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Die Stimme · 1928-01-05 · Heft 1 (5.1.1928) · page 9

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 1 (5.1.1928)
Date
1928-01-05
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nf. 1 DIE STIMME Seite 9 Kleine Nachrichten In Lemberg tagt zur Zeit eine Konferenz der orthodoxen Rabbiner Polens, an der auch der berühmte Rabbi von Beiz teilnimmt. Mehr als 4000 Rabbiner und G&ste sind anwesend. Auf der Konferenz sind drei chassidi*che Gruppen, die Anhänger des Beizer, des Bobower und des Skaliner Wunderrabbi vertreten. Es kam mehrfach in der Konferenz und auch auf den Straßen zu Zusammenstößen zwischen diesen Gruppen. In Berlin wurde vor kurzem die erste jüdische Kreditgenossenschaft Deutschlands begründet; sie ist unter der Firma »Jüdischer Kreditverein für Handel und Gewerbe r. G. m. b. H.*'., mit dem Sitz in Berlin NW, Levet?owstraße 12, registriert und hat den Zweck, dem Berliner jüdischen Mittelstand die zum Gewerbe und Handel nötigen Kredite zu gewähren. Das Institut wird sich auch mit dem Depositen- und Inkassogeschäft sowie dem Scheckverkehr befassen und als Sparkasse fungieren. An der Spitze des Aufslchtsrates steht Direktor Wilhelm K1 e e m a n n von der Dresdner Bank, Vorstandsmitglied der Berliner jüdischen Gemeinde. Der Präsident des britischen Chemietrusts, der bekannte Politiker Sir Alfred Mond, reist im Laufe des Monats Jänner nach Palästina, um in seiner Eigenschaft als Mitglied der Jewish-Agency-Kommission den Stand der jüdischen Aufbauarbeit zu studieren. Sir Alfred Mond hat in den letzten Wochen die Aufbringung von 20.000 Pfund zum Zwecke der Linderung der Arbeitslosigkeit in Palästina unternommen. Als ersten Beitrag erhielt er 5000 Pfund von dem bekannten jüdischen Philantropen Bernard Baron. In der Bukowina, wo in dem Gebiet zwischen Pruth und Dnjestr etwa 800 jüdische Bauernfamilien leben, wird demnächst über Initiative von Dr. Max Diamant in Czernowitz eine Konferenz jüdischer Bauern stattfinden. Für die Zeit vom 24. März bis 9. April wurde vom Missionsrat in London eine internationale Missionskonferenz nach Jerusalem einberufen. * In Genf ist, 62 Jahre alt, der hervorragende jüdische Gelehrte Dr. Israel J e 1 s k i gestorben, der aus Slonim bei Wilna stammte und lange Jahre Prediger an der Großen Synagoge in Lodz war. Er lebte seit Ausbruch des Weltkrieges in Genf. Seine Studien galten hauptsächlich der jüdischen Philosophie, Durch seinen Tod bleibt ein großanlegtes Werk über die Geschichte der jüdischen Philosophie unvollendet. Jelski zählte zu den ersten, die sich der zionistischen Bewegung anschlössen; für sie wirkte er noch in seinen letzten Lebeasjahren in der Schweiz. * Kommerzienrat George Marx, der seinerzeit die konservative Gemeinde in Königsberg in Preußen begründet hat, ist, wie aus seiner Heimatstadt berichtet wird, dortselbst im Alter von 85 Jahren gestorben. Einer seiner Söhne, Dr. Alexander Marx, ist Professor am Rabbinerseminar in New York. George Marx war der Schwiegervater des berühmten hebräischen Dichters S. J. Agnon. Beim Wettbewerb für den Bau eines Völkerbundpalais in Genf wurden die Entwürfe des Nestors der Pariser Architekten N e n o t und des Genfer Ingenieurs Julian F1 e g e nheimer in Kombination zur Ausführung angenommen. Flegenheimer gehört einer angesehenen jüdischen Familie an und ist ein Vetter des bekannten französischen Schriftstellers Edmond Fleg. * Der Reichsverband jüdischer Lehrervereine in Deutschland hielt Ende Dezember in München seinen neunten Verbandstag ab, auf dem die jüdische Schule im Vordergrund der Erörterung stand. Hauptlehrer Dr, Bamberger (Nürnberg) trat in einem Referate über die Bedeutung der jüdischen Schule für das jüdische Leben Deutschlands für die Gründung jüdischer Schulen in Deutschland ein, als deren wichtige Aufgabe er es ansieht, daß sie die Unwahrheit des von der Umwelt den Juden gegenüber angewendeten Grundsatzes »Minderheit bedeutet Minderwertigkeit« erweise. * In Warschau wurde, von mehr als 60 Delegierten beschickt, die zweite Jahreskonferenz der Zionislen-Revisionisten Polens abgehalten, bei der Wladimir Jabotinsky über die Ziele des Revisionismus referierte. Das Zentralkomitee der Zionistischen Vereinigung für Deutschland hat beschlossen, den nächsten Delegiertentag der deutschen Zionisten im Mai d. J. in Breslau abzuhalten. * In Warschau tagte die fünfte Länderkonferenz des Misrachi in Polen, der Organisation der thoratreuen Zionisten, 170 Delegierte und zahlreiche Gäste wohnten den Beratungen bei. Wie auf der Konferenz mitgeteilt wurde, geht der Misrachi jetzt daran, einen Palästina-Fonds (Keren-Israel) zu schaffen. ♦ Lee K. Frankel, welcher der Metropolitan Life Insurance Company, der größten Versicherungsgesellschaft der Vereinigten Staaten vorsteht, wurde vor einigen Tagen 60 Jahre alt. Frankel ist Vorsitzender der durch das sogenannte Weizmann-Marshall-Abkommen begründeten amerikanischen Jewish-Agency-Kommission für Palästina und hat im letzten Sommer in dieser Eigenschaft Palästina bereist. Die Vertreibung der Juden aus Wien im Jahre 1670. (Nach einem zeitgenössischen Stich.) Oberbaurat Stricker und Dr. Plasehkes legen ihre Mandate im Kultusvorstand nieder Wie wir vom zionistischen Landeskomitee für Oesterreich erfahren, ist der Parteileitung ein Schreiben der Herren Oberbaurat Rob. Stricker und Dr. Leopold Plasehkes zugegangen, in welchem diese Mitteilung davon machen, daß sie ihre Mandate im Kultusvorstand beziehungsweise im Vertreterkollegium, dem Herr Dr. Plasehkes angehörte, zurücklegen. Mit den Gründen, welche die beiden im zionistischen und jüdischen Leben Wiens markanten Persönlichkeiten zu diesem Entschluß bewogen haben, setzen wir uns an anderer Stelle dieses Blattes auseinander. Hier können wir nur unserem Bedauern Ausdruck verleihen, daß zwei zionistische Mandatare von so hervorragenden Qualitäten und reicher Erfahrung dem Vorstande der Wiener jüdischen Gemeinde verloren gehen. Oberbaurat Stricker gehörte dem Wiener Kultusvorstande ununterbrochen durch 15 Jahre an, war wiederholt Mitglied des Vertreterkollegiums und Vizepräsident der Wiener Kultusgemeinde. Dr. Plasehkes kam im Jahre 1918 in den Kultusvorstand und saß bis zu seinem jetzt erfolgten Ausscheiden im Vertreterkollegium. Die zionistische Fraktion im Kultusvorstand hatte in diesen beiden Mandataren ganz hervorragende Verfechter ihres Programmes, die mit Elan, Sachkenntnis, reicher politischer Erfahrung und wirklicher jüdischer Hingabe wirkten. Bei der Durchsetzung einer Reihe von zionistischer Forderungen standen beide Herren in erster Reihe. Ihre Tätigkeit auf diesem wichtigen Gebiet zionistischer Arbeit wird schwer vermißt werden. An die Stelle der beiden ausgeschiedenen Kultusvorstände sollen, wie wir erfahren, Herr Prof. Moses Rath und Herr Dr. Sanel Beer treten. dert fordern die Zionisten ira der Gemeinde das allgemein« Wahlrecht; die Forderung wird mit fadenscheinigen Begründungen abgelehnt. Nun hat sich aber diese Gemeinde selbst, aus den Leistungen ihrer Mitglieder, zu erhalten. Wirkliche Leistungen aber kann eine Organisation von ihren (Mitgliedern nicht bekommen, wenn sie bloß auf papierenem Zwang beruht, mag es auch zehnmall gesetzlich 'festgelegt sein; wenn sie sozusagen die Lebensaufgaben', für die sie geschaffen ist, vernachlässigt, wenn sie dem größten Teil ihrer Mitglieder keinen Einfluß auf die Zusammensetzung jener Körperschaft gewährt, welche die Gemeindeangelegenheiten verwaltet, dann wird jede Leistung als lästig, im besten Falle als Gnadengabe einer — sagen wir — Traditionspietät empfunden. Dies zeigt sich dann in erster Linie in den Finanzen und so ist jetzt eingetreten, was aus den dargelegten Gründen mit geradezu mathematischer Gewißheit vorauszusehen war: die Finanzen der Wiener Kultus gemeinde sind arg ins Wanken geraten. Für das Jahr 1927 ist, wie der ©ttdgetreferent Regierungsrat Dr. Oppeanheim in der am 28. Dezember v. J. stattgefundenen Plenarsitzung des Kultusvorstandes mitteilte, ein Gebarungsabgang von 250.000 bis 300.000 Schilling zu verzeichnen, und für das nächste Verwa'ltungsjahr steht ein Defizit von 900.000 Schilling zu befürchten. Zur teilweisen Deckung dieses Abganges hat aber die Kultusgemeinde keinen anderen Ausweg gefunden, als die T axen und Gebühren zu erhöhen, Vorläufig werden von dieser Erhöhung, die bereits am 1. Jänner 1928 in Kraft getreten ist, die Begräbniskosten und die Taxen Krupnik\ Die Finanzen der Wiener Kultusgemeinde Es 'kam, wie es kommen mußte. Eine Organisation, wie es die Wiener Kultusgemeinde ist, hat ihr wahres (Fundament nicht in der papierenen Zwangsform, sondern in der organischen Durchdringung dieser Form mit wirklichem Leben. Eine jüdische Gemeinde hat in erster Linie die Aufgabe, die 'leibendigen jüdischem Kräfte zusammenzufassen. Aber in der Wiener .Kultusgemeinde machen sich die Faktoren, welche sie beherrschen, seit Jahren den Umstand zunutze, daß diese Gemeinde laut Gesetz eine Zwangsorganistttion ist und kümmern sieb um ihre wirkliche Aufgabe nicht. Die sozialen, die kulturellen Aufgaben sind jahrzehntelang gröblich vernachlässigt worden und es bedurfte schwerer Kämpfe der zionistischen Opposition, um zu erreichen, daß in der einen wie in der anderen Hinsicht wenigstens einige der primitivsten Pflichten erfüllt wurden. In der Wiener jüdischen Gemeinde, der drittgrößten der Welt, besteht der geradezu widersinnige Zustand, daß alle in Wien wohnhaften Juden ihr gesetzlich angehören müssen, daß aber der Einfluß auf ihre eigene Gemeindeverwaltung nur einem geringen Teil der Gemeindeangehörigen gestattet ist. Denn das Wahlrecht in die Wiener jüdische Gemeinde ist heute im höchsten Grade rückschrittlich. Und ihier handelt es sich um einen autonomen Vertretungs- und Verwaltungskörper. Seit einem Vierteljahrhundas Modezentrum für den verwöhnten Geschmack bring/ faszinierende Modelle aus Paris und eigene Schalfungen für Redouten (wie Opernredoute etc. etc. Bälle, Gesellschaft Tee und Tanz) Schöne Linie, vornehme Eie ganz und! unerreicht biiliae Preise kennzeichnen unsere Erzeugnisse, nur VII, Kaiserstraße 115 Achtung, keine Filiale! ^^7^^?^?^?^

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