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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1920-02-20 · 7 (20.2.1920) · p. Seite 95

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
37 (1920)
Issue
7 (20.2.1920)
Date
1920-02-20
Page
Seite 95 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 7 Saite 95 Drv Bloch’s Wochenschrift ' Schon auf das erste Wert soll' man achtgeben, ' pflegt ein gutes jüdisches1 Wort zu sagen. Gleich sein erstes Wort ist aber eine blutige Se^bstankläge, (als wollte sie ein anderes Sprichwort umkehl en: Qui s’accuse s’excuse. „Ger Wiener Kultusvorstanl,“ S'o beginnt der Artikel, „ist ein Hindernis au! den (Wege .zur Befreiung aus dem Ghetto, und dieses Hindernis muß gründlich demoliert werden.“ Wer lacht da? Oder eigentlich: wer lacht da nicht? Ist es nicht fast zum Gemeinplatz geworden, daß es gerade die Jüdischiiatiohalen sind, die mit ihren Aspirationen und Ambitionen in der Katastrierung der Juden als besondere Nation den Schwerpunkt ihrer Politik verankert haben und, sich daran krampfhaft anklammernd, uns Juden wieder den gelben Fleck anheften und in ein selbstgewähltes Ghetto zurückschleuder wollen? Ich rechte an dieser Stelle nicht damit; es würde zu weit führen; allein die allgemeine Meinung Zeugt dafür, daß hier der Autor ohne viel Kopfzerbrechen den Spieß einfach umgedreht hat, an dem jedoch nicht der jetzige Kultusvorstand, sondern, der dem jüdischnationalen Programm gemachte Vorhalt und sein Gehaben zappelt. Bas zweite Hauptlämento gilt der Situation, der Gemeinde. Sie ist in Hot, ihre Finanzen sind zerrüttet, die Angestellten verhungert, ihre Fürsorgeänstalten Beklemmungen ausgesetzt. Mit Verlaub. Das trifft wohl zu, ist aber gewiß nicht dem Regime an- Zulasten. Wo gibt es hierzulande eine Institution — vjotm Staate angefangen bis zum kleinsten Vereine, .und gewiß jene der jüdischnationalen Organisationen nicht ausgenommen — die nicht notleidend und nicht finanziell bedrängt wäre? Wo sind Finanzen, die nicht erschüttert,, wo Beamte und Lehrer, die nicht verhungert sind? Wo Spitäler und'Versorgungshäuser, Sdie nicht durch das Elend der Zeit erwürgt werden? Müßte doch selbst der Rettungsgesellschaft die private Mildtätigkeit beispringen. Auch unsere jüdischen Institutionen teilen das traurige herbe Geschick dieses zerschmetterten und verbettelten Landes; auch wir- Juden, wir. bodenständigen Juden .zumal, sind unter dem Zusammenbruch mit begraben worden, mag auch Haß und Schelsucht, Verfolgungswut und politischer Krakehl uns Kriegswucher und Schiebertum in die Schuhe — schieben. Auch wir Juden sind verarmt und notleidend und zermürbt worden. Worauf aber stützt sich der Pfeiler jener Behauptung, daß zur jüdischen Jugend keine Brücke für uns führe? Ich sehe und merke nichts, daß dieser Brückenkopf, dessen Wacht die Rabbinen mit ihrem Oberhirten zu beziehen haben, abgebrochen wäre. Freilich, mit Kraftmeierei, Fußball und sonstigem völkischen Sport ist der Vorstand zu wenig vertraut; dazu ist er allerdings',N wie man in diesen Kreisen zu sagen pflegt, nicht gehörig in Form; darauf ist er nicht trainiert. Die Schlußpointe aber unterschreibe ich gerne. (Nicht damit kann uns geholfen werden, wenn wir luns zersplittern und uns unter allen möglichen Parteiungen verbergen, sondern nur dann ist zu keifen, wenn sich alle jüdischen Kräfte in einem Lager zusammenfinden. Indessen, was hemmt diesen Zusammenschluß, was hindert diese Vereinigung? Das Bekenntnis, nur dieses allein, daß sie nur dann möglich ist, wenn wir uns auf dem Boden des Volkstums treffen. Das aber bestreite ich, das be drei en alle jene, die auf dem entgegengesetzten Standpunkte ver- (h^arren und meinen, daß es nötig ist, daß sich alle Juden — nach wie vor — auf dem gemeinsamen Boden unserer Glaubensgemeinschaft zusammeuscharen. Dies hat die Wiener Gemeinde groß gemacht: die Politik des offenen Herzens und der offenen Hand, die tarn alle Glaubensbrüder das Band der Zusammengehörigkeit geschlungen und damit die Großgeme nde „nicht allein zum Brennpunkte des Wiener jüdischen Lebens“, sondern zum Spiegel und glitzernden Juwel der jüdischen Weit geschliffen hat. Dem verdankt sie die gewaltige Anziehung, die sie sieghaft von jeher auch auf jene Schicht ausübt, in deren Lager der Herr Ger.einderat zum Häuptling erkoren und auf den Schild gehoben wurde. Zusammenschluss der orthodoxen iudenschaft : Wiens. Aus orthodoxen Kreisen wird uns berichtet: Seit vielen Jahren gehen die Bestrebungen der in Wien wohnhaften orthodoxen Juden dahin, eine Organisation zu schaffen, welche ihre Interessen vor der gesamten Oeffentlichkeit vertreen soll. Alle diese Bestrebungen scheiterten ater an dem Mangel an Disziplin und dem sich daraus ergebenden Zusammengehörigkeitsgefühl unter den gesetzes treuen Juden; infolge kleinlicher Meinungsverschiedenheiten in Bezug auf Nebensächlichkeiten kenn’e eine gemeinschaftliche Organisation nicht geschaffen werden. So kam es, daß viele Tausende orthodoxe Juden keine Vertretung im amerikanischen Hilfskomitee haben und ihre Wünsche bei der Verteilung der Mazzoth, des Roscherfleisches, in Fragen des ri tu eben Bades und des Tempeldienstes unberücksichtigt blieben. Diesem unhaltbaren Zustande abzuhelfen, vere'nigten sich am 10. d. M. die Vertreter von 19 orthodoxen Bethaus¬ und Tempel vereinen im Lokale des Vereines Machsikeh Hadath, II., Schiffamtsgasse 20 unter Vorsitz des Obmannes Herrn Jakob März und beschlossen, in einer Resolution die Wahl eines Komitees, das eine Organisation aller gesetzestreuen Juden schaffen soll. Die Resolution lautet folgendermaßen: Die gesetzestreuen Juden Wiens' haben keine offizielle Vertretung, weil sie keine Organisation' haben. Die Notwendigkeit feiner solchen Organisation erscheint aus dem Grunde geboten, i weil ein großer Teil der Wiener Juden ein besonderes Interesse daran hat, daß die jüdischen Institutionen im echt jüdischen Geiste auf Basis des'Schulchan Aruch geleitet Und erhalten werden, und daß die Vertreter einer zu schaffenden Organisation der gesetzes treuen Juden in Angelegenheiten, wie Erziehung, Religionsunterricht, soziale Fürsorge, Friedhofs wesen, Tempelführung und Beschaffung von Ritualien mitberaten uni mitbestimmen. Die heute versammelten Vertreter von 19 Bethaus- und Wohltätigkeitsvereinen verschiedener Richtung streben die Schaffung einer solchen Organisation an und werden zu diese n Zwecke ein Vorbereitungskomitee aus ihrer Mitte wäh'en, welches' die Grundlagen zur Zusammenfassung und Vereinigung der gesetzes treuen jüdischen Elemente Wiens schaffen soll. Die Versammelten erklären gleichzeitig, daß die von einigen Leuten eines BethausVereines für sich in Anspruch genommene Führung der Wiener Orthodoxie nicht zu Recht besteht, denn dieie Leute vertreten bloß einen Teil ihres Vereines und haben entschieden kein Recht, im Namen der gesamten Wiener Orthodoxie, welche aus vielen Zehntausen-

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