Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1 (1928)
- Issue
- Heft 3 (19.1.1928)
- Date
- 1928-01-19
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 3 DIE STIMME Seite 7 Kleine Nachrichten Die r jüdische N a t i on a lra l d, e r Tschechoslowakei hat in P r a g eine Tagung abgehallen, bei der Präsident Dr. Ludwig Singer über die politische Situation referierte. Weiter wurden Fragen des hebräischen und jiddischen Schul'W erkies, der iRec.htslr.ilfe, 'der Organisation der jüdischen Studentenschaft, Kultusangelegenheiten u. a. m, erörtert. « Wie aus Czernowitz berichtet wird, befaßte sich der Vorstand der jüdischen Einh.ieitspartei in seiner letzten Sitzung mit der Frage der Schaffung eines jüdischen 'Reichsblocks für Großrumänien, Naab einer lebhaften Debatte wurde der iBeschluß gefaßt, einen Landesverband der Bukowiinaer Juden zu gründen und mit den in Betracht kommenden jüdischen Persönlichkeiten 'Bessarabiens und de« Altreiches VerVrandlumgen über Gründung eines Reichsblock« einzuleiten. Der seit langem währende Kampf zwischen den Anhängern des Rabbiners Spiro in Mukacevo und des verstorbenen Rabbi von Beiz ist nach einer Meldung der „Prager Presse“ in eine neue Phase getreten, in dem die Spiro-Gruppe beschloß, eine jüdisd/.ie faschistische Partei zu gründen, welche In den Synagogen den Kampf gegen die Anhänger des iBelzer Rabbi und die Zionisten mit Gewaltmitteln führen will. Rabbiner Spiro erhielt zu seinem Schutze eine Garde, die sich aus seinen Anhängern gebildet bat. Die am 27. November v. J. stattgelfundenen Wahlen für den Vorstand der jüdischen Gemeinde von Leipzig wurden vom War-fprüfungsgericht für ungültig erklärt. Salrnan Reisen, der bekannte Bibliograph, Herausgeber des Lexikons der jüdischen Literatur und einer der wichtigsten Mitarbeiter am jüdisch-wissenschaftlichen Institut in Wilna, wurde in seiner Eigenschaft als Redakteur der Wilnaer Zeitung „Der Tog" zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt, weil er in seinem Blatte das Gesetz über die Zwangssonntagsruhe in Polen vom Standpunkt der dadurch schwer betroffenen jüdischen Bevölkerung bekämpft hatte. Am 15. Jänner wurde in Budapest die erste öffentliche Landeskonferenz der Zionisten Ungarns eröffnet. ilm Glasgow ist soeben die erste Nummer des „Jewish Echo", der ersten jüdischen Zeitung Schottlands erschienen. * Der bekannte jüdische Publizist J. J. P r o p u s, der schon in der ersten jiddischen Zeitung in Rußland „Der Frajnd” tätig war und jetzt der Redaktion des Warschauer „Moment" angefbört, begeht das Jubiläum seiner 25 jährigen publizistischen 1 ätiigkeit. Albert L a s k e r, früherer Präsident des Schiffährtsikomilees der Vereinigten Staaten, Mitglied des American Jewisb Committee und des Kuratoriums der jüdischen Wohlfahrtsanslalten von Chicago, bat eine Million Dollar für medizinische Forschungsarbeit der Universität Chicago gestiftet. In Straßbur ig ist bochbetagt der Rechtsanwalt L e b- 1 o i s gestorben, der seinerzeit im O r e y f u s - P r o z e ß den mitangeklagten Obersten P i q u a r t verteidigt hat. Der Rabbiner von Ferrara Dr. Ar.mando S o r a n i, ein Schüler Cbajes' am Collcgio Rabbinico in Florenz, ist kurz nadh seiniem Lehrer gestorben. Sorani hat u. a. die Psalmen, Bralik sowie die Novellen von Perez ins Italienische 'übersetzt. In New York ist 89 jährig der jüdische Plbilantrop Nathan B o o n e r t gestorben. Er war der einzige Amerikaner, dem — im Jai.'re 1925 — zu seinen Lebzeiten t in Denkmal errichtet wurde. Er leistete in Paterson, wo er aus kleinen Anfängen s*ein Geschäft zu einer der größten Unternehmungen der Seidenweberei entwickelt hatte, reiche plhlilantropische Arbeit. Von 1883 an war er Bürgermeister seines Wohnortes. Rechtsanwalt Dr, A. Tscherikower, ein Bruder des in Berlin lebenden jüdischen Historikers Dr. E. Tsciherikower, ist in Jerusalem gestorben. Er war zusammen mit Ussischkin, Tschlenow u. a. einer der Begründer der Chowewe-Zion in Rußland. In Cincinnati ist im Alter von 82 Jähiren der Stahlmagnat Emil Polak, ein Förderer jüdischer Wissenschaft (er war Direktor des Hebrew Union College) gestorben. iPoilak war in Wien geboren, von wo er noch als Knabe nadh' Ataerika kam. Die ungeschwächte Anziehungskraft des sensationellen Sonderverkaufes in Weißwaren veranlaßt das Warenhaus Brüder Schiffmanin, 2. Bez., Taborstraße Nr. 48, die verblüffenden Angebote anläßlich der „Weißen Woche" noch für kurze Zeit zu verlängern. Alle Erzeugnisse der weltbekannten Qualitäts-Standard-Marke „Lilien" werden xu original Fäbrikspreisen verkauft. Das Riesenlager in allen erdenklieihen Wöben, Chiffons, (Gradl, Bettüchern, ferner in Damen- und Herrenwäsche wird bei erstklassiger Qualität zu verblüffend niedrigen Preisen abgegeben. Nachstehend einige Preisbeispiele: Wäsche-Chiffons per Meter 59 Groschen. Geschirrtücher ä 49 Groschen, Damastservietten mit Hohlsaum ä 58 Groschen, Madras-Stoffe, für Vorhänge per Meter 70 Groschen, Batist-Taschentücher, gestickt, 20 Groschen, Damen- Wäsche-Gamituren, ajouriert und gest’ckt, Hemd oder Hose S 1.98, Herren-Hemden, alle Halsweiten S 2.90, Herren-Kragen, weich, alle Halsweiten, nur 20 Groschen. Versäumen Sie nicht die Besichtigung der originellen und wirklich sehenswerten Sdhaufensterdekoration „Der gestiefelte Kater", ein entzükkendes Panorama mit märchenhaft schönen Beleuchtungseffekten, 1500 Glühlampen strahlen ein Meer von Licht über die lebensgroßen Märchenfiguren, den „gestiefelten Kater", die „Prinzessin" und den prunkibaften „Schlitten" mit dem prächtig auf- ■gezäumteji „Lippizaner" aus. Ein geschmackvoll-künstlerisch arrangierter Rahmen aus Schnee (Marke: Schneepalast), unzähligen weißen Rosen und Bergen schneeweißen Linnens vervollständigt das prächtige Gesamtbild — eine wahre Augenweide für jung und alt. Sehen Sie sich das an — Sie werden über das schöne Bild und die fabelhaften Angebote staunen. (Entgeltl.) ETTEL OBERLÄNDER, WIEN V., SALO WALTER, WIEN VI., VERLOBTE. Österreich Trauerfeiern für Oberrabbiner Dr. Chajes s. A. Samstag den 14. Jänner abends fanden gleichzeitig in sämtlichen Wiener Gemeindetempeln Trauerandachten für Oberrabbiner Dr. Chajes s. A. statt, bei denen die Herren Rabbiner der einzelnen Tempel das Wirken des verstorbenen geistigen Führers des jüdischen Wien würdigten. Der überaus starke Besuch dieser (Feier in allen Bezirken zeigte die Verehrung der Wiener JudenscLaft für den so früh Dahingeschiedenen. Fast alle jüdischen Organisationen und Institutionen Wiens gaben ihrer Trauer um Dr. Chajes in Trauerversammlungen Ausdruck, Darunter ist eine Reihe von Institutionen, die der unermüdlichen Arbeit des Verblichenen ihre Entwicklung zu danken halben. Einen erhebenden Verlauf nahm die Trauerfeier des von Dr. Clbajes s. A. begründeten Jüdischen R e 1 i g 1 o n s 1 e lh r e r s e m i n a r s, die am 7. Jänner in den Räumen der Anstalt stattfand. Die Mitglieder des Kuratoriums und des Lehrkörpers wie die 'ehemaligen und derzeitigen Schüler der Anstalt batten sich vollzählig eingefunden. Vizepräsident Hofrat Dr. Frankfurter schilderte den großen Verlust, den das Seminar durch das Ableben seines wärmsten Freundes erlitten bat. Hierauf führte der Leiter des Seminars, Professor Dr, M. Rosenfeld in einer Rede aus, wieviel der Verblichene für diese Anstalt getan hatte. Clbaijes Ibat in diesem Seminar seine ureigenste Schöpfung gesehen, da er es trotz verschiedener Hindernisse, die sich ihm in den Weg stellten, errichten und erhalten konnte. Obwohl Clhajes eigentlich kein Lehrer des Seminars war, bat er bei seinen häufigen Besuchen die Lehrer zugleich wie die Schüler durdb seine hervorragende Kenntnis aller jüdischen Wissenszweige belehrt und ihnen neue Wege gewiesen. Er wird im Geiste der Lehrer und Schüler dieser Anstalt fortleben als ein iMann, der ilhnen als leuchtender Stern auf dem Gebiete jüdischer Wissenschaft vorangeschritten Ist. Hierauf trug Herr Oberkantor Margulies in ergreifender Weise das „El ,mole rachamim" vor. Hofrat iDr. 'Frankfurter gedachte sodann des ebenfalls vor kurzem verstorbenen Ruratoriumsmitgliedes Direktor Sigmund Epl e r in warmen Worten und schloß die würdige Feier. Das Kuratorium des Vereines „Zukunft" zur Erziehung und Erhaltung jüdischer Lehrlinge, für den Dr. Chajes (hingebungsvoll gewirkt hatte, veranstaltete für seine Mitglieder und für die Zöglinge des Lehrlingsheimes IX„ Grüne Torgasse 26, eine Trauersitzung, nie der Würdigung der Tätigkeit des verstorbenen Oberrabbiners als Kuratoriumsmitglied dieses Institutes galt. Mit einem Präludium und einem Gedenklied an Chajes wurde die Feier vorn Ghor der Zöglinge eingeleitet und nach erfolgter Begrüßung der Trauerversammlung hielt der Präsident des Vereines Kommerzialrat Paul K a r p e 1 e s die Trauerrede. Nadh kurzem stillem Gedenken sprach ein Zögling des Heimes; er gelobte im Namen aller Zöglinge am Lebenswerk des Oberralbbiners, dem Aufbau Palästinas aktiv mitzuarbeiten. Mit der Tikwah schloß die eindrucksvolle Feier, Die Verehrung, die Oberralbbiner Chajes in der gesamten jüdischen Welt genoß, gibt sich in den Trauerkundgeibungen in allen Zentren jüdischer Siedlung, in den jüdischen Gemeinden der ganzen Welt kund. Besonders imposant war die große Trauerfeier, welche die Zionistische Vereinigung Deutschlands in Berlin veranstaltete. Sie war dem Gedenken Gbajes und des kurz nach ihm verstorbenen Wladimir Tiomkin gewidmet. Es sprachen u, <a. der Präsident der Zionistischen Vereinigung für Deutschland Herr Kurt IB 1 u m e n f e 1 d, Professor Isimar E 1b o g e n, der den Gelehrten und Menschen Chajes in warmen Worten würdigte, der Leiter des europäischen Hilfswerkes des American Joint Distribution Committee Dr. Bernard K a h n, der zugleich mit Chajes das jüdische Hilfswerk in Wien organisiert Ihat, ferner Dozent Dr. Torczyner, Dr. Julius Brutzkus, der Präsident des Verbandes russischer Juden Staatsrat Dr. T e i t e 1 und der Vizepräsident der Berliner jüdischen Gemeinde Dr, Alfred Klee. In Italien wurde eine schöne 'Ehrung Dr. Chajes, der lange in Italien wirkte, beschlossen. Von der jüdischen Gemeinde in 'Rom ist ein Rundschreiben an alle jüdischen Gemeinden und Körperschaften Italiens ergangen, in welchem sie aufgefordert werden, das Andenken Ohajes, insbesondere in Erinnerung an seine verdienstvollen Leistungen für das italienische Judentum, durch- Erwerb von Land in Palästina auf seinen Namen zu ehren. Wochen-Kalender Jänner 1928 Gedenktage mptqsd mnn 19 Donnerstag 1803— der Philosoph und Mediziner Dr. Marcus Herz zu Berlin gestorben. Tebeth n3D 26 - ia 90 Freitag 1854— der Rabbiner Immanuel Löw in Szegedin geboren n 1 CM 21 Samstag 1890der Chief-Rabbi von England ür. N. M. Adler gestorben. 28 - ns Hnftnrahi Kau omar 22 Sonntag 1923 - Max Nordau in Paris gestorben 29 - Ji3 23 Montag Scliewat -123© > - X 24 Dienstag 1907— der berühmte Orientalist u. Bibliograph Moritz Steinschneider 91jährig in Berlin gestorben. n 1 CM 25 Mittwoch 3 -; Vereinsnachrichten Wir ersuchen, Anzeigen für die Vereinsrubrik bis spätestens Montag mittags direkt an unsere Redaktion (I., Rauhensteingasse 1) zu senden, damit sie rechtzeitig eingeschaltet werden können. Bei später einlangenden Vereinsanzeigen ist rechtzeitige Veröffentlichung nicht mehr möglich. Eine Biichsenaulstellungsaktion des Keren-Kajemeth findet in der Zeit vom Sonntag den 22. Jänner bis inklusive 29. Jänner statt. Alle Mitarbeiter des KKL. werden auf den III. Bezirk konzentriert. Das Material wird im KKL.-Bureau, I., Kärntnerstraße 28 ausgegeben. Dort ist es auch täglich zu verrechnen. Zionistische Sektion III. Dienstag 24. Jänner halb 9 Uhr abends, Cafe „Lovrana", MT., Löwengassg 36, Vortraig Prof. Dr. Martha Hof mann: „Westliche Kultur und jüdische Erziehung“. Gäste herzlich willkommen. Zionistische Sektion X—XI: Mittwoch, 25. Jänner um 8 Uhr abends in den Rosensälen (Jagdstüberl), X., Favoritenstraße 83, Vortrag Ludwig Bato „Judentum und Sowjetrußland“. Gäste willkommen. Zionistische Frauengruppe Prater. Montag, 23. Jänner präzise 8 U'hr abends im Heim, HL, Jungstraße 8, erster Vortragszyklus Frau Dr. Kantor über „Jüdische Geschichte". Anschließend literarischer Abend. Verband der Zionisten-Revisionisten Oesterreichs. Zu der am Montag den 23. Jänner um 8 Uhr im Olympia-Saale stattfindenden Trauerkundgebung für unseren verstorbenen Führer Wladimir Tiomkin, ist das unbedingte Erscheinen aller Revisionisten Pflicht. Elternbund „MenoTah“, VI., Mariahilferstraße 99, Cafe „Palace". Samstag 21. Jänner (halb 9 Uhr abends Akademie mit Tanz. Gäste willkommen. Jüdischer Witwen- und Waisenhilisverein (IX., Servitengasse 12), Samstag, 28. Jänner halb 8 Uhr abends, im Tempel IX., Müllnergasse, E eie r (lithurigische Gesänge und jüdische instrumentale Melodien). Festrede: Rabbiner Doktor Artur Schwarz. Mitwirkende: Oberkantor S. Postolow, Simo» IB a c k m a n n, 'Fräulein Grete Körner, A. .D z i m i t r o w s - k y, Josef F e i n s i n g e r. Verband jüdischer Kaufleute und Gewerbetreibenden, Wien I„ Elisabetlhistraße 9, L Stock, Tür 10 (Fernruf 45-8-34, B 30-3-49, 91-6-74). Heute, Donnerstag, 19. Jänner, punkt 8 Uhr ■abends in der Kaufmannshalle des Wiener Bürgercafe UL, Praterstraße 11, XXXIII. Plenarversammlung, zu der alle jüdischen Kaufleute, (Industriellen und Gewerbetreibenden eingeladen werden. Tagesordnung: 1. Referat über Absatz- und Einfuhrmöglichkeiten zwischen Oesterreich und Palästina (Referent Direktor Stern der österr.-orientalischen Handelskammer in Wien). 2. Angebote und Nachfragen, vakante Vertretungen des In- und Auslandes, freie Diskussion über wirtschaftliche Fragen. Die Chajes-Gedächtnisnummer der »Stimme« Das Titelbild unserer vorigen Nummer, Bildnis des Oberrabbiners Dr. Chajes s. A. ist nach einer Aufnahme aus dem Photo-Atelier Hella Katz, Wien, I„ Stubenring 18, reproduziert. Die erste Ausgabe unserer Chajes-Gedächtnis- Nummer war bald nach dem Erscheinen vergriffen; infolge der fortwährenden Nachfrage mußten wir eine zweite Ausgabe hersteilen lassen. Von dieser ist nur noch eine sehr kleine Anzahl von Exemplaren vorhanden, worauf wir alle, welche diese Nummer noch nachbeziehen wollen, aufmerksam machen. TT jw_'m Erfüllet eure ‘Pflicht gegen den Keren CrUCZßZIf Uujessod, den jüdischen Mutbautends tiir