Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1 (1928)
- Issue
- Heft 4 (26.1.1928)
- Date
- 1928-01-26
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 DIE STIMME Nr. 4 I Toiletten für die | | elegante Dame | | Haute couture j | Hodenpalais jj 1 JULIUS KRUPNIK 1 | NUR VII., KAISERSTRASSE NR. 115 | Größtes und führendes Spezialhaus Oesterreichs es Achtung! Keine Filiale! Achtung! Achtung I Wie noch erinnerlich, waren im Anschlüsse an Zwischenfälle beim Begräbnis eines von einem Türken ermordeten jüdischen Mädchens aus der angesehenen Konstantinopler Famili N i e g o neun Konstantinopler Juden unter der Anklage des Aufruhrs vor Gericht gestellt, jedoch freigesprochen worden. Der öffentliche Ankläger appellierte an die Nationalversammlung in Angora, die vor kurzem besohloß, gegen die neun Personen ein neues Verfahren wegen Beleidigung der türkischen Republik einleiten zu lassen. Dieser neue Prozeß wird nun seit 14. Jänner in Konstantinopel durchgeführt. Seine Dauer ist mit etwa zwei Wochen angesetzt. Die Beschlüsse des 15. Zionistenkongresses samt kurzer Darstellung des Kongreßverlaufes sind, von der zionistischen Exekutive herausgegeben, als Broschüre (zum Preise von 25 Pfennig) erschienen. } In aller Stille feierte vor kurzem der Mitbesitzer des großen deutschen Warenhauskonzerns, Salman Schocken, seinen 50. Geburtstag. Schocken ist seit ca. 20 Jahren in der zionistischen Bewegung tätig, war Mitglied des zionistischen Finanz- und Wirtschaftsrates bis zu dessen Auflösung und ist Direktor des Keren Kajemeth. In Czernowitz ist der Publizist Dr. Benjamin Fuchs, dessen Spezialgebiet Nationalökonomie und Geschichte war, gestorben. Seit Kriegsende in der zionistischen Bewegung tätig, war er Gründer der rumänischen Organisation der zionistischen Arbeitspartei „Hitachduth“. Das offizielle Organ der Zionisten Amerikas „Dos yiddishe Folk“ tritt in seinen 20. Jahrgang. Der frühere Direktor des Berliner Pfandbriefamtes, Geheimer Regierungsrat Dr. Georg Minden, langjähriger Vorsitzender der Repräsentantenversammlung der jüdischen Gemeinde von (Berlin, ist im Alter von 78 Jahren verstorben, (Er hat in früheren Jahren einige wertvolle Arbeiten auf dem Gebiete jüdischer Märchenkunde und Folklore geliefert. In London ist, 55jährig Ing. Leo G a s t e r, ein bekannter Beleuchtungsfachmann, gestorben. Er stammte aus Rumänien, war ein Bruder des in London lebenden Chadham Dr. Moses Gaster, der in der zionistischen Bewegung bekannt ist. . Der frühere Präsident der Budapester jüdischen Gemeinde, Hofrat Franz Szekely. jetzt Präsident des ungarischen Pro-Palästina-Komitees, hat seinen 70. Geburtstag gefeiert. Zioniltisehe yrauenorganisat;on für Oesterreich DONNERSTAG, 26. Februar, 5 Uhr nachmittags, im Klubheim der „Hakoah“, I. Wipplingerstr. 24 VORTRAG: Pr. E. M. ZWEIG [ Jerusalem;] Pas Volk und sein Boden (Ein Wort an die Frauen)! Österreich Juden fördern den Abfall Jugendlicher Von Siegfried Abeies. Vierzehn- bis achtzehnjährige Burschen und Mädchen befinden sich häufig in der Liste derer, die das Judentum verlassen. Mangelhafte jüdische Erziehung im Elternhaus und Wirkungslosigkeit des heutigen Religionsunterrichtes können Gleichgültigkeit gegenüber dem angestammten Volkstume verursachen: Kampfstellung aber, die zum Austritt aus dem Judentum führt, rührt von bestimmtem Interesse her. Werbearbeit liegt vor! Uns läßt diese kalt, wenn sie von Freidenker-Vereinen, von ehemaligen Juden oder von solchen Juden ausgeht, die ihr Volkstum verleugnen und sich — das Deutschtum würde ihnen ja nicht geglaubt — nur noch als übernationale Menschen fühlen. Empörend ist nur, daß auch in gewissen Vereinen, welche in ihrem Titel noch das Wort „jüdisch" führen oder die mit Standarten in hebräischen Lettern auf die Straße ziehen, diese Werbearbeit, zumindest stillschweigend geduldet wird. Ein tragikomischer Fall zeigt, wie einzelne Individuen dieser Kreise iede Gelegenheit ergreifen, ihre „Aufklärungsarbeit" zum Ziele zu führen. Mit A. U„ einem etwas arbeitsscheuen Jungen, der schon eine Anzahl Lehrstellen verlassen hat, weil seine Gedanken nur bei der Vereinstätigkeit der Partei, der Poale Zion weilten, wußte sich die verwitwete Mutter nicht mehr zu helfen und gab ihm in der Person eines als streng bekannten jüdischen Lehrers einen Vormund. A. U. klagte dies seinen ooale-zionistischen Altersgenossen, die ihm rieten, sofort aus dem Judentum auszutreten, dann würde der bewußte Jude die Vormundschaft zurücklegen. Der Junge befolgte den weisen Rat, aber der Lehrer erklärte, er habe die Vormundschaft nicht als Jude, sondern als Staatsbürger übernommen und sei daher gesonnen, sie auch ferner zu behalten. Husch, war der sechzehnjährige A. LJ. am nächsten Tage wieder Jude. So ungeheuerlich es auch erscheinen mag, wenn in einem Kreise, der sich noch immer ausschließlich aus als Juden geborenen Menschen zusammensetzt. solche Propaganda getrieben wird, so wirkt dies doch keineswegs überraschend, wenn man weiß, daß unter den Poale Zion bereits mehrere konfessionslose Mitglieder sind und sich an die offiziellen Jom Kiomir-Mahlzeiten dieses Kreises erinnert. Wichtiger erscheint mir folgender Vorfall: Vor ungefähr sechs Wochen kam eine arme Witwe zu mir und klagte, ihr fünfzehnjähriger Junge habe das Judentum verlassen. Sie habe ihn. um ihn sicherer Hut zu übergeben, einen jüdischen Verein in der Friedrich Kaiser- Gasse besuchen lassen und gerade dort sei er zum Austritt veranlaßt worden. Ich konnte dies nicht glauben, wußte ich doch, daß mit diesem Verein die Ottakringer Zweigstelle der J. S. A. J. Miidisch-sozialistische Arbeiterjugend) gemeint sei. Diese Vereinigung ist aus dem „Techeled Lawan", einer zionistischen Jugendvereinigung, entstanden. Im zweiten und zwanzigsten Bezirk wirkt sie sozialistisch, aber auch jüdisch und manches Mitglied ist braver Büchsenleerer des Keren Kajemeth. Ich ließ mir einen dieser Jugendlichen kommen, um ihn über die Vereinsgruppe XVI zu befragen. Er erzählte begeistert, daß in Ottakring kein Antisemitismus herrsche, dort verkehren auch Christen gerne im jüdischen Verein; drei haben sich als Mitglieder eintragen lassen und seien auch aufgenommen worden. Bei den Heimabenden überwiege der christliche Teil der Besucher. Durch den Jungen der Witwe erfuhr ich dann, daß die Sozialdemokraten des Organisationslokals in der Bebelgasse ihre christlichen und jüdischen Mitglieder di» Friedrich Kaiser-Gasse entsenden. Es "handelt sich also um organisierte TJ eberwach’ung der indischen Genossen, ob sie nicht vielleicht dooh. ihretn Programm gemäß, jüdische oder sog*r zionistische Zwecke verfolgen. Der Junge, T.. R.. teilte ferner rnit. daß außer ihm noch zwei andere iugendliche Mitglieder, und zwar J. S. und A. J. das Judentum verlassen haben. Er selbst hat 'sich wieder als Jude angemeldet, weil ihn seine Mutter sonst nicht mehr erhalten wolle. Als sozialistisch denkender Zionist wollte ich zunächst diese traurige Angelegenheit nicht laut werden lassen und wendete mich mit Einverständnis des Oherrabbiners Dr. C h a j e s s. A. an den Geistigen Führer der genannten Vereinigung, an dessen ehrlichem Judentum niemand zweifelt. Verlegen beschwichtigte er: Die Gruppe in Ottakring sei noch nicht gut organisiert. Andere Mitglieder der J. S. A. J. versprachen mir bestimmte Aenderungen und wollten mir in kurzem davon melden. Bisher ist alles still geblieben. Ich muß annehmen, daß keine Aenderung erfolgt ist. Sozialdemokraten, die ihr Judentum möglichst geheim zu halten suchen, gibt cs genug. Wenn eine Vereinigung sich aber offiziell „jüdisch" nennt, muß sie eine solche Ortsgruppe, wie die in Ottakring, von sich abschütteln oder radikal reinigen. Ein Verein, dessen Firmenschild jüdische Mütter verlockt, ihm ihre Kinder zwecks Festigung des Judentums zu übergeben, darf nicht länger ein Feld für Werbung zum Austritt aus dem Judentum bleiben. Konstituierende Sitzung der Jüdischen Völkerbundliga in Oesterreich Am 16. Jänner fand die konstituierende Sitzung der Jüdischen Völkerbundliga in Oesterreiöh statt. Vizepräsident Dr. Hofrat Frankfurter hielt eine Traueransprache, in der er des verstorbenen Präsidenten Oberrabbiner Prof. Dr. Ch-aj es, sowie des dahingegangenen Mitgliedes der Exekutive, ‘Direktor Sigmund E p 1 e r gedachte. Er schilderte eingehend die Tätigkeit der beiden innig Ibefreundeten Mitglieder im Kreise der jüdischen Vorkämpfer des Völkerbundgedankens und der iB egründer der ersten jüdischen Völkerbundliga, die dann den Anstoß zur Gründung weiterer jüdischen Völkerbundligen gegeben hat. Für i)hn war der Völkerbundgedanke nicht nur eine Sache der Humanität, sondern der Ausdruck der jüdischen Weltanschauung, wie sie in so 'klassischer Form in unseren Propheten zutage trat. lUeber seine Veranlassung 'hatte sich noch vor Jahren das Komitee der Jüdischen Delegationen mit der Begründung von jüdischen Völkerhundligen .beschäftigt. Seiner Initiative ist es auch zu danken, daß die erste jüdische Völkerbundliga hier in Wien zustandekam. In seinem Sinne soll die jüdische Völkeibundliga ihre Tätigkeit fortsetzen. Sodann wurde der Beschluß gefaßt, die Vizepräsidenten Holrat Dr. Frankfurter und Dr. Leo Goldlhammer, sowie den Generalsekretär iDr. Isidor Margulies mit der Führung des Präsidiums zu betrauen. Ferner wurde beschlossen, in der allernächsten Zeit eine großzügige Propagan datätigkeit in Wien in Angriff zu nehmen. Zu diesem Behufe soll demnächst eine größere Versammlung stattfinden, in der voraussichtlich der Präsident des Komitees der Jüdischen Delegationen Leo Motz'kin und der Generalsekretär der jüdischen Völkerbundliga in der Tschechoslowakei Dr. 'Emil Margulies referieren werden. Die Not der jüdischen Studenten In Vertretung des jüdischen HochschulaussChusses, der Exekutive des Gesamtverbandes der Studentenschaft Oesterreichs „Judäa" erschien am 20. Jänner eine viergliedrige Deputation im Präsidium der israelitischen Kultusgemeinde, wo sie von den Vizepräsidenten Dr. Ornstein und Dr. Löwenherz empfangen wurde. Die neügewählten Mitglieder des Hochsohulausschuss.es ersuchten das Präsidium, der jüdischen Studentenschaft das bisher entgegengebrachte Wohlwollen auch weiteihin zu bewahren. Sie wiesen auf die schlechte wirtschaftliche Lage eines großen Teiles der jüdischen. Studentenschaft, deren Not sich durch das Ableben des Öberrabbiner Dr. Chajes sehr verschärft hat, da er den größten Teil der Mittel für die unbemittelten. iStudent e n zur Verfügung gestellt hat. 'Das Präsidium der Gemeinde versprach, wie bisher seine Fürsorge der jüdischen Studentenschaft angedeihen zu lassen. Aus den zionistischen Ortsgruppen Wien Vortrag Gerda Arlosoroll über die gegenwärtige Lage in Palästina, Das Zionistische Landeskomitee für Oesterreich veranstaltete zusammen mit der österreichischen Organisation, der „Wizo" sowie der Arbeitspartei „Hitachduth“ am 14. Jänner einen Vortrag der bekannten Publizistin Gerda Arlosoroff: Die Vortragende sprach über die gegenwärtige Situation in Palästina; sie schilderte im Zusammenhänge mit den Arbeitslosendemonstrationen in Petach Tikwah den Gegensatz zwischen alter und neuer Kolonisation in Erez Israel. Die von den Pflanzern behauptete größere Rentabilität bei Verwendung arabischer Arbeit wird von. den privatwirtschaftich«n Siedlern in den neuen Kolonien rings um Tel Awiw b e- 9t ritten. Durch die Verwendung arabischer Arbeiter, die keine eigentlichen Lohnarbeiter sind, sondern fast immer über ein Stück Boden verfügen und von den Lohnersparnissen das Inventar ihrer Eigenwirtschaft .vermehren, entstehe das Paradoxon, das mit jüdischem Gelde Araber angesiedelt werden. Der jüdische Arbeiter, der den Bodenbesitz nicht Ihat, kämpft seit 20 Jahren um das Recht auf Arbeit. Anschließend daran besprach Frau Arlosoroff die Araberfrage und wies dabei auf die Notwendigkeit hin, die arabische Sprache zu erlernen, wenn man in Palästina Wurzel fassen wolle. Die Araber, die sich den modernen Verhältnissen des Landes anzupassen und mit ihnen aufzusteigen verstanden, seien heute bereits mit jüdischer Arbeit verbunden. Wenn dennoch Arbeitslosigkeit herrsche, so s.ei die Teilnahmslosdgkeit der Galuth, die auch bei den Zionisten herrscht, daran Schuld. Der sachliche Vortrag fand allgemeinem (Beifall. Organisation zionistischer Frauen Oesterreichs (WIZO). Am 5. Jänner fand im Rahmen der zionistischen Frauenorganisation Oesterreichs (Wizo) eine Trauerfeier für Oberrabbiner Dr. Chajes s. A. statt, zu der die Zionisten sowie die führenden Vertreterinnen der nidhtzionistisohen jüdischen Frauen Twn.rI-o.-nn W Gvfüllei eure <Mlichl gegen den Keven QßWMGLfZWMf Majessod, den jüdischen ftutbaufonds tite 235353535353488948484853485348485323485353532348482348235353534848235323