Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1920-02-20 · 7 (20.2.1920) · p. Seite 91

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
37 (1920)
Issue
7 (20.2.1920)
Date
1920-02-20
Page
Seite 91 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/3020846-3022397-3022405--28285-3053731
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr.? D'r. Bloch’S Wochenschrift Seite« 9 i geh der See entlang beizeiten bis än die Ostsee hinaufzugelangen. Der blende Typus dagegen hat eine helle Haut, blaue Augen und blondes oder ro.es Haar. Heber seine Herkunft läßt sich heute noch fast nichts mit Bestimmtheit sagen. Nur soviel scheint festzustehen, daß die blonden Juden besonders häufig in Gesellschaft der blenden Nordgermanea und der blonden Ostslawen erscheinen. Kollmann neigt auf Grund der bis jetzt vorliegenden Tatsachen zu der Auffassung, daß der Monde Typus ebenso wie der brünette schon auf asiatischem Boden und in sehr alter Zeit aus einer unbekannten Grundform entstanden ist, aus denselben Ursachen und gleichzeitig mit den übrigen blonden und brünetten Formen der nichts-semitischen Völkerrassen Europas. Er hält auch die brünetten Juden, mögen sie langgesichtig und schmalköpfig oder breitgesichtig und kurzköpfig se’n, untereinander für näher verwandt als mit den entsprechend gesiehtigen und köpfigen blonden Juden. Nun gibt es aber auch schwarze und gelbe Juden. Die schwarzen Juden (Malabar, Admiralitätsinseln, Bismarckarchipel, Loangoküste, Abessinien) kommen innerhalb der schwarzen, die gelben (Cochin, China, Japan), innerhalb des Verbreitungsgebietes! der gelben Rasse vor und setzen sich, ebenso wie die weiß^ Mutigen Juden, aus Land-, Mittel- und Kurzschädeln, Schmal- und Breitgesichtern zusammen. Wie steht es mit ihrer Genese? Kollmann drückt sich in diesem Punkte ziemlich dunkel aus. Klar wird bloß, daß seiner Ansicht nach die farbigen Juden mit der jüdischen weißhäutigen Rasse überhaupt nichts zu ftjun habe. Er will sie vielmehr, soweit sie heute leben, als Abkömmlinge eines Ausläufers der gelben Und schwarzen Rasse betrachtet wissen, der sich in der gleichen Richtung entwickelt hat wie der jüdische Ausläufer des weißhäutjgen Menschentyps. Kollmann steht, so schreibt Adolf Koelsch in der „Vossischen Zeitung", wie mit seinen übrigen Ansichten über' Rassengeschichte des Menschengeschlechtes', auch mit diesen sehr isoliert und dürfte für die Zukunft einen um so schwereren Stand haben, ials mit Fischers' Versuch, die menschlichen Rassenmerkmale als Haustiermerkmale zu erklären, ein gangbarer Weg für die Aufhebung des schwierigen Rassenproblems gefunden zu sein scheint. Vom Jahrmarkt <Ps Lebens. So waren unsere Diplomaten. ' In der christlich-sozialen Zeitschrift „Das Neue Reich“ paradiert ein ehemaliger k. u. k. Gesamt er .Hamens Graf Otto Czernin — nicht zu verwechseln mit Ottokar Czernin, dem man trotz aller Vorbehalte eine solche Verwechslung doch nicht anlun möchte — mit einem selbstangebauten Kohl über die zersetzende Rolle der Juden und über ihre planmäßige Zerstörungsarbeit, die allein das alte Reich in den Abgrund gebracht hat. Es lohnt sich nicht im mindesten, auf. den Unsinn einzugehen, den man übrigens sehen früher auf christlichsozialen Bierbänken von Misteibach foder Scheibbs genau, in derselben Fassung hören konnte; es sei nur die Aufmerksamkeit darauf gelenkt, daß der Mann, der im „Neuen Reich“ derartige poli Ische Kolporlageromantik zum besten gibt, tatsächlich ein k. u. k. Gesandter, also ein altösterreichischer Diplomat gewesen ist. Und so ein alter österreichischer Diplomat ist imstande, folgenden Satz niederzuschreiben: „An der Petersburger Zeitung ftNowUje Wremja*, ohne die es vielleicht nie zum Weltkrieg gekommen wäre, war deutschjüdisches Kapital hervorragend beteiligt. Sie war das Zentrum des Fremdenhasses, ein einträgliches Geschäft der Ausbeutung der fremdenfeindlichen Instinkte.“ Es hat also, wie aus diesem Satze zwingend hervorgeht, österreichische Gesandte gegeben, die keine Ahnung batten, daß das führende Blatt des russischen Nationalismus und Imperialismus zugleich die Brutstätte des russischen Antisemitismus gewesen ist, daß es dem mächtigen Panslavistenfiihrer und vielfachen Millionär Suworin gehörte, daß seine Gründung auf den großen Agitator des allrussischen Panslavismus Katkow zurückgeht, daß es besonders in den letzten Jahren vor Kriegsausbruch neben der Deptschenhetze auch die Judfenhetze schürte und die „Schwarzen Hundert“. begönnerte. Von solchen Gesandten sind wir also vertreten gewesen und solcherart waten unsere Diplomaten unterrichtet. Kein Wunder, daß es dann so ausgefallen ist, und daß sich die armseligen Herrschaften, die am Ende wirklich glauben, daß sich die Weltgeschichte nach der Logik eines Kinodramas abspielt, jetzt auf die dämonischen Satansintrigen der jüdischen Weltverschwörung ausreden müssen. Antisemitismus und Arbeiterschaft. Der Zentral verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens veranstaltete in Berlin eine von zirka 1800 Personen besuchte Versammlung mit dem Thema: „Antisemitismus und Arbeiterschaft“. Als erster Redner sprach Herr Oswald Riedel, Generalsekretär des Allgemeinen Eisenbahnerverbandes. Vom Partei vors fand der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands sprach Herr Adolf Ritter. Als letzter Redner sprach für die Fraktion der U. S. P. in der Nationalversammlung! Herr Fritz Z u b e i 1. Alle lehnten den Antisemitismus in entschiedenen Worten ab. Zum Schluß ergriff Dt. Wiener vom Zentralverein das Wort, um die neuesten Nachrichten vom antisemitischen Kriegsschauplätz mitzuteilen. Es hat sich eine .neue Partei gegründet, die sich deutschsoziale! Freiheitspartei nennt und mit großen Geldmitteln arbeitet, um die Arbeiter an sich heranzuziehen. Außerordentlich.bedenklich ist es, daß die Verhetzung in der Jugend einen besonders hohen Grad en eicht hat. Dem Schweigestreik in Halberstadt hat sich ein solcher in Augsburg angeschlossen, demzufolge sich die christlichen Schüler weigern, mit jüdischen Schülern zu sprechen. Die Nachrichten, die aus Hamborn vorliegen, zeigen, daß von den dortigen. Plünderungen hauptsächlich jüdische Geschäfte betroffen worden sind. Auch die Berichte aus Ostpreußen zeigen, bis zu welchem Grade die Verhetzung in der jetzt leicler abgeschnittenen Provinz gediehen ist. Aus alledem ,geht hervor, daß ein Zusammenschluß der deutschen Juden in dieser gefährlichen Zeit wichtiger ist als je. Deutschnationaler Respekt vor der Wissenschaft. Ueber beschämende Zwischenfälle bei einer Vorlesung Einsteins wird aus Berlin berichtet: Durch Exzesse antisemitischer Studenten ist eine Vor’esung Professor Einsteins zum Schauplatz wüster Szenen geworden. Professor Einstein hatte gewünscht, daß seiner Vorlesung auch nichtimmatrikulierte Hörer beiwohnen können. Der Studen'enausschuß kam dagegen zu einem ablehnenden Beschluß. Zu Beginnseiner Vorlesung bedauerte Professor Einslein, die-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.