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Die Stimme · 1928-01-12 · Heft 2 (12.1.1928) · page 10

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 2 (12.1.1928)
Date
1928-01-12
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
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Seite 10 DIE STIMME Nr. 2 zeugung, welche bisher nur Korke für Flaschen und Fischernetze umfaßte, wird jetzt auf Schuheinlagen ausgedehnt. Ueberdies wird eine Abteilung für die Verwendung von Korkabfällen (die in gemahlenem Zustande für die Verpackung von Exporttafeltrauben benötigt werden) eingerichtet. In der letzten Zeit herrscht bei den arabischen Bauunternehmern starke Nachfrage nach fachlich gut qualifizierten Bauarbeitern. Da es solche im Lande nur unter den Juden gibt, werden letztens in steigendem Maße jüdische Arbeiter bei arabischen Bauunternehmern beschäftigt. Auch in Trans jordanien werden immer mehr fachlich geschulte Arbeitskräfte, besonders für Bau- und Installationsarbeiten, gesucht und so kommen in der letzten Zeit immer mehr jüdische Arbeiter hin, während es noch vor kurzem keinen einzigen jüdischen Arbeiter in Transjordanien gab. Bei Bauten in Rabbat Amman (u. a. beim Bau des Bahnstationsgebäudes und des Flußhafens) sind etwa 50 jüdische Arbeiter beschäftigt, die im Ort gewissermaßen eine geschlossene Siedlung bilden. So ist, wenn auch in geringem Maße und nur für die qualifizierten Schichten, Abfluß von Arbeitslosen möglich. Die jüdischen Arbeiter Amerikas für den Palästina- Aufbau Zugunsten der Institutionen der jüdischen Arbeiterschaft in Palästina fand in New York, wie uns von dort gemeldet wird, eine Massenversammlung jüdischer Arbeiter der amerikanischen Hauptstadt statt, bei der angesehene jüdisch-amerikanische Gewerkschaftsleiter sowie der palästinensische Arbeiterführer Mereminsky sprachen. Die Versammlung übernahm die feierliche Verpflichtung; alljährlich 300.000 Dollar für das Werk der jüdischen Arbeiterschaft Palästinas aufzubringen; an Ort und Stelle wurden 72.000 Dollar gezeichnet, wovon 21.000 Dollar bar eingezahlt wurden. Miszellen Die Zionistische Palästina-Exekutive hat mit der palästinensischen Regierung Verhandlungen über der Befreiung verschiedener Kategorien von Immigranten von der zwangsweisen Impfung bei der Ankunft gepflogen. Als Ergebnis dieser Verhandlungen wurde vom Gesundheitsamte der palästinensischen Regierung angeordmet, daß Personen, die in der Lage sind, durch ein 'Impfzeugnis nacihzuweisen, daß sie bereits einmal im Verlauf einiger Jahre geimpft wurden, von der Impfung (bei ihrer Ankunft im Lande befreit sind. 'Reisende der 1. und 2. Klasse sind berechtigt, sich von Privatärzten impfen zu lassen. Der 1. Jänner, der Tag, da die neue jüdische Gemeindeordnung in Palästina in Kraft getreten ist, wurde von der Agudas Jisroel, der politischen Organisation der Trennungsorthodoxie, als Fasttag für Palästina proklamiert, da die Agudah die vom Gesetze vorgesehene Unterordnung sämtlicher,, also auch der orthodoxen Gemeinden unter den jüdischen Nationalrat in 'Palästina, den Waad Leumi perhorresziert und die Anerkennung .separater orthodoxer Gemeinden verlangt. Es wurde auch eine Art von iDemonstrationsgehet für diese Forderungen an der Klagemauer zu Jerusalem inszeniert, dessen Zweck dem Völkerbund, dem britischen Kolonialamt und dem Oberkommissär von Palästina zur Kenntnis gebracht wurde. Durch Verordnung der Palästina-Regierung wurde bestimmt, daß von nun ab bei den Maßen und Gewichten nur noch das vor einigen Jahren «ingeführte metrische System offizielle Geltung hat. (In der Praxis wurden in Palästina bisher die alten Maße und Gewichte, wie z. B. Rotl 2.56 kg und Dunam 919 Quadratmeter, verwendet. Die Red.) Im zweiten Quartal 1927 betrug die Einfuhr nach Palästina 1,443.642 ägypt. Pfund (davon aus Aegypten zirka 400.000, aus England 225.000, aus Syrien 210.000, aus Deutschland 140.000 Pfund). Die Ausfuhr hatte im gleichen Zeitraum einen Wert von 341.624 ägypt. Pfund. Die Palästina-Regierung hat die meteorologische Station in Tel-Awiw in ihre Verwaltung übernommen. Zum Leiter sämtlicher meteorologischen Regierungsstationen des Landes wurde Dr. Baruch bestellt. Eine der wenigen jüdischen Polizeioffiziere Palästinas, der mit dem Grenzdienst betraute Untergouverneur des Norddistriktes, G. Krishevsky, ist von seinem Amte zurückgetreten. Vor etwa einem Jahre machte es großes Aufsehen, daß ein in der Nähe von Cäsarea von der durch Baron Rothschild begründeten Palestine Jewish Colonisation Association (Pica) gepflanzter Eucalyptuswald von Arabern zerstört wurde, wobei etwa 2000 Bäume entwurzelt wurden, Als Anstifter dieses herostratischen Verbrechens (der Eucalyptusbaum ist der geeignetste und nutzbarste, der für die Aufforstung Palästinas in Betracht kommt) wurde der arabische nationalistische Agitator El Bu s t a n i ermittelt und vom Haifaer Distriktsgericht zu einer Geldstrafe von 100 Pfund sowie zu einer Entschädigung von 65 Pfund an die Pica verurteilt. Das Berufungsgericht, an das El Bustani appellierte, hat die Geldstrafe auf 25 Pfund herabgesetzt. In der jüdischen Nationalbibliothek in Jerusalem wurden im November v. J. laut der eben erschienenen Monatsstatistik 4403 Bücher benützt; davon 41.8% hebräisch, 24.4% deutsch, 10% jiddisch, 9% russisch, 8.6% englisch, 3.7% französisch. Bei der in Mainz stattgefundenen Sitzung des Kuratoriums dct Jerusalemer hebräischen Universität wurden u. a. Neuer- Jnvenluwerkaut ij in Restpaaren Qualitätsschuhe J H'Sfl. 15“—- 17*50.10-50 ( ■j Schahmodenhaas 2>OFZ> ( //. 7aborstr. 8a ZZZZmlmZ { nennungen von Professoren für versc’-.iedene neue Disziplinen des judaistisct’ren Institutes vorgenommen. Die Professoren Klein und Dr. Epstein (Jerusalem), die schon bisher der Universität angehören, wurden definitiv, Professor Scthole m für drei Jahre, verpflichtet. Für historische Fächer wurde die Berufung der Dozenten Dr. 'B a e r (Berlin) und Dr. Epstein (London) beschlossen. Ferner wurden die Gelehrten Dr. Al.: I b e c k ^Berlin), Dr. Tscherikower (Tel-Awiw) und Dr. Die sendruck (Wien) zur Abhaltung von Kollegien eingcladen. In T e I - A w i w wurde die erste palästinensische Konferenz für Kur-, Bade- und Vergntigungsweseri abgehalten. ] Die jüdische Gemeinde [ Die kulturellen Aufgaben der Wiener jüdischen Gemeinde Von Dr. Jose! Löwenherz, Vizepräsident der Wiener Kultusgemeinde. Einer unserer Mitarbeiter hatte Gelegenheit, den Vizepräsidenten der Wiener Kultusgemeinde. Dr. Josef Löwenherz, über seine Ansichten von den kulturellen Aufgaben der Wiener Kultusgemeinde zu befragen. Dr. Löwenherz hatte die Freundlichkeit, sich wie folgt, zu äußern: Parallel mit der „Los-von-Rom-Bewegung“ wird" jetzt allenthalben eine „Los - vom - Judentum - Bewegung“ inszeniert, die es sich zum Ziele gesetzt hat, die jüdische Jugend systematisch vom Judentum zu entfernen. Wenn auch die Austrittsbewegung noch keine übermäßigen Dimensionen angenommen hat, so muß doch dieses Symptom als gewichtiges »memento« gewertet werden, denn es ist gerade die Jugend, unser kostbarstes Gut, die den Lockrufen von links nur allzuleicht erliegt. D i e Kultusgemeinde muß es daher als ihre heiligste Pflicht betrachten, den jüdischen Menschen vom zartesten Kindesalter an in ihren Bannkreis zu ziehen. Dieser Erkenntnis Rechnung tragend, haben sich die zionistischen Mandatare der Kultusgemeinde seit jeher unermüdlich dafür eingesetzt, daß die jüdische Erziehung schon im frühesten Kindesalter beginne. Die jüdischen Kindergärten in den verschiedensten Wiener Bezirken, in denen Hunderte von jüdischen Kindern unter Leitung von entsprechend geschulten Aufsichtspersonen mit jüdischem Geist durchtränkt werden, geben deutlichsten Beweis hiefür. Die Subvention der Kultusgemeinde für die jüdischen Kindergärten, wobei in erster Linie der Verein „Jüdische Kinderfreunde", der Verein „Wohlfahrt“ und der jüdische „Kindergarten“ im XX. Bezirke zu erwähnen sind, belief sich im abgelaufenen Jahr auf 24.082 Schilling. Gelangen die Kinder ins schulpflichtige Alter, dann muß ihnen erst recht die vollste Aufmerksamkeit zugewendet werden. Das jüdische Elternhaus läßt leider sehr viel an jüdischer Erziehung missen und der jüdische Religionsunterricht, der mit zwei Stunden in der Woche bemessen ist, kann dieses Manko nicht wettmachen. In der Erkenntnis, daß ohne Erlernung der hebräischen Sprache alles andere jüdische Wissen nur eine Halbheit bleiben kann, sind die zionistischen Mandatare immer für die obligatorische Einführung des hebräischen Sprachunterrichtes eingetreten. Zur Ergänzung des Religionsunterrichtes müssen eben Bibelschulen, Talmud-Thoraschulen und hebräische Sprachkurse mehr als bisher gefördert werden. Die Kultusgemeinde erhält derzeit vier Bibelschulen und subventioniert 26 hebräische Sprach-, Talmud- Thora- und Bibelschulen. Zu wünschen wäre es, daß die Kultus gemeinde in jedem Bezirk eine mustergültige Bibel - und hebräische Sprachschule errichtet, die die kleineren derartigen Lehranstalten, welche nur ein Scheindasein fristen, *in sich aufnehmen könnte. Um eine wirksame Erziehung der jüdischen Jugend im jüdischen Geiste zu erzielen, bedarf es eines einwandfreien, seinem Berufe voll ergebenen jüdischen Lehrers. Ueber Initiative des verewigten Oberrabbiners Prof. Dr, C h a j e s wurde deshalb das Religionslehrerseminar gegründet, das dazu berufen ist, hochqualifizierte Lehrer heranzubilden. Erwähnt müssen in diesem Zusammenhänge auch die ebenfalls über Initiative des unvergeßlichen Oberrabbiners eingeführten Kurse an der Theologischen Lehranstalt zur Heranbildung von jüdischen Mittelschullehrern werden. Bemerken möchte ich noch, daß über Drängen der jüdischen Vertreter in Polen die polnische Regierung geneigt ist, vier Religionsstunden in der Woche einzuführen, wovon zwei ausschließlich der Erlernung der hebräischen Sprache Vorbehalten sein sollen. Im Zusammenhang damit sei auch der j u - gendgottesdienst erwähnt, der jetzt in sämtlichen Wiener Gemeindetempeln Samstag nachmittags abgehalten wird. Auch hier zeigt es sich, daß nur solche Schüler, die in der hebräischen Sprache bewandert sind, dem Gottesdienste folgen können. Auch auf dem Gebiete der sogenannten „geschlossenen Fürsorge“ hat die Kultusgemeinde bedeutende Aufgaben zu erfüllen. Für insgesamt neun Anstalten für verwaiste, verlassene und blinde Kinder mußten im vorigen Jahre etwa 65.000 Schilling an Subventionen gezahlt werden. In dieses Kapitel sind auch die Berufserziehungsanstalten des Vereines „Zukunft“ zur Erziehung jüdischer Handwerker und das Elisabethheim zur beruflichen Erziehung jüdischer Mädchen einzugliedern. — Für beide Institutionen hat die Kultusgemeinde im abgelaufenen Jahr 20.300 Schilling ausgegeben. Die zionistischen Mandatare sind stets für die Schaffung der jüdischen Schule eingetreten, die es ermöglichen soll, die Jugend in einer judenfreundlichen Atmosphäre im jüdischen Geiste zu erziehen, und sich dabei eine gute Allgemeinbildung anzueignen. Wir besitzen gegenwärtig zwei jüdische Vollschulen, die Talmud-Thoraschule und das hebräische Realgymnasium, das der Oberrabbiner C h a j e s in seiner letzten Rede als seine schönste Schöpfung bezeichnete. Für diese Schulen, für das Religionslehrerseminar und die Theologische Lehranstalt leistet die Kultusgemeinde jährlich 97.746 Schilling an Subventionen. Die höhere wissenschaftliche Ausbildung der jüdischen Jugend wird durch Gewährung von Stipendien an bedürftige Studenten gefördert. Durch die Unterstützung der Kulr tusgemeinde wurde es im abgelaufenen Studienjahr 125 Hochschülern ermöglicht, ihre Studien fortzusetzen oder zu vollenden. Nicht unerwähnt bleibe in diesem Zusammenhang die Subventionierung von 7 jüdischen akademischen Fachvereinen. Die Bestrebungen der Kultusgemeinde zur Verbreitung des jüdischen Wissens durch Verfassung einer Geschichte der Juden W'iens und Oesterreichs haben durch das plötzliche Ableben des Vorsitzenden der historischen Kommission, des Oberrabbiners Chajes, einen schweren Rückschlag erlitten. Die Wiener Kultusgemeinde beteiligt sich auch an der Herausgabe der jüdischen Enzyklopädie, an der gegenwärtig in Berlin gearbeitet wird. Ein Teil der jüdischen Jugend verdient besondere Achtung. Es sind dies die Chaluzorganisationen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die jüdische Jugend für die Palästinaarbeit vorzubereiten. Diese Organisationen können ihre hohe Mission nur bei entsprechender Beihilfe durch Gemeindemittel leisten, wobei aber besonders zu vermerken ist, daß die zionistischen Mandatare strenge darauf achten, daß die Chaluzbewegung nicht als humanitäre Institution betrachtet werde. Von dem Budget der Kultusgemeinde in der Höhe von 5,914.815 Schilling entfallen auf das Kapitel Schul- und Unterrichtswesen 395.145 Schilling, wozu noch etwa 100.000 bis 150.000 Schilling aus dem Kapitel Fürsorgewesen kommen. Im ganzen entfallen demnach auf das Erziehungswesen etwa 550.000 Schilling, das sind 25 Prozent der gesamten Steuereinnahmen, die mit zirka 2.2 Millionen Schilling veranschlagt werden. Der Initiative der zionistischen Mandatare ist auch die Schaffung des jüdischen Jugendamtes zu danken, das den verschiedenen jüdischen Jugendorganisationen materiell und moralisch zur Seite zu stehen hat. Wir verlangen von der Kultusgemeinde, daß sie in den jüdischen Bezirken und Zentren für die jüdische Jugend schafft, in denen sie ihre freie Zeit verbringen und durch Benützung der jüdischen Bibliotheken den jüdischen Wissqnschatz erweitern kann. Wir verlangen auch die Einführung von Jugendführungen durch das jüdische Wien und Oesterreich, um die Jugend mit der heroischen Vergangenheit unserer Vorfahren vertraut zu machen. Auch das physische Wohl der jüdischen Jugend muß stets Sorge der Kultusgemeinde bleiben. In diesem Zusammenhang sei erwähnt, daß über Drängen der zionistischen Mandatare ein Teil der Augartenwiese der jüdischen Jugend zu Sportzwecken überlassen wurde. Der Rechnungsabschluß für das Jahr 1927 schließt mit einem Defizit von 250.000 Schilling ab, das Budget für das Jahr 1928 sieht ein noch größeres Defizit vor, Es unterliegt keinem Zweifel, daß man bestrebt sein muß, das finanzielle Gleichgewicht zu

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