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Die Stimme · 1928-01-19 · Heft 3 (19.1.1928) · page 9

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 3 (19.1.1928)
Date
1928-01-19
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
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Nr. 3 DIE STIMME Seite 9 aufrechten Juden ein Labsal, obgleich oder weil dort ein neuer Schulchan Aruch im Werden ist. So hat es sich eingebürgert, daß beim Aufruf die Aschkenasitn stets nur eine von Sefarden gespendete Thora bedienen und umgekehrt, Hiemit soll der letzte Rest der Entfremdung zwischen „Jiden“ und „Franken” ausgetilgt werden. Und wer nicht den Mut hat, die Staatsbürgerschaft von Erez Israel zu erwerben, läuft in Talpioth Gefahr, das Recht zum Aufruf ganz zu verlieren. Am Simchath Thora scheint hier die orientalische Degradierung der Frau beseitigt. Buben und Mädeln umtanzen in buntem Reigen die Thora und singen im Chore die Jubellitanei: „El jiwne Talpioth!" (Gott erbaue Talpioth!) Doch man greift, im Vertrauen auf Gottes Hilfe, überall selbst tüchtig zu. All die Häuschen sind von außen her aus dem schönen weißen, gelblichen und rosa getönten Kalkstein Judäas, und von innen aus aller Art Ziegeln und zementbestrichenen Drahtwänden nur durch jüdische Hände erbaut, und trotz des Ueberflusses an Felsbrocken, mit denen der, Boden übersät ist, erwachsen um jedes Haus — dank dem rastlosen Fleiß der Bewohner — liebliche Gärten mit üppigen Blumen und rasch aufschießenden Bäumen, Um 5 Uhr morgens und noch am späten Abend, vor und nach ihrer Berufsarbeit, sind hier die Bourgeois mit Hacke und Spaten und vor allem mit dem W'asserschlauch am Werk. Gottlob, daß nunmehr der Segen aus den gefüllten Teichen Salomons und aus der neuerschlossen Quelle von En Fara ausreicht! Das so mit Grün geschmückte Talpioth wird, zumal an Sabbath¬ und Festtagen, zum Ausflugsziel für die Innenstädter von Jerusalem, Dabei schließen sich immer mehr Araber, Griechen und Deutsche den Juden an. Eine als Kaffeehaus adaptierte Baracke bietet neben den „Gasos", Verwandten der Wiener Kracherln, auch geistige Genüsse durch das Radio, an dessen Schnüren man in stiller Nacht nach Konstantinopel und, Moskau, nach Neapel und Wien hinaushorcht. Und in der Glut des Hochsommers flüchtet manch ein Tel Awiwer, der sich den Sejour am Libanon nicht leisten kann, nach Talpioth, das mit seinen 900 m Seehöhe doch etwas kühler und in der Abendbrise köstlich ist. Der Frieden der Gemeinde wird durch den Schomer bewacht, der seine im -Hochland von Georgien begonnene Heldenlaufbahn in Erez Israel fortsetzt. Nachts hört man ihn zu Roß über Stock und Stein dahinsprengen und wehe den arabischen Dieben, die er erwischt! Hat er sich doch seinen eigenen Strafkodex zurechtgelegt, der ebenso schlagals beweiskräftig ist. Eine zweite Funktion dieses würdigen Mitbürgers sei nur nebstbei erwähnt, nämlich daß er den Talpiothern sechs rüstige Töchter als Hausgehilfinnen stellte. Aber nicht nur durch den Schomer kommt Talpioth mit der arabischen Umwelt in Berührung. Hier führt der Weg aus dem paar Kilometer weiter liegendem Araberdorf Sur Baha vorbei, gerade wo der Boulevard des künftigen Groß-Talpiotn prangen soll. Vorläufig trotten da die Kamele in langen Reihen hin und wider; doch mag man ihn darum als „Boulevard Hagamalim" verspotten, er wird bestimmt wieder die Hauptader des Verkehrs zwischen Jerusalem und Bethlehem wie einst, da die Römer auf derselben Strecke ihre Heerstraße unterhielten. Die zuerst mißtrauischen Beziehungen zwischen uns und unseren „Vettern" bessern sich zusehends. Die arabischen Fußgänger sind, wenn die Sonnenglut sie sengt, gewiß, an jeder jüdischen Tür den erquickenden Wasserkrug bereitzufinden. Doch das Fußgehen kommt auch bei ihnen, allmählich aus der Mode. Die Talpiother mußten sich daran, gewöhnen, daß die Fellachen sich immer mehr in den jüdischen Autobus drängen. Vorläufig sitzen sie noch auf eigenen Bänken, aber wenn sie erst größere Sauberkeit erlernt haben*, wird auch dies Ghetto schwinden. Allmählich wagen sich kühne jüdische Spaziergänger bis nach Sur Baha hinüber, und siehe da, nicht Waffen hält man ihnen entgegen, sondern als freundlichen Gruß das, was auch dem Araber das liebste ist, die Babies. Die Beziehungen Talpioths zur Mandatsmacht beschränkten sich bisher darauf, daß einige jüdische Regierungsbeamte; hier wohnen. Seit aber der Hochkommissär durch das Erdbeben aus Auguste Viktoria-Stiftung am Skopus verscheucht ward, ist die Erbauung eines Palastes für ihn und die obersten Regierungsämter hoch aktuell. Entweder kommt dieser Bautenkomplex nach der jüdischen Nachbarvorstadt „Makor Chajim" oder aber auf ureigenen Talpiother Boden. Das verheißt Talpioth einen starken baulichen und wirtschaftlichen Aufschwung. Daß deshalb das hebräische Talpioth anglisiert werde, ist noch lange nicht zu befürchten. Es wird sich stets als treue Tochter Israels fühlen, als die hochragende und in eine schöne, große Zukunft schauende Warte Jerusalems. Baron Edmund Rothschild und der Palästina-Aufbau In einem Teil unserer Auflage haben wir die uns nach Schluß des Blattes von unserem Pariser Berichterstatter zugekommene kurze Meldung von einer 1,000.000-Pfund-Spende des Barons Edmund Rothschild für den Palästina-Aufbau wiedergegeben. Die Kürze der Zeit erlaubte es nicht mehr, die Antwort der Zionistischen Exekutive auf unsere dahin gerichtete Anfrage über die Authenzität der Meldung abzuwarten und wir gaben daher die Nachricht als die unsres Korrespondenten wieder. Aus der inzwischen eingelangten Antwort der Zionistischen Exekutive ergibt sich, daß die Pariser Meldung denTatsachennichtentspricht. Sie beruht anscheinend auf einem Mißverständnis, da Baron Rothschild in den letzten Tagen wohl tatsächlich eine größere Spende, jedoch für ein französisches Forschungsinstitut, gemacht hat. Tatsächlich hatte Dr. Edmund Rothschild während der Anwesenheit des Präsidenten Weizmann in Paris, mit diesem eine Besprechung, bei der die Frage der Ansässigmachung eines Teiles. der Arbeitslosen als Kolonisten in Palästina behandelt wurde. Baron Rothschild erklärte seine volle Sympathie für diesen Vorschlag und bat um Ueberreichung eines genauen Planes. Dieser Plan wird Baron Rothschild jetzt vorgelegt. Rückreise nach Palästina Personen, welche in Palästina wohnhaft waren und dorthin zurückzukehren beabsichtigen, dies jedoch nicht tun können, weil sie entweder sich seinerzeit kein Rückreisevisum beschafft haben oder weil das eingeholte Rückreisevisum bereits abgelaufen ist, erhalten in dieser Angelegenheit beim Falästinaamte, Wien I., Kärntnerstraße 28, unter Mitnahme ihrer Personaldokumente, in der Zeit von 3 bis 6 Uhr nachmittags Auskunft. Jt ts/H Entwurf für die neue Vorstadt von Jerusalem Talpioth (von Architekt M. Kaufmann) | Beste Qualitäten | | Gediegenste Ausführung I I Billigste Preise § haben den Ruf unseres Hauses begründet! es Hl Elegante Mäntel, Kleider, Kostüme etc. nach ori- §§§ SE ginal Pariser Modellen in unseren Ateliers hergestellt =5 H MODENPALAIS | | JULIUS KRUPNIK 1 | NUR VII., KAISERSTRASSE NR. 115 {§!! Achtung! Keine FilialeI Achtung! üj Hl Führendes und größtes Spezialhaus Oesterreichs j|| Miszellen Jüdische Kolonisation auf der Leipziger Messe Wie das Pressebüro des Leipziger Messeamtes mitteilt, werden während der Frülhijahrsmesse 1929 in Leipzig zwei Pavillons zu sehen sein, diie die jüdische Kolonisation der Gegenwart veranschaulichen; ein von der Zionistischen Exekutive errichteter Palästina -Pavillon und eine von der staatlichen russischen Kolonisationsgesellschaft „Komizet" arrangierte Ausstellung, die das jüdische Koloniscitionswerk in Rußland illustriert. tion, der sich vor kurzem als Experte der Jewish-Agency-Kommission in Palästina auf hielt, hielt vor den Mitgliedern der Geographischen Gesellschaft im Hause der London School of Economics einen Vortrag über die landwirtschaftlichen Möglichkeiten Palästinas. Der hoffnungsvollste Zweig der landwirtschaftlichen Betätigung der Juden in Palästina, so führte er aus, wäre die Züchtung von Früchten -hoher Qualität und früher Reife, die als Qualitätsprodukte auf die Auslandsmärkte kommen. Dies würde der Intelligenz, Individualität und Geschäftskenntnis der Juden freien Spielraum geben; die Erzeugung der gewöhnlichen landwirtschaftlichen Produkte würde den Arabern Vorbehalten bleiben. Um die jiddische Lehrkanzel an der Jerusalemer Universität In einer gemeinsamen 'Sitzung des palästinensischen Komitees des Judaistischen Institutes der Jerusalemer Universität und des Lehrkörpers dieses (Institutes wurde, wie uns aus Jerusalem gemeldet wird, die Frage der Angliederung eines Lehrstuhls für Jiddisch an das Institut beraten. Es wurde einmütig beschlossen, die -Angelegenheit des jiddischen Lehrstuhls, für die 100.000 Dollar vom Herausgeber des New Yorker „Tog" 'D. Shapiro aufgebracht wurden, vorläufig zu verschieben; es sollen zunächst hebräische Lehrstühle für biblische Wissenschaft, jüdische Geschlickte und jüdische Philosophie errichtet und besetzt werden. Die -Mandatskommission des Völkerbundes wird im Juni d. J. zu ihrer 13. ordentlichen Session zusammentreten. Auf der Tagesordnung steht u, a. der Bericht der britischen Regierung über die Verwaltung des Mandatlandes Palästina im Jahre 1927. In 'London wurde unter dem iN-amen A-nglo Binyan Kayishuw of Palestine Ltd. mit einem Kapital von 3000 Pfund eine neue Gesellschaft zur Förderung der jüdischen Kolonisation in Palästina begründet; sie verfolgt den Zweck, in Palästina Land zu erwerben und durch dessen Abgabe zu günstigen Bedingungen an Einzelpersonen und Sie-dlergruppen die ländliche und städtische Kolonisation zu fördern. * Wie das Haifaer arabische Organ „Akd-am“ beriohtet, haben (England und Frankreich als Mandatarmäohte von Palästina und -Syrien der A' e g y p t .i s c|b e in Landwirts c h a f t s 'b a n k die Konzession zur -Eröffnung von Filialen in Jerusalem, Haifa, J -a f f a, Beirut, Damaskus usw, erteilt. Die Filialen der Bank wenden Darlehen auf Böden zu 6 Prozent bei (Rückzahlung in 20 Jahresraten erteilen. Die Filialen sollen Anfang 1928 eröffnet werden. * Der Oberkommissär von Palästina, Lord PI um er, hat angeordnet, daß in allen Kirchen, Synagogen uiyd Moscheen Palästinas Gebete um Reigen gesprochen werden sollen, da der Regenfall trotz der vorgerückten Jahreszeit ausgeblieben ist und das Land bereits unter der T r o c k e nlh' e i t leidet. Das landwirtschaftliche Departement der Zionistischen Palästina-Exekutive siedelt gegenwärtg 12 Familien in Ramat a j i m an. Die neue Siedlung, vom Typus des -Mosohau, wird in der Hauptsache auf Orangenkultur basieren. Die bisherigen Siedler haben ihre landwirtschaftliche Ausbildung in Holland und Deutschland! genossen, Die 37 Läden, w-elche die Palestine Land Development Company als neues Handelszentrum in Jerusalem erbaut, sind fertiggestellt. Die Lulblimersdh-e Zigarettenfabrik in Tel- Awiw, die in der letzten Zeit außer Betrieb gewesen war, wurde, wie „Haarez“ meldet, von Dr. Walter iMoses und N. Waskiewitz erworben und in vollen Betrieb gesetzt. Der frühere Bürgermeister von TebAw-iw M. Dizenge ff wurde zum belgische,n Vizekonsul in Palästina ernannt. In Haifa wurde die fünfte Konferenz jüdischer Frauen Palästinas durch Frau -Senator Tlhon eröffnet. Es wurden Referate über Kindererzie-hung, Wirtsdbaftsfr-agen u. a. m. gehalten. Die Konferenz dauert mehrere Tage. Nach einer Meldung des arabischen Blattes „Felestin“ hat -die britische Regierung -die Legung eines direkten Tele g r a p h e n k a b e 1 s zwischen L o n d o n und Haifa über Cypern beschlossen. Zum Leiter der -Röntgenabteilung des Hadasse- Spitals in Jerusalem wurde Dr. -Ignaz Z o 11 a c -h a n ernannt. Dr, Zollschan, der früher in Wien, später in Berlin und Karlsbad tätig war, ist -als Verfasser eines Buches gegen die Rassentheorien bekannt. Die Jugendorganisation -der amerikanischen „Hadiassah" hat ihren Fonds von 20,000 Dollar als Reservefonds für das E r z i e h u n g s w e r k der Zionistischen Exekutive in Palästina zur Verfügung gestellt. Nach einer Havas-iMel-dung aus Rom wird der italienische Thronfolger im Februar eine Reise nach Palästina unternehmen. Die Höhle M a c h p e 1 ah in Hebron, wo nach der Bibel die Erzväter und die Stammutter Israels begraben sindi, durfte bisher von N-ichtmohammedanem nicht betreten werden. Nunmelh-r hat der Oberste moslemitische Rat den Beschluß gefaßt, dieses Verbot aufzuheben. * Wie aus Jerusalem gemeldet wird, wurde in der Nacht vom 7. auf den 8. Jänner das Gebäude, welches das Grab Rachels umschließt, von unbekannten Tätern beschädigt. Imposante Trauerversammlung für Oberrabbiner Professor Dr. Chajes im Prater Am 16. Jänner veranstalteten sämtliche jüdische Vereine im Prater eine gemeinsame Taiauerversammlung, die von mehr als 2000 Menschen besucht war und Zeugnis dafür ablegte, -daß der Heimgegangene in den weitesten Kreisen des Ost- und Westjudentums als der Repräsentant der Judenheit -angesehen wurde. (Nach den kantoralen Gesängen hielten Rabbiner Dr. Feuclh twam/g und1 Vizepräsident Dr. Löwen- Iherz zu Herzen gehende und alle Anwesende tief erschütternde Ansprachen, Sir John Rüssel, der hervorragende landwirtschaftliche Sachverständige und Leiter der Rothamsted-Versuchssta- Trefipunkt der Zionisten Samstag abends ab 8 Uhr Cafe Fürstenhof. ^999999999999999999999999999999909999 5555555555555555555555555555555R

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