Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 37 (1920)
- Issue
- 7 (20.2.1920)
- Date
- 1920-02-20
- Page
- Seite 103 (sequence 15)
- Language
- German
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irr. 7 Dp. Blocht Wochenschrift zilium' stimmte dem Urteile des1 heiligen Bernhard hei, tund Iimocenz wurde für den wahren und rechtmäßigen Nachfolger des Apostel Petrus erkannt. Innocenz kam von Chartes nach Estampes', um den Einwohnern Markmale seiner Erkenntlichkeit zu geben [und wurde siodann auf Verwendung Bernhard’s von (Clairvaux vom König Ludwig VI. von Frankreich, (bald darauf' auch von dem englischen König Heinrich I. und dem deutschen König Lothar als Papst anerkannt. König Lothar führte ihn 1133 nach Rom (Und setzte ihn mit -bewaffneter Hand auf den päpstlichen Stuhl. Gleichwohl behauptete sich Anaclet II. (in der Burg des ‘.Crescentius und hatte die Peters- , Kirche und einen guten Teil der Stadt inne, und . Innocenz mußte bald nach Lothars Abzug nach Pisa £ fliehen. Anaclet ll. hatte sich trotz aller Verleumi düngen und Schmähungen, die man in satyrischen! Schriften gegen ihn verbrachte, bei der römischen; j Christenheit als Papst behauptet und den Gegenpapst | Innocenz II.. in der Würde überdauert. Nach Anaclets Tod (1138) wurde der Kardinal Gregorius als (Viktor III. zum Papste gewählt. In der großen Lateran-Synode (1139) wurden die päpstlichen Erlässe Anaclets II. für ungiltig und seine Lehren als ketzerisch erkläret; Peter von Bruys, Arnault von Brescia Und Roger von Sizilien sowie sämtliche Anhänger des' jüdischen Papstes in den Bann getap. und verdammt. Papst Anaclet II. verstand eS, seine Familie mit der allergrößten und edelsten römischen Familie Frangipani. zu verbinden,indem er seine Schwester [mit einem Mitgliede aus der Fürstenfamilie Frangipani verheiratete. Allgemein ist auch die Sage, die teich im ganzen Mittelalter erhalten, daß das Haus Habsburg aus dieser jüdischen Verbindung aß stamme. Ein Sprößling aus der Ehe des Frangipani und seiner Frau Pierreleoni soll nach der Schweiz ausgewandert und dieser soll ein Gründer des' Hauses ,Habsburg sein. Reich an Würden und hoher kirchlicher Stellung war auch Salomo Halevi, der 1391 in‘fseinem veirzigsten Lebensjahre zum Christentume übertrat und den Namen Paulus' annahm. Paulus Burgensis. huch de Santa Maria genannt, stieg, vom Papste Benedikt XIII. begünstigt und gefördert, immer höher und höher: er wurde Bischof von Cartagena, Kanzler von Kastilien und Geheimrat des Königs Don Heinrich III. Im Jahre 1414 wurde er zum "Erzbischof Und Primas von Spanien ernannt. Der Tag seines . Einzuges in seiner Vaterstadt Burgos, wo er früher als Rabbiner fungierte, war ein Freudentag für die ganze Stadt; die ganze Bevölkerung ging ihm entgegen. Seine betagte Mutter und sein geliebtes Weib — die Einzige von der ganzen Familie, die dem Judentums treu geblieben, begrüßten ihn zuerst im erzbischöflichen Palast. Paulus war als Erzbischof groß [und berühmt, größer aber noch als Staatsmann. Er, der Großkanzler, übte auf die Person des Königs einen so mächtigen Einfluß aus, daß dieser, obwohl von Alvaro del Luna ganz beherrscht, dennoch keine wichtige Angelegenheit ausführte, ohne zuvor „seinen Paul“ um Rat gefragt zu haben. Eriwar der größte [und angesehenste aller spanischen Erzbischöfe. Soll doch der Papst Eugen IV. ausgerufen haben: „Ganz gewiß, wenn Burgos' Bischof an unsem Hof käme, wir würden mit Schande zurücktreten und ihm den Stuhl Petri überlassen.“ Paul de Santa Maria befleckte seinen Ruhm daudrch, daß er seine einstigen Glaubensgenossen mit dem tödlichsten Hasse verfolgte und Dekrete gehässigster Art gegen sie zu bewirken suchte. Zwei der mächtigsten Stützen der Kirche, And- feiet II. und Paulus Burgensis, sind aus dem Juden!- tume hervorgegangen. Es ließen sich noch viele andere Fälle aus der Geschichte nachweisen, in wie vielen Adels- und Fürstenfamilien jüdisches Blut fließt. Charakteristisch für diese FamihenVerbindungen ist die bekannte Erzählung aus der neueren Geld. Jahrhunderts der König Joseph von Portugal den schichte. Als noch in den siebziger Jahren des! Befehl ergehen ließ, daß alle seine Untertanen, welche von Juden abstammen, gelbe Hüte tragen sollten, erschien sein mächtiger Minister,* der Marquis von Pombal, mit drei gelben Hüten unter dem Arm bei seinem Könige. Lächelnd fragte ihn der König, was er denn mit diesen Hüten machen wolle? Worauf ihm der die Jesuiten hassende Minister allen Ernstes! erwiderte: „Den einen Hut habe ich für mich, den andern für den Großinquisitor und den dritten für den Fall, daß Ew. Majestät sich bedecken wollten.“ Bar Mizwa. Von Ludwig Philippsohn!. ' Die Nacht hatte ihren sternbesäeten Mantel um die Erde geschlagen. Es war eine heilige Ruhe gebreitet über Flor und Stadt. Es war eine Nacht vom Freitag zum Sabbat. Da ging der helle Vollmond auf und schien durch die spinnwebbedeckte Scheibe eines kleinen Fensterchens in eine Dachkammer. Darinnen wars still und feierlich,., und nur das leise, süße Odemschlürfen der Jugend, wenn sie Schläft, hätte man hören können. Aber es war niemand daselbst, außer dem Knaben, der auf dem Bette ausgestreckt lag und schlummerte. Stille, Mondesstrahl und der schlafende Knabe. Sein Haupt lag auf einer Fülle schwarzer Locken, die sich im Nacken wie ein Kissen ballten. Es ist die Nacht vor dem Sabbat, der'auf seinen dreizehnten Geburtstag folgte, und da er am andern Morgen vor der versammelten Gemeinde an geweihter Stelle zum erstenmale den Segensspruch auf dis Kleinod seines Stammes und der ganzen Menschheit, auf die pergamentene Rolle der Tora sprechen und damit die Pflichten eines jüdischen Mannes übernehmen soll. Schlummere nur, träume nur, — es sind schwere Pflichten, große Kämpfe, die eines rechten jüdischen Mannes, und wem viel gegeben ist, der soll noch mehr zurückgeben... Niemand ist da außer dem schlafenden Knaben. Doch siehe, da kommen I sie. Die Tür öffnet sich nicht, das Fensterlein klirrt j nicht, aber sie kommen, und beim Vollmondstrahl, j da die Glocke zwölf schlägt, in der Sabbatnacht vor j der „Bar-Mizwa“ kann man sie schlürfen sehen, kann man sie flüstern hören... Sie kommen. Viel Männer, viel Frauen. Es sind die Väter, Großväter und Urgroßväter, es sind die Mütter, Großmütter und Urgroßmütter, die da kommen und eintreten, ohne daß das Fenster klirrt oder die Tür aufgeht, in dieser Nacht vor der „Bar-Mizwa“. Sie sammeln sich iura das Bett, des Knaben, der am andern Morgen den Segen sprechen soll auf das Sepher... Siehe, da teilt sich der Haufe, und heran tritt der Ahn des Hauses — Jahrhunderte deckt die Erde seine Gebeine schon. Eine hohe hagere Gestalt, mit langem, grauen Seidenkaftan angetan, einen dunkelgrünen Bund um den Leib gegürtet,. eine hohe Pelzmütze auf &eaa Haupte; grau .fallen die langen Locken tief über