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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1920-02-20 · 7 (20.2.1920) · p. Seite 93

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
37 (1920)
Issue
7 (20.2.1920)
Date
1920-02-20
Page
Seite 93 (sequence 5)
Language
German
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Dr. Btocü’s Wochenschrift Safte 93 Nr. 7 Ein Protest der Araber gegen die pro-zionistische Politik. Die muselmanischen lind christlichen Araber Palästinas haben in einem an den Papst gerichteten Memorandum gegen die pro-zionistische Politik der englischen Regierung protestiert, wie auch ge~en die . Balfourdeklaration bezüglich der Schaffung eines jüdisch-nationalen Heims in Palästina. In dem Memorandum wird auch die kuriose Behauptung aufges 'eilt, daß die englische Regie .ung jüdischen Bois che .vis len die Niederlassung in Palästina gestattet. Zum Schluß erklären die Araber, daß sie nicht gestatten werden, daß die Zionisten sich in „ihrem,“ Lande festsetzen. Die Not in Ostgal&sen. Eine Interpellation im polnischen Parlament berichtete : Die (ukrainisch-jüdische) Bevölkerung Ostgaliziens stirbt in Massen. Es sind ganze Dörfer ausgestorben und die polnische Regierung gewährt keine Hilfe, liefert nicht einmal Holz zur Heizung der Spitäler, keine Kohlen für die Desinfektionsanstalten und kein Geld zur Bekämpfung der Epidemie. In Stanislau sind die Kranken in Hotels untergebracht. Bisher sind 100.000 Typhusfälle festgestellt, darunter 10.000 mit tödlichem Ausgang. Die Statistik ist jedoch ungenau, weil die wenigen £ezLe, die gegenwärtig in Ostgalizien vorhanden sind, in die entlegenen Dörfer nicht gelangen kennen. Um die dort Erkrankten kümmert sich niemand. In Tainopol sterben täglich 70 Personen an Typhus. , Die wirtschaftliche Konsolidierung der Juden Litauens. Auf Initiative des litauischen Ministeriums für jüdische Angelegen’:eilen wird die besonders wichtige wirtschaftliche Konsolidierung der Judenfcelt Litauens in die Woge ge'ei et. Das jüdische Ministerium geht von der Ansicht aus, daß der Aufbau der jüdischen Autonomie nicht nur von der Sicherung der äußeren Rechte für die jüdische Bevölkerung abhängt, bondem die Vereinigung der verschiedenen Schichten der jüdischen Bevölkerung in wirtschaftlicher Hinsicht erfordert. Das Ministerium weist darauf hin, daß nur das genossenschaftliche Prinzip das1 wirtschaftlich schwer getroffene litauische Judentum kräftigen kann. Als Körper dieser genossenschaftlichen Tätigkeit sollen jüdische Volksbänken fungieren, welche in vielen Orten bereits begründet sind, in anderen jetzt gegründet werden. Sie sollen die Rolle von Finanrinstituten für die gesamte produktive Arbeit der jüdischen Bevölkerung haben. Zuerst soll ihre Tätigkeit vorwiegend e‘ne vermittelnde, sein, indem sie die nötigen Verbindungen mit dem In- und Auslande schaffen, um für ihre Mitglieder sowohl zum Gebrauch wie zum Wiederverkauf notwendige Waren einzuführen und auch die Ausfuhr von exportfähigen Waren, aus Litauen zu vermitteln. Ferner sollen sie Rohstoffe, Werkzeuge, Maschinen und auch Arbeitskräfte aus erster Hand -besorgen. Außerdem jedoch sollen die jüdischen Volksbanken den Eintritt der litauischen Juden in die Landwirtschaft ermöglichen Und - erleichtern. Zu diesem Zwecke haben sie das Recht des Landkaufes und der Parzellierung. Um den Banken möglichst weitreichende Beziehungen, zu schaffen, sollen sie vorwiegend mit genossenschaftlichen Vereinigungen wirtschaftlicher Art in Verbindung treten, so daß auf diese Weise das genossenschaftliche Prinzip nach Möglichkeit verbreitet und, verbreitert wird. Speziell die Frage der landwirtschaftlichen Tä!» tigkeit der jüdischen Bevölkerung in Litauen ist von! großer Wichtigkeit und wird auch vom jüdischen Ministerium so aufgefaßt. Es ist bekannt, daß schon vor dem Kriege die Zahl der Juden, welche in verschiedenen Zweigen Mer Landwirtschaft Litauens' beschäftigt waren, ziemlich bedeutend war. Der Krieg hat ihre Zahl vergrößert, zumal dieser Wirtschaftszweig besonders einträglich wurde. Das jüdische Ministerium will nun alles daran setzen, um die Zahl der landwirtschaftlich Beschäftigten in Litauen zu vergrößern. Es versendet auch an sämtliche Gemeinden, wo Juden wohnen, Fragebogen, in welchen angefragt wird, ob einze ne oder Genossenschaften sich der Landwirtschaft widmen wollen. Die litauische Regierung will allen in die Landwirtschaft neu Eintretenden Erleichterungen beim Bodenerwerb ermöglichen, außerdem sol en die bereits erwähnten Volksbanken, als deren Zen.rate eine jüdische Zentralbank! fungieren wird, an der auch ausländisches jüdischest Kapital interessiert ist, die nötigen Kredite für landwirtschaftliche Arbeit, besonders an Genossenschaften* in weitgehendem. Maße gewähren. All diese Bestiebungen zeigen deutlich, daß der rege Geist der litauischen Juden sich sehr schnell das für die Weiterentwicklung der Judenheit Osteuropas so notwendige Prinzip der Beryfsumschichtung zu eigen gemacht hat. Die Rache der amerikanischen Juden. Wer in den Volksvierteln von Warschau gewesen ist, wer die erschreckende Armut in Warschau gesehen hat und weiß, was man jetzt in der polnischen Hauptstadt für eine normale Mahlzeit bezahlen muß, der begreift, daß dort schwer Hunger gelitten wird, so schreibt der auf einer Reise durch Polen befindliche Korrespondent Georg Nypels im „Allgemeeni Handelsblad“. Am ärgsten leiden uncer der Not die jüdischen Volksmassen, deren sich das jüdisch-amerikanische Hilfskomitee annimmt. Aber die Aufgabe, den Juden im Osten zu helfen, wird, so erklärt Bankier Hirschfeld, der die Aktion leitet, allmählich zu schwer für die amerikanischen Juden allein, hier müßten alle Juden der Welt mithelfen, und zwar schnell. Unter den vielen philanthropischen Einrichtungen, die mit jüdisch-amerikanischem Gelde betrieben werden, ist eine merkwürdig genug: es ist das Haust in Warschau, in dem die russischen Flüchtlinge an langen Holztischen eine warme Mahlzeit äfür 21/2 Mark ohne und für 3Y2 Mark frnit Fleisch (einei'solche Mahlzeit kostet in einem gewöhnlichen Gasthaus 8 bis Iß Mark) erhalten. Bei einem Diner jüdischer Notahelot der beiden Weltteile, an den ich als einziger Nichtjude teilnahm, wurde einer der amerikanischen Finanziers von polnischen Juden mit einem Erstaunen, aus dem zugleich deutlich ein Verweis klang, gefragt, wie es möglich war, daß die-amerikanischen Juden Geld gaben, um die erbittertsten Feinde der Polen und Juden zu verköstigen. Man erzählte mir, daß an den Holztischen in dem erwähn'en Hause gewesene Kammerherren des Zaren Sekretäre zaristischer Minister, Angehörige des russischen Adels, kurz Leute essen, von denen manche früher in glänzenden Uniformen stolz durch Warschaus Straßen schritten als Todfeinde der Polen und Juden. Am nächsten Tag» konnte ich auch diese Herrschaften beim Speiset» sehen. . , ,; , _ . .. , . . , '.v^>v»t'n»»nM«»w»wrKfFgiwp»

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