Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1 (1928)
- Issue
- Heft 5 (2.2.1928)
- Date
- 1928-02-02
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3053752-3053753-3053758--0074-3055330- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 4 DIE STIMME Nr. 5 Ä*? '/*-»'• <V v* •' ■V * XBr.fP. » #s>,v. *ates '$um . y* r w Napoleon;n jüdischen Land: Die Schlacht am Tabor im Jahre 1799 im Aegypten-Palästina-Feldzug des damaligen Ersten Konsuls Frankreichs. (Nach einem Gern älüe in der Pariser Nationalgalerie.) &iS /v jl* , *iW iw'rr^i ’P’VSä?«.-"Wf.ras’*ir >***&< £«#v <3Zä#£. ,. .AW.- lisfifi) vri?‘w '.V^V>W'V '»KfX'. '■' r-t.-.^Safc den Ukrainern bleibt bei den gegenwärtigeil Wahlen mehr als die Hälfte außerhalb des Blocks, indem nicht nur die Sozialdemokraten und Radikalen, sondern auch der gemäßigte MSilrob‘‘ und die Russophilen selbständig zur Wahl gehen. Zum Schlüsse noch ein Wort über den Personenwechsel in der Redaktion des jiddischen Tagblattes „Der Morgen“ in Lemberg: Dieses Blatt wurde von den Führern der Opposition in der ostgalizischen zionistischen Organisation, also von den Gg. Gg. Sen. Ringel, Dep. Frostig, Dep, Insler u. a. gegründet und — selbstredend im oppositionellen Sinne gegen Dr. Reich und seine Politik — redigiert. Vor kurzem jedoch verkauften die bisherigen Besitzer das Blatt dem offiziellen Zentralkomitee, d. h. mit anderen Worten, dem Dep. Dr. Reich und da überging natürlich die Redaktion in die Hände der neuen Eigentümer. Im Namen des Z. K. ist Dep. Dr. Schreiber jetzt für die Redaktion verantwortlich, Die Kandidaturen Aus W a r s c h a-u wird uns berichtet: Für die Wahlen in diq parlamentarischen Körperschaften Sejm und Senat wurden 35 Kandidatenlisten eingereicht; es gibt also viel mehr wahlwerbende Parteien als bei den letzten Parlamentswahlen. Die jüdischen Kandidaturen verteilen sich bisher auf 7 Listen: Block der nationalen Minderheiten (Liste 18), Nationaljüdische Vereinigung in Galizien (Liste 17), Allgemeiner jüdischer nationaler Block (Liste 33), Jüdisitz des Abraham Furtado die ihr vorgelegten zwölf Fragen zur Zufriedenheit des Kaisers, der am 17. Sep tember 1806 durch seine Kommissäre den Deputierten verkünden ließ, daß ihre Beschlüsse ihn befriedigen und er die Absicht habe, in der allernächsten Zeit den großen Sanhedrin einzuberufen. Bei dieser Gelegenheit hielt der kaiserliche Hauptkommissär Mole eine Lobrede auf die Notabelnversammlung, die die Intentionen der Regierung zu würdigen verstanden hatte. Der einzuberufende Sanhedrin habe die Aufgabe, den wahren Sinn der jüdischen Gesetze zu interpretieren und alle falschen bisherigen Auslegungen zu beheben. Der Sanhedrin solle zu zwei Drittel aus Rabbinern bestehen, die aus der Mitte der Notabelnversammlung bestimmt oder auch von den Gemeinden neu gewählt werden können. Ein Drittel ist auf dem Wege geheimer Wahlen der Laien zu wählen. Die Notabelnversammlung habe bis zum Schlüsse ihrer Tagung das gesamte, dem Sanhedrin vorzulegende Material vorzubereiten und solle nach dessen Zusammentritt bis zum Abschlüsse seiner Arbeiten bestehen bleiben. Diese Erklärung wurde von den Notabein mit wahrem Jubel begrüßt, ohne daß sie ahnten, welche Pläne eigentlich Napoleon damit zu verbinden suchte. Schon der Name der neu einzuberufenden Versammlung weckte in ihnen vielleicht Erinnerungen an die alte jüdische Institution des Sanhedrin. Die Notabelnversammlung beschäftigte sich in der Zeit vom 17. September 1806 bis zum 5. Februar 1807 mit der Vorbereitung des Materials für den Sanhedrin. In ihrer fast byzantinischen Demut und Verehrung für Napoleon, hatte sie alles nach seinem Wunsche und Willen erledigt. Der Sanhedrin wurde sodann am 3. Februar 1807 feierlich eröffnet. Er bestand aus 46 Rabbinern und 25 Laien, insgesamt 71 Mitgliedern. Außerdem zählte er poch 10 Stellvertreter und 2 Schriftführer. Der Sanhedrin tagte bis zum 9- März 1807, nachher trat abermals die Notabelnversammlung atn 27, März 1807 zusammen und führte ihre Arbeiten bis zum 6. April 1807 fort. Nach Zusammentritt des Sanhedrin wurde vom Innenminister ein aus 3 Rabbischer Arbeiterbund (Liste 4), Poale Zion, linker Flügel (Liste 5), Poale Zion, rechter Flügel (Liste 27), Zionistische Arbeiterpartei „Hitachduth“ in Galizien (Liste 31). In der letzten Sitzung der Hauptwahlkommission« wurde die Staatsliste der rechten Poale-Zion (Nummer 27) wegen eines wichtigen Formfehlers nicht zugelassen. Die übrigen jüdischen Listen sind gültig. Die Liste der nationaljüdischen Vereinigung in Galizien hat als Spitzenkandidatur für den Sejm die des Dep. Dr. Reich, für den Senat die des Dep. Rabbiner Dr. Thon (Krakau). Auf der Staatsliste der nationalen Minderheiten steht für den Sejm an erster Stelle, wie bereits berichtet wurde, der ukrainische Kandidat Dr. Lewicki; an zweiter Stelle der zionistische Dep. Grünbaum; der nächste jüdische Kandidat, Dep> Dr. Insler, steht an neunter Stelle. Für den Senat nimmt die erste Stelle der deutsche Kandidat Hambach ein; an vierter Stelle figuriert der jüdische Vertreter Dr. Josef Davidsohn, ein Bruder des jüngst verstorbenen Dr. Noah Davidsohn. Der Min* derheitenblock hat einen von je drei Vertretern der einzelnen Minderheiten (Ukrainer, Juden, Deutsche, Weißrussen) gezeichneten Wahlaufruf erlassen, welcher alle Minoritäten auffordert, zur Wahrung ihrer nationalen und bürgerlichen Rechte, für die gemeinsame Liste zu stimmen. Für die Juden sind die Deputierten J. Grünbaum und Hartglas, sowie Dr. Z. S c h a b a d, unterfertigt. nern bestehendes Präsidium ernannt, dessen Mitglieder die Titel des alten Sanhedrin führen durften, Die Eröffnungssitzung wurde in der Synagoge mit einem Gottesdienst eingeleitet, bei dem die Rabbiner Sinzheim und de Cologna Reden vollen Lobes au! Napoleon und Frankreich hielten. Sodann wurde der Sanhedrin in den Räumen, wo die Notabelnversammlung tagte (Hotel de Ville), fortgesetzt. Die Sitzungen waren öffentlich und boten schon infolge der einheitlichen Tracht aller Mitglieder, ein recht interessantes Bild, das von zahlreichen jüdischen und nichtjüdischen Besuchern bewundert wurde. Die Tagung selbst war nichts anderes, als ein Nachtrag zu den Arbeiten der Notabelnversammlung. Die Hauptätigkeit des Sanhedrin bestand vor allem darin, die Frage der Verträglichkeit des Judentums mit den Gesetzen des Staates zu lösen. Die Verhandlungen wurden mit großer Schnelligkeit durchgeführt. Schon am 9. März war die Arbeit des Sanhedrin, dessen Teilnehmer die Reise und Aufenthaltskosten aus der Staatskasse erhielten, beendet. Er wiederholte und erweiterte nur die Erklärungen der Notabein und beantwortete wunschgemäß alle Fragen, bis auf die Frage der Mischehen, die sie nicht zur Gänze billigten. Die kurz darauf abermals zusammengetretene Notabelnversammlung tagte bis zum 6. April 1807, worauf sie nach einer, beinahe neunmonatigen Dauer, aufgelöst wurde. Napoleon verwirklichte die praktischen Anregungen der Notabelnversammlung und schon am 17. März 1808 erließ er die Dekrete, die den jüdischen Kultus organisierten und ihn sowie seine ausübenden Organe, unter den Schutz dei Staatsgesetze stellten. Im Sinne dieser Dekrete wurden zur Verwaltung der Synagogen und zur Förderung des religiösen und bürgerlichen Lebens der Juden im französischen Staate, 13 Konstistorien mit einem Zentralkonsistorium in Paris an der Spitze, eingesetzt. Jedem Konsistorium gehörten ein Großrabbiner und drei Laien an. $Q hatte der französische Staat zum ersten Male die jüdischen Gemeinden organisiert und amtlich anerkannt. G. Der Warschauer Stadtrat will ein Schächtverbot einführen. Aus Warschau wird berichtet: In der letzten Sitzung der Budget-Kommission des Stadtrates brachte der Nationaldemokrat Dr. Zawadski, folgende Resolution ein: „Der Magistrat wird aufgefordert, in den städtischen Schlachthäusern nur solche Schlachtungen zu gestatten, wie sie in dar ganzen zivilisierten Welt üblich sind, und die Schächtung nach ritueller jüdischer Vorschrift durch Schächter zu verbiete n". Der Antrag wurde mit fast allen polnischen Stimmen — die Linke und die Pilsudski-Anhänger inbegriffen — gegen die Stimmen der Juden angenommen. Die jüdischen Stadtratsmitglieder verließen hierauf unter Protest die Sitzung. In allen jüdischen Kreisen Warschaus hat der Beschluß der in solchen Fragen ganz und gar unzuständigen städtischen Budget-Kommission Empörung hervorgerufen. Man sieht darin einen Versuch, auf Umwegen ein Schächtverbot einzuführen. Die Vorstöße gegen das Schächten, die in anderen Ländern ein ständiges Requisit der antisemitischen Propaganda bilden, gehören in Polen zur Arbeitsmethode des wirtschaftlichen Anti* semitismus. Das hat erst vor kurzem die polnische Fleischerorganisation in Warschau zugegeben, die vom Stadtrat ein Schächtverbot, u. a. mit der Begründung verlangte, daß die jüdischen Fleischer eine unliebsame Konkurrenz darstellen, welcher der Garaus gemacht werden müsse, da die Teile der geschächteten Rinder, welche nach den jüdischen Vorschriften nicht genossen werden, zu billigeren Preisen auf den Markt kommen. Der Warschauer Stadtrat ist nun gehorsam, wo es sich darum handelt, Juden wirtschaftlich zu schädigen. Der Begründer des galizischen Misrachi gestorben In Przemysl ist, 49 Jahre alt, Rabbiner Gedalja Schmelkes gestorben. Er war ob seiner Gelehrsamkeit einer der angesehensten Rabbiner Galiziens. Uebcr seine engere Heimat hinaus wurde er dadurch bekannt, daß er, als in Rußland der Ritualmordprozeß gegen Mendel B e i 1 i s inszeniert wurde, der mit der Freisprechung Beilis endete, ein großangelegtes deutschsprachiges Werk über die Ritualmordlegende herausgab, deren er an Hand der gesamten einschlägigen Literatur die Grundlosigkeit der Blutbeschuldigung nachwies. Rabbiner Schmelkes hat die Organisation der thoratreuen Zionisten, des Misrachi, in Galizien begründet und war bis in die letzten Jahre in ihr führend tätig, * Die amerikanische Organisation des Misrachi hat auf ihrer letzten Jahreskonferenz keinen Präsidenten gewählt, nachdem der frühere Präsident, Rabbiner J. Lebenson eine Wahl abgelehnt hatte. Interimistisch wurde daher die amerikanische Organisation von dem zu Propagandazwecken in den Vereinigten Staaten weilenden Präsidenten der Gesamtorganisation des Misrachi, Rabbiner Meir Berlin, geleitet. Nunmehr hat dieses Provisorium ein Ende gefunden, da die Exekution des amerikanischen Misrachi den Herausgeber des Parteiorgans »Jewish Daily News«, Gedalja B u b 1 i k zum Präsidenten gewählt hat. Vizepräsidenten sind die Rabbiner Wolf Gold und Elia Inselbusch. Reaktionärer Kurs in Lettland Die lettische Republik, deren Hauptstadt Riga ist, hat nach einer kurzen Periode demokratischer Politik, welche den nationalen Minderheiten, den Russen, Juden und Polen durch Gewährung voller national kultureller Autonomie gerecht wurde, wieder eine Rechtsregierung erhalten. Die bisherige Parlamentskoalition, bestehend aus den lettischen demokratischen Parteien und dep Vertretern der nationalen Minderheiten war zerfallen, da die Vertreter der Russen infolge Nichterfüllung allzu weitgehender Forderungen aus der Koalition austreten und auch die Haltung der polnischen Minderheitsdeputierten schwankend wurde. Der Vorsitzende der Vereinigung der Minderheitendeputierten, der jüdische Abgeordnete Rabbiner N u r o k, der bereits zweimal mit der Bildung einer demokratischen Koalitionsregierung beauftragt worden war, bemühte sich, wie wir bereits seinerzeit berichteten, vergeblich, die alte Koalition wieder herzustellen. Mit Unterstützung der russischen und polnischen Parlamentarier wurde nach dem Zerfall des einheitlichen Minderheitenblocks nunmehr eine Rechtskoalition gebildet, welche eine schwache parlamentarische Mehrheit hat und die Regierung stellt. An der Spitze der neuen Regierung, welche reaktionärantisemitischen Einschlag zeigt, steht der Premierminister Jurasche wski, der Initiator der vor kurzem von den extremen Rechtsparteien durchgesetzten, aber mißlungenen Volksabstimmung auf Abschaffung des den Schutz der nationalen Minoritäten gewährleistenden Bürgerschaftsgesetzes, Es ist anzunehmen, daß die neue Koalitionsregierung eine gegen die Minoritäten gerichtete Politik einschlagen wird. Dafür hat sich ihr übrigens schon jetzt die lettländische »Egudas Jisroel« als Helferin angeboten, wofür an anderer Stelle der Beleg erbracht wird. Deputierter N u r o k, der bisher den parlamentarischen Minoritätenblock geführt hat, wurde zum Mitglied des Verwaltungsrates der lettländischen Staatsbank ernannt, ANKHAUS H. ROHATYN WECHSELSTUBE: WIEN II., PRATERSTR. SO Gegründet 1900 Telephon 49-3*60 u. 48-0*42 empfiehlt sich?ur kulanten Durchführung aller Banku. Börsentransaktionen im Inu. Auslande