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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1920-02-20 · 7 (20.2.1920) · p. Seite 92

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
37 (1920)
Issue
7 (20.2.1920)
Date
1920-02-20
Page
Seite 92 (sequence 4)
Language
German
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Saitö 92 Dr. Bloch’s Wochenschrift Nr, I feen Beschluß und bat dann in ruhiger und sachlicher (Weise seine Hörer, mit ihm darüber zu beraten, an welchem Ort das Kolleg vielleicht doch in der von ihm vorgeschlagenen Weise abgehalten werden könn'e, . da er auf seinem Wunsch, auch nichtimmatrikulierte Hörer zuzulassen, bestehen müsse. Die Antwort war ein Biesenskandal von seiten einer Gruppe von alldeutschen Studenten, die sich in Rufen wie „Jude“ und ähnlichen austobten. Darauf erklärte Professor Einstein, daß er sein Kolleg ab sage und die Rückzahlung der bereits eingezahlten Kollegiengelder veranlassen werde. Demgegenüber verdient hervorgehoben zu werden, wie man im Auslande, namentlich in der. iwissenschaftlichen Welt Englands, den Schöpfer der Relativitätstheorie ehrt. InCambridge haben sich die Studenten im Queue angestellt, um zu den Vorlesungen, die Professor Eddington im Trinity-Collegium über die Einsteinsche Relativitätstheorie hält, Zutritt (zu erlangen. „Als oh es sich um Lebensmittel bandeln würde,“ heißt es in dem Bericht eines englischen Blattes. Ferner hat die britische Akademie der Wissenschaften in London beschlossen, dem Professor Einstein für seine wissenschaftlichen Leistungen die goldene Medaille zuzuerkennen. I Antisemitismus an der Karlsruher Hochschule. An. der Karlsruher Technischen Hochschule war infolge der Berufung des wissenschaftlichen Leiters1 (der Auergesellsehaft, Dr. Max Meyers, auf den chemisch-technologischen Lehrstuhl zwischen Rektor Und Senat einerseits und dem Ausschuß der Studentenschaft anderseits ein Konflikt ausgebrochen, den feur Auflösung des letzteren und zur Schließung des chemisch-technologischen Instituts sowie zum Generalstreik der Studentenschaft geführt hatte. Die Studentenschaft an der Technischen Hochschule hat faämlich an den Direktor Max Meyer in Berlin ein Schreiben gerichtet, daß sein Erscheinen an der Hochschule als Semit unerwünscht sei und daß, falls er } jder Berufung dennoch Folge leisten würde, er die Folgen tragen müsse. Dr. Meyer übergab diesen Brief dem Rektor und Senat. Wie es heißt, ist der Konflikt nunmehr beigelegt. Die Studentenschaft gab die Erklärung ab, daß sie keine Teilnahme am Beruf ungsrecht will und den Schritt, der entgegen ihrer Abfeicht ein Eingriff in das Berufungsrecht bedeutete, bedauert. Rektor und Senat haben daraufhin die verfügten Maßregeln aufgehoben. Das Ministerium für Kultus und Unterricht hatte das Vorgehen der Studentenschaft auf das schärfste verurteilt. — Uebrigens hat Dr. Meyer die Berufung abgelehnt und. verbleibt bei der Auergesellsehaft. Christliche Erfahrungen mit Juden. Ein Kriegserlebnis als Beitrag zur Charakteristik der Juden veröffentlicht das Mitglied der National verfeammlung Nikolaus Osterroth in der Dresdner- „Volkszeitung“. Osterroth schreibt: Nicht die Farbe der Haare und der Haut, nicht die Form der Nase (machen den Menschen, sondern seine Gesinnung. Ich lag im Weltkrieg an der polnischen Grenze nahe (bei dem furchtbar heimgesuchten Kalisch mit seiner größtenteils jüdischen Bevölkerung, deren jämmerliche Heime der Krieg zerstörte, deren kümmerlichen Erwerb er vernichtete. Im Sommer 1915, als die Kirschen reiften, mietete ein kinderreicher alter kranker Jude an der Straße nach Kalisch eine Anzahl Kirschbäume, um durch Ransel seinen Unterhalt zu verdienen; Die Soldaten stibitzten ihm eines Abends! vor dem Gefangenenlager die Kirschen, und auf seine! Hilferufe mißhandelten sie ihn obendrein, in der scheußlichsten Weise. Ich nahm ihn in Schutz und wollte die Frevler auch zur Strafe melden. Der alte Jude vereitelte es. Eine Woche später brach die Ruhrepidemie aus und ich wurde krank ins überfüllte Revier eingeliefert. .Mit mir einer der Peiniger des alten Juden. Irgendwie erfuhr dies der alte Jude. Von da' an bis zu unserer Genesung erschien er jeden Morgen am Fenster und brachte nicht allein mir, sondern! auch seinem Peiniger Milch und Weißbrod, wobei er sich in der beharrlichsten Weise weigerte, eine Bezahlung anzunehmen. Wer sieht in solchen Zügen! . nicht das Gharakterbild des Lessingschen Nathan? Im Frühjahr 1917 in der schlimmsten Kohlrübenzeit wurde ich von meiner Organisation reklamiert, um! meine gewerkschaftliche Tätigkeit auszuüben, zu der auch die Rechtsschutzerteilung gehörte, die von den! Aermsten der Armen, den Kriegskrüppel, den! Kriegswitwen und Kriegswaisen in besonderem Maße in Anspruch genommen wurde. Zur Linderung großer Not mußte ich oft den Bettelsack schwingen für meine Schützbefohlenen. An jüdischen Türen habe ich nie vergeblich geklopft im Gegensatz zu christlichen begüterten Gesellschaftskreisen. „Christliche“ Barmherzigkeit habe ich in der Regel und vorbehaltlos! nur bei Juden gefunden.- Ein'Kaufmann jüdischer Abstammung aus meiner Bekanntschaft hat in strengster. Anonymität Wagenladungen billiger Friedensware teils! unentgeltlich, teils zu Friedenspreisen meinen Armen! gegeben, statt sie, wie Andere, zu Wucherpreisen! zu verkaufen. Große, vor der ich den Hut ziehe-, weil icli sie in diesem Ausmaß nur bei Juden fand. Und darum verwundert mich, den Sozialdemokraten mit streng-christlicher Jugenderziehung, den ringenden! und kämpfenden. Proletarier,- die Judenhetze umso schmerzlicher, weil ich sehe, daß sie wirkt auch in: den verhetzten und irregeleiteten Arbeitermassen. Ist es ein Zufall, daß bei den Plünderungen in rheinischwestfälischen Großstädten die spartakistischen Ver» brecheihaufen Ausziehen mit der Parole: „Gegen die Juden!“ So wirkt das schamlose Treiben der deutsch!- * nationalen Demagogen bei ihren Klassenanhpoden. Die Schuld fällt zurück auf die intellektuellen Urheber. Die Schmach aber flammt ihnen nicht mehr übers Antlitz, weil sie der Menschheit Bestes, das: Schamgefühl, verloren haben,“ Eine Bekanntmachung der Polizeidirektion Baselland. Folgende Bekanntmachung ist im Polizeigebäude in Liestal angeschlagen: „Polizeidirektion Baselland. Die eidgenössische Zentrale für Fremdenpolizei macht darauf aufmerksam, daß aus den östlichen Gebieten! Europas,, namentlich aus Polen, ein Andrang vonl Juden, welche die Einreise in die Schweiz nachsuchen,; zu erwarten sei. Zur Fernhaltung dieses' Zustromes empfehlen wir Ihnen, die Einreise solcher unerwünschter Elemente durchwegs ablehnend zu begutachten,'. Polizeidirektion: gez. Grieder.“ Wenn sich ein solcher Erlaß gegen die Zuwanderung; unerwünschter Elemente im allgemeinen richtet, so wird kein vernünftiger Mensch etwas dagegen einzuwendete haben. Richtet er sich aber nur gegen Juden,, so ist daä eine einseitige Ungerechtigkeit, .gegen, die nicht genug Front gemacht werden kann.

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