e i f e 1 d ist, kaum 50 jährig, einem Herzschlag erlegen. * Auf der Internationalen Presseausstellung »Pressa« in Köln, die im Mai d. J. eröffnet wird, wird ein eigener Pavillon der jüdischen Presse gewidmet sein, der historisches und Gegenwertsmaterial bringen wird. Diese jüdische Sonderschau wird von einem geschäftsführenden Ausschuß eingerichtet. * Der bekannte Dramatiker Henri Bernstein (Verfasse - des Schauspiels »Israel«) und der Pariser Kunstkritiker Andre Lewinson wurden zu Kommandeuren der französischen Ehrenlegion ernannt. d 535353480002010102025323000505005348535353485323484848485323234801000102 0002020201020100010101020202020102010200010001000200025323010053234823482348534848