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Die Stimme · 1928-02-02 · Heft 5 (2.2.1928) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 5 (2.2.1928)
Date
1928-02-02
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 5 DIE STIMME Seite 3 B £»• ■' Die Präsidenten des Napoleonischen Synhedrion. Links: Rabbi J. David Sinzheim (Metz), der rabbinische Vorsitzende. Rechts: Abraham F u r t a d o, der »weltliche« Vorsitzende. (Zu unserem heutigen Feuilleton.) Die Juden bei den polnischen Parlamentswahlen Zu der unter diesem Titel iini Nummer 3 unseres Blattes verö£fentilicihten Darstellung unseres Korrespondenten über die Meinungsverschiedenheiten unter den Zionisten iKoagreßpolens und Galiziens bezüglich der Taiktik ibed den bevorstehenden Parlaments wählen in Polen läßt uns Herr Joachim Neiger in Tiaraoiw eine eingehende Darlegung des Standpunktes der (galizisohen Zionisten zugehen, der wir dais Nachfolgende umso lieber entnehmen, da daraus hervorgeht, daß iSpaltungen im jüdischnationialen Lager vermieden wurden: Vor allem eine kleine Richtigstellung zu Ihren Darlegungen: Eine einheitliche Reichsorganisation für das Gebiet der ganzen Republik hat es in der zionistischen Bewegung Polens niemals gegeben und gibt es natürlich auch jetzt nicht. Vielmehr existieren seit dem Bestehen des selbständigen Polens vier voneinander unabhängige Teil Organisationen, die von Zentralkomitees (in Warschau für Kongreßpolen, in W i 1 n o für das an Litauen grenzende Randgebiet, in Lemberg für Ostgalizien und in Krakau für Westgalizien) repräsentiert werden. Wohl ist vor einigen Jahren, auf Anregung des Krakauer Zentralkomitees, der Versuch gemacht worden, einen losen Zusammenhang zwischen den vier Zentralkomitees herzustellen und eine Zeitlang bestand in Polen ein sogenannter O b e r r a t, zusammengesetzt aus Delegierten aller vier Organisationen, dem die einzige Aufgabe auferlegt wurde, die politischen Richtlinien für die zionistische Fraktion im jüdischen Parlamentsklub festzulegen, um auf diese Weise der zionistischen L a n d e s p o 1 i t i k einen einheitlichen Charakter zu geben. Der Oberrat durfte jedoch in keiner Weise die Autonomie der einzelnen Organisationen einschränken. Seit zwei Jahren jedoch existiert auch dieser lose Zusammenhang nicht — wenigstens die Kinokonzessionen erfordertem doch solche Kenntnisse nicht. Sollte man nicht wenigstens hier eine Rassenreinigung versuchen? Der »Numerus clausus« im Kinogewerbe war fertig. Damit nun auf dem wichtigen Erwerbsgebiete der freien Berufe in Zukunft überhaupt die jüdische Konkurrenz ausgeschaltet werde, hat man den akademischen Numerus clausus eingeführt und verteidigt ihn mit allen, auch den brutalsten und barbarischesten Mitteln, ebenso wie bis zum Ende des 18. Jahrhunderts überall gegen die Juden im Konkurrenzkampf kein Mittel zu schlecht war. Man sicht, der Numerus clausus in Ungarn ist auf einem fruchtbaren, reichlich gedüngten und sorgfältig gepflegten Boden emporgeschossen. Ob die Instrumente, mit denen die Juden Ungarns diese Pflanze auszurotten hoffent ihr Ziel erreichen werden, ist eine andere Frage. B. S. mehr. Die Vertreter Ost- und Westgaliziens sahen sich im Winter 1926 gezwungen, aus dem Oberrat auszutreten und seither kann somit auch von einer Fiktion von Einheitlichkeit nicht mehr die Rede sein, da zwischen Galizien und Warschau gar kein organisatorischer Zusammenhang mehr besteht. Wenn Deputierter. Dr. Reich im Namen der ostgalizischen Exekutive die Londoner Zentrale angerufen hat, so tat er es eben deshalb, weil Deputierter Grünbaum sich — wenn der drastische Ausdruck gestattet ist — eine politische „Invasion” in das ihm gänzlich fremde Organisationsgebiet von Galizien erlaubt hat, indem er auf eigene Faust und ohne vorherige Verständigung mit den Zentralkomitees in Lemberg und Krakau einen Wahlblock der Zionisten von ganz Polen und für das Gebiet der ganzen Republik abgeschlossen hat. Er drohte den galizischen Zionisten, die für dieses Land den Minoritätenblock als den jüdischen Interessen widersprechend grundsätzlich ablehnen, mit der Aufstellung von Blockkandidaturen gegen ihren Willen auch in Galizien, wodurch ein Keil des Zwiespaltes in die festgefügte jüdische Wählermasse getrieben würde, und was noch katastrophaler wäre — es zu einem beschämenden Bruderkrieg im zionistischen Lager selbst käme. Zum Glück nahm die Sache eine andere Wendung. Die Ukrainische Nationaldemokratiscbe Partei wollte auf den Blocklisten in Galizien durchaus keine Juden haben und so ist es zu der drohenden Spaltung t m zionistischen L a g e r r> i c h * g e kommen. Was nun den Minoritäten block selbst anlangt, so kann er diesmal alles eher als „gelungen” bezeichnet werden. Wohl sind formell mehrere Nationalitäten im Block vertreten, aber das sind Rumpfnationalitäten, weil keine einzige vollständig ohne wesentliche Sezessionen, wie anno 1922. dem Block beigetreten ist. Die Risse und Lücken im Gefüge des Blocks sind diesmal nicht ganz unbedeutend. Zunächst fehlen bei den Juden wichtige Gruppen, wie die organisierten Kaufleute und der Klein, händlerverband; ferner die „Aguda“ und die jüdische Volkspartei. Ebenso geben diesmal die deutschen Sozialisten mit den PPS, (Polnische Sozialdemokratische Partei) und von wsst «SÄ ff/ßm, mmm ®sS§ft Das von Napoleon I. einberufene große Synhedrion. — (Nach einem im Sitzungssaals des Zentral - Konsistoriums in Paris befindlichen Gemälde. — Zu unserem heutigen Feuilleton.) Das jüdische Leben pros, den Musiklehrer des Sokrates). Interessant — wenn auch nicht gerade schön — ist das mischnische Ben-Zion (Zionssohn), ein Name, den man übrigens auch noch gegenwärtig — wenn auch selten — antrifft. B) Weibliche Eig ennamen: Weit geringer noch als die Zahl der Männernamen, die im Umlaufe sind, ist jene der Frauennamen. Es lohnt sich deswegen, mehrere alt-neue wieder bekannt zu machen. Auf einer hebräischen Inschrift findet sich: Ne’heweth (= die Geliebte, vgl. Amata bei Vergil). Wenig beachtet ist § o s a n a (= Lilie, unsere Susanne in dem bekannten apokryphen Buche, vgl. gr. Deirione), Basmath (= die Duftige), T i r z a (= Anmut), Na'ama (= die Liebliche, gr. Charis), Jael (= Gemse, vgl. gr. Derkas), Ajala (—Hindin, gr. Frauenname Elaphion; findet sich in der Bibel als n. p. nicht, vgl. jedoch das Vorangehende und Proverbia V. 19)4) Naara (— Mägdelein, deutsch häufig, auch gr. Koresia), P e n i n a (= Perle, deutsch, romanisch, persisch Gauhar und arabisch Lulu, auch bei Orient. Jüdinnen15), § e 1 6 m i t h (= Friedreiche, unsere Irene, palmyrisch Salmath). Erwähnenswert ist, daß Elisabeth (= Eli-seb‘a „Gott ist mein Eid”) und Johanna (— „Gott hat begnadigt”0), gut hebräische Namen sind. Beachtenswert — wenn auch nicht wohlklingend — ist § e 1 6 m Zion (= Friede sei Zion), wie eine Tochter König Herodes' hieß (gr. Salampsio). Auf Grund des Männernamens Nadab könnte man leicht bilden: N ediba (= die Edle, unsere Eugenie und Adele), so auch T o b a (^- die Gute, auf griechischen Inschriften Agathe; mischnisch findet er sich in aramäischer Form), schließlich Japha (= Schönchen, Bella, gr. *) Vgl. auch den aram, Frauennamen Tabula (Apostelg. IX. 36!T05£ Josephus b. j, IV. iMI. 5, und das bei den oriental. |Juden nicht seltene „Gazelle“. 8) Unserem Margarita könnte auch ein Margalith entsprechen; bei Josephus Antiqu. XVII, 6, 2, merkwürdigerweise Männemame. ") Der Name findet sidh im Talmud (Sota p. 22) und im Ev. Lukas VIII. 3. Frauenname Kaie; in der Bibel freilich bloß Nomen loci), in älterer Form Sifra (Exod. I. 15). Die alten Namen reichen nun aber nicht aus, man muß auch neue bilden. Bei den anderen Kulturvölkern leisten die Dichter diesen Dienst. Man weiß, wie viel Namen durch Romane und Dramen in das Publikum kommen. Ich möchte die Aufmerksamkeit unserer Schriftsteller auf diesen Punkt lenken. Sie müssen den kulturell praktischen Zweck im Auge behalten, unserem Volke neue Namen zuzuführen. Der Napoleonische Sanhedrin Eröffnet in Paris am 3. Februar 1807. Schon als Konsul wollte Napoleon die Regelung der Judenfrage in Frankreich einer endgültigen Lösung zuführen. Vor allem war ihm daran gelegen, die Beziehungen der Juden und ihrer Konfession zum Staate zu ordnen. Zu diesem Zwecke beauftragte er seinen Kultusminister P o r t a 1 i s, einen eingehenden Bericht über die Lage der Juden sowie die Möglichkeiten der Regelung ihrer Beziehungen zum Staate zu erstatten. Portalis übermittelte am 5. April 1802, in der Sitzung der gesetzgebenden Versammlung, eine Denkschrift, in der er zwar keinen endgültigen Entwurf vorlegte, dagegen eine Anzahl von Beweisen für die Schwierigkeit der Durchführung der Gleichberechtigung der Juden anführte. Unter anderem erklärte er, daß die Juden, da sie nicht nur ein Glaubensbekenntnis, sondern viel eher eine Nation darstellen, sich schwerlich werden assimilieren können. Als Napoleon im Jahre 1805 von seinem Feldzug über Straßburg nach Paris heimkehrte, wurden ihm in Straßburg zahlreiche Klagen und Beschwerden gegen die Auswucherung der Bauern durch die Juden vorgebracht und die Juden als die „ärgsten Ausbeuter und Wucherer“, die den ganzen Bauernstand in Elsaß-Lothringen zugrunde richten, dargestellt. Damals beschloß Napoleon, nach seiner Rückkehr nach Paris, endgültig die Regelung der Judenfrage in Angriff zu nehmen. In Paris beauftragte er den Grafen Mole, einen Gesetzentwurf auszuarbeiten. Napoleon selbst hatte unter dem Eindrücke der Beschwerden in Straßburg den Juden gegenüber eine feindliche Stellung eingenommen. Im Staatsrate befürwortete auch Mole die Einführung von Ausnahmsgesetzen für die französischen Juden. Allerdings bekämpfte das liberale Mitglied B e u g n o t diesen Antrag und die Majorität des Staatsrates schloß sich ihm an. Napoleon erklärte hierauf in einer scharfen Rede, daß die Regierung Schritte unternehmen müsse, um das Verhältnis zu den Juden zu ändern. Er schlug auch vor, den Juden den Handel zu verbieten; wenn er auch nicht die Absicht habe, die Juden zu verfolgen, so wolle er sie durch eine gründliche Reform bessern. Zu diesem Zwecke schlug er auch die Einberufung der „jüdischen Generalstaaten" vor. So entstand das Dekret vom 30. Mai 1806, in dem nebst der Aufhebung von gerichtlichen Urteilen betreffend Schuldforderungen jüdischer Gläubiger an Bauern, die Einberufung einer „Versammlung von Juden" nach Paris angeordnet wurde. Kurz darauf wurden die Wahlen zur jüdischen Notabeinversammlung durchgeführt. Die Departementspräfekten wählten aus der Mitte der Rabbiner und sonstiger angesehener Juden, Deputierte zur Notabelnversammlimg, die vorwiegend den gebildeten und fortschrittlichen Kreisen der damaligen Judenheit angehörten und in der Lage waren, die Absichten der Regierung zu unterstützen. Zur Notabelnversammlung erschienen aus Frankreich, Elsaß-Lothringen und den deutschen Gebieten 74, aus Italien 38, insgesamt 112 Deputierte. Unter ihnen fanden sich auch führende Juden, wie Abraham Furtado, Ber Isak Beer aus Nancy, der bekannte Rabbiner David Sinzheim, der erste jüdische Rechtsanwalt in Frankreich, Michael Beer, de Cologna. Rabbiner Segr6, Nepi und viele andere ein. Die Eröffnungssitzung fand am 29. Juli 1806 statt. Die Notabelnversammlung beantwortete unter Vor-

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